Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Herbstgedanken

„Es gibt eine Stille des Herbstes bis in die Farben hinein!“ (H. v. Hofmannsthal)

 


 

***Herbstgedanken***

 

Mein Leben spiegelt die Natur,

Jahreszeiten hinterlassen ihre Spur.

Ich erkenne und denke daran,

fing nicht im Frühling einmal alles an?

 

Mit ersten Gefühlen und zartem Beginn,

eilte einst der Frühling zum Sommer hin,

mit lauen Nächten und warmen Stunden,

oft auch gerne mit Urlaub verbunden.

 

Doch wird es trübe und fällt erstes Laub,

weht manch ein Sturm und manch Gefühl wird zu Staub.

Es wird dunkel und die Nächte erstarren zu Eis,

der Wechsel der Zeiten hat ihren Preis.

Kälte und Eis folgt im Winter sodann,

nach der Weihnacht fängt es wieder von vorne an.

 

So schleicht sich manchmal unbemerkt,

ein Stückchen Wehmut in den Kreis.

Die Angst vor dem was kommen mag,

verknüpft mit Freude auf das Neue,

ein Zweispalt ohne Wenn und Aber,

würfelt einen Herbsttag durcheinander.

 

Die Stürme werden wiederkehren,

im Inneren und Äußeren sich stets vermehren.

Das bunte Laub, es raschelt schön,

ich mag es darin spazieren zu gehen.

Es zeigt mir eine Endlichkeit,

nichts ist für die Ewigkeit.

 

Der Naturkreislauf, ein Spiegelbild des Lebens,

erst zart wie der Frühling,

dann impulsiv wie der Sommer,

im Herbst des Lebens gibt es viele Parallelen,

das Laub es fällt und hinterlässt Spuren

und dennoch spür ich den Zauber dieser Zeit,

gefolgt vom ewigen Winterkleid.

 

Denke ich manchmal im Stillen daran,

dass ich am Lebenskreislauf absolut nichts ändern kann.

Bäume wechseln beharrlich ihr Kleid,

genauso ist das Leben und so schließt sich der Kreis.

 

Nun zünde ich fürs Leben eine Kerze an,

und denke an Liebe und Geborgenheit,

für das was ist, im Jetzt und Heute,

für Morgen und für Übermorgen,

für Kraft und Trost und das was kommen mag.

 

Im neuen Jahr, dass hoff´ ich sehr,

ein Pflänzchen da, so zart und brav,

auch eine Knospe, ausdrucksstark und dominant,

ich möchte sehen, dass alles wieder seinen Anfang nimmt,

im Lebenskreislauf ein neues Jahr beginnt.

 

(Marie Luise)

 

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4 Kommentare 17.10.20 16:07, kommentieren

Wie aus einem „Warum“ ein „Egal“ wurde ^^

"Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen!"

(Hermann Hesse)

 

 

Wieder neigte sich ein Sommer langsam dem Ende zu und wieder lag sie auf ihrem Friedhofmäuerchen, kauerte sich etwas zusammen, wenn ein Luftzug durch die Bäume und Sträucher zog und dachte über die Ereignisse der letzten Monate nach.

Mittlerweile waren weit über drei Jahre vergangen, in denen sie mit der Diagnose „Krebs“ leben musste. Immer wieder gab es ein Auf und ein Ab, auch wenn die letzten Monate viele gute Tage und Wochen beinhalteten, so war es immer noch nicht abschließend gut. Der so sehr ersehnte Satz von „ihrem“ Professor „Sie sind gesund, Marie!“, den gab es bisher immer noch nicht.

Dieses Jahr war sowieso anders. In vielen Dingen. Geplante Dinge verpufften im nichts, ein Virus eroberte die Welt im Sturm und wirbelte alles durcheinander. Regierungen, Forscher und Ärzte, kamen an ihre Grenzen und zeigten, dass nichts planbar ist und eine Mutation der Natur stärker, als die eigentlich so unbesiegbare Menschenhand ist. Hätte ihr jemand vor einem Jahr vorhergesagt, was dieses Jahr mit sich brachte, es wäre wohl weit entfernt jeglicher Vorstellungskraft gewesen. Und mittendrin in diesem Dilemma saß sie selbst. Als Hochrisikopatientin an vorderster Front. Aber dennoch kam sie gut damit zurecht. Mit den Einschränkungen und Regeln im täglichen Leben, aber auch in ihrem Beruf als Ärztin selbst.  Es war nicht immer einfach gewisse Dinge schnellstmöglich umzusetzen und weiterhin für die Versorgung vieler Patienten ausreichend Sorge zu tragen. Meistens gab es erstmal nur einen guten Mittelweg. Schwierig wurde es, wenn viele Patienten uneinsichtig und unverschämt wurden, aber auch da gab es Grenzen.

Es war schon paradox, während ihr der etwas kühler werdende Spätsommerwind leicht um die Nase wehte, dachte sie daran, dass der Verlauf der letzten Jahre schon seltsam war. Erst ihre Krebserkrankung, die kein Ende nehmen wollte und nun ein Virus, vor dem sie selbst auf der Hut sein musste und der die ganze Welt derzeit in Atem hielt. Sarkastisch betrachtet, einen Tod würde sie wohl sterben müssen. Wie genau dieser aussah, war zum Glück im Moment nicht vorhersehbar.

Ihre Gedanken schweiften ein wenig ab. Vor zwei Wochen war die Mutter einer guten Freundin ihrer Tochter, mit gerade mal 43 Jahren tödlich verunglückt. An einem Sonntag, bei einem Motorradausflug. Unvorhersehbar und unfassbar.

So schnell konnte etwas passieren, Leben verändern und prägen. Sie selbst fuhr am liebsten Auto. Hin und wieder nahm sie auch mal den Fahrplan der deutschen Bahn in Anspruch. Allerdings waren die flexiblen Abfahrtsinformationen mit zwanglosem Gleisvorschlag und stets frisch aufbereiteter Wagenanreihung, nicht so ihr Ding.

Bahn fahren bedeutete Stress, nachdem sie das richtige Gleis meistens erreichte und ganz oft noch in letzter Minute in den Zug sprang, kam auch schon direkt die Angst, evtl. doch im falschen Zug zu sitzen. Anschließend ging es dann oft erst richtig los. Fremde Telefonate mitanhören zu müssen, ob sie wollte oder nicht, Diskretion war dann hinfällig, aber wehe man stand am Postschalter 10 cm zu weit vorne, dann gab es Schelte. Ungeduldige Kinder, welche permanent mit den Füßen gegen die Vordersitze traten und dazugehörige antiautoritäre Eltern, welche dem ganzen Treiben selbstverständlich keinen Einhalt boten und letztendlich war sie selbst deutsch genug, um nervös zu werden, wenn der Schaffner sich näherte, obwohl sie im Besitz einer gültigen Fahrkarte inklusive Bahncard war. Was für ein Stress. Autofahren genoss sie hingegen sehr. Sie war unabhängig, fing an zu singen und unterließ dies meistens nur, wenn sie andere Verkehrsteilnehmer beschimpfen musste.

Sie war ein Mensch, der vieles aus Überzeugung machte und vieles aus Überzeugung nicht. Manchmal geriet sie dabei etwas durcheinander, was sie nach außen unvollkommen erscheinen ließ. Aber das störte sie nicht. Sie genoß es, nicht perfekt zu sein und sie fand Menschen mit Makel viel menschlicher. Sie selbst hatte davon besonders viele, da war sie mal ausnahmsweise mit ihrer Mutter einer Meinung. Sie war überzeugt davon, als der liebe Gott sie baute, war er sicherlich noch in der Experimentierphase. Irgendwann bekam er Zweifel an der Aufwand-Nutzen-Relation und dachte sich wohl, „ach komm, den Rest übernimmt jetzt mal die Krankenkasse!“ So ähnlich muss es wohl gewesen sein, denn sie machte schon so einige Dummheiten und Unvernunft war an manchen Tagen wohl ein weiterer ihrer, doch so umfangreichen,Vornamen. Aber was sie an Dummheiten machte, machte sie gut. So wirklich gradlinig verlief ihr Leben noch nie. Und einer der größten Dummheiten in ihr war dann wohl der Krebs, der sich ausbreitete, als gäbe es keinen Morgen.

Auf der monatelangen Suche nach dem „Warum“, wurde ihr das „Egal“ wesentlich sympathischer. Es gab einfach keine befriedigende Antwort, welche alles erklären und mit der sie sich zufriedengeben würde. Daher nahm sie das „Egal“ als gegeben an. Seitdem kam sie mit der aktuellen Situation viel besser zurecht. Es gab eben immer noch nicht die erlösende Nachricht, „Sie sind gesund!“, stattdessen waren ihre Werte weiterhin besorgniserregend, ihre noch verbleibende Niere brauchte einmal wöchentlich Unterstützung an der Dialyse, um nicht völlig schlapp zu machen. Das alles schrie nahezu nach einem Warum? Warum Sie? Warum so? Warum, warum, warum? Ja, wer nicht fragt blieb dumm, jedenfalls lehrte sie das einst als Kind jeden Abend bei der Sesamstraße. Aber manchmal durfte man auch mal dumm bleiben, denn dann lief vieles besser. Zu viel Wissen machte nicht unbedingt ein besseres Leben oder freier, es verunsicherte und machte Angst. Große Angst!

Alle Trends in ihrer Lebensepoche hatte sie sowieso noch nie mitgemacht und gesellschaftliche Zwänge aller Art bedeuteten für Sie puren Stress und das von Kindesbeinen an. Sie nahmen ihr die Freiheit, anders zu sein und sie kämpfte schon so lange dafür, loslassen zu können und das war so unglaublich schwer. Sie war überzeugt, auf eine gewisse Art lebendig zu sein, bedeutete mehr, als perfekt zu planen und alles bis ins Detail kontrollieren zu können. Das sie ihren Körper nicht bis in jede einzelne noch so kleine Zelle kontrollieren konnte, ja das hatte sie schmerzlich feststellen und akzeptieren müssen. Und so hatte sich Schritt für Schritt das „Egal“ bei ihr manifestiert.

Mittlerweile versuchte sie sich in Gelassenheit, dass gelang allerdings nicht immer. Aus einem „so isses“, hätte gerne immer mal ein Wunschkonzert werden können. Aber das gab es wohl immer nur sonntags morgens bei HR4. Ja, so ein paar Wünsche könnte sie gerade gut gebrauchen.

Immer wieder gab es diese Rückwärtsschritte, wenn auch in der letzten Zeit nur ein paar ganz kleine, aber sie waren da. Winzige Vorwärtsschritte wären auf Dauer gesehen doch ganz viel netter. „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm! Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran!" Auch so käme sie langsam, aber mit viel mehr Spaß ans Ziel.

Ihre Mutter hatte natürlich mit ihrem neu entdeckten „Egal“ so ihre Probleme. Aber die hatte sie ja so generell mit fast allen ihren Eigenschaften. Hätte sie übers Wasser gehen können, käme sie wahrscheinlich noch und würde fragen, ob sie zu blöd zum Schwimmen wäre. Wie so oft vermisste Sie in solchen Situationen ihre Patentante, mit der sie so viel gemeinsam hatte. Da hatte sich wohl die Mendelsche Vererbungslehre durchgesetzt. Ihre Tante war diese Art von gut betuchter Tante, welche fast immer jegliche Familienfeier ruinierte, weil ihr Konventionen am besagten A…. vorbeigingen. Und das mindestens dreispurig. Aber leider war sie nicht mehr da, mit ihrer leichten, unkomplizierten, herzlichen Art und bedingungslosen Liebe.

Aktuell wartete sie mal wieder auf die Untersuchungsergebnisse des letzten Screenings. Die Prognose ließ keine guten Erwartungen zu und es sah gerade schon wieder nach einem gewaltigen Gewitter am Horizont aus. Ob sie dann noch ihrem neu entdeckten „Egal“ Stand halten konnte, wäre wohl abzuwarten. Aber vielleicht funktionierte es ja doch noch mit dem Wunschkonzert. Sie hoffte es.

Sie war eingeschlafen, auf ihrem Mäuerchen, mitten im Wald neben der Koppel wo ihre geliebten Esel weideten. Leise grummelte es am Horizont und die Dämmerung kam wieder schneller herein als noch vor wenigen Tagen. Die Zeit lief schnell, viel zu schnell. Die Tage wurden merklich wieder kürzer, die Abende und Nächte länger und kühler. Der Herbst stand in den Startlöchern und wartete nur darauf, die Blätter zu färben und mit den baldigen Stürmen von den Bäumen zu wehen. Die Tiere der Wälder wurden emsiger und futterten sich langsam ihren Winterspeck an. Die Natur interessierte es nicht, ob die Welt mit einem Virus kämpfte oder ob ein Mensch versuchte, seit unzähligen Monaten den Krebs zu besiegen. Nein, es nahm alles seinen Lauf, so wie es vorgesehen war, Jahr für Jahr.

 

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Ich hoffe es geht Euch allen in dieser besonderen Zeit gut! Passt bitte gut auf Euch auf und bleibt vor allen Dingen gesund! Ich weiß, dass ich mich lange nicht mit einem Eintrag gemeldet habe, dass tut mir leid.
 
Natürlich ist es mir bewusst, dass es hier viele gibt, die regelmäßig in meinen Blog schauen und wissen wollen, wie es mir geht und wie alles weiterhin verläuft. Da ich wieder viel arbeite und dabei noch die eine und andere Therapie bewältigen muss, habe ich wenig Freiraum und zu dem hatte ich alles sehr weit von mir weggeschoben, so dass ich eine richtige Schreibblockade hatte.
 
Ich werde versuchen, wieder regelmäßiger über meinen weiteren Weg zu berichten. Ich danke Euch allen, dass Ihr so treu an meiner Seite seid. Dankeschön!
 
Alles Liebe, Marie

7 Kommentare 31.8.20 23:29, kommentieren