Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Die Götter müssen verrückt sein ^^ Teil 1

„Reich bin ich nicht durch Besitz, sondern durch das, was ich mit Würde zu entbehren weiß!“

Afrika – Zimbabwe Teil 1

In meiner Studienzeit, um mein Physikum herum im Jahre 1997, verbrachte ich ein paar Monate in Zimbabwe. In erster Linie diente dieser Aufenthalt meiner Überzeugung, dass ich gerne Menschen, die es nicht ganz so gut haben oder hatten als ich selbst, helfen wollte. Immer wieder wird und wurde medizinisches Personal, in breit gefächerten Ausbildungssparten, für solche Auslandseinsätze, z. B. auch Impfaktionen, gesucht.

Das südlich des Äquator gelegene Land Zimbabwe, spaltet sich sehr gewaltig in zwei Bevölkerungsschichten. Es gibt nur arm und reich, wobei sich dies ehrlich gesagt auf sehr arm und sehr reich, manifestiert. Eine schlimme Situation für die Menschen die dort leben. Zimbabwe grenzt südlich an Südafrika, nördlich an Sambia, östlich an Mosambik und westlich an Botsuana.

Durch eine Schulpatenschaft, welche in den 80er Jahren begann, hatte ich bereits den Kontakt mit einer dortigen Dorfschule und einigen gleichaltrigen Kindern. Dies war eine schöne Erfahrung. Auch kam es zu einem Besuch von der Schule in Nyanyadzi/Zimbabwe hier bei uns. Natürlich kamen keine Kinder mit, sondern nur einige Lehrer dieser Schule. So plätscherte diese Verbindung einige Jahre vor sich hin. Ich selbst hatte zu dieser Zeit noch regen Briefkontakt mit einigen Schülern dieser Schule.

Das Dorf Nyanyadzi selbst gehört zu den sehr armen Regionen in Zimbabwe. Eine Begebenheit, von der nie etwas großartig in den Medien/Nachrichten erwähnt wurde. Dieses Land fiel schon immer irgendwie durchs Raster. Zimbabwe selbst war zu dieser Zeit noch ein Land, dass für einige wenige Menschen aufgrund einer sehr schönen Landschaft, für eine Fernreise sehr interessant war. Es bietet eine umfangreiche Flora und Fauna und archäologisch ist es auch wirklich super interessant. Sehr bekannt sind die Viktoriafälle und der Hwange-Nationalpark, welcher am Rande der Kalahari liegt. Dort gibt es noch einen sehr dichten Tierbestand, alleine deswegen wohl, da Zimbabwe selbst, nicht unbedingt das typische Reiseland war und ist. Leider sah es dort hinter den Kulissen völlig anders aus.

Mein eigenes Hintergrundwissen stammte anfangs von meinem Brieffreund, welcher in Nyanyadzi geboren und aufgewachsen ist. Ich weiß jetzt gar nicht mehr so genau, wie viele Geschwister er hatte, aber es waren sehr viele. Ich habe noch wenige Bilder, die er mir hin und wieder mal schickte und das war wirklich schon ein sehr liebevoller Freundschafts- und Vertrauensbeweis. Da selbst ein Foto zu dieser Zeit, ein Kostenfaktor darstellte, der sicherlich nicht einfach so zu erbringen war. Seine Schilderungen waren immer etwas erschreckend und haben mich sehr berührt. Doch viel tun konnte ich zu dieser Zeit noch nicht. Der Kontakt blieb bestehen, auch die Hilfsbereitschaft aufgrund dieser schulischen Verbindung war weiterhin über das deutsche rote Kreuz aktiv.

Während meines Studiums bot sich dann die Gelegenheit einige Monate mit nach Zimbabwe zu gehen, um dort vor Ort zu helfen. Eine kleines Team wurde von Seiten des roten Kreuzes gebildet. Es war keinem zu dieser Zeit wirklich bewusst, wie sich dieses „Helfen“ letztendlich gestalten würde. Eine Reise ins Ungewisse, mit ungewissen Begebenheiten und wohl vielen unvorhergesehen Situationen stand uns allen bevor. Unsere Gruppe bestand aus zwei Ärzten, einem Lehrer, zwei Krankenpflegern, einer Krankenschwester und mir. Meine Familie war von meinem Vorhaben nicht sonderlich begeistert, was aber nicht wirklich wunderlich war. Aber was dagegen tun konnten sie letztendlich auch nicht. Und das war auch gut so. Hinterher, als ich wieder wohlbehalten zurück in Deutschland war, konnte ich wirklich sagen, diese Zeit war mit eine der wichtigsten und lehrreichsten, die ich bis heute erlebt habe. Leider ist es seit vielen Jahren nicht mehr möglich ganz unbedarft nach Zimbabwe einzureisen. Die politische Lage dort ist sehr brisant und somit wäre ein Aufenthalt sehr gefährlich. 

 

Das unkomplizierteste war wohl der Flug von Frankfurt nach Harare. Und dann ging das Chaos sprichwörtlich seinen Gang. Abgeholt wurden wir mit einem etwas schon sehr in die Jahre gekommen „Bus“. Dieser hatte aber, bis auf den Fahrersitz, keinerlei andere Sitze. 😉 Somit saßen wir dann eben im Innenraum auf dem Boden. Für ca. 270 km auf nicht befestigten Straßen, schon eine Strapaze. Eine Klimaanlage gab es natürlich schon mal gar nicht. Das Fenster ging lediglich beim Fahrer auf. Somit im Februar/März, südlich des Äquators, ein ziemliches Ding. 😉 Die Situation in den ersten Stunden in diesem Land war somit schon mal etwas brisant und der Eine oder die Andere nach einer gefühlten Unendlichkeit, kurz vorm kollabieren.

Nyanyadzi selbst, also da, wo wir hin wollten, liegt an der süd-/östlichen Grenze zu Mosambik.  Aber glücklicherweise hatte der Fahrer, der natürlich kein Englisch verstand und wir uns somit ausschließlich mit Händen und Füßen verständigen mussten, ein Einsehen und hielt dann auch mal zwischendurch an.

Aufs Klo musste niemand, dass schwitzte sich wohl jeder buchstäblich durch die Rippen. 😉 Jedenfalls weiß ich seitdem, woher diese Wortwendung stammte. Hätte es sie bis dahin noch nicht gegeben, ich hätte sie sicher in diesem Moment erfunden.

 
Selbst die Hitze außerhalb dieses Buses war um Welten besser zu ertragen, als die Luft- und Wärmeverhältnisse im Innenraum. Und es gab sie wirklich, diese gruseligen Tankstationen, mitten im nirgendwo, die ich sonst nur aus ziemlich schäbigen Horrorfilmen kannte, da, wo ein Metallschild ziemlich schief noch an einem Haken baumelte und jämmerlich quietschte, wenn es sich denn mal bewegte. Aber egal, Hauptsache es gab dann mal die Möglichkeit sich irgendwo etwas frisches Wasser zu organisieren.

Darüber nachzudenken, was sich der Einzelne von uns so hätte einfangen können, wäre wohl schon auf der Stelle tödlich gewesen. Aber zum Glück waren wir natürlich bestens gerüstet und gegen alles geimpft was das Robert-Koch-Institut so auf der Agenda hatte. Und nachdenken in so einer Situation ist wirklich mehr als unangebracht. In den nächsten Monaten manifestierte sich diese Handlungsform immer mehr. „Einfach nicht viel nachdenken, sondern einfach machen!“

Irgendwann wurde es dann auch mal dunkel. Ja, nicht sonderlich wunderlich, aber wenn Du Dich in einem Land befindest, wo Du überhaupt nicht weißt wo Du bist und was da so im Dunkeln auf Dich zukommt, nicht sonderlich lustig. Und Licht, haha, gab es nicht an diesem Bus. Der Fahrer war ja wirklich tiefenentspannt oder todesmutig?, je nachdem wie es ausgelegt wird. Irgendwas dazwischen schätze ich. Der fuhr halt auch ohne Licht. Und das auch keineswegs langsamer. Nö, der hatte alles im Griff. Wir uns da hinten im Bus, nicht immer so ganz. Es kam dann glücklicherweise zu einer längeren Zwangspause, als der Bus ein Rad verlor. Wir waren schon erstaunt, dass er sogar ein Ersatzrad dabei hatte, aber das Wechseln brachte er im Dunkeln dann doch nicht so ganz fertig. Keiner von uns traute sich im Dunkeln aus dem Bus. Schließlich wollte ja keiner in den ersten Stunden, ohne das eigentliche Ziel jemals erreicht zu haben, von irgendetwas undefinierbaren gefressen werden. 😉

Als die Sonne aufging ging es dann weiter. Erst wurde mit seltsamen Methoden das Rad gewechselt. Also sagen wir es so, er hat es hinbekommen, dass es dann auch gehalten hatte, bis wir das Dorf erreichten, war dann wiederum ein Wunder. Am Nachmittag erreichten wir dann endlich, mit einigen körperlichen Defiziten, Nyanyadzi.

Es gab eine sehr herzliche Begrüßung. Diese Menschen sind einfach mit ihrer Herzlichkeit kaum zu überbieten. Nachdem wir irgendwie aus diesem fahrbaren Untersatz geklettert sind und uns wohl anfänglich wie Marionetten fortbewegten, waren wir einfach nur froh, diese erste Strapaze überlebt zu haben. Eigentlich konnte es ja nur noch besser werden. So dachten wir…………

Fortsetzung folgt……….das war nur der harmlose Anfang 😉

6.6.17 00:34

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bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mirco / Website (6.6.17 06:02)
Hallo Marie,

toller Reisebericht!
Sicher eine großartige Erfahrung, in einem derart exotischen Land arbeiten zu dürfen. Selbst ich habe bislang noch nicht ansatzweise daran gedacht, nach Zimbabwe zu reisen und dies soll schon was heißen...

Viele Grüße aus dem sonnigen Ningbo

Mirco


padernosder (6.6.17 06:04)
Hallo Marie,

ein sehr interessanter Bericht. Man spürt beim Lesen die Qualen im Bus. ;-) Solche Strapazen auf sich zu nehmen, obwohl man nicht weiß, was einen erwartet, das ist schon irgendwie "tollkühn", also etwas für junge Menschen, die der Meinung sind, sie können die Welt noch verändern.

Etwas "unzufrieden" bin ich mit Deiner geografischen Beschreibung. "Zentralafrika" und "Äquator", da hast Du Zimbabwe wohl etwas zu weit nach Norden gerückt. ;-)


Marie (6.6.17 07:05)
Guten Morgen,

@padernosder: Da gebe ich Dir absolut recht, meine Beschreibung war dann wohl etwas zu grob, sollte auch nur die ungefähre Lage darstellen, da Zimbabwe viele gar nicht kennen. Daher hatte ich dann ja auch noch die genaue Lagebeschreibung dazugfügt. Ich habe es jetzt aber nochmal entsprechend angepasst. ;-)

@Mirco: So, so, Zimbabwe steht nicht auf Deiner Reiseliste.....;-) Es ist wohl und war es wohl auch noch nie, so das typische Land, dass viel bereist wird. Obwohl es wirklich schade ist. Es ist so toll. Aber dazu erzähle ich in den nächsten Tagen noch mehr. Leider kann man seit einigen Jahren nicht mehr so ohne weiteres einreisen und frei bewegen ist so gar nicht möglich.


Mausi / Website (6.6.17 07:20)
Moin Marie,
da hast einiges von der Welt gesehen . In Afrika wäre es mir einfach zu heiss - ich leide hier ja schon bei über 24 Grad .
LG Helga


ide02 (6.6.17 07:47)
Oh, ich liebe genau solche Reiseberichte. Abenteuer-Reisen pur. Unverschönt und genau so, wie es ist. Das Land, die Menschen, die Kultur. Man kann aus solchen Reisen so viel ziehen. Erinnerungen, die niemals in Vergessenheit geraten werden. Freue mich schon auf die Fortsetzung...


Elisabeth / Website (6.6.17 11:58)
Wow, das klingt ja ziemlich schrecklich...aber natürlich auch interessant und spannend, wenn man nicht selbst dabei sein muss :-)
Ich freu mich auf die Fortsetzung...ich selbst bin ja noch nicht mal aus Europa rausgekommen bis jetzt. Aber wer weiß, was noch kommt :-)

Ganz liebe Grüße, ich hoffe, die Therapie läuft halbwegs gut!

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