Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Mein Weg.....

Jeder Abschied ist der Beginn einer neuen Reise………………

 ….genau so ist es, jedenfalls für mich. Hannes ist nun knapp drei Wochen nicht mehr da, die Welt dreht sich unbeirrt weiter, das Leben geht weiter. Tag für Tag. Gerade die letzten Tage waren, vom gesundheitlichen Aspekt mal abgesehen, wahnsinnig schwer, kaum auszuhalten. Denn in den letzten Monaten war Hannes immer oder oft an meiner Seite, wenn es mir schlecht ging. Das ist jetzt anders. Aber es geht halt auch. Muss es ja. Und alt genug bin ich ja, um eben „alleine“ mit allem klar zu kommen.

Erst mal ganz lieben Dank, für die lieben Worte. Wenn auch alles wirklich ziemlich schlimm gerade ist, werde ich mich da trotzdem durchkämpfen, auch wenn ich die letzten Tage hin und wieder mal an gewisse Grenzen gestoßen bin. Aber wie so vieles im Leben, vergehen auch Schmerzen und Übelkeit irgendwann wieder….

Ich befinde mich immer noch in der Klinik, werde wohl auch noch einige Tage hier bleiben. Gestern am späten Nachmittag haben sie mir nochmal knapp 1000 ml punktiert, obwohl ich mir ja mehr oder weniger geschworen hatte, dass machen die nie wieder mit mir. Hat aber nichts geholfen. Beim ersten Mal bin ich da ja noch relativ unbedarft in die Sache reingerutscht, wurde ja dann eines besseren belehrt, aber wenn man mal eine gewisse Erfahrung gesammelt hat, dann lässt man das beim nächsten Mal nicht mehr so einfach über sich ergehen. Diese Punktion ist schon wirklich ziemlich das schmerzhafteste, was ich bisher ertragen habe. Keine Ahnung, ob das Lokalanästhetikum nicht richtig greift oder ob die das einfach nicht richtig machen, aber möglicherweise bin ich auch gerade wohl etwas schmerzempfindlicher wie sonst. Naja, es hat so etwas das Flair vom „wilden Westen“. Hat nur noch der Whiskey und das Messer zwischen den Zähnen gefehlt. ;-) Aber darauf wollten die sich nicht einlassen. Ich habe es aber überstanden, nun habe ich beidseitige Läsionen und kann somit weder links noch rechts liegen. Ganz super! Zumal ich es hasse auf dem Bauch oder auf dem Rücken zu schlafen. Die ganzen Schmerzmittel machen einen schon etwas irre im Kopf, daher versuche ich das gerade etwas zu minimieren. Man kann sich ja nicht dauernd komplett wegschießen lassen, außerdem gehen einem die ganzen Schmerzmittel nochmal zusätzlich auf den Magen und genau das kann ich gerade überhaupt nicht gebrauchen. Die Übelkeit ist zum Glück seit heute etwas besser. Nicht ganz weg, aber besser, jedenfalls so viel besser, dass mir mein Vater heute im Galopp ein Eis bringen musste. ;-) Er meinte zwar, dass es sicher besser wäre dann mal was „Vernünftiges“ zu essen, aber man muss ja Prioritäten setzen. Meine Oma hat immer gesagt, wenn man krank ist, soll man das essen, worauf man Lust hat. So! Und was so eine Oma sagt, ist schließlich Gesetz. Also, meine Ernährung ist gerade sehr zweifelhaft und sicherlich sehr unausgewogen, wenn ich denn überhaupt was essen kann.  Aber ich glaube das ist im Moment mein allerkleinstes Problem. Die Lungenentzündung ist noch nicht so wirklich am abklingen, daher sammelt sich auch immer wieder diese Flüssigkeit, was sie jetzt aber gefälligst mal lassen soll, denn noch so eine Punktion….ohne mich! Außer es schmuggelt mir einer eine Flasche Whiskey und ein Messer in die Klinik ;-) Die Entzündungswerte sind noch nicht rückläufig und Fieber habe ich auch immer noch. Somit Antibiotika ohne Ende. Raus darf ich hier erst, wenn das mit der Lungenentzündung vertretbar ist. Ok, ich sehe es ja ein.

Pascale Du fragtest, was eine Immuntherapie eigentlich ist…….in der Krebsbehandlung gibt es unterschiedliche Therapieformen. Es kommt immer auf die Krebsart an, sprich Lokalisation, Klassifizierung des Tumors, ob Metastasen ja oder nein, etc. … Bei manchen Krebsarten, bleibt nur die Chemotherapie, da gibt es keine andere Möglichkeit. Mein Problem ist ja die Lunge, nachdem der Primärtumor in der Niere mit samt der Niere entfernt wurde. In der Lunge hatten sich aber leider Metastasen gebildet. Das gibt es relativ oft, gerade in der Lunge.  Außer der relativ bekannten Chemotherapie, gibt es eben die Krebsimmuntherapie. D.h. „der Körper heilt sich selbst“. (hat meiner bis heute noch nicht wirklich ganz verstanden, aber ich arbeite dran) Ich könnte jetzt einiges von T-Zellen, Antigenen und Molekülen etc. erzählen, würde aber wahrscheinlich dann eher unverständlich, abstrakt werden. Daher erkläre ich es jetzt etwas in vereinfachter Form. Die Immuntherapie läuft vom Prinzip genauso ab wie eine Chemotherapie (zumindest wenn die Verabreichungszyklen von der Klinik vernünftig angesetzt werden ;-)). D. h. die Verabreichung erfolgt via Infusion. Diese läuft immer über einige Stunden, da es nur ganz langsam einlaufen darf/sollte. Das Prinzip ist, dass die körpereigenen Zellen lernen, gegen die Krebszellen vorzugehen bzw. sie zu bekämpfen. Zu vergleichen mit einer Impfung. Also das Prinzip der Antigene. Es wird dem Körper was zugeführt, der daraufhin „lernt“ …oh, da ist was, was da nicht sein sollte, vernichten wir es! ;-) Das ist das Grundprinzip der Krebsimmuntherapie. Aber auch da gibt es nochmal zwei unterschiedliche Varianten, einmal die passive und dann noch die aktive Therapie. Der Körper lernt sozusagen, gegen krankhafte Zellen eigenständig vorzugehen und diese zu vernichten. Für den Körper selbst ist dies die humanere Variante wie eine Chemotherapie, denn die Chemotherapie geht anders vor. Bei einer Chemotherapie werden die Tumorzellen direkt abgetötet oder zumindest in ihrer Zellsubstanz so verändert, dass sie sich nur noch ganz langsam oder gar nicht mehr teilen können und dann absterben. Leider werden dabei auch einige „gute“ Zellen zerstört.  Gerade Zellen und Gewebe welches sich ähnlich schnell vermehren wie Tumorzellen, werden dann auch verändert oder zerstört. So werden ganz oft Herzmuskelschäden verursacht, da eben die Herzmuskelzellen sehr empfindlich sind und somit „angegriffen“ werden können. Auch ist dauerhafte Unfruchtbarkeit eine der Begleiterscheinungen. Das passiert eben bei der Krebsimmuntherapie nicht. Ich denke so kann man sich das im Groben in vereinfachterer Form ganz gut vorstellen. Die Nebenwirkungen sind bei beiden Therapieformen nicht unerheblich. Es gibt Patienten, die kommen gut damit zurecht, haben nur ganz geringfügige Beschwerden, andere haben massive Probleme.

Warum ich mich für die Immuntherapie entschieden habe? Eigentlich habe ich da nicht wirklich lange überlegen müssen, da ich für mich dachte, dass ist die humanere verträglichere Variante. ;-) Gut, heute weiß ich, falsch gedacht, einfach ist anders!!! Auch habe ich gedacht, dass ich parallel arbeiten kann und das eben irgendwie so nebenbei mache. Gut, auch das war ein Irrglaube! Aber aus seinen Erfahrungen lernt man. Die Immuntherapie ist noch nicht ganz so weit verbreitet und die Erfahrungen sind auch noch nicht ganz so ausgeprägt. In der Klinik, wo ich behandelt werde, dachte ich, die sind fit darin. Ja, so ganz dann wohl auch nicht. Oder die haben eben nicht mit mir gerechnet. Das Dosierungsschema war anfangs viel zu engmaschig und somit viel zu viel. Dadurch wurde mein komplettes Gerinnungssystem durcheinander gebracht, was hätte ziemlich dumm enden können. Mittlerweile bekomme ich die Infusionen alle drei Wochen. Aber auch das hat mir letzte Woche gezeigt, dass es immer noch nicht so wirklich gut läuft. Vor drei Wochen war es ok, nicht super, aber ok. Letzte Woche war einfach eine Katastrophe. Das zeigt mir, dass es wohl eher unberechenbar ist. Als weiteren Aspekt für die Immuntherapie war halt für mich, dass eben weniger gesunde Zellen geschädigt werden. Aber wie man sieht, habe ich ja jetzt ziemlich heftig mit Nebenwirkungen zu kämpfen. Eine Lungenentzündung ist eine der meisten Komplikationen bei der Immuntherapie. Das größte Problem ist eben zur Zeit die gestörte Blutgerinnung und die Übelkeit. Das sind zwei Komponenten, die mir wirklich sehr zusetzen. Irgendwann ist man dann einfach ziemlich am Ende und erholt sich auch mit der Zeit immer langsamer. Wenn man wieder einigermaßen auf der Höhe ist, geht´s ja direkt wieder los….neverending story!

Aktuell denke ich, dass ich das jetzt für dieses mal so langsam überstanden habe. Bis auf die Lungenentzündung. Morgen früh gibt es nochmal eine Transfusion. Und dann hoffe ich mal, dass auch die Entzündungswerte und das Fieber endlich rückläufig sind. Denn in etwas mehr wie zwei Wochen steht ja schon wieder die nächste Immuntherapie vor der Tür. Joa, das ist schon eher beängstigend. Jedenfalls muss ich ab sofort bei jeder Verabreichung direkt stationär bleiben für zwei Tage. Mittlerweile denke ich auch, dass es besser ist.

Das ist mein Weg, ich kann keinen anderen gehen! Meine neue Reise hat vor knapp drei Wochen begonnen und das ist der Weg, der dazu gehört um eben diese Reise fortsetzen zu können!

5.3.17 19:35

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bisher 9 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mausi / Website (5.3.17 19:50)
Liebe Marie,
denk dran - die Hoffnung stirbt zuletzt! Aber ich bewundere Dich, wie das alles durchhälst. Mal ne doofe Frage von mir wegen Deiner Übelkeit: Bekommst denn keinen Magenschurt??? Ich musste damit während meiner Chemotherapiedamit kämpfen, also gab es das als Infusion zuerst und während das blaue Gift in mir reinliefe, musste ich noch viele Magenshutzpillen futtern - danach ging es mit der Übelkeit.
Ganz liebe Grüsse
Helga


Marie (5.3.17 20:44)
Doch, für den Magenschutz bekomme ich vorher schon eine Infusion, während ich auf die Blutwerte warte, aber nützt nicht so viel, also wirklich schlimmer könnte ich es mir jetzt grad auch nicht vorstellen 😳


Mathias (5.3.17 21:14)
Dann drücke dir die Daumen, dass du die Lungenentzündung bald überstanden hast und auch die Therapierung bald besser verträgst.


ide02 (6.3.17 09:21)
Weißt du schon, wie lange die Immuntherapie erst einmal gehen soll? Also ist bald ein Ende in Sicht, sodass dann erst einmal geschaut wird, wie es in deiner Lunge/Körper aussieht und wie weiter verfahren wird?
Gute und schnelle Besserung!


Pascale (6.3.17 10:07)
Danke für die Erläuterung:-)
LG Pascale


Marie (6.3.17 17:28)
@ide02
ich habe jetzt noch drei Behandlungen vor mir, dann wird geguckt ob sich was verändert hat. Je nachdem wird dann evtl. nochmal aufgestockt. Die Frage ist halt nur, wie lange ich das noch aushalten kann. Ich glaube der Krebs bringt mich erstmal am aller wenigsten um.....man denke sich den Rest ;-)

@Pascale
Sehr gerne! Und Dir wünsche ich ganz viel Glück für Deinen weiteren Lebensweg!


Elisabeth / Website (6.3.17 21:38)
Alles Gute, halt durch! Noch 3 Behandlungen, das klingt gut! Hast schon so viel geschafft!
GLG


Frau Abendstern / Website (7.3.17 17:36)
ich möcht meinen handy-vertrag seit geraumer zeit nicht mehr verlängern, doch ich werd familiär immer dazu genötigt.....
mein ziel ist: null lapis, tivi, handy, auto...tw. hab ichs schon geschafft in dieser richtung, ich brauch das klumpert nicht. ich geh lieber zu fuß und hör radio. lese bücher.

scheiß mainstream-lemminge die alles allen nachmachen und trotzdem nie avantgarde sind. was ist unsere heutige 'welt' im vergleich zu einem gepflegten waldspaziergang? nichts!

gruß


Marie / Website (7.3.17 17:43)
Lesen ist gut und bildet. ;-)

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