Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Immuntherapie aus meiner Sicht ;-)

„An manchen Tagen, wenn ich denke, dass nichts mehr geht, schaue ich in den Himmel und rede mit Dir . Du weilst zwar nicht mehr unter uns, dennoch gibst Du mir Kraft, Tag für Tag aufs Neue.“

Ich habe jetzt etwas hin und her überlegt, ob ich über die letzten drei Tage berichten sollte oder lieber dann doch nicht, aber ich denke wer nicht mag, der klickt sich dann eben wieder raus.

Am Mittwoch hatte ich meine nächste Immuntherapie. Ich gehe das ganze ja schon mit ziemlich gemischten Gefühlen an. Und vielleicht liegt es einfach an mir selbst und meiner Einstellung, dass irgendwie alles nicht so läuft, wie es eigentlich sollte. Gut, meine Erfahrungen der letzten Male waren ja auch nicht so wirklich überzeugend und aufbauend. Und mit der falschen Dosierung, haben die mir ja auch ein ganz schönes Ei gelegt. ;-) Erstaunt war ich irgendwie diese Woche, dass schon wieder drei Wochen rum waren. Drei Wochen, in denen sehr viel geschehen ist, drei Wochen, die mein Leben einmal mehr, komplett verändert haben. Aber das blende ich heute mal aus.

Weiter mit der Immuntherapie….

Mittwoch früh hat mich mein Vater in der Klinik abgeliefert. Ich bin ja jetzt immer schon mal aufs schlimmste vorbereitet und mit diversen Utensilien für einen etwas längeren Aufenthalt bewaffnet. Die Erfahrung prägt einen, wenn man ohne seine eigenen Sachen spontan in der Klinik bleiben muss und dann so komischen Dingen aus dem Klinikbestand ausgesetzt ist. ;-) Naja, los ging es so wie immer, erst mal massig Blut abgeben (bin da ja schon etwas skeptisch, da ich ja selbst im Moment nicht so viel davon besitze), um zu sehen, wie meine Blutwerte sich so entwickelt haben, bzw. ob die Immuntherapie durchgeführt werden kann. Denn eben durch diese Immuntherapie, werden gewisse Blutzellen zerstört, somit dürfen die Werte nicht zu niedrig sein, da man halt eben so gewisse Blutzellen einfach zum täglichen überleben braucht. Somit sollte man ja auch eigentlich größere Menschenansammlungen meiden, auf gut Deutsch, man sollte mit seinem Hintern (sachte ausgedrückt) zu Hause bleiben, sich somit von potenziellen Infektionsquellen fern halten. Gut, genau das habe ich ja schon mal perfekt nicht umgesetzt. Und ja, das hat mir auch eine Lektion erteilt, aber dazu komme ich noch später.

Nach dem dann die Blutwerte da waren und es grünes Licht gab, die Immuntherapie durchzuführen, ging es dann auch irgendwann mal los. Ich habe schon indirekt in Erwägung gezogen, diese Klinik als meinen Zweitwohnsitz eintragen zu lassen, aber man sollte ja mit solchen Institutionen nicht zu viel Sympathie entwickeln. ;-) Meine größte Angst liegt ja mittlerweile in dieser unbeherrschbaren Übelkeit und dem unausweichlichem Erbrechen. Das letzte Mal vor drei Wochen ging es einigermaßen, es war nicht gut, aber nach einem Tag zumindest in einem tolerierbaren Rahmen. Dieses Mal hatte ich sogar morgens noch gefrühstückt, denn es kotzt sich ehrlich gesagt leichter (jedenfalls am Anfang), wenn man was im Magen hat. Sorry, das ist nicht sehr fein ausgedrückt, ist aber nun mal die ungeschönte Wahrheit. Und ich glaube ganz ehrlich, ihr kennt dass ;-), jeder der mal eine ausgedehnte Magen-Darm-Grippe hatte, weiß wovon ich rede ;-)) !! Nur bei diesen Nebenwirkungen der Immuntherapie ist es halt so, dass das erst mal überhaupt nicht mehr aufhört und eine ständige Übelkeit mit „Erbrechen“ ist wirklich was schlimmes. Hört sich vielleicht etwas lächerlich an, aber ich wünsche es wirklich keinem, diese Erfahrung machen zu müssen. Es kostet jede Menge Kraft, die man dann einfach nicht mehr hat, man bekommt zwangsläufig wahnsinnige Schmerzen, im Magen, im Hals und die ganzen Rippen fühlen sich an, als wäre man von einem Zug überrollt worden. Zwangsläufig versagt (zumindest mir) dann der Kreislauf, so dass gar nichts mehr geht. Nun gut…

Die Infusion lief an diesem Mittwoch dann so vor sich hin, nach zwei Stunden dachte ich schon, es geht, leichte Übelkeit ja, aber zum aushalten. Aber das war ja noch nicht das Ende und meistens geht es ja auch erst etwas später los. Los ging es dann im wahrsten Sinne des Wortes und zwar mal wieder mit Nasenbluten. So irgendwie habe ich da wohl im Moment die Option drauf. Folglich wurde mir natürlich auch schlecht, im ersten Moment wohl von dem Blut, denn dieser Blutgeschmack ist was, was ich so gar nicht ab kann. Ich kann es somit auch überhaupt nicht nachvollziehen, wenn sich jemand nach einer Schnittverletzung den Finger in den Mund steckt. „Worst case“ Somit bekam ich dann wieder eine zusätzliche Infusion für die Blutgerinnung, man gönnt sich ja sonst nichts. Außerdem wurde mir schon in Aussicht gestellt, am anderen Tag wieder eine Transfusion zu bekommen. Naja, irgendwann werden sie es ja geschafft haben, dass „blaue“ Blut komplett auszutauschen. (netter Gedanke, hat was!) Mit der Übelkeit wurde es dann aber auch nicht wirklich besser, so dass sich dann oben bereits beschriebenes Szenario abspielte. Das alles sicherte mir dann einen nächtlichen Aufenthalt in der Klinik. Aber ich war ja vorbereitet. ;-)) Die Nacht war dann sehr kurz, hhm. Für das Pflegepersonal und die Ärzte allerdings auch. Am anderen Morgen hatte sich die Übelkeit und das Erbrechen etwas gebessert, dafür gab es dann noch die bereits prophezeite Thrombozyten-Transfusion. Anschließend durfte ich dann nach Hause. Da ich irgendwie auf tiefgreifende Gespräche und Fragen keine Lust hatte, habe ich mir ein Taxi bestellt und das war auch gut so. Irgendwann ist man mit der eigenen Moral auch mal am Ende.

Nachmittags kam dann eine meiner besten Freundinnen zu mir (sie ist Oberschwester in der geschlossenen Psychiatrie ;-))), um mich wohl in erster Linie etwas zu bespaßen. Hat nicht so ganz geklappt. Geht bei mir selten schief, aber gestern war es dann einfach nicht so gut. Mir ging es auch einfach nicht besonders gut. Ich hatte noch ständig Schmerzen im Brustkorb und ziemliche Atemprobleme, außerdem etwas Fieber. Das war aber irgendwie neu, jedenfalls in dieser Form.  Die Übelkeit war auch noch nicht wieder weg, nicht mehr ganz so ausgeprägt wie in den Stunden vorher, aber immer noch ziemlich da. Irgendwann war ich dann selbst mal der Auffassung, dass irgendetwas nicht stimmt und meine Freundin hat mich dann gegen Abend wieder in die Klinik gefahren. Ja, Resultat: Lungenentzündung mit Ödembildung/Ergussbildung im Pleuraspalt (das ist der Zwischenraum zwischen Rippenfell und Lungenfell, also zwischen Rippen und Brustwand sozusagen). Ich hatte schon so meine Vermutung. Kann passieren durch die Metastasen, durch die Immuntherapie oder eben durch einen eingehandelten Infekt. Aber wie auch immer, musste diese Flüssigkeit ja dann da wieder raus, damit man etwas besser wieder atmen kann und die Lunge wieder entlastet wird, da diese ja, durch diese angesammelte Flüssigkeit, die da ja nicht hingehört, verdrängt wird. Somit wurde dann noch abends die Flüssigkeit punktiert. Einzelheiten?

Da ja meine Blutgerinnung nicht so top ist im Moment, ist eine Punktion nicht wirklich ungefährlich, da es zu lebensgefährlichen Blutungen kommen kann. Aufgrund der aber immer stärker werdenden Atemprobleme und Schmerzen, wurde dann eben aufgrund geradeso tolerierbarer Gerinnungswerte, entschieden, die Punktion durchzuführen, damit die Lunge entlastet wird, da ja auch die Lungenentzündung nicht so vorteilhaft im Moment ist. Ist es generell nie, aber mit dieser Problematik eben schon mal gar nicht. Die ganze Sache ist wirklich eine Erfahrung, die braucht man nicht. So überhaupt nicht. Auch wenn eine Lokalanästhesie durchgeführt wird, so ist es doch wahnsinnig schmerzhaft. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass man mir jemals mit einer nicht unbeachtlichen Nadel zwischen den Rippen rumpiesackt. Punktiert wurden knapp 1,5 Liter!! Das ist schon nicht wenig. Ich habe ja selbst schon ein paar dieser Punktionen in früheren Zeiten durchgeführt, aber es an jemanden durchzuführen oder ob es an einem selbst durchgeführt wird, sind ja schon mal zwei grundlegend absolut unterschiedliche Situationen. Und mein Schmerzlimit ist gerade etwas überstrapaziert. Das Punktat wurde dann auch noch zur weiteren Diagnostik ins Labor geschickt, ich hoffe mal das da nichts weiter bei rum kommt, wenns ganz blöd kommt, lassen sich darin Tumorzellen nachweisen. Aber nee, warum sollte es?? Ich bin übrigens immer noch in der Klinik, wie gesagt Zweitwohnsitz und so…., nee wegen der Nachblutungsgefahr bin ich noch etwas unter verschärfter Beobachtung. Zu Hause habe ich die ja nicht mehr. Aber ich hoffe doch, dass ich morgen nach Hause darf, also würde ich jedenfalls ganz gerne. Aber da ist halt noch diese Lungenentzündung, somit bekomme ich noch fleißig Infusionen. Die Übelkeit ist besser. Die Atemproblematik auch, die Einstichstelle autscht ;-)) noch gewaltig.

Also, mein Bedarf diese Woche an neuen Erfahrungen wäre mal wieder gedeckt. In knapp drei Wochen wäre die nächste Immuntherapie an der Reihe, jetzt dürft Ihr dreimal raten, wer einen riesen Schiss davor hat?? Ich glaube ich bin ein ganz schön großes Weichei, aber mittlerweile regt mich selbst eine simple Blutentnahme schon ziemlich auf und treibt mir Schweißperlen auf die Stirn.

So, jetzt werde ich mal sehen, dass ich hier etwas zur Ruhe komme und dass ich morgen dann nach Hause darf.

3.3.17 21:38

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bisher 9 Kommentar(e)     TrackBack-URL


gebsy / Website (3.3.17 22:00)
Hallo Marie!

Zugegeben; alles habe ich nicht gelesen - die Schilderungen sind sehr realistisch erlebbar.
Wünsche die nötige Erholung und Geduld ...


Mathias (3.3.17 22:01)
Ich glaube dir gerne, dass du so langsam keine große Lust mehr auf das Ganze hast.
Aber ein Weichei bist du ganz sicher nicht. Bei den Schwierigkeiten, Die du mit der Therapie zur Zeit hast kannst du dich gar nicht so schnell erholen.
Ich wünsche dir, dass du schnell wieder auf die Beine kommst und morgen wieder heim darfst.
LG Mathias


padernosder (3.3.17 22:52)
Hallo Marie,

es ist bedrückend zu lesen, wie "dreckig" es Dir geht. Da Du hier noch liest und schreibst, hoffe ich, es hilft Dir in manchen Augenblicken ein klein wenig. Gute Besserung!


Elisabeth / Website (3.3.17 23:42)
Hi Marie,
das hört sich wieder mal ganz schön heavy an...ich kann mir gut vorstellen, dass du die Nase voll hast von der ganzen SCH....!
Ich find's toll, dass du trotzdem noch die Energie hast, hier fast jeden Tag so viel zu schreiben. Ich hoff, das hilft dir und lenkt dich ein bisschen ab. Werd schnell wieder fit, dass sie dich heim lassen! Und eins ist sicher: Du bist kein Weichei, sondern so ziemlich die härteste Nuss, die ich kenne :-)http://www.vidoevo.com/video/XzkxaE5WcWuRpNnZ1Qlk/bruce-springsteen-tougher-than-the-rest
GLG


Mausi / Website (4.3.17 08:14)
Moin Marie,
Deine Immuntherapie erinnert mich an meine Chemo - da ging es mir ähnlich dreckig . Hoffe sehr, daß sich Deine Blutwerte wieder berappeln und diese Lungenentzündung sich vom Acker macht - mein Opa ist daran gestorben .
Tröstegruß Helga


Pascale (4.3.17 10:18)
Wie sieht eine Immuntherapie aus?
LG


Indianwinter (4.3.17 14:16)
Liebe Marie,
es geht dir mehr, als besch ...und eine Lungenentzündung ist immer noch zusätzlich eine große Belastung.
Alle guten Wünsche und hoffentlich ist das Ergebnis der Punktion negativ und es geht dir bald besser!
LG, Indianwinter


ide02 (5.3.17 11:05)
Da sitzt man Zuhause aufm Sofa, liest deinen Eintrag in Ruhe durch (ich nehme mir gerne die Zeit dafür) und danach denkt man sich: Mensch ide, über welche dämlichen Kleinigkeiten hast du dich diese Woche aufgeregt?!Da gibt es Menschen da draußen, denen es so viel schlechter geht.Die viel mehr Grund haben, sich aufzuregen, Angst zu haben und versuchen die Hoffnung nie aufzugeben.Ich drücke dir jedenfalls weiterhin die Daumen, dass du endlich das dunkle Tal hinter dich lassen kannst und die Sonne endlich mal auf deiner Seite steht!Gute Besserung und viel Kraft!Kämpf weiter und gebe nicht auf....


Pascale (5.3.17 14:45)
Liebe Marie, ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du diese Strapazen bald hinter Dir hast und gesund wirst!!!
LG

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