Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Life is a journey


„Manchmal ist es wichtig sich auf eine Reise zu machen, loszulassen und mutig zu sein. Nur unser Herz kennt den Weg…..“
 
 
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Seit zwei Wochen befinde ich mich nun wieder im neuen Chemozyklus. Drei Chemos habe ich nun bereits wieder hinter mir. Ich bin seit einigen Jahren Ärztin, habe vieles gesehen, viel schönes, viel schlimmes, viel unfassbares. Im Laufe der Zeit habe ich viele Menschen kennengelernt, viele Therapien begleitet, dass Leben und auch den Tod gesehen und kennengelernt. Das alles konnte mich auch nicht nur ansatzweise darauf vorbereiten, was der Kampf, der eigene Kampf ums Überleben, letztendlich bedeutet.

Ich weiß es nun und ich bin selbst darüber erschrocken, dass ich mir an manchen Tagen wünsche lieber tot zu sein, als das alles weiter durchstehen zu müssen. Es muss jetzt einfach aufhören, es geht schon viel zu lange. Ich kann nicht mehr. Immer wieder stark sein, immer wieder aushalten, immer wieder und immer wieder……das geht einfach nicht mehr. Ich habe immer versucht, irgendwo noch das Positive zu finden, es als Wink mit dem Zaunpfahl zu sehen, um etwas in meinem Leben zu ändern. Aber es hört einfach nicht auf, verdammt, es hört zum Kuckuck, einfach nicht auf!

Ich weiß, ich weiß, ich lebe noch und meinen Krebs, in meinem Alter, gibt es eigentlich laut Statistik nicht. Seit meiner Operation im Dezember bin ich tumor- und metastasenfrei, aber meine Tumormarker im Blut sind immer noch um ein Vielfaches erhöht. Der Abschluss der letzten Chemo und die Nachuntersuchungen verliefen nicht ganz optimal. Nächste Woche hoffe ich, dass die Marker bei der nächsten Kontrolle, wenigstens etwas abgesunken sind. Es muss doch einfach mal gut oder zumindest etwas besser werden. Schließlich lebe ich doch noch und das muss doch einen Sinn haben.

Das Leben ist eine Reise mit nicht immer schönen Stationen und Aufenthalten. Aber zum Glück überwiegen immer noch die schönen Momente und Erfahrungen, viele liebe Menschen und die Hoffnung, dass es vielleicht doch noch gut werden wird. Ein hoher Preis für diese Reise und ich weiß nicht mal, ob ich sie mir bis zum Schluss leisten kann. Meine Reise muss nun weitergehen, unbestimmt, mit neuen Zielen und ich brauche dringend eine Perspektive. Manchmal erscheint mir der Tod, im Gegensatz zu meiner Chemotherapie, wie Urlaub. Ob ich das als gut werten soll, weiß ich nicht. Was wird von mir übrigbleiben, wenn es mal vorbei sein wird? Bin ich dann immer noch der gleiche Mensch, bevor ich mit dieser Diagnose konfrontiert und dieses Stigmata mir auferlegt wurde? Nein, ich werde nie mehr, die sein, die ich mal war. Ich lasse einen Teil meines Lebens für immer zurück. Vorausgesetzt ich bin stark genug, dass alles zu überstehen.

Chemo-Alphabet meiner Nebenwirkungen:

A = Angst, Atemnot, Ausschlag, Augenbrennen, B = Blasen an Händen und Füßen, blaue Flecken und Brustschmerzen, Blut, viel Blut, C = ???, D = Durchfall, E = Entzündungen der Mundschleimhaut und des Rachens,  Erbrechen, Erbrechen und nochmal Erbrechen,  F = Fieber, G = Gedächtnislücken, Grippesymptome, Gewichtsverlust, H = Haarausfall, Husten, Herzrasen, I – J = ???, K = Kopfschmerzen, Kraftlosigkeit, L = Lungenödeme, M = Müdigkeit, Mutlosigkeit, N = Nasenbluten vom Feinsten, O = Ohnmacht, P -R = ???, S = Schmerzen, Schüttelfrost, Schwindel, Sodbrennen, T = Taubheitsgefühle, U = Übelkeit, V = ???, W = Wadenkrämpfe, X-Y = ???, Z = Zahnfleischbluten

Pfff, und ich dachte ich schaffe das komplette Alphabet zu belegen. Fazit, es hätte wohl noch schlimmer kommen können. ;-)

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Meine Reise muss nun weitergehen, an anderen Orten mit einer zielführenden Perspektive. Nicht jedes Abenteuer ist schön, aber ich wäre nun an einem Punkt und somit bereit, mich auf ein neues Abenteuer einzulassen. Dazu muss ich wohl noch das Abenteuer überzeugen, dass es auf mich wartet, wenn ich dafür bereit bin.

Den Mut nicht zu verlieren, wenn alles grau und hoffnungslos erscheint, ist nicht einfach und es gelingt mir nicht an jedem Tag. Stark zu sein für "Andere" und gleichzeitig für mich selbst, um in manchen Momenten nicht komplett die Fassung zu verlieren.

Aber dann denke ich wieder, ich habe es bis hierher geschafft, dann muss ich doch auch den Rest noch schaffen! Eigentlich war Aufgeben nie eine Option für mich, egal wie schwierig und kompliziert sich einige Dinge in meinem Leben gestalteten. Ich meine, ich ertrage meine Mutter, das ganze Familien-Gedöns und vieles drum herum, also wenn das keine gute Grundlage ist, dann weiß ich es auch nicht. ;-) 

Wenn ich an meiner nächsten Station wirklich ankommen sollte, dann wünsche ich mir mehr Anonymität und Freiheit, keine Zwänge, keine unnötigen Verpflichtungen und Erwartungen. 

Life is a journey…..meine Koffer wären dann mal gepackt! ;-)


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26.6.18 22:44

Letzte Einträge: Ein Kalender zum Advent, Geduld, Ich hab´ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd ^^, Und wiedermal wird es Weihnachten....

bisher 12 Kommentar(e)     TrackBack-URL


padernosder (26.6.18 23:38)
Hallo Marie,

der Schluß Deiner "Ausführungen" gefällt mir. Das würde ich genau so auch sagen und freue mich jeden Tag, daß ich so leben kann, wie Du es Dir wünschen würdest.

Alles was davor steht...? Selbst ein Laie wie ich weiß heute, wie entscheidend der "Kopf" bei der Überwindung einer Krankheit ist. Und da frage ich mich, ob Du diesbezüglich die bestmögliche Unterstützung hast, ob Du die bestmögliche Hilfe überhaupt annimmst?

Ein verdammt einsamer Kampf, in einem Leben, das Keinem von uns garantiert, daß er nicht elendiglich "verrecken" wird, einsam und alleine. Bei vollem Bewußtsein kaum zu ertragen, diese mögliche Wahrheit. Und dann sagen wir, als könnte es wirklich ein Trost sein: "Es wird alles gut werden. Du wirst sehen, alles wird sich zum Guten wenden!"

Ich glaube, Marie, Du mußt alles probieren, um aus dieser Scheiße wieder heraus zu kommen. Alles was hilft, egal was! Und sei es ein Pakt mit dem Teufel!


(27.6.18 07:03)
merry-n
Auch wenn ich deinen Text lese, kann ich nicht mal ansatzweise nachempfinden, womit du dich Tag für Tag abplagen musst. Klar mache ich mir Sorgen um dich und bin jedesmal froh und erleichtert, wenn ich ein Lebenszeichen von dir sehe, aber richtig verstehen kann wohl nur, wer einmal ein Stück des Weges " in deinen Schuhen gegangen ist ".
Ich hoffe sehr, dass du die Kraft hast deinen Weg zu gehen, wohin auch immer er dich führen wird. Trotz allem, was du aushalten musst, spüre ich eine so starke, positive Energie bei dir.
Liebe Grüße!


pally (27.6.18 19:10)
Liebe Marie, nachdem ich Deinen Bericht gelesen habe, ist es wirklich nicht einfach, die richtigen Worte zu finden. Aber ich finde, resignieren wäre jetzt der falsche Ansatzpunkt. Du hast so lange für ein brauchbares Ziel gekämpft, warum willst Du jetzt " das Handtuch " werfen?! Auch wenn es manchmal aussichtslos erscheint, irgendwo ist immer noch ein Fünkchen Hoffnung. LG pally


gebsy / Website (28.6.18 08:27)
Dazu kann ich nur schweigen, tapfere Marie.


gebsy / Website (28.6.18 08:32)
Bitte um Verzeihung; habe meinen Link zur Webseite fehlerhaft geschrieben. Bin für jeden Hinweis auf missverständliche Formulierungen dankbar ...


gebsy / Website (28.6.18 08:36)
letzter Versuch


Indianwinter (29.6.18 16:21)
Liebe Marie,
ich habe im Moment wieder etwas Zeit und habe bei dir gelesen.
Es ist schwer, die passenden Worte noch zu finden-
diese Aussichtslosigkeit, die du oft spüren musst,
ist schlimm und ich kann nur hoffen, dass du die Kraft findest, weiter zu gehen-hoffentlich einem guten Anfang entgegen...
Ganz liebe Grüße, Barbara


ide02 (5.7.18 13:20)
Ich habe immer wieder mal an dich denken müssen. Habe mich gefragt, wie es dir wohl so gut. Wenn ich nun deinen Eintrag lese, dann stimmt es mich einerseits traurig. Ich hätte dir so gewünscht, dass es endlich zum Neuanfang kommt und all die Qualen und die Schmerzen aufhören. Zum anderen stimmt es mich aber auch positiv, weil doch ein winziger Lichtstrahl in den Tunnel reinscheint, oder? Das Leben ist doch wieder mehr sichtbar! Es wartet auf dich! Du sollst leben! Halte trotzdem noch (irgendwie) durch! Dafür wünsche ich dir alle Kraft der Welt!


Twity-Autor / Website (5.7.18 15:39)
Was für ein langer Leidensweg.... Ich wünsche dir von Herzen, dass dieser reale Spuk endlich ein Ende für dich hat und du dich auf den Weg einer langen Erholungsreise machen kannst.
Du musstest bis jetzt immer mutig und tapfer sein und viel aushalten, dass muss sich doch endlich einmal auszahlen... Ich drücke dir weiterhin ganz fest die Daumen, liebe Marie.


(6.7.18 21:36)
Hallo Marie!
Ich bin seit langem wieder mal im Blog unterwegs und habe
deinen Bericht gelesen. Bin entsetzt, da ich angenommen habe,
du hättest es hinter dir.Niemand kann deinen Leidensweg nachvollziehen. Es ist schon deprimierend. Bitte versuche wieder
so optimistisch weiter zu machen wie bisher, dann schaffst du es auch.Ich drücke die Daumen LG mausfreddy


Faradei (11.7.18 00:21)
Liebe Marie,
an welchem Punkt „deiner Reise“ empfandest du den glücklichsten Moment für dich?


Mirco / Website (12.7.18 05:14)
Hi Marie,

es sehr schwierig zu deinem Eintrag die richtigen Worte zu finden. Aber wie Du selbst sagst, irgendwann muss die Kehrtwende eintreten. Soweit zu kommen ohne aufzugeben, muss einfach am Ende belohnt werden - Ich glaube fest daran. Auf geht`s, Du schaffst es!

Viele Grüße aus Ningbo

Mirco

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