Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Aushalten - Durchhalten

„Nicht was Dir passiert, sondern wie Du es akzeptieren kannst, ist von immenser Wichtigkeit!“

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Derzeit gilt immer noch, nach der Chemo ist vor der Chemo. Leider. Ich weiß, dass ich eine Menge geschafft habe in den letzten Monaten, nicht nur geschafft, sondern auch ausgehalten. Immer wieder wurde mir selbst unter Beweis gestellt, was so ein Mensch doch in der Lage ist, auszuhalten. Mal mehr, mal weniger.  Die Chemos jagen mir im Vorfeld schon eine gewaltige Angst ein. Ich weiß nicht, ob das bei anderen auch so ist, ob andere Betroffene sich da auch so anstellen und wohl auch immer mal reinsteigern, ob sie es eher als unumgänglich akzeptieren oder ob es einfach an mir selbst liegt. Ich bin auch noch nicht auf die Idee gekommen in meiner Chemorunde zu fragen.

Die ersten Chemos nach der Op. waren im Vergleich zudem, was ich schon kannte, deutlich entspannter. Die letzten Beiden dann schon wieder nicht. Drei habe ich nun vorerst noch vor mir, ob es wirklich dann die letzten sein werden, ist noch unklar. Möglicherweise könnte noch ein Zyklus von sechs Chemos draufgesetzt werden. Daran möchte ich aber gerade nicht denken. Die zweiwöchigen Abstände sind schon sehr hart und durch meine noch nicht immer gute Gesamtsituation nach der großen Operation im Dezember, schwierig wegzustecken. Ich gebe mir sicherlich große Mühe und versuche das alles auch nicht ganz so intensiv zu verinnerlichen, allerdings gelingt das nicht so gut im Moment. Ja, ich bin es leid, sehr leid und es fällt mir schwer, nach zwei Wochen den Weg nach Heidelberg wieder zu finden. Gerade wenn es wieder so einigermaßen „geht“, muss ich auch schon wieder zum nächsten „Disaster“ antreten.

Meine gerade etwas schwankenden Launen sind sicherlich nicht nur für mich selbst schwierig, sondern natürlich auch für alle anderen, die mir irgendwo zur Seite stehen. Ich weiß, dass da eine große Toleranzgrenze ist und ich versuche mich auch wirklich im Griff zu haben (bin ich ja durch jahrelange Erfahrungen gewöhnt, dass „im Griff“ haben), aber es gibt eben Momente, meistens sehr spontane Momente, da klappt es nicht mal im Ansatz. Das tut mir einfach leid und ich hoffe, dass ich die Möglichkeit haben werde, alles irgendwann mal gut machen zu können. Hoffentlich.

Mein „Arzt des Vertrauens“ weiß mich wohl schon ganz gut einzuschätzen und beim Vorgespräch der Chemo 9/12 am letzten Freitag, war schon klar, dass gleich die nächste Moralpredigt folgen würde.

Gut, ich weiß selbst, dass ich eigentlich noch viel mehr „Ruhe“ geben müsste, sollte oder wie auch immer, aber gerade jetzt, wo der Frühling in den Startlöchern steht (die letzten beiden Tage mit dem erneuten Wintereinbruch blende ich jetzt mal aus), fällt es mir schwer einfach ruhig irgendwo rumzusitzen. Das kann ich nicht und das bin ich nicht. Allerdings war das schon immer so, ich war nie der „Strandtyp“, der sich mit acht Stunden Sonnenbaden begnügen konnte. Sehr zum Leid meiner Freundin während der gemeinsamen Urlaube. Spätestens nach zwei Stunden rumliegen, kehrt bei mir schon die Langeweile und Unruhe ein. Aber genau das bin eben ich, ich brauche Bewegung und auch „input“ für den Kopf. Daher sind Reisen, wo ich viel über Land und Leute erfahre, einfach perfekt. So manche Reiseleitung habe ich wohl schon an ihre Grenzen gebracht. ;- )

Mittlerweile weiß ich bei meinen Arztgesprächen, dass es zwecklos ist, großartig zu widersprechen. Wären wir im wilden Westen, würde ich wohl die Knarre stecken lassen, die Hände heben und mich ergeben. Soweit ist es schon. Das letzte Wochenende war wirklich sehr anstrengend für mich, dass gebe ich auch zu. Die Kinder meines Bruders waren von Freitag bis Sonntag zu Besuch und dem wollte ich schon irgendwie gerecht werden. Wir hatten uns lange nicht gesehen und es tut mir wahnsinnig leid, dass alles gerade so schwierig ist. Die Distanz zum Chiemsee ist eben nicht ganz ohne. Glücklicherweise wurden sie nur von ihrer Mutter und neuem Lebensabschnittsgefährten (mehr wird es wohl nicht sein) bei mir abgeliefert. Meine Ex-Schwägerin und ich, hatten ja nie so den allerbesten Draht zueinander, was an verschiedenen Dingen und Ansichten an sich lag und bis heute liegt. Letztendlich die Tatsache, dass Frau „Scheinheilig“ ein übles Spiel mit meinem Bruder spielte und allen Anschein nach ein paarmal zu viel auf ihren Klangschalen rumgongte, setzten unserem „Verhältnis“ noch das i-Tüpfelchen auf.

Sie hat nach wie vor etwas subtil Manipulierendes an sich und es gab Zeiten, da bin ich gewaltig darauf reingefallen. Mittlerweile passiert das nicht mehr so oft. Sie schafft es zwar, in nicht möglicher Zeitmessung, mich auf 180 zu katapultieren, wenn es um gewisse Themen geht, aber ich habe mich mittlerweile deutlich besser im Griff. Die Grabpflege von ihrem verstorbenen Mann interessiert sie z. B. nicht die Bohne. Auch so was. Vielleicht ist es besser, andererseits tut mir das gewaltig weh, ich finde so etwas hat Hannes einfach nicht verdient und ich finde es auch schäbig ihren Kindern gegenüber.

Natürlich konnte es meine Besserwisser-Ex-Schwägerin nicht lassen, mir einige Tipps zum Umgang mit ihren Kindern am letzten Wochenende aufzudrücken. Ehrlich gesagt habe ich gar nicht zugehört, da es mir sowieso egal ist, was sie denkt, tut usw. Nach den ersten beiden Stunden mit den beiden „halbwilden Teenies“ musste ich mich fragen, ob Frau Besserwisser eigentlich weiß, wie ihre Kinder gerade so drauf sind. Ich schätze das mal ganz klar auf ein „Nein“. Ich habe die beiden ja schon lieb, allerdings bringt die Tatsache, dass es eben die Kinder von Hannes sind, da einige Bonuspunkte mit sich. In so manchen Situationen ist es mit dem lieb haben wirklich nicht so ganz einfach. ;-) Alleine die Artikulation hat mich ziemlich zügig an meine Grenzen gebracht. Gewisse „Ausdrücke“ habe ich dann schlichtweg verboten und bei jedem „nicht einhalten“ mit 50 Cent in mein pinkes Sparschwein geahndet. Meine Taktik zog ganz gut, zu guter Letzt hatte ich dann auch noch ein frisch gewaschenes Auto incl. Aussaugen und abstauben. Ich würde mal nicht ganz unstolz (gib es dieses Wort??) behaupten, Erziehung kann ich. ;-)

Nachdem wir uns so gut wie möglich zusammengerauft  hatten, war auch schon Sonntag und ich nicht so ganz traurig, als ich die Beiden in den ICE Richtung Chiemsee setzen musste. Das etwas Traurige daran war, sie wären gerne bei mir geblieben und haben öfters gefragt, ob es eine Möglichkeit dafür gäbe. Das da Struktur und Konsequenz fehlen und die Beiden das offensichtlich brauchen, ist eindeutig. Ich hoffe, dass die Beiden so viel Stabilität haben, es irgendwo hinzubekommen. Allerdings habe ich da ein nicht allzu gutes Bauchgefühl.

Nach diesem Wochenende war ich folglich auch ziemlich erschöpft. Zwei Teenies, die etwas den Halt verloren haben, sind anstrengend und in Anbetracht, dass ich es mit meiner Tochter relativ einfach hatte, bin ich das auch nicht gewohnt. Das sich meine Mutter, als ja eigentliche Oma, mal großartig  sehen lassen würde, hatte ich nicht wirklich erwartet. Meine Erwartungshaltung zu gewissen Dingen, ist schon relativ abgeflacht. So war es dann auch. Sie kam kurz, machte einen auf vielbeschäftige „Oma“ und "Oberlehrerin" und sagte den Beiden, dass sie es schöner finden würde, wenn sie statt Oma, doch künftig ihren Vornamen benutzen sollten. Da war mal wieder für mich Fremdschämen angesagt. Eigentlich dachte ich ja, dass ich mittlerweile gegen alle Individualitäten meiner Mutter gewappnet wäre, aber nein, ich werde immer wieder überrascht. Sie ist nun mal die Oma und das nicht erst seit gestern. Warum sie da jetzt gerade ein Problem mit hat, weiß der Himmel.

Da ja nun Ostern kurz vor der Tür steht, fragte sie selbstverständlich an, ob ich das „Familienessen“ wie gewohnt übernehmen könnte. Genau in diesem Moment war ich ein wenig froh, dass am Karfreitag die nächste Chemo sein würde und ich wohl mit ziemlicher Sicherheit, Ostern in Heidelberg verbringen werde. Nichts ist eben so schlecht, dass es nicht wieder für etwas gut wäre. Selbst so eine Chemo hat dann anscheinend etwas Gutes und sei es als Alibi-Verwendung.

Die Strapazen von diesem Wochenende, sowie auch die mentale Belastung, standen mir wohl anscheinend am letzten Freitag noch etwas ins Gesicht geschrieben. Mein behandelnder Arzt sieht mir demnach so einiges an. Was sicher in manchen Situationen gut ist, allerdings in dieser, dann doch nicht so ganz. Das alles etwas viel Action und Tatendrang war, weiß ich selbst ganz gut.;-)

Die Nierenbiopsie von vor zwei Wochen zeigte keine malignen Zellen und somit war das natürlich schon eine große Erleichterung. Meine Lunge ist nicht so ganz in Ordnung, die Lungenentzündung immer noch nicht abgeklungen und das nicht einwandfreie Röntgenbild, wird hoffentlich nach Ausheilung, wieder in Ordnung sein. Meine Angst, dass da wieder was ungefragt wächst, ist zu jeder Zeit da.

Die Chemo selbst war in den ersten beiden Stunden soweit in Ordnung. Dann kam es allerdings wieder mit Wucht. Es erschrickt mich jedes Mal aufs Neue, wie schnell das geht. Im einen Moment lese ich noch entspannt meinen Roman oder höre Musik, in der nächsten Millisekunde quält mich das Dauererbrechen und es geht gar nichts mehr. Selbst der Gang zur Toilette ist dann nur mit zwei Pflegern möglich, da meine Beine einfach nicht mehr fähig sind, mich aufrecht ein paar Schritte alleine gehen zu lassen. Nicht vorstellbar. Durch das Erbrechen folgen dann ziemlich schnell wahnsinnige Krämpfe durch den Mineralstoff- und Flüssigkeitsverlust. Im Zuge der letzten Wochen, ist es fast nicht möglich, dass irgendwie aufzuholen. Das Ganze ist sehr schmerzhaft und entzieht sich jeglicher Vorstellungskraft.

Es findet immer alles in einem großen Gemeinschaftsraum mit einigen Mitpatienten statt. Ein paar Wenige kenne ich bereits, aber es sind auch immer mal wieder Neue dabei. Durch die unterschiedlichen Chemozyklen und Zeitspannen der Therapien, gibt es doch öfters neue Mitpatienten. Im Endeffekt sitzen wir alle im gleichen Boot. Jeder könnte spontan über Bord gehen, dass steht außer Frage, aber es gibt auch Chemopatienten, die zum Glück, keinen Krebs haben.

Verschiedene Formen von Autoimmunerkrankungen sind gut mit einer Chemotherapie behandelbar, daher gibt es eben auch die Luxusdampfer unter den Booten. Die Boote der Krebspatienten sind wohl eher mit wackeligen Kanus zu vergleichen, die Rettungsanker marode und unsicher, ob sie jemals am Grund irgendwann Halt finden werden, weiß kaum einer. Die Luxusdampfer der reinen Therapiepatienten sind da schon stabiler und ziemlich sicher und da geht es nicht ums Überleben, sondern um Verbesserung der Lebensqualität und Eindämmung der Begleiterscheinungen der jeweiligen Autoimmunerkrankung. Schon ein großer Unterschied, auch die Chemos sind natürlich komplett anders.

Die Schalentierpatienten, wo letztendlich irgendwann mal der programmierte Zelltod versagte und sich der Krebs ungeniert breit gemacht hat, kämpfen zum Teil ums nackte Überleben. Auch gibt es immer wieder Schreckensnachrichten, wenn es heißt, „der oder die“ ist leider über Bord gegangen. Das geschieht hin und wieder mal. Das ist schlimm und ernüchternd. Jede Chemo ist eine gewisse Gefahr und die Nebenwirkungen können letztendlich auch mal das komplette „Aus“ bedeuten. Nicht jeder bekommt die Chemo zur Heilung, manche leider nur zur Eindämmung der Tumore oder zur Lebensverlängerung.

Mittendrin in unserem „Club der Halbtoten“ war diesmal ein etwas aufdringlicher „Herr“, im Alter von 39 Jahren. Das betonte er immer wieder. Anscheinend stellt der Übergang in die Vierziger ein gewisses Problem für ihn da. Er war bzw. ist einer dieser Luxusdampferpatienten und hatte an diesem Tag scheinbar einen Clown gefrühstückt. Sarkasmus und Ironie ist wohl oft das Standbein eines jeden Krebspatienten, allerdings weiß es fast jeder behutsam einzusetzen. Selbstironie ist immer nochmal was anderes, als Ironie gegen andere, auch wenn sie manchmal durchaus angebracht wäre. Es ist schon ein Unterschied, ob ich mich mit meiner Selbstironie selbst anschubse oder ob es ein anderer tut. Das passt nicht immer und ist so eine Sache. Ein Späßchen ist gut und schön, aber muss trotzdem für die allgemeine Truppe dort, gut überdacht sein. Eigentlich bekommen das alle ganz gut auf die Reihe, dieser „Neuling“, als Nicht-Krebspatient, nicht so ganz.

Leider lag dieses Exemplar der männlichen Schöpfung direkt neben mir. Eigentlich kann man sich direkt vorstellen, dass das nicht gutgehen konnte. Zum einen, da ich sowieso an diesen Tagen nie sehr gesprächig bin, zum anderen, da es mir meistens auch nicht sonderlich gut geht und ich da „Witze“ nicht gut vertrage. Auch mag ich es nicht, gleich am Anfang ausgefragt zu werden, da erwischt man mich schon mal auf dem falschen Fuß. Ich finde, etwas Anstand und "Abstand" sollte sein, gerade auch in diesen manchmal unwürdigen Momenten. Da dieser Mensch aber nicht locker ließ und reges Interesse entfachte, war schon nicht so ganz einfach. Feingefühl erwartete ich zumindest in den Momenten, als ich mich im zehnminütigen Intervall übergeben musste und nicht mehr genau wusste, wo links und rechts war. Allerdings ist denken oftmals Glückssache und ich musste leider die Einladung zum „Essen gehen“, in diesem Moment ausschlagen. Idiot! Unsensibler geht definitiv nicht mehr. Ich hoffe mal, dass wir so schnell nicht wieder aufeinandertreffen. Allerdings sahen das meine Mitleidenspatienten wenigstens genauso. Als ich mal kurz Luft holen konnte sagte ich ihm, er solle jetzt einfach mal die Klappe halten und mich in Ruhe lassen. Ein schon älterer Mitpatient, er könnte mein Opa sein, klatschte in die Hände und sagte, dass wollte ich aber auch meinen. Dann war Ruhe und mein Nebenmann scheinbar ziemlich beleidigt. ;-)

Zwischenzeitlich kam „mein Arzt des Vertrauens“ nochmal vorbei und hörte meine Lunge ab, da ich sichtlich und merklich immer etwas schlechter Luft bekam. Es war mir schon klar, was wahrscheinlich unabwendbar folgen würde, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Die Lungenentzündung und die Chemo harmonierten nicht so ganz und so bildeten sich wieder „Wasser (Ödeme)“ in der Lunge und im Pleuraspalt. Ich kenne diese Situation ja mittlerweile schon ausreichend, allerdings hatte ich damit ja auch länger Ruhe gehabt. Aber wir wollten erstmal abwarten.

Nachdem ich quasi per „Schwertransport“, laufen konnte ich leider nicht, wieder auf meinem Zimmer war, ging es mir dann stetig schlechter. Nachts ging dann nichts mehr und ich wurde zur erneuten Punktion in den Op. manövriert. Mein Arzt, mit Assistenzarzt im Schlepptau, war vor Ort und ich wurde gefragt, ob ich etwas dagegen hätte, dass der „Lehrling“ die Punktion durchführte. Ja, hatte ich. Generell stelle ich mich nicht so an, jeder muss es ja mal lernen, musste ich ja auch schließlich mal. Allerdings bin ich doch derzeit ein wenig empfindlich und mit meiner Lunge verstehe ich gerade ganz wenig Spaß. Auch muss ich sagen, hatte ich deutlichen Respekt vor diesem „Lehrling der Medizin“. Ich schätze ihn auf hünenhafte 2 m, Hände so groß wie ein Teller, behaart wie ein Affe und den deutlichen Hang zum Ungepflegt sein. Dagegen dann ich, mit meinen gerade mal 1,63 m und zur Zeit eher etwas zierlich und vor allem „empfindlich“. ;-)  ;-)

Ich habe nichts gegen Männer die etwas „kerniger“ sind. Es muss auch keine übertriebene Eitelkeit herrschen. Ein Mann, der besser gezupfte Augenbrauen hätte als ich, würde ich allerdings seltsam finden. Auch stören mich sicher keine männlichen Achselhaare etc., dass wäre absolut ok. Gut riechen und im guten Maße gepflegt, sollte allerdings schon sein. Ja, und dieser „Assistenzarzt“ war schon mal weit weg von gepflegt und ich hatte meine Zweifel, dass er mit seien Pranken auch genau die richtige Stelle an meinem Oberkörper treffen würde, um das blöde „Wasser“ zu punktieren. Jetzt mal ganz unprofessionell ausgedrückt. ;-) Daher war mir das nicht geheuer und ich wollte lieber, dass „mein Arzt“ das übernahm. Sicher ist sicher. Manchmal ist Sicherheit einfach besser fürs Allgemeinbefinden. Ich fand es alleine schon unangenehm, dass ich da mit nacktem Oberkörper rumsaß und mich dieser „Arzt in Spe“ blöd beglotzte. Vielleicht kam es mir auch nur so vor, da mir die gesamte Situation und dieser Mensch einfach unangenehm waren. Möglicherweise schlich sich auch ein gewisser Hauch von "Verfolgungswahn" bei mir ein. Im Endeffekt gibt es da bei mir gerade auch nicht so arg viel wegzugucken und etwas Schamgefühl habe ich halt doch noch. Ich fühle mich sehr oft hässlich und meide den Blick in den Spiegel.

Die Prozedur war wieder sehr schmerzhaft und ich frage mich immer wieder, warum die Lokalanästhesie da so wenig wirkt. Im wilden Westen wird sowas mit Whiskey gelöst, stellte aber für mich leider keine mögliche Alternative da. Allerdings ging es mir sehr bald darauf besser. Das Abwägen, was nun schlimmer ist, massive Atemnot oder die Schmerzen, ist indiskutabel. Vernünftig Atmen macht einfach deutlich mehr Sinn und Schmerzen sind glücklicherweise meistens vergänglich oder eindämmbar.

Die Übelkeit hält mich weiterhin im Griff, allerdings nicht mehr in ganz so kurzen Abständen. Das wird also besser. Heute Morgen hielt ich dann, mit meiner eigenen Selbstüberschätzung, Pfleger Jürgen auf Trapp, der mich dann wieder mal aus dem Bad retten musste. ;-)

Noch dreimal durchhalten und ich hoffe das ich dieses Lebenskapitel im Bezug auf die Chemotherapie dann hinter mir lassen kann. So, und nun möchte ich einfach nur noch nach Hause, mal sehen, wann die mich von der Leine lassen.

Den 2. Teil meiner Geschichte von letzter Woche, gibt es dann von zu Hause, ich habe sie hier leider nicht auf der Festplatte. Aber sie kommt, versprochen! ;-)

18.3.18 18:55

Letzte Einträge: Im Auge des Hurricans, Ein Kalender zum Advent, Geduld, Ich hab´ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd ^^, Life is a journey

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padernosder (18.3.18 20:45)
Hallo Marie,

ich will mich ja hüten, Deine Hilflosigkeit zu "bestätigen", die aus Deinem Erzählen so deutlich wird. Aber es muß gesagt werden, das Ganze ist ein "Elend"...

Und nun frage ich mich, wie Dir Dein Schreiben hilft? Es muß ja "Sinn machen", daß Du schreibst. Bei etwas Nachdenken meine ich, "schreiben" ist für Dich "leben". Du teilst Dich mit, also bist Du "da", gehörst einer Gemeinschaft an, die nichts mit Deiner Krankheit zu tun hat.

Ansonsten dreht sich alles in Deinem Leben um die Krankheit. Alles in Deinem Leben wird von ihr beeinflusst. Aber wenn Du schreibst, dann kannst Du versuchen, Deinen Kopf ein wenig frei vom Kranksein zu bekommen, auch wenn Du nur über das Kranksein schreibst.

Das klingt ein bisschen verrückt, aber ich vertraue auf mein Denken. Und dieses Denken sagt mir, zumindest ich sollte hier von Dingen schreiben, die nichts mit dem Kranksein zu tun haben. Ich kann Dir nicht sagen, wie sehr ich mit Dir mitfühle, ohne zu vermuten, daß Du genau das nicht von mir hören willst, denn ich bestätige dann ja nur Deine Krankheit.

Dein "erster Satz" ist gut: "Wer auch in der größten Not heiter bleiben kann, der ist heiter". Die meisten Menschen werden sagen, das geht doch gar nicht, doch ich glaube, in Deiner "extremen Welt" kommt man zu manch erstaunlicher Erkenntnis.

Es tut mir leid, daß Deine Männerbekanntschaften derzeit so unbefriedigend verlaufen. ;-) Der Eine quasselt zu viel, den Anderen kannst Du nicht riechen und der Dritte ist zu dominant. Ein wenig schwer vorstellbar, daß Du den Revolver im Halfter stecken läßt, solange Du Deine letzte Patrone noch nicht verschossen hast! ;-)


ide02 (19.3.18 07:54)
Liebe Marie,
heute war ich in Heidelberg und habe an dich gedacht. Ich wünsche dir so sehr,dass du nach dieser Chemo erst einmal Ruhe davon hast! Es muss doch endlich mal klappen,dass dir Schmerzen und Leid erspart bleiben und du dich wieder voll aufs Leben konzentrieren kannst.Ich drücke alle Daumen dafür!!


(19.3.18 17:32)
merry-n
Liebe Marie,
trotz aller Belastung und aller Schmerzen und Einschränkungen gehst du zwar immer wieder in die Knie, aber du stehst auch immer wieder auf. Und das finde ich absolut bewunderungswürdig. Du bist sehr stark und deshalb bin ich ziemlich sicher, dass du als Gewinnerin aus diesem Kampf hervorgehen wirst!
Dass du dir trotz allem die Zeit nimmst, meine Blogeinträge zu lesen und zu kommentieren, freut mich ganz besonders. Da du selbst schon in Afrika warst, kannst du natürlich das, was ich beschreibe, besonders gut nachvollziehen und dir vorstellen.
Ich wünsche dir, dass du irgendwann wieder nach Afrika reisen kannst und die Weite, die wilden Tiere und die unvergleichliche Landschaft genießen kannst. Vielleicht wirst du ja das Land mit dem schönsten Nachthimmel auf der ganzen Erde besuchen, Namibia.


ANJA / Website (20.3.18 11:31)
Liebe Marie,
wünsche dir weiterhin alles GUTE und lass es dir nur gut gehen.
Herzliche Grüße
ANJA
- Ich denk an DICH!


mausfreddy (20.3.18 12:34)
Hallo Marie!
Ich wünsche dir alles Gute!
Ich denke immer an dich!
Hoffe, dass du bald diese elenden Strapazen geschafft hast.
Genauso mache ich mir ernsthaft Sorgen um Helga.
LG mausfreddy

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