Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Besonders wertvolle Momente - "Gemeinsam stark - die Suche nach dem Osterhasen" Teil 1

„Der Wert einer Sache liegt nicht in der Zeit, in der sie andauert, sondern in der Intensität mit der sie geschieht. Deswegen wird es immer unvergessliche Momente, unerklärliche Dinge und unvergleichbare Personen geben. Nichts ist wichtiger, als der Moment, in dem wir uns gerade befinden, so steckt doch hinter jedem „keine Ahnung“, ein bisschen Wissen, hinter jedem „mir doch egal!“, ein bisschen Gefühl, hinter jedem „Vielleicht?!“, ein bisschen Entscheidung und hinter jedem „passt schon!“, ein bisschen Qual.“

 ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Wenn ich den Schalter zu den automatischen Türen der Kinderkrebsstation drücke und die Türen mit lautem Gepolter aufklappen, schlägt mein Herz immer wieder ein wenig schneller. Ich war schon oft auf dieser Station, anfangs, als ich selbst noch „arbeitender“ Teil dieser Klinik war und ich in freien Minuten, mit den Kindern etwas Zeit verbrachte oder jetzt als „Stammmitglied der tapferen Indianer“.

Das Blatt hat sich etwas gewendet, ich stehe nicht mehr als Ärztin ein wenig auf der anderen Seite, sondern ich sitze mittendrin im Dilemma. Ich versuche so oft es mir möglich ist, diese besondere Station zu besuchen. Es ist nicht einfach und es tut weh, die Kinder dort so zu sehen. Es sind kleine, sehr kleine Kinder, aber auch schon etwas Größere, die sich im Jugendalter befinden. Aber alle haben wir etwas gemeinsam. Krebs!

Tja, dieser unerschrockene Krebs, der vor nichts, aber auch gar nichts zurückschreckt, sucht sich seine Opfer unwillkürlich aus. Ihm ist es egal, ob es ein Baby, ein Kleinkind, ein Teenager oder ein Erwachsener ist, Hauptsache er kommt zu seinem Ziel. Zerstörung bis zum Ende. Die Macht dessen ist enorm, allerdings haben diese noch kleinen Wesen eine ganz besondere Kraft und viele leisten Widerstand und schaffen es mit viel Leid, diesem „Krebs“ Einhalt zu gebieten. Nicht immer gewinnt das Böse, auch das Gute hat ganz oft ungeahnte Kräfte.

Trotzdem ist es bedrückend, ich weiß selbst, wie schwer und schmerzhaft diese Krankheit ist. Das es ganz schlimme Tage gibt, die einem jegliche Kraft rauben. Der eine Tag ist relativ wunderbar und unbeschwert, der Nächste schon wieder furchtbar und kaum zum Aushalten. Ein auf und ab. Manchmal glaube ich, dass diese Kinder oft besser mit dieser besonderen Situation zurechtkommen, als manch Erwachsener. Sie wissen noch nicht viel und vielleicht ist genau das der Punkt.

Ich kann dort nicht viel tun und kann auch zur Zeit nicht sehr oft dort sein, aber wenn es dann wiedermal klappt, dann geht es mir anschließend gleich ein wenig besser. Die Ärzte und das Pflegepersonal versuchen wirklich viel und bemühen sich sehr, doch oft fehlt genau für diese besonderen kleinen Gesten, die so wichtig sind, die nötige Zeit.

Bei meinem letzten Besuch, nach einer meiner Bestrahlungen, war ich bei den 3-8 jährigen Kindern. Erstmal kommen viele Fragen und es dauert auch immer einen Moment, bis das Eis ein wenig gebrochen ist. Ich lese gerne was vor und da ich ja gerne schreibe, habe ich eine meiner letzten Geschichten mitgenommen. Ich hätte nicht erwartet, dass so kleine Kinder so konzentriert und gespannt sein können, es war einfach richtig schön. Wertvolle Momente.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Gemeinsam stark

Kaum war die Weihnachtszeit und die ersten Wochen des neuen Jahres vorüber, ging es auch schon wieder turbulent zu, dort oben im Wolkenland. Die kleineren Schutzengel mussten fleißig vieles über die Menschen lernen und so gingen auch sie, wie die Menschenkinder, Tag für Tag in den Unterricht. Einige Engel nahmen ihre Aufgaben sehr ernst und lernten und waren fleißig, andere wiederum nahmen vieles auf die leichte Schulter. Das gab dann immer mal ein großes Donnerwetter und die Menschen unten auf der Erde erschraken, wenn es kräftig polterte und blitzte.

Sebastian war einer dieser kleinen Engel, die immer wieder etwas zu viel Unfug trieben und es mit dem Lernen nicht ganz so genau nahmen. Seit sein bester Freund Jonathan auf den neuen kleinen König aufpassen musste und er nur noch ganz wenig Zeit für ihn hatte, war ihm ganz schön langweilig. Gerne hätte er auch so eine tolle Aufgabe übernommen und ein Königskind beschützt und begleitet, aber nein, er musste ja weiter die Schulbank drücken und warten bis er so viel gelernt hatte, dass Petrus auch ihn losschicken konnte. Dabei war er eigentlich der Meinung, dass er schon ganz schön viel wusste und konnte. Außerdem hätte Petrus ja auch mal bei ihm ein Auge zudrücken können, aber nein, seit er im letzten April das Wetter durcheinander gebracht hatte, als er mit fünf Anderen Bauchplatscher auf den Wolken machte und es plötzlich auf der Erde schneite, stand er unter besonderer Beobachtung.

Doch dann, eines Tages, rief ihn Petrus zu sich. Das konnte nur bedeuten, dass er wieder irgendetwas falsch gemacht hatte oder aber, er wagte es gar nicht richtig sich auszudenken, dass auch er endlich eine besondere Aufgabe, nur für ihn „Sebastian“, bekam.

„Sebastian“, sagte Petrus in einem nicht so ganz fröhlichen Ton, „ich denke, es wäre nun doch an der Zeit, dass auch Du eine Aufgabe bekommst, wo Du beweisen kannst, was in Dir steckt. Du bist nun alt genug und ich glaube, dass Du einiges gelernt hast.“

Sebastian riss seine Kulleraugen ganz weit auf, sein Herz klopfte ihm bis zum Hals, so aufgeregt war er, „bekomme ich auch einen kleinen König, auf den ich aufpassen soll und leitet mich auch ein Stern zu ihm?“

Petrus schüttelte mit dem Kopf: „Nein Sebastian, kein kleiner König, ich dachte mir, wir fangen woanders an und es ist auch in erster Linie keine direkte Funktion als Schutzengel, sondern eine ganz besondere Aufgabe. Wir haben nämlich ein richtiges Problem, der Osterhase ist weg.“

Sebastian stockte der Atem: „Der Osterhase ist weg? Ich habe damit nichts zu tun.“

„Das möchte ich damit auch gar nicht sagen, ich weiß, dass Du damit mal nichts zu tun hast, aber in wenigen Wochen ist Ostern und bisher wurde der Osterhase noch nirgends gesehen. Wir haben schon überall Ausschau gehalten, aber er ist nicht zu finden. Ich denke, Du bist schlau und weißt Dir zu helfen und ich bin mir sicher, dass Du ihn finden wirst. Die Menschenkinder warten auf den Osterhasen und es wäre einfach entsetzlich, wenn Ostern dieses Jahr nicht so fröhlich und bunt werden würde.“ Petrus schaute gespannt zu Sebastian und klopfte ihm dann behutsam auf die Schultern.

Sebastian runzelte die Stirn, „na super, eigentlich wollte ich auch eine besondere Aufgabe, so wie Jonathan sie hatte und jetzt soll ich diesen verlorengegangenen Hasen suchen? Einen Hasen? Ich möchte doch auch viel lieber ein Menschenkind beschützen, aber nein, ich muss einen Hasen suchen.“ Sebastian verschränkte die Arme und schob seine Unterlippe schmollend etwas nach vorne.

„Himmel, Sebastian, nun reiß Dich schon zusammen.“ Petrus wurde nun deutlich ernster und ärgerlicher. „Du hast eine besondere Aufgabe. Wenn Du den Osterhasen findest und das Osterfest so stattfinden kann, wie es die Menschen gewohnt sind, dann hast Du eine ganz besondere und wichtige Aufgabe geschafft. Du bewahrst den Menschen damit ihren Glauben und den Menschenkindern ihr Strahlen in den Augen, wenn sie am Ostertag die bunten Eier suchen und finden werden. Das zu schaffen Sebastian, ist genauso wertvoll.“

Noch gab Sebastian nicht nach, „aber es ist eben nur ein Hase. Wahrscheinlich lässt er es sich irgendwo gut gehen und hat vielleicht einfach dieses Jahr mal blau gemacht und einfach keine Lust auf bunte Eier und verstecken spielen.“

„Nein, er ist eben nicht einfach nur ein Hase, er ist genau „der Hase“, der wichtigste Hase der Menschen und das sollte Dir wichtig genug sein, Dich nun auf den Weg zu machen und Deine Aufgabe zu erfüllen.“ Für Petrus war die Diskussion nun beendet. Als Sebastian nochmal zum Widersprechen ansetzen wollte, drehte er sich um und schaute durch sein Fernrohr zur Erde herunter. „Sebastian, der Frühling hat schon begonnen, überall sprießen die Knospen, die Vögel bauen ihre Nester. Es wird Zeit, dass der Osterhase mit seiner Arbeit beginnt, Du musst den Menschen helfen.“

„Bekomme ich wenigstens auch einen Stern, damit ich weiß in welche Richtung ich fliegen muss?“ Ein wenig Hoffnung hatte Sebastian doch noch, denn die Sache mit dem großen hellen Stern fand er schon wirklich sehr originell.

„Nein, kein Stern. Es ist Frühling, Du musst die Zeichen deuten und Dich nun auf die Suche machen und ich weiß, dass Du der richtige Engel für diese Aufgabe bist.“ Petrus nickte und wies Sebastian den Weg zum Himmelstor.

Dort angekommen öffnete er die Tür mit seinem großen goldenen Schlüssel. Sebastian blickte nochmal zurück, seufzte und kletterte langsam die Himmelsleiter ein Stückchen nach unten und lies sich dann langsam Richtung Erde gleiten. Der beste Flieger war er nämlich nicht, irgendwie verlor er immer mal die Balance.

Der Weg war lang und dauerte eine ganze Weile, dabei gingen ihm so einige Gedanken durch den Kopf. Das war wieder typisch, endlich eine eigene Aufgabe und dann sollte er einen Hasen suchen. Hasen gab es ja genug, dachte er sich, irgendwo würde er schon einen aufgabeln und den würde er dann Petrus als den Osterhasen verkaufen. Also, eigentlich doch ganz einfach. Aber was machte ein Osterhase eigentlich nochmal? Wo wohnte er? Mist, dachte sich Sebastian, hätte er doch nur besser aufgepasst, als sie dieses Thema im Unterricht hatten. Na das konnte ja heiter werden.

Aber es half ja alles nichts, irgendwie musste er jetzt rausfinden, wo eigentlich der Osterhase wohnte und was genau der so tat. Ja und so wie Petrus sagte, musste er sich auch noch beeilen, sonst würde es knapp werden mit Ostern. Wenn er es tatsächlich schaffen würde, diesen Hasen zu finden, dann wäre Ostern für die Menschen gerettet und er wäre ein Held. Das hieße aber, er müsste wohl doch den richtigen Hasen finden.

Sebastian überlegte und überlegte und war sich dann sicher, dass Hasen wohl am besten im Wald aufgehoben waren. So flog er los und war bald am Waldrand angekommen. So ein großer Wald war für einen kleinen Engel schon beeindruckend und ein wenig ängstlich war er im ersten Moment schon. Aber kaum hatte er die ersten Bäume hinter sich gelassen, traf er auf „Erna“, die Eule, die es sich auf einem Ast bequem gemacht hatte und den kleinen Engel skeptisch beäugte.

„Huhu, ich bin Sebastian und suche den Osterhasen“, sagte Sebastian. „Kannst Du mir vielleicht helfen oder hast Du eine Idee wo ich ihn finden könnte?“

„Hasen gibt es hier viele, aber den Osterhasen habe ich schon länger nicht gesehen. Eigentlich müsste er ja schon mit seiner Arbeit begonnen haben, aber jetzt wo Du es so sagst, fällt mir auf, dass er schon lange nicht mehr hier war.“ Erna drehte mit ihrem Kopf hin und her, schaute nach oben und unten. Sebastian war beeindruckt, so weit konnte er seinen Kopf nicht nach hinten drehen, jedenfalls tat der Versuch ziemlich weh.

Sebastian rieb sich den Hals: „Ich weiß, dass er vermisst wird, genau deshalb bin ich hier. Ich dachte, vielleicht hat er einfach mal keine Lust und versteckt sich irgendwo?“

„Nein, das glaube ich nicht. Der Osterhase ist sehr gewissenhaft, da muss es einen anderen Grund geben. Ich hoffe es ist ihm nichts passiert. Weißt Du was, ich helfe Dir, gemeinsam werden wir den Osterhasen finden, was sagst Du dazu?“ Erna war ganz aufgeregt, so lange wohnte sie schon in diesem Wald, aber so etwas wirklich Aufregendes gab es dort eigentlich nicht. Mal stritten sich die Eichhörnchen, mal kugelten die Igel um die Wette durchs Unterholz, aber ein kleines Abenteuer, dass gab es nicht.

Sebastian plumpste ein Stein vom Herzen, er hatte einen Begleiter und damit eine Freundin gefunden, die ihn unterstützen würde. Gemeinsam geht doch vieles besser und er war sich sicher, dass sie es schafften, dass Osterfest für die Menschen zu retten.

„Komm Erna, lass uns keine Zeit vergeuden, die Zeit wird knapp und ich glaube, wenn wir den Osterhasen gefunden haben, dann müssen wir ihm helfen alles für das Osterfest vorzubereiten.“

Und so machten sich das etwas ungleiche Paar auf den Weg. Erna flog geräuschlos durch den Wald und Sebastian war erstaunt wie leise sie sich fortbewegen konnte. Dafür war Sebastian nicht ganz so behutsam. Er verfing sich immer mal in einer Tanne oder zog den Kopf nicht schnell genug ein und kassierte sich eine dicke Beule auf der Stirn. Aber auch das hielt ihn nicht auf. Er hatte eine Mission und eine neue Freundin, dass musste einfach klappen.

Oben über den Wolken beobachtete Petrus die Beiden und war überzeugt, mit Sebastian den richtigen kleinen Engel ausgewählt zu haben.

Teil 2 folgt....     © Marie Luise

 ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Damit es heute nicht zu lange wird, habe ich noch nicht die ganze Geschichte veröffentlicht. Der 2. Teil folgt dann in einigen Tagen.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 

 ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Vor einigen Wochen war ich mir nicht sicher, ob ich den kommenden Frühling nochmal miterleben werde. Nun hat er bereits begonnen und ich freue mich jeden Tag darüber. Ich sehe es gerade in diesem Jahr mit etwas anderen Augen und es ist einfach etwas Besonderes, dass alles wieder oder nochmal erleben zu dürfen.

Ich weiß, dass ich bis heute ganz viel Glück hatte, ob alleine mein Wille gereicht hat, weiß ich nicht, es waren wohl einige Komponenten, die da zusammenwirkten.

Am Wochenende war ich bei „meinen“ Eselchen im Stall und ich freue mich, wenn sie bald wieder auf der Koppel grasen und ich es hoffentlich schaffe dort hinauf zu gehen und einige lange Sommertage auf meinem Friedhofsmäuerchen liegen oder sitzen kann. Ich hoffe es kommt nicht anders.

 ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

13.3.18 22:42

Letzte Einträge: Frühling vs. Herbst und der verwunschene Prinz ;-), Im Auge des Hurricans, Ein Kalender zum Advent, Geduld, Ich hab´ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd ^^

bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(14.3.18 04:10)
merry-n
Du hast wirklich das Erzählgen. Die Geschichte ist wunderbar! Du schaffst es, dass man gleich nach den ersten Sätzen mitten in der Geschichte ist. Auch als Erwachsene lese ich deine "Kindergeschichten" immer voller Begeisterung. Ich freue mich auf die Fortsetzung und hoffe auf ein happy end.


padernosder (14.3.18 04:54)
Hallo Marie,

eine nette Kindergeschichte, und das Läuten der Schneeglöckchen dazu... ;-)

Da steckt eine Menge Arbeit drin, bis so eine Geschichte fertig geschrieben und erzählt ist. Ich hoffe, auf der "Kinder-Station" gibt es viele leuchtende Augen und knisternde Spannung!


mausfreddy (14.3.18 11:59)
Hallo Marie!
Ich bin sehr gespannt. Ich liebe solche Geschichten.
Ich glaube, ich bin ein Kind geblieben.)
Du machst das großartig.
Die Kinder hingen dir sicher gespannt am Mund.
LG mausfreddy


Dorehn (15.3.18 00:37)
...auch wenn wir unsere engelhaften "Schutzpatronen" vielleicht nicht mit Namen kennen, aber dass es sie gibt, das hat sicher jeder schon gespürt in irgendeinem Moment, und so ist es wunderbar, Kindern ein Gespür für und von diesen unsichtbaren oder zu zugegegen Wesen vermitteln zu können, und sei es, um den "Osterhasen" aufzuspüren... - vor mir hoppelten heute zwei zur nächtlichen Zeit nach einer Probe nachhause fahrend über die Straße - sie sind da und schon mächtig aktiv!


(16.3.18 03:25)
Hallo, Marie!

Wie du (übers Leben) schreibst hat etwas mit dem Frühling gemeinsam, bei dir sind es nur eben nicht die Blumen sondern die Worte die blühen.

LG vom Lifeminder

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen