Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Pokerface

"Manchmal sind es meine Träume, die mich überwintern lassen, die mich in der Zeit abgestorbener Liebe und erforener Hoffnung, in zarten Bildern ahnen lassen, dass kahle Zweige morgen wieder Knospen treiben werden!"

 

 

Lieber Hannes,

heute ist es genau ein Jahr her, als wir uns das letzte Mal sahen, Du mich das letzte Mal in den Arm genommen hast. Jedes Jahr am Valentinstag kamst Du zu mir, egal wie spät es war. Dieses Ritual hattest Du immer aufrecht erhalten, die eine weiße Rose, die Du mir immer mitgebracht hattest. Egal was auch in unserem Leben passierte, wie weit entfernt wir auch manchmal von einander waren, wir waren uns immer Nahe.

Doch dann kam alles anders. Das Schicksal spielte russisches Roulette und änderte unser Leben abrupt. Nicht mal dieser blöde Krebs hat mich dermaßen aus der Bahn geworfen, als dieser eine Anruf, der kurz vor Mitternacht kam. Am 15.02. um 3:08 Uhr hat dann Dein Herz aufgehört für immer für uns zu schlagen. Aber Du konntest noch einige Leben mit Deinem Leben retten. Das macht den Schmerz nicht weniger oder besser erträglich, aber es war bestimmt eine gute Entscheidung, die Du schon einige Jahre vorher für Dich getroffen hattest.

Nichts ist seitdem mehr wie es war. Du fehlst mir in jeder erdenklichen Situation und sei es noch so lapidar. So vieles würde ich Dich gerne noch fragen und so manches Mal auch um Rat fragen. Mein Handeln vorher mit Dir besprechen. Ja, ich weiß, auch wenn ich meinen Dickkopf oft etwas unüberlegt durchgesetzt habe, war mir Deine Meinung immer wichtig.

Vieles ist in den letzten Monaten geschehen, doch die Welt dreht sich weiter, nimmt keine Rücksicht auf Gefühle und Verluste. Das musste ich erst lernen zu verstehen. Der Anfang war schwer, eigentlich in den ersten Wochen unüberwindbar. Die Zeit heilt keine Wunden, diese Aussage halte ich nach wie vor für großen Quatsch, aber ich lerne damit zu leben, zu akzeptieren und umzugehen.

Tja, wie hast Du so oft immer zu mir gesagt: „Pokerface“. ;-) Na klar, ohne dass geht’s doch nicht, so war ich jedenfalls immer der Annahme.

Ich glaube, dass ich mittlerweile einen guten Weg gefunden habe, dass alles in irgendeiner Weise zu akzeptieren, aber es gibt Tage, da gelingt es mir überhaupt nicht. Vor dem heutigen Tag hatte ich eine wahnsinnige Angst und ich weiß auch noch nicht ganz genau, wie ich ihn verbringen werde. Auch wenn Dein offizieller Todestag der 15.02. ist, wird es für mich immer der 14.02. sein. Der Tag, an dem wir uns verabschiedeten, ohne zu wissen, dass es das letzte Mal war. Der Tag, an dem Du verunglücktest und der Tag, der einfach alles änderte.

Es gibt nicht viel zu sagen, aber ich vermisse Dich unendlich „kleiner großer Bruder“. Ich bin wahnsinnig stolz das Du mein Bruder bist („warst“ hört sich noch ganz furchtbar an). Es gibt keinen Besseren.

Ich hoffe da oben geht es Dir gut und Du treibst nicht so viel Unsinn mit den Engeln. Naja gut, ohne dass ich dabei bin, läufst Du natürlich nicht so sehr Gefahr in Dummheiten verstrickt zu werden. ;-) Aber ich denke, dass Du wohl noch eine Weile da oben alleine klar kommen musst. Das bekommst Du aber ganz sicher hin und Du siehst ja, wie oft ich Dich als meinen Personal-Schutzengel in den letzten Monaten gebraucht habe. Also Langeweile mein lieber Hannes, wird es nicht geben. Aber das bist Du ja mit mir gewohnt.

Tja, dann will ich mal heute sehen, was ich am Valentinstag so ohne Dich mache. Niemand der mir unverhofft sagt, wie wichtig ich ihm bin und froh ist, mich in seinem Leben zu haben, weil ich mal wieder an diesen Tag nicht gedacht habe. Ich glaube aber schon, dass ich mittlerweile mein „Pokerface“ verloren habe und durchaus zu einem emotionalen „Etwas“ mutiert bin. Kaum zu glauben, aber ist schon so.

Ich würde alles tun, um diesen Tag vor einem Jahr ungeschehen machen zu können. Aber leider liegt das nicht in meiner Macht. So ein bisschen Hokuspokus wäre schon manchmal wirklich schön.

Ich habe Dir versprochen, dass ich alles tun werde, um wieder gesund zu werden. Es ist nicht immer ganz einfach, auf diesem Weg zu bleiben, gerade jetzt stehe ich wieder vor einer Entscheidung und da bin ich mir nicht so ganz sicher, wie das endet. Trotzdem denke ich, dass Du auch ein wenig stolz auf mich sein kannst, auch wenn ich mich manchmal wohl ganz schön anstelle und ganz schön zickig bin.

Ich liebe Dich, bis zum Mond und wieder zurück!

Deine Marie

14.2.18 00:59

Letzte Einträge: Im Auge des Hurricans, Ein Kalender zum Advent, Geduld, Ich hab´ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd ^^, Life is a journey

bisher 9 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(14.2.18 07:40)
merry-n
Ich kann mir zum Glück nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie schmerzlich gerade der erste Jahrestag für dich sein muss. Ich hoffe, dass du liebe Menschen um dich hast, die dir heute beistehen und dich trösten. Ich umarme dich!


Helga / Website (14.2.18 08:07)
Moin liebe Marie,
das ist ein sehr schwerer Tag für Dich und ich wünsche Dir von ganzen Herzen das es einigermassen überstehst. Solche Tage sind sehr schwer und grade jetzt in Deiner Situation fällt es doppelt schwer. Fühle Dich mal virtuell tröstend gedrückt . Ich habe heute Neurotermin und werde gegen 10 Uhr abgeholt.
GLG Helga


pally (14.2.18 19:00)
Liebe Marie, ich habe zwar keine Geschwister, die von mir gegangen sind, aber es gibt ja noch andere Familienmitglieder, denen man nahestand. Darum kann ich gut nachvollziehen, wie es Dir im Augenblick ergeht. Das erste Jahr ist immer das Schlimmste, aber mit den Jahren setzen sich die freudigen Erinnerungen durch. Schließlich geht das Leben ja weiter! LG pally


mausfreddy (14.2.18 22:20)
Hallo Marie!
Dieser Tag ist sehr schwer, das kann ich mir gut vorstellen.
Das er nicht mehr da ist und dir eine weiße Rose bringt.
Das er dir nicht mehr seine Zuneigung zeigen kann.
Deine nächste Bezugsperson einfach weg.
Hoffe du hast ein paar Freunde, die dir heute ein bisschen beistehen.
Die Zeit vergeht und der Schmerz wird blasser, doch vergehen wird er nie. Gut, daß er dir jetzt als Schutzengel beistehen kann. Es ist eine tröstliche Vorstellung. LG mausfreddy


padernosder (16.2.18 08:58)
Hallo Marie,

beim Trauern wird, so denke ich, besonders deutlich, wie unterschiedlich Menschen denken und fühlen. Manche Gefühle können wir nicht "steuern", aber da, wo es uns möglich ist, sollten wir es uns nicht zusätzlich schwer machen.

Doch das ist ein "weites Feld" und kann hier nicht in der nötigen Ausführlichkeit erörtert werden. So hart es klingen mag: Du "lebst" und das ist das Wichtigste. Dein Versprechen, welches Du Deinem Bruder gabst, ist vielleicht Deine größte Kraftquelle: Also nutze sie!

Ich schreibe das als "meine Meinung", in dem Wissen, daß ich als "Außenstehender" eigentlich nichts zu meinen habe. ;-)


Elisabeth (16.2.18 12:49)
Hallo Marie, ich wünsch dir alle Kraft der Welt! Werd gesund und nutze alle schönen und positiven Dinge, die es in deinem Leben gibt!...auch wenn momentan wahrscheinlich die traurigen und schweren Momente überwiegen.
Hannes würde genau das wollen: dass du gesund wirst und dass du glücklich bist. Ich bin mir sicher, dass er dir immer zuschaut und auf dich aufpasst!
alles Liebe
Elisabeth


Indianwinter (16.2.18 16:38)
Hallo Marie,
ein schwerer Tag für dich, wie Doris schreibt, der Schmerz wird blasser, aber vergehen wird er leider nie...
Man lernt, damit zu leben und eines Tages denkt man mit einem Lächeln an den geliebten Menschen.

Auch von mir weiter alles Liebe und viel Kraft, ich bin überzeugt, dein Bruder ist bei dir!
GLG, Barbara


Faradei (18.2.18 13:05)
Lieber Hannes - Deine Marie!


Frank (18.2.18 17:51)
Darf ich den letzten Kommentar merkwürdig finden?

Ich bin sehr stolz auf dich, dass du die letzte Woche so souverän gemeistert hast.

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