Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Die Sache mit dem Selbstwertgefühl

„Es gibt Menschen, die verletzten mich immer wieder. Dann frage ich mich, warum sie das tun? Aber die richtige Frage lautet doch eigentlich: Warum lasse ich es zu, dass es immer wieder passiert?“


 Mittlerweile ist der erste Monat des neuen Jahres schon wieder vorbei. Die Zeit rennt und 2018 schreitet in seinem Trott voran. Eigentlich habe ich bisher noch nicht ganz verstanden, was 2017 alles für mich und um mich passiert ist. 

Der Kontakt zu meiner Großtante tut mir unheimlich gut. Die doch schon sehr betagte Lady hält mich auf Trapp und erweckt einige verborgene Energien in mir. Gut, mit meinen derzeitigen Energien muss ich noch dringend lernen besser hauszuhalten, denn ich rutsche, wie so oft, schnell in meine Selbstüberschätzung und überfordere mich gerne mal selbst. Das rächt sich dann ziemlich schnell und mit Wucht.

Vieles geht noch nicht und vieles sollte ich derzeit wohl auch lieber lassen. An erster Stelle steht da der Kontakt mit Menschen, die mir definitiv nicht gut tun. Unangefochten auf Platz 1, meine Mutter. (tja, wer hätte es wohl gedacht)

Vor ein paar Tagen dachte ich im ersten Moment, wow, vielleicht ist ja nun doch mal der Groschen bei ihr gefallen, aber im direkten nächsten Moment, war diese Illusion auch gleich schon wieder zerplatzt wie eine Seifenblase. Sie wird sich nie ändern.

Das nun recht gute Verhältnis zu meiner Großtante passt ihr nicht. So gar nicht. Gut, ich habe es nicht anders erwartet, denn generell passt ihr nie etwas, egal in welcher Form. Und hat es etwas mit mir zu tun, ist es sowieso nicht richtig. Aber da ihr ja nie oder meistens etwas entgeht und ich mir schon ernsthaft überlegt habe, ob sie mir nicht irgendwo eine Wanze untergejubelt hat, blieben die Besuche von meiner Tante nicht lange in ihrer Unkenntnis.

Meine Mutter bittet schon aus Prinzip niemanden um etwas, sie setzt voraus und Punkt! Vor ein paar Tagen stand sie somit unangekündigt mal wieder bei mir auf der Matte und ja, natürlich habe ich sie nicht abgewiesen. Das ist der Punkt, den ich allerdings hinterher bei mir selbst nicht verstehe, warum lasse ich solche Situationen immer wieder zu? Ja, weil sie meine Mutter ist und ich hoffe, dass sie das auch irgendwann nochmal begreift. Eine andere Erklärung kann ich mir selbst dazu nicht geben.

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„Na Marie, heute mal keinen Besuch?“

„Wen hast Du denn erwartet hier anzutreffen?“

„So wie mir zu Ohren gekommen ist, knüpfst Du ja momentan intensive Kontakte zu Familienangehörigen.“ (Aha, daher wehte der Wind, logisch es hat ja auch schon viel zu lange gedauert)

„Hast Du ein Problem damit?“

„Es wundert mich schon, da Du ja der Familie gerne mal aus dem Weg gehst.“ (Wer würde das nicht, bei diesem intrigenhaften Gesindel)

„Da solltest Du Dich mal fragen, woran das wohl liegen könnte.“

„Wie dem auch sei, Deinen Dickkopf hattest Du ja schon immer. (Dickkopf) Aber ich habe gerade nach meiner Gallenoperation viel nachgedacht und mir ist bewusst geworden, wie schnell das Leben vorbei sein könnte.“ (Genau, die Gallenoperation, die toppt natürlich alle bisherigen todbringenden Epi- und Pandemien der Menschheitsgeschichte)

„Dir wurde die Galle entfernt, dass ist sicher nicht schön, allerdings auch nicht sehr dramatisch.“

„Ist ja wieder klar, dass Du alles wieder runterspielst. Aber nein, mir ist klar geworden, dass ich mir etwas "für Dich" und "von Dir" wünsche.“ (Oha, ich ahne schlimmes)

Einen winzigen Moment habe ich wirklich gedacht, wow, auch wenn nur die Galle entfernt wurde, vielleicht ist ihr doch endlich ein Licht aufgegangen, dass sie so mit ihrer Tochter nicht umgehen sollte und sie vielleicht einfach mal hofft, dass genau diese Tochter wieder gesund wird. Aber es kam anders……

„Werde ich jetzt verwünscht, geht es Dir um "Deine Wünsche oder hast Du vielleicht doch mal einen guten Wunsch für mich?“

„Ich wünsche mir, Dich irgendwann nochmal in einem weißen Kleid zu sehen und das Du bald einen würdigen Mann findest. So romantisch wie Romeo und Julia, bevor Du komplett zu alt bist. So ein Ereignis wäre doch wirklich nochmal richtig schön.“

Stille

.

Stille

.

Stille

(aufwachen, ganz schnell aufwachen, scheiße ich war tatsächlich wach…to much information)

„Na, überrascht?“

„Ich glaube überrascht trifft es nicht wirklich. Würdiger Mann? Weißes Kleid? Romeo und Julia? Zu alt? Gut, älter wie Romeo und Julia mit ihren 14 und 18 Jahren bin ich wohl, allerdings dauerte diese romantische Beziehung 3 Tage und endete mit 6 Toten, ich bin mir sicher, dass ich das meiner Tochter niemals wünschen würde. Und „weiß“, trage ich überwiegend nur an der Arbeit! Was wäre denn ein würdiger Mann?“ (ich glaube so manchmal hat sie wirklich nicht den Schuss gehört, sorry)

„Wenn Du mir immer solche patzigen Antworten gibst, brauchst Du Dich nicht wundern, warum wir uns ständig streiten. Er sollte schon zur Familie passen.“

Stille

„Wäre es nicht gescheiter, er würde in erster Linie zu mir passen?“

„Die Familie ist schon wichtig.“

„Die Familie ist mir gerade in dieser Beziehung ziemlich schnuppe. Außerdem bin ich mir sehr sicher, dass Ihr recht wenig mit "ihm" zu tun hättet oder sagen wir es noch genauer, Ihr hättet gar nichts mit ihm zu tun.“

„Willst Du ihn dann im Keller verstecken.“

„Nein, auswandern!“

 „Ich sehe schon, Du willst mich nicht verstehen. Ich würde gerne nochmal so ein Fest erleben mit allem was dazu gehört.“

„Dann heirate doch selbst nochmal, wenn es so wichtig für Dich ist. Auf mich brauchst Du da nicht hoffen, selbst wenn ich sogar in einem gewissen Maß verstehen kann, dass Du die Hochzeit Deiner Tochter erleben möchtest. Allerdings ist der Hintergrund dazu nicht Deine Liebe zu mir, sondern einfach nur weil es sich gut in der Gesellschaft macht, Du im Gespräch bleibst, Du Dich ständig beschweren kannst, wieviel Arbeit das alles macht usw. usw. Ich möchte das nicht und wollte das auch noch nie. Und das weißt Du ganz genau. Schön wäre es, wenn Du einfach nur mal hoffen könntest das ich wieder gesund werde, anstatt sich hier Märchen erzwingen zu wollen.“

„Ich dachte durch diese Operation wäre dann jetzt alles in Ordnung.“

„Entschuldige bitte, aber denken ist eben auch manchmal Glückssache und mir ist jetzt immer noch nicht klar, warum Du jetzt gerade hier bist. Unfrieden stiften? Mich aufregen? Ich glaube, auch wenn ich das schon öfters gesagt habe, Du solltest mich einfach in Ruhe lassen.“

„Du bist undankbar, unhöflich und herzlos.“ (das wird es wohl sein)

Ich hasse diese Familie!

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Gestern habe ich endlich die Halbzeit in Heidelberg eingeläutet. Chemo 6/12. YES! Auch wenn noch viele Wochen mit vielen Katastrophen vor mir liegen, ist das doch schonmal was. Schließlich will ich ja nicht undankbar sein, dass ich bis jetzt durchgehalten habe und vielleicht doch eine reelle Chance habe. ;-)

Vielleicht bin ich wirklich manchmal undankbar, bestimmt bin ich das und unhöflich unter Garantie auch. Mein Psychotherapeut kann das sicher bestätigen. Der bekommt immer mal alles ab. ;-) Allerdings bin ich sicher nicht herzlos. Ich glaube ich habe an manchen Stellen so manches Mal schon zu viel „Herz“ im Spiel und mache mir sehr viele Gedanken um viele Dinge und Menschen, gerade um die, die mir Nahe stehen. Das macht es aber auch nicht unbedingt leichter.

Menno, solche Konfrontationen ziehen mich immer enorm runter. Tschüss, Adios, au revoir, bye bye...Selbstwertgefühl!

Aber sie schafft es immer wieder, auch wenn es „nur“ um eine blöde Hochzeitsillusion geht. Und diese Manipulationen hat sie schon immer gut beherrscht. Da ist oder war es egal, ob ich 7 oder 43 Jahre alt bin. Und es wird sich einfach nie ändern. Es verletzt mich einfach zu tiefst.

Auswandern, andere Stadt, anderes Land, anderer Kontinent, am besten ein anderes Sonnensystem. Ja, dass wäre doch nett. Und dann mit einem Fernrohr die Erde beobachten und sich so denken, „Ach schau, da leben sie vor sich hin und ich bin endlich raus aus der Nummer!“ ;-)


Wenn das mein Psychotherapeut lesen sollte, werde ich wohl postwendend abgeholt und eingewiesen. Aber kommt wahrscheinlich auch nicht mehr darauf an. Doch, Moment, auch dann wäre ich raus aus der Nummer. ;-) Ich glaube ich muss eine Weile nochmal gründlich nachdenken…….

3.2.18 15:34

Letzte Einträge: Ein Kalender zum Advent, Geduld, Ich hab´ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd ^^, Life is a journey, Und wiedermal wird es Weihnachten....

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Helga / Website (3.2.18 15:53)
Liebe Marie,
ich musste doch etwas schmunzeln über den Schluss - anderes Sonnensystem wäre ideal bei so einer Mutter. Nach Deiner Chemo war das wohl der Höhepunkt für Deine Gefühle. Am besten stellst Dich stur und machst einfach nicht auf. Das sie ihre OP als schlimmer betrachtet als Dein Leiden, war ja zu erwarten. Und dann noch diese Hochzeitswünsche - da geht es ihr auch nur um sich selbst - es ist Dein Leben und da hat sie nix zu suchen!
Ich hoffe, die Halbzeit ist Dir gut bekommen und den Rest musst dann auch schaffen - drücke weiter Däumchen.
GLG Helga


mausfreddy (3.2.18 17:31)
Hallo!
Ich drücke auch die Daumen.
Das tue ich schon lange, die tun mir schon weh.
Im Vergleich zu dir, Peanuts.
LG mausfreddy


padernosder (3.2.18 21:22)
Hallo Marie,

nichts Neues von der Familienfront, Halbzeit bei der Chemo, und ein kleiner Ausflug zu Shakespeares Helden. Da ist man doch als Leser gut bedient und könnte meinen, alles im grünen Bereich...

"Wir" haben hier ja schon viel über Deine Mutter "diskutiert". Ich denke, Du darfst sie kritisieren, ich als Leser eher nicht. Es ist absolut "makaber", daß ausgerechnet die eigene Mutter ein "Störfaktor" beim Gesundwerden ist, der nicht "ausgeräumt" werden kann. Wie soll man das beschreiben bzw. bezeichnen? "Irrwitz"? Vielleicht trifft es ja auch die Fußballweisheit: "Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech hinzu!" ;-)


Faradei (5.2.18 00:52)
Und doch, liebe Marie, habe ich den Eindruck, du bist robuster geworden im Umgang mit diesen Selbstwertgefühl angreifenden Anwürfen.


(5.2.18 06:51)
merry-n
Wie heißt es so schön:" Die Hoffnung stirbt zuletzt!" Das prägt auch dein Verhältnis zu deiner Mutter und ist bestimmt mit ein Grund für deine Leidensfähigkeit und gleichzeitig deine Fähigkeit nicht aufzuhören zu hoffen in dieser Beziehung. Vielleicht ist das auch gut so, denn es macht dich und dein Menschsein doch aus.
Du bist ein gutes Stück auf deinem Weg zur Gesundheit weitergekommen und das ist das allerwichtigste. Ich drücke dir die Daumen, dass die zweite Hälfte des Weges leichter wird!


Saskia / Website (5.2.18 11:40)
Liebe Marie,
ich "folge" dir schon eine Weile, schmunzle über deine tolle Art zu schreiben und "bewundere" deine Stärke und manchmal auch den Galgenhumor-aber was bleibt dir anderes übrig!
Die Sache mit deiner Mutter..das mit dem anderen Sonnensystem ist vielleicht keine schlechte Idee, aber vielleicht reicht es auch, wenn du SIE einfach auf en Mod schießt...!
Ich wünsche dir weiterhn alles Gute und viel Kraft-in allen Belangen! <3

Saskia


Pascale (5.2.18 13:11)
In welcher Art und Weise verletzten Dich diese Menschen?
Liebe Grüße

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