Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

365 Tage * 52 Wochen * 12 Monate oder ein ganzes Jahr

„Und wenn Du den Eindruck hast, dass das Leben ein Theater ist, dann such Dir eine Rolle aus, die Dir so richtig Spass macht!“ (William Shakespeare)


Die letzten Tage des Jahres habe ich auf Sylt verbracht. Es war stürmisch, die Nordsee war rau und ungestüm, im Endeffekt lag alles im Einklang mit dem vergangenen Jahr.  Ich habe viel nachgedacht, überdacht, reflektiert. 12 Monate, 52 Wochen, 365 Tage, ein ganzes Jahr.

Zuerst dachte ich an all die Menschen, die mich überraschten, unterstützten, mich akzeptierten in jeglicher meiner Verfassungen, mir halfen, mich liebten, auch wenn ich teilweise wohl wenig liebenswert war, aber auch an die Menschen, welche mich enttäuschten und teilweise auch bewusst verletzten.

Es gab viele schöne Momente, aber auch viele traurige, wütende, hoffnungslose, schmerzhafte. Ein eigener Kampf zwischen Angst und Hoffnungslosigkeit. Die blauen Flecken auf meiner Seele und meiner Psyche halten an und kommen an manchen Tagen oder in manchen Nächten ohne Rücksicht nach oben. Manchmal so unverhofft, dass mir die Luft zum atmen fehlt.

Todesangst ist etwas Unbeschreibliches, auch wenn ich immer dachte oder annahm, dass ich mit einem bewussten Sterben zurechtkommen würde. Aber der Kampf ums eigene Überleben ist dennoch sehr ausgeprägt und gerade im letzten Jahr ist mir sehr bewusst geworden, wie sehr ich doch an meinem Leben hänge und wie gerne ich noch einige Jahr erleben und leben möchte.

Die Frage nach dem „Warum“ oder „warum gerade ich“ habe ich schon länger aufgegeben. Es gibt keine Erklärung, zumindest keine wirklich befriedigende. Und vielleicht ist auch genau das gut so. Natürlich gehen da viele Meinungen, gerade auch bei den Menschen in meinem Umfeld auseinander. Dennoch bin ich ein Verfechter davon, dass nicht jeder meiner Meinung sein muss. Meinungen dürfen auch ruhig schon mal auseinander gehen und gerade was die Thematik Krebs in der Entstehung und Behandlung und auch in der Prognose angeht, gibt es schon sehr deutliche unterschiedliche Meinungen. Es kursieren die seltsamsten Mythen und gerade in Mitten der kuriosesten Ansichten, funktioniert das menschliche Schneeballsystem ausgezeichnet. Meine ehrliche Meinung dazu: wenn man keine Ahnung hat, dann doch besser einfach mal die Klappe halten, anstatt seltsame Dinge zu verbreiten. PUNKT!

Leider Gottes ist meine Mutter so jemand, der gerne mal auf einen Karren aufspringt und dann mit den tollsten Erkenntnissen mit der Tür ins Haus fällt. Meistens trifft es mein Haus und somit meine Tür. Sie kann es nach wie vor nicht lassen mich zu belehren. Gut, könnte an ihrem Beruf liegen, so eine Studienrätin weiß ja grundsätzlich alles und vor allem alles besser. Kein Wunder, dass ich dann manchmal der Klugscheißerei verfalle und es dann, jedenfalls in medizinischen Dingen, tatsächlich besser weiß. Ihre Aussagen oder Andeutungen sind auch nicht immer sonderlich gut überlegt. „Marie, bei Deiner vornehmen Blässe sieht es so aus, als wärst Du kurz vorm Sterben!“ *** „Danke, Mama.“ Auch wenn ich heute behaupten kann, gerade mal nicht kurz vorm Sterben zu stehen, ist die ganze Sache doch noch lange nicht ganz vom Tisch. Ich glaube schon, dass der Tod noch nicht außer Reichweite ist und es jeden Tag wieder anders sein könnte. Natürlich weiß niemand was morgen kommt, dass meine ich damit auch nicht.

Meine große schwere Operation liegt nun ein Jahr hinter mir. Vor einem Jahr war es noch nicht sicher, ob ich die nächsten Wochen überlebe. Dennoch habe ich mich Tag für Tag und Woche um Woche, ein Stückchen weiter wieder ins Leben zurückgekämpft. Es gab immer mal wieder Tage, wo es einige Schritte zurückging, aber das Endresultat Ende Januar war dann doch ganz zufriedenstellend. Manchmal war ich nahe am Aufgeben, gerade wenn Fortschritte auf sich warten ließen und bis ich sicher wieder auf meinen beiden Beinen stehen konnte, war es doch ein langer, mühsamer Weg. Aber es gelang mir und ich glaube mein nicht unwesentlicher Dickkopf, hat mich dabei doch ziemlich unterstützt. Meine eigene Ungeduld stand mir leider sehr oft im Weg. Vielleicht wäre doch einiges anders verlaufen, wenn ich nicht immer gleich mit dem Kopf durch die Wand wollte. Vielleicht.

Trotz dieser Operation blieben mir weitere Chemos nicht erspart. Im Grunde hatte ich vor jeder einzelnen Chemo riesige Angst und einen gehörigen Respekt. Dies wurde auch leider bis zur letzten Behandlung nicht besser. Die Nebenwirkungen setzten mir enorm zu und die Abstände waren einfach zu kurz, um zwischenzeitlich etwas an Stärke gewinnen zu können. Im August war es dann vorerst überstanden. Jedes Ende einer Behandlung fand stets unter Vorbehalt statt. Wirklich feste Tatsachen gab es leider nie, nichts woran ich mich festhalten konnte.

Die Hoffnung, dass irgendwann alles gut werden wird, ist alles was ich bis heute habe. Nächste Woche geht es wieder los oder weiter, je nachdem aus welcher Sichtweise es betrachtet wird. Es liegt eine weitere Operation vor mir, die wiederum nicht ganz einfach, aber auch nicht vergleichbar mit der vorherigen, sein wird. Vorher werden nochmal zwei Chemos laufen. Die erste beginnt am Montag. Die zweite eine Woche später und eine Woche darauf wird dann nochmal operiert. Ein harter Weg, der da wieder, gleich zu Jahresbeginn vor mir liegt. Wenn die Ergebnisse nach der Operation dann negativ (negativ = gut) sind, wäre es tatsächlich richtig gut. Zur Prophylaxe wären dann nur noch einige Bestrahlungen erforderlich und die sind dann im Gegenzug zu allen anderen Dingen, ein Klacks. Aber bis dahin muss ich wohl noch ein paarmal die Pobacken kräftig zusammenkneifen. Und wie schon so oft, sind mir diese beiden Chemos gruseliger, als die folgende Operation. Ach ja, und dann habe ich ja auch wieder den aufdringlichen Assistenzarzt zu ertragen. Das ist in der Tat am gruseligsten.  ;-)

Was gab es sonst noch? Natürlich überschattete der Krebs das ganze Jahr. Sehr viel daran geändert hat sich nicht. Auch wenn ich weiterhin meinen Humor und meine Lebenslust nicht verloren habe, da muss ich mir doch auch mal selbst auf die Schultern klopfen.  ;-) Ich sag´s Euch, dass ist und war nicht immer ganz so einfach. Aber ich habe versucht viele Dinge trotzdem zu machen. Trotz Krebs, trotz mörderischer Therapien. Irgendwas ging immer. Gut, es ging auch immer mal etwas schief. In Selbstüberschätzung bin ich richtig gut und in der Überschätzung meiner Fitness noch ganz viel besser. Ich weiß, dass ich manchmal nicht besonders vernünftig handle oder gehandelt habe, und dass manche Dinge auch nicht immer gesund sind. Mein Naturell werde ich wohl nach über vierzig Jahren nicht mehr komplett ablegen können.

Es gab auch viele schöne Momente im letzten Jahr, aber auch weiterhin viele, gerade familiäre Enttäuschungen. Gerade wenn ich dachte, dass ist nun der Gipfel, gab es garantiert einen, der noch einen Zipfel obendrauf packte. Menschliche Idiotie ist wohl grenzenlos. Ich habe es sogar öfters geschafft, einfach meinen Mund zu halten und mir meinen Teil einfach nur zu denken. Eine Eigenschaft, der ich nur schwer Herr wurde in meinem bisherigen Lebenslauf. Aber in den letzten Monaten gelang es doch immer besser. Menschen, welche meinen mich mit bravur emotional verletzen zu müssen, verdienen noch nicht mal ein hochziehen der Augenbraue. Auch das habe ich gelernt. Dennoch tut es manchmal weh.

Eine etwas verrückte Freundschaft, jenseits der menschlichen Logik hat sich, so glaube ich jedenfalls, über die letzten Monate stets gefestigt. Es ist neu, es ist verrückt, eigentlich Wahnsinn und dennoch wunderschön, aufregend und sehr spannend. Manchmal merkwürdig und unverständlich und dann wieder mein absolutes Highlight von Tag zu Tag. Chaos im Universum. Jemanden Zeit zu widmen, sich Zeit zu nehmen, ist wohl mit eines der wertvollsten Geschenke. Man schenkt ein Stückchen vom eigenen Leben.

Die letzten Monate spiegelten zum Teil schon fast ein wenig Normalität wieder. Ich arbeitete, war abends entsprechend erschöpft, machte mehr als ich sollte und ging wieder so einigen Dingen, die „vor“ dem Krebs an meiner Tagesordnung standen, nach. Zwar blieb der Schatten im imaginären Sinne auf mir liegen und manchmal wachte ich nachts schweißnass aus irgendwelchen dubiosen Angstträumen auf, aber es war irgendwie gut.

Eine Woche vor Weihnachten haute es mich dann buchstäblich aus den Socken. Abends nach der Praxis, traf ich mich noch mit meinen zwei besten Freunden zum Essen, allerdings kam es nicht ganz so weit, da es mir kurz nach Ankunft in der Pizzeria schlecht wurde und ich mich dann wunderte warum ich im nächsten erinnerbaren Moment nicht mehr am Tisch saß, sondern auf der Bank davor lag und mich meine Freunde mit großen Augen und ziemlich besorgt ansahen. Betriebssystem komplett abgestürzt! Daraufhin folgte eine ausgewachsene Grippe, welche mich bis in die letzten Tage des vergangenen Jahres verfolgte. Ja, mein Immunsystem ist dann eben doch noch etwas zimperlich. Und ja, vielleicht war der Senkrechtstart zurück ins Berufsleben auch etwas zu flott. Wie war das mit meinem eigentlichen Naturell? Diese „Augen zu und durch Taktik“ funktioniert manchmal schon im normalen Leben nicht, während einer Krebstherapie eher gar nicht.

Mittlerweile habe ich mich wieder berappelt, dauerte allerdings auch eine ganze Weile. Es kostete mich eine ganze Ecke an Gewicht und Kraft, auf die ich eigentlich überhaupt nicht verzichten konnte und sollte. Für die nächsten Wochen kann ich wohl wieder jedes Gramm und jedes Fünkchen Energie gebrauchen. Leider habe ich keinerlei Reserven. Aber es ging bisher immer weiter und ich bin mir sicher, dass es auch dieses Mal weitergehen wird und vielleicht habe ich es dann auch endlich geschafft.

Dieses Ziel, es geschafft zu haben, hatte ich mir eigentlich schon für 2018 gesetzt. Leider hat das nicht so ganz funktioniert. Gut Ding will Weile haben oder hatte einen schlechten Architekten oder was auch immer. Da brauche ich ja nur rüber nach Berlin zu schielen. Somit stirbt die liebe Hoffnung bekanntlich zu Letzt. ;-)

So Ihr Lieben, dass ist der aktuelle Stand der Dinge. Nicht ganz so schön, aber auch nicht ganz so schlecht. Naja, im Grunde kommt es immer darauf an, auf welcher Seite der Angelegenheit jeder so steht. Entweder mittendrin oder einfach nur irgendwie dabei. Mir selbst geht es dabei so ein bisschen wie dem Plumpsack aus „der Plumpsack geht herum“….

**„Dreht euch nicht um, denn der Plumpsack geht herum. Wer sich umdreht oder lacht, kriegt den Buckel vollgemacht!“**

Leider sitze ich schon seit zwei Jahren in der Mitte und es ändert sich nichts. Nicht das ich jemanden anderen in die Mitte wünschen würde, aber ein „game over“ wäre nach so langer Spieldauer, doch langsam mal an der Zeit.

Nun werden die Tage wieder stets etwas länger, es bleibt jeden Tag ein wenig länger hell. Da würde ich mich gerne grundlegend anschließen und ich hoffe, dass es auch für mich mit jedem Tag der nächsten Wochen ein wenig heller werden wird. Also, volle Kraft voraus!

 

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Für das nun schon begonnene neue Jahr wünsche ich Euch allen in erster Linie Gesundheit. Bewahrt Euch was Ihr habt, kämpft für das, was Ihr wollt, schätzt was Ihr habt. Vergebt denen, die Euch wehgetan haben und genießt die Zeit mit denen, die Euch lieben.

Das ganze Leben warten wir auf etwas. Und das Einzige, was vorübergeht, ist das Leben. Wir schätzen die wunderbaren Momente erst, wenn sie zu Erinnerungen werden. Tut deswegen das, was Ihr schon immer tun wolltet, bevor es heißt: „was ich schon immer machen wollte und nie getan habe.“

Es ist niemals zu spät, um neu anzufangen und niemals zu schwierig, um es zu versuchen. Auch neue ungeplante Wege sind es wert, sie zu gehen und zu versuchen. Es könnte ja gut werden. ;-)

Und zu guter Letzt wünsche ich Euch noch zwei Dinge: „Alles und nichts!“ ** "Nichts", was Euch verzweifeln lässt und "Alles" das, was Euch glücklich macht!

Ich danke Euch allen, dass Ihr mich durch das letzte Jahr begleitet habt, auch wenn es manchmal sicherlich nicht einfach war. So hoffe ich, dass Ihr in der kommenden Zeit, weiterhin bei der Stange bleibt.

Alles Liebe, Marie

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Und eins bleibt ja wohl klar: 

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9 Kommentare 4.1.19 20:04, kommentieren

Und wiedermal wird es Weihnachten....

"Die Geburt Jesu ist keine einmalige Geschichte, sondern ein Geschenk, dass immer bleibt." (Martin Luther)

 

So ein kleines Lebenszeichen möchte ich nun doch in den letzten Tagen des Jahres von mir geben. Ich weiß das ich gerade etwas schludere. Natürlich wird es zum Jahresende auch noch einen Jahresabschlussbericht geben. ;-))

Es gibt mich noch, bis auf eine Grippe, geht es mir den Umständen entsprechend gut. Meine Arbeit kostet mich viel Kraft und sehr viel Zeit, den Rest raubt dann noch meine Familie. Also alles in allem, alles wie immer. ;-)

Ich wünsche Euch allen von Herzen ein gesegnetes, frohes, stressfreies und hoffentlich gesundes Weihnachtsfest. Lasst es Euch gut gehen, schlagt nicht zu sehr über die Stränge. ;-)

Als kleine Erinnerung aus dem letzten Jahr, nochmal meine ganz persönliche Weihnachtsgeschichte. Ich dachte mir so, dass Rad brauche ich dieses Jahr nicht neu erfinden und somit nochmals viel Spaß damit.

Dieses Jahr wird meine Geschichte als Krippenspiel hier in unserer Gemeinde umgesetzt. Ich bin schon sehr gespannt.

Alles Liebe, Marie!

 

 Erzähler:

Wie an jedem Tag, versammelten sich die Engel, um in die Welt geschickt zu werden, und um dort als Schutzengel ihre Arbeit bei den neugeborenen Kindern aufzunehmen. Jedes Kind, das geboren wird, bekommt seinen eigenen Schutzengel. Jeder Engel, der sich auf den Weg machte, wusste wohin er musste. Petrus rief immer jeden einzelnen der Engel zu sich und erklärte ihm seine künftige Aufgabe. Natürlich waren die Aufgaben der Engel unterschiedlich, denn jedes Kind ist anders, manche sind laut, manche sind leise, manche sind stürmisch oder schüchtern, aber es gibt auch manchmal kranke Kinder. Die einen Engel haben alle Hände voll zu tun und wiederum andere langweilen sich ein bisschen. Und dann gab es noch Jonathan. Er war erst vor kurzer Zeit wieder zurückgekehrt ins Wolkenland, da sein Kind, welches er beschützte so sehr krank war, dass es starb. Darüber war er sehr traurig, aber er hoffte, dass er bald wieder einem Kind ein guter Begleiter sein konnte.

Nach und nach flogen die meisten Engel davon. Jonathan wartete noch immer, er galt immer als etwas stur und eigensinnig und meistens verschlief er, wenn es im Wolkenland etwas zu tun gab.

Aber dann hörte er das „Klingeling“, und genau bei diesem „Klingeling“ wusste er, nun ist Eile geboten und er musste schleunigst zum Himmelstor, da eine neue Aufgabe auf ihn wartete.

 

Im Zwiegespräch Jonathan und Petrus:

Petrus: „Jonathan, heute habe ich eine besondere Aufgabe für Dich. Es ist noch nicht ganz klar, wo das Kind geboren werden wird, für das Du ab sofort verantwortlich sein wirst.“

Jonathan: „Aber Petrus, wie soll ich dann rechtzeitig am richtigen Ort sein, wenn das Kind auf die Welt kommt?“

Petrus: „Keine Sorge, dort hinten siehst Du einen großen hellen Stern mit einem langen Schweif. Folge ihm. Er wird langsamer und langsamer werden und wenn der richtige Zeitpunkt und der richtige Ort erreicht ist, wird er stehen bleiben.“

Jonathan: „Warum bekomme ich so eine schwierige Aufgabe?“

Petrus: „Weil ich mir sicher bin, dass Du es kannst und das genau Du der richtige kleine Engel für diese Aufgabe bist. Dort wird ein König geboren, der den Menschen Glaube, Hoffnung und Liebe schenken wird.“

Jonathan: „Ein König? Ich bin nur ein kleiner Engel, wie soll ich auf einen König aufpassen?“

Petrus: „Es ist ein kleiner König, genau richtig für einen kleinen Engel, Du wirst sehen, dass Du der Richtige dafür bist. Und nun mach Dich auf den Weg.“

 

Erzähler:

Der kleine Engel schritt durch das Himmeltor, kletterte ein Stückchen die Himmelsleiter hinunter und flog dem hellen Stern entgegen. Anfangs hatte dieser Stern ein ganz schönes Tempo drauf, aber dann wurde er etwas langsamer und siehe da, plötzlich blieb er stehen.

Jonathan war erst unsicher und wusste nicht so recht weiter. Aber dann fasste er sich seinen ganzen Mut zusammen und schwebte langsam auf die Erde hinunter.

 

Jonathan: (im Selbstgespräch)

„Na sowas“, dachte Jonathan laut. „Nirgends ein Schloss oder ein Palast. Es war doch von einem neuen König die Rede. Sowas blödes, jetzt habe ich mich doch wieder verflogen und bin am Ende dem falschen Stern gefolgt. Besondere Aufgabe, dass ich nicht lache.“

 

Erzähler:

Jonathan war traurig und auch ein bisschen wütend auf sich selbst. Nichts konnte er gut genug machen. Er setzte sich auf einen Felsen, verschränkte die Arme und schaute ratlos in den Sternenhimmel.

Auf einmal bemerkte er neben sich eine kleine Maus.

 

Im Zwiegespräch Jonathan und Fridolin (Maus):

Jonathan: „Wer bist Du denn?“

Maus: „Ich bin Fridolin und wer bist Du?“

Jonathan: „Ich bin der kleine Schutzengel Jonathan, Du bist eine Maus, warum machst Du keinen Winterschlaf?“

Fridolin: „Ach weißt Du, irgendwie konnte ich nicht in den Schlaf finden, meine Mäusefamilie liegt hier unter uns eingekuschelt zusammen und schläft und ich kann einfach nicht einschlafen. Da bin ich nach oben gekrabbelt, habe mich ein bisschen in der Gegend umgesehen und dann habe ich mir die Sterne betrachtet.“

Jonathan: „Du hast es gut, Du hast Deine Mäusefamilie und weißt wo Du hingehörst, aber ich, ich soll einen König finden und künftig an seiner Seite sein. Aber siehst Du hier irgendwo einen kleinen König, ein Schloss oder einen Palast?“

Fridolin: „Nein, dass sehe ich nicht. Hier gibt es nur einfache Häuser und Hütten, dort vorne ist eine kleine Gastwirtschaft und hinten im Hof ein paar ärmliche Ställe. Wo soll denn Dein König sein?“

Jonathan: „Ja da fragst Du mich was. Wahrscheinlich hat Petrus mir das gesagt, aber ich kann mir das immer so schlecht merken und weiß nur noch, dass ich dem großen hellen Stern folgen sollte und wenn er stehen bleibt, sollte dort mein König geboren werden.“

Fridolin: „Warte, dort vorne in den Ställen wird gerade ein Kind geboren. Aber ich glaube nicht, dass das Dein Königskind ist. Die Eltern sind arm und kamen auf einem Esel aus einem weitentfernten Dorf.“

Jonathan: „Das ist aber komisch, dann wird sicher hier noch ein kleiner Schutzengel unterwegs sein.“

Fridolin: „Ich konnte keinen sehen, weißt Du was, wenn Du Deinen König nicht findest, dann beschütze Du doch einfach dieses Kind. Es darf doch nicht sein, dass ein Kind ohne Schutzengel auf die Welt kommt.“

Jonathan: „Das ist gar keine so schlechte Idee, dann lass uns mal zum Stall laufen und falls doch ein anderer Engel eingeteilt wurde, kann ich ja immer noch verschwinden.“

 

Erzähler:

Die Beiden liefen zum Stall hinüber und schauten durch zwei große Astlöcher in den Stall. Dort sahen sie den Esel und einen Ochsen im Stroh liegen. Nicht weit davon, lag einer kleiner Junge in einer notdürftig zusammengezimmerten Krippe. Daneben saßen Josef und Maria.

Plötzlich wurde der große Stern noch heller und drei Könige aus dem Morgenland kamen in den Stall. Sie brachten dem kleinen Kind Gold, Myrrhe, Weihrauch und viele Früchte, verbeugten sich und küssten seine kleinen Händchen.

Jonathan und Fridolin staunten nicht schlecht. Rundherum auf den Feldern standen die Hirten mit ihren Schafen und schauten hinauf zu dem hellen großen Stern. Dann kamen auch sie zu dem Stall und brachten dem Kind all` ihre Sachen, die sie bei sich hatten, Wasser, Brot, Käse und Milch. Dann knieten auch sie nieder.

 

Im Zwiegespräch, Fridolin und Jonathan:

Jonathan: „Du Fridolin, ich glaube, ich bin doch nicht dem falschen Stern gefolgt. Ich glaube das hier ist mein kleiner König. Ein König, der den Menschen Glaube, Hoffnung und Liebe bringen soll, sie darin bestärken und auch belehren wird.“

Fridolin: „Jawohl, das ist Dein kleiner König und Du bist nun sein Schutzengel, ich bin so stolz auf Dich, Jonathan.“

Jonathan: „Ich ganz alleine darf ihn beschützen. Nie hätte ich gedacht, dass ich so eine aufregende große Aufgabe bekomme. Ich danke Dir Fridolin, für Deine Hilfe und wünsche Dir nun einen gesegneten Winterschlaf.“

 

Erzähler:

Jonathan flog langsam und behutsam in den Stall und wich ab sofort dem kleinen Königskind, welches den Namen Jesus bekam, nicht mehr von der Seite.

Fridolin war sichtlich berührt und tapste auf seinen kleinen Mausepfötchen zurück zu dem großen Felsen. Dann schlüpfte er durch das Mauseloch in den kleinen engen, etwas matschigen Gang und kroch weit unter der Erde, in das Mäusenest zu seinen Eltern und Geschwistern. Es dauerte nicht lange und er schlief tief und fest ein.

Im nächsten Frühjahr, als die Sonne langsam die Erde erwärmte, wurde er wieder wach. Er kroch nach oben, blinzelte in die Sonne und war sich gar nicht mehr so sicher, ob das alles nicht einfach nur ein wunderschöner Traum gewesen war.

Frohe Weihnachten!

 

©Marie Luise

 

7 Kommentare 19.12.18 16:35, kommentieren