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Beruf

Freud und Leid...Leben und Sterben

-„Es ist ein Unterschied ob man den Weg nur kennt, oder ob man ihn beschreitet.“ –

 

 

Jetzt mal nicht erschrecken wegen der Thematik ;-), aber genau das ist ein Thema, welches mir sehr oft durch den Kopf geht. Alleine schon von Berufswegen, bin ich ja da sehr oft damit konfrontiert. Ich bekomme sehr oft gesagt, mein Beruf ist doch schön, neuem Leben auf die Welt zu helfen ist doch das Schönste was man eigentlich tun kann. Ja, stimmt das ist es in der Tat. Aber…..

 

Gerade in meinem Beruf liegen Freud und Leid sehr nah zusammen. Es ist eben nicht immer das glückliche Elternpaar, welches dann ein neues Leben in den Armen halten kann. Sondern manchmal endet eine Schwangerschaft auch nicht ganz so glücklich, durch irgendwelche Komplikationen oder das Kind ist eben schon im Mutterleib gestorben. Dann sind das Momente, wo man auch selbst an Grenzen stößt, wenn man einer Mutter das tote Kind in den Arm legen muss. Es kommt nicht oft vor, aber es kommt vor. Genauso ist es wenn sich Eltern dazu entscheiden, eine Schwangerschaft vorzeitig zu beenden, sei es durch große pränatal festgestellte Fehlbildungen oder aber auch wenn ein Kind gerade nicht ins Leben passt. Meine Aufgabe ist es natürlich da immer neutral zu bleiben. Das ist im groben gesehen mein Job. Ich möchte hier auch keine Diskussion entfachen, was ist richtig oder falsch, denn da gehen die Meinungen deutlich auseinander und jeder hat dazu seine eigene Auffassung. Was auch vollkommen richtig ist. Ich selbst denke manchmal, gerecht ist es eigentlich nicht, wenn ich eine 20 jährige Patientin habe, die mittlerweile zum 3. Schwangerschaftsabbruch kommt, weil sie einfach unzuverlässig mit der Verhütung umgeht und das nicht auf die Kiste bekommt und dann ein paar Stunden später das Ehepaar, welches seit Jahren versucht ein Kind zu bekommen und es eben nicht funktioniert.  Dinge die man gut abgrenzen muss. Vor allem muss man jedes Problem, egal in welche Richtung es geht wichtig nehmen und entsprechend das Richtige tun. Also, nicht immer alles ganz einfach und vor allem auch nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Höchstes Gebot ist immer, keine Schicksale, egal in welcher Form, mit nach Hause zu nehmen. Also, Klinik verlassen, Gehirn umschalten ……. aber, wer kann das schon?

 

Nach Beendigung meines Grundstudiums habe ich einige Monate als Notärztin mit gearbeitet. Das war ebenfalls eine sehr große Herausforderung. Gerade wenn es mit dem Helikopter zu Unfällen ging, war auch das immer wieder eine neue Erfahrung. Kein Einsatz war gleich dem anderen und ganz oft konnte man auch nicht mehr viel tun, außer vielleicht noch in den letzten Sekunden eine Hand zu halten.....wenn keine Hilfe mehr möglich war.

 

Während meines Studiums habe ich in der ambulanten Pflege gearbeitet. Das konnte ich gut während des Studiums vereinbaren und abends und am Wochenende arbeiten, auch während der Semesterferien war das eine gute Sache. Es war ein kleiner privater Pflegedienst. Das Ziel war die Bezugspflege, d. h. das sich die Patienten an ihre Pflegekräfte gewöhnen und nicht zu viel verschiedenes Personal unterwegs ist. Der Sinn dahinter ist, dass man sich einfach viel besser auf den Patienten einstellen kann, seine Vorlieben, Bedürfnisse sehr gut kennenlernt und entsprechend darauf eingehen kann. Hier im ländlichen Bereich gibt es nichts, was es nicht gibt. In den etwas abgelegenen Dörfern, muss man schon Glück haben, dass ein Bad vorhanden ist. Teilweise laufen und wohnen da noch die Ziegen mit im Haus und laufen da frei rum. Kann man sich kaum noch vorstellen, ist aber in der Tat noch so. Ich hatte eine über 90 jährige Frau in der Pflege, welche einfach in ein abgelegenes Zimmer abgeschoben wurde. Der 2. Ehemann von ihr war 10 Jahre jünger und viel mit seinen Ziegen und Schafen beschäftigt. Und er war böse, wirklich böse. Nach seiner Frau schaute er gar nicht, diese vegetierte in dem Räumchen vor sich hin. Durch einen Schlaganfall war sie sehr in ihrer Bewegung eingeschränkt. In der Bauernküche hing ein kleiner Wasserboiler, den stellte der Ehemann morgens um 5.30 Uhr einmal an und das musste an warmen Wasser für den Tag reichen. Sei es für einen aufgegossenen Kaffee oder zum Waschen. Das alleine waren Herausforderungen, die man als Pflegekraft irgendwie bewältigen musste. Natürlich muss man sich den gegebenen Umständen anpassen und darf da nicht gleich versuchen die Welt zu verändern. Aber man kann daran arbeiten und genau das habe ich dort getan. Im Winter war es schwieriger, da der Ehemann ebenfalls zu Hause war, aber sobald das Wetter besser wurde, war er schon früh mit seinen Tieren auf der Weide unterwegs. Das war dann meine Chance, dass Wasser nochmal aufzukochen und wenigstens angenehmes Wasser zum Waschen für die Patientin zu haben. Sie liebte ihren Caro-Kaffee (daher habe ich bis heute noch ein leicht verstörtes Verhältnis zu Caro-Kaffee). Aber wenn der Ehemann da war, durfte ich auf so einen großen Kaffeepott nur ein kleines Löffelchen von dem Pulverkaffee aufgießen. Das sowas nicht schmeckt, kann man sich denken, aber sie hat es immer tapfer getrunken. Aber sobald er eben unterwegs war, habe ich mir erlaubt durchaus mehr Löffel von dem Pulver zu nehmen und sie war einfach nur glücklich darüber. Sie wusste es genau. Damit das nicht auffiel, hatte ich immer eine Dose dabei und habe das Pulver wieder aufgefüllt. Genauso durfte ich nie das Gebiß mit entsprechenden Hygienemitteln säubern, sondern einfach nur mit kaltem Wasser. Nicht mal Zahnpasta hatte er für seine Frau übrig. So hatte ich dann immer eine Tube Zahnpasta in der Tasche und die Sache wurde deutlich besser. So gab es da ganz viele Dinge, die wir heimlich machten und die unser beider Geheimnis war. Auch habe ich es geschafft, sie aus diesem Räumchen rauszuholen, in einen Rollstuhl zu setzen und einfach mal mit ihr in den Garten zu fahren oder sie ein wenig in die Sonne zu setzen. Das konnte ich dann zum Glück etwas durchsetzen. Dann kam die Zeit, wo es immer schlechter wurde und es war absehbar, dass sie sterben würde. Manche Dinge sind merkwürdig, sie sagte eines Tages zu mir, so lange ich zu ihr käme, würde sie nicht sterben, denn bei mir ginge es ihr gut. Weihnachten stand vor der Tür, am 2. Weihnachtstag war ich nicht im Dienst, dass hatte ich ihr am Abend vorher gesagt, dass ich am nächsten Tag nicht da bin. In der Nacht ist sie dann verstorben. Da denke ich ganz oft daran.

 

Natürlich habe ich auch im Moment ganz oft meine eigenen Gedanken und überlege ob ich das alles schaffen werde. Ob alles wieder gut wird, mein Leben wieder normal läuft. Klar, die Antwort kann mir realistischer Weise niemand geben. Ich kann nur hoffen, dass es eben wieder gut wird. Wenn ich dann in solche Situationen komme, wie diese Woche, dann zweifelt man schon. Auch mache ich mir Gedanken, was würde ich wollen, wenn es eben nicht wieder gut wird? Durchstehen bis zum Ende mit allen Qualen? Hhm….., zum einen schwer zu sagen, aber eigentlich bin ich mir da recht sicher, dass ich das nicht wollen würde. Palliativmedizin wird ja im Moment sehr groß geschrieben und ist auch eine wirklich gute Sache. Aber selbst das wäre wohl für mich selbst nicht das Richtige. Noch muss ich mir darüber keine Gedanken machen und vielleicht habe ich das Körnchen Glück im Gepäck und kann mit einem Augenzwinkern in einiger Zeit auf alles zurückblicken. Ich habe ja auch noch so einiges vor. Ich würde mir so sehr wünschen, eine Zeit ins Ausland zu gehen. Mein Lieblingsziel wäre Nepal. Denn da gibt es sehr viel Bedarf und es kursiert noch zu viel Aberglaube. Genau da würde ich gerne dran arbeiten, es gibt Organisationen die da eingesetzt werden und ich war da auch schon bei einigen Veranstaltungen dabei. Meine Tochter macht nächstes Jahr Abitur, wird dann studieren, dann wäre für mich der richtige Zeitpunkt da. Vorausgesetzt ich bin bis dahin wieder gesund. Was meint Ihr, wie meine Familie so ein Vorhaben findet? Genau…ziemlich daneben und unnötig ;-) Aber ist ja mein Leben und meine Entscheidung.

 

Ja und in der Klinik bin ich immer noch, die haben einen Narren an mir gefressen. Ich bin ja schon sehr ungeduldig in gewissen Dingen und denke die sind schon froh, wenn ich nach Hause gehe. Irgendwie wollen sich meine Blutwerte nicht wirklich berappeln. Mal gucken, was die Ergebnisse von heute nachher sagen, vielleicht darf ich ja heute noch nach Hause.

 

Ich wünsche Euch einen schönen Tag!

26.1.17 12:56


Ein Teil meines Lebens...

-Glücklich sein bedeutet nicht, ein perfektes Leben zu führen. Glücklich sein bedeutet zu wissen, dass das Leben lebenswert ist, trotz aller Schwierigkeiten.-

 Heute möchte ich mal etwas aus meinem Leben berichten, über meine Arbeit, wie sich so alles bei mir entwickelt hat.

Aufgewachsen bin ich mit meinem Zwillingsbruder in sehr behüteten Verhältnissen. Unsere Eltern waren noch sehr jung, als wir geboren wurden. Mein Bruder ist bis heute mein bester Freund und mit einer der wichtigsten Bezugspunkte in meinem Leben. Unsere Eltern trennten sich, als wir 19 waren. Unsere Mutter ist immer etwas extrem getaktet, sie möchte gerne alles geregelt, tut viel für den guten Ruf (jedenfalls ist ihr das wichtig), und ist da immer ganz besorgt. Das ich bis heute nicht verheiratet bin, stört sie sehr…aber daran wird alleine sie wohl eher nichts ändern. Ich bin bestimmt nicht gegen die Ehe, aber generell vertrete ich die Meinung, heiraten muss nicht unbedingt sein und so für mich selbst, denke ich, werde ich das auch nicht mehr tun.

Direkt nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung als medizinische Fachangestellte angefangen und auch erfolgreich abgeschlossen. Anschließend habe ich dann in Marburg Medizin studiert. Mein Studium hat sich etwas in die Länge gezogen, da ich zwischenzeitlich schwanger wurde und meine Tochter geboren wurde. An heiraten habe ich zu dieser Zeit noch nicht gedacht, obwohl wir schon einige Zeit zusammen waren und das zu diesem Zeitpunkt auch bleiben wollten. Nach einer kurzen Pause habe ich dann mein Studium beendet, parallel meinen Doktortitel gemacht und habe eine Assistenzarztstelle angetreten. Nach einiger Zeit habe ich dann meine Facharztausbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe parallel zum Klinikalltag gemacht.

Zwischenzeitlich wurde ich nochmal mit 32 Jahren gewollt schwanger. Wir hatten uns für ein 2. Kind entschieden und wollten dann auch heiraten. Dazu ist es nie gekommen. Manchmal verändern sich Menschen, auch wenn man es nicht nachvollziehen kann, und die Beweggründe, warum sich der Vater meiner Tochter so dermaßen negativ verändert hat,  mir bis heute nicht plausibel sind. Aufgrund dessen habe ich mein 2. Kind im 6. Monat verloren. Und das mit sehr weitreichenden Folgen für mich. Zu einer Hochzeit ist es nie gekommen, dass wäre paradox gewesen. (ganz großes Familiendrama, aber sie wussten es ja nicht besser).Evtl. werde ich das alles nochmal genauer erzählen, im Moment möchte ich das dennoch nicht. Das alles ist ein ziemlich dunkler Punkt in meinem Leben, der mir bis heute noch sehr nachhängt. Vertrauen zu jemanden aufbauen oder jemanden ganz nah an mich ran lassen ist schwierig.

Ja, das alles sind Gründe, warum ich mich besonders für die Gewaltprävention einsetze. Ich glaube wenn man selbst einige Dinge durchgemacht und erfahren hat, kann man sich schon recht gut in ähnliche Thematiken reinversetzen.

Mein beruflicher Schwerpunkt ist die Geburtshilfe, Reproduktionsmedizin, Gewaltprävention und die Mädchensprechstunde. Das mache ich sehr gerne, Aufklärung ist sehr wichtig und da gibt es ziemlich oft große Defizite. Und jede Jugendliche,  die nicht schwanger wird, sehe ich als Erfolg an. Zusätzlich unterrichte ich noch medizinische Fachkunde an der Schwesternschule und unterstütze ehrenamtlich die Flüchtlingsinitiative und unser Obdachlosenheim, was sich so darstellt, dass ich einmal wöchentlich im abwechselnden Wochenrhythmus in die Unterkünfte  hier im Kreis fahre und dort nach den Frauen schaue, die Hilfe benötigen. Und das mache ich ohne Bürokratie, einfach das Menschenmögliche. Und wenn es akut etwas gibt, bin ich immer erreichbar.

Auch mein Tag hat nur 24 Stunden, und mein Tagespensum hört sich wahrscheinlich erstmal ziemlich umfangreich an. Aber alles machbar und umsetzbar. Ich bin kein Mensch, der lange nichts tun kann und wenn ich beschäftigt bin, kann ich weniger nachdenken.

Und dann kommt der Tag, wo bei einem selbst alles zusammen stürzt, dass war  vor zehn Jahren und jetzt vor vier Wochen mit meiner Diagnose. Da sitzt man dann selbst da, hält inne und denkt  „bitte ganz schnell aufwachen“.

Trotzdem bin ich gerade jetzt an einem Punkt, wo ich denke, dass mir doch was fehlt. Das mir jemand fehlt. Aber man kann eben nichts übers Knie zwingen. Was kommt, dass kommt. Und das überhaupt alles erstmal wieder  zu zulassen, jemanden bedingungslos zu vertrauen, dass braucht Zeit und Geduld.

 

10.1.17 13:05


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