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Erinnerungen

Die Götter müssen verrückt sein ^^ Teil 4

„Was bedeuten Wunder für mich? Muss es immer das ganz große Wunder sein? Die kleinen Dinge, die unscheinbar wirken, sind das nicht eigentlich die wirklichen Wunder? Es gibt sie, diese Wunder, da bin ich mir ganz sicher! Egal in welcher Form, in welchem Menschen oder von welcher Bedeutung, jeder hat seine eigenen ganz bestimmten Wunder und genau das macht doch mein oder unser Leben in vielen Abschnitten wunderbar!“

Die letzten Tage war ich etwas „Jenseits von Afrika“, aber nun möchte ich doch wieder anknüpfen, an diese ganz besondere Zeit. Ich weiß immer nicht, wie sich das Schreiben bei mir so entwickelt und in welche Richtung der Erzählungen es läuft, aber ich glaube, auch der heutige Teilbericht, ist ganz unterhaltsam geworden. ;-)


Afrika – Zimbabwe Teil 4

Wir waren erst wenige Tage in Afrika und doch kam es uns vor, als hätten wir schon Wochen dort verbracht. Die Erfahrungen die wir in den letzten Tagen durchgemacht hatten, waren schon fast etwas denkwürdig. Wir waren sicherlich eine Truppe von, ich würde mal sagen, relativ hochintelligenten Menschen, aber dennoch machten wir viele Fehler und handelten so manches Mal viel zu intuitiv und unüberlegt.

Was dachte ich mir eigentlich, als ich barfuss, ohne großartig nachzudenken, zum Fluss runterging? Keine Ahnung, ich glaube nicht wirklich viel. Das nicht mehr passierte, war wohl eines dieser kleinen Wunder, dass es eben nur ein leichtgiftiger Skorpion war. Es hätte auch anders sein können. Die Narbe über meinem rechten Knöchel habe ich bis heute, da der Stich von einem der Ärzte ein wenig eröffnet und gespült wurde. Kommt, so wie in den letzten Monaten immer mal die Frage eines Arztes, woher die Narbe stammt und ich mit „Skorpionstich“ antworte ;-), gibt es erstmal erstaunte Blicke. Bis hin zu der Rückfrage, ob das jetzt richtig verstanden worden wäre. Ja, sicher ;-)! Ich weiß, nicht so ganz die übliche „deutsche“ Standardverletzung. Aber eben ein Teil meiner Lebensgeschichte. Eines prägenden Lebensabschnittes.


Und was dachte sich wohl die Krankenschwester, als sie munter mit den Einheimischen deren selbstgebraute Flüssigkeiten in hohem Maße zu sich nahm? Auch nicht wirklich irgendwas. Selbst diese Sache hätte in Anbetracht der Gesamtsituation ziemlich blöd ausgehen können.

Die Einheimischen haben sich sicher auch so ihren Reim und ihren Spaß auf unsere Naivität gemacht. Und das mit vollster Berechtigung!

Ein kleiner Ausflug in die Tierwelt Afrikas:

Am nächsten Morgen, nach der etwas ausgearteten Alkoholsession der Krankenschwester, war nicht wirklich viel mit ihr anzufangen. Hatte auch keiner von uns wirklich erwartet. So blieb sie an diesem Tag im Dorf und durfte den Frauen bei deren Tageswerk wie kochen, Holz sammeln und Kleinkinderbetreuung zur Hand gehen. ;-) Der Rest von uns machte sich nach dem Frühstück wieder auf den Weg zum Krankenhaus.

Oberstes Gebot war für uns, sich niemals alleine vom Dorf wegzubewegen. Eigentlich sollte man ja meinen, was soll da schon passieren, außer dass Du Dir zwangsläufig einen gewaltigen Sonnenbrand holst. Die Landschaft ist dürr und mager, staubig und der Boden hart und trocken. So arg viel Gefahrenpotenzial wird da erstmal nicht vermutet. Aber es ist schon so, dass so einiges an Getier dort unterwegs ist. Und das auch wirklich ziemlich plötzlich. Bei so einigen Begegnungen ist es mir bis heute ein Rätsel geblieben, aus welcher Staubwolke sie entstiegen sind. Es passierte hin und wieder, dass sich eine kleine Elefantenherde dem Dorf näherte. Da war Großalarm angesagt, denn so eine, wenn auch kleine Herde, kann so ein Dorf im Nullkommanichts dem Erdboden gleichmachen. Gerade wenn sie sich bedroht fühlen oder Angst um ihre Nachkommen haben, ist nicht wirklich gut mit ihnen Kirschen essen.

Ja, Elefantenbabys sind niedlich. Sehr niedlich. ;-) Dennoch ist es lebensgefährlich, sich einem solchen Tier in freier Wildbahn zu nähern. Eigentlich klar, wurde uns auch schon im Vorfeld, vor unserer Abreise, ausgiebig eingetrichtert. Egal wie süß, niedlich oder wie auch immer irgendein afrikanisches Wildtier daher kommt, Pfoten weg und nix wie weg. Und das am besten ziemlich schnell und ziemlich weit. ;-) Schon irgendwie logisch. Und wenn so eine Löwin oder eine Elefantenmama angepisst ist, ist es definitiv besser das Weite zu suchen.

Die meisten Tierherden tümmeln sich in Reichweite von Flüssen oder Wasserlöchern. Relativ selten streifen sie mitten durch die Pampa. Aber kommt doch immer mal vor. Nicht weit vom Dorf war ein Fluss, welcher schon nach der Regenzeit, einiges an Wasser führte. Somit zog er auch die Tiere an. 


In Zimbabwe und Botswana gibt es den noch größten Bestand von freilebenden Elefanten. Das ist wirklich schön und beeindruckend. Aber wenn, die lieben grauen Riesen zur Gefahr mutieren, ist es dann doch nicht mehr ganz so schön.


Ich selbst liebe die Natur ja bereits seit frühster Kindheit an. Das ist bis heute auch so geblieben. Wenn ich draußen bin, egal wie und wo, ist fast alles gut. ;-) „Die Natur ist das beste und wirkungsvollste Beruhigungsmittel!“ Ich liebe und schätze Tiere wirklich sehr. Ich hasse Zoos! Auch wenn die Meinungen da weit auseinandergehen, die Tiere sollten da bleiben wo sie hingehören. In ihrer authentischen Umgebung und nicht in Käfigen und unrealistischen, immer beengten (auch wenn wir es anders vermittelt bekommen) Gehegen. Es ist einfach entsetzlich und nicht richtig.

Aber es waren nicht nur Elefanten, welche eine Gefahr darstellten, es waren auch Hyänen, Geier und natürlich die Löwen. In diesem Teil Afrikas ist auch der König der Tiere, noch sehr aktiv. Somit galt es immer und zu jederzeit, nie träumend durch die Gegend streifen, sondern immer ein wenig auf der Hut sein. Aber wenn ich ehrlich bin, ich glaube, leichtere Beute, wie uns, hätten die Löwen in diesen Monaten wohl kaum haben können. ;-) Im großen und ganzen waren immer 1-2 Einheimische mit dabei, wenn wir irgendwie unterwegs waren. Die wussten schon, dass wir keine wirkliche realistische Überlebungschance gehabt hätten.


Die mit größte Gefahr stellten die Schlangen da. Die schnellste und giftigste Schlange, in dieser Region, ist die schwarze Mamba. Eine wirkliche Chance zu überleben, hätte man wohl eher nicht. Trotz vorhandenem Antiserum, wäre es so mitten im nirgendwo einfach nicht möglich eine adäquate und schnelle Versorgung herzustellen. Das Gift der schwarzen Mamba führt relativ schnell zur Atemlähmung. Selbst in Deutschland wäre unter ziemlich glücklichen Umständen, eine realistische Chance zu überleben da, aber in der afrikanischen Wildnis, einfach nicht. Schlangen sind schnell und vor allem schnell da und so gut wie lautlos. Ganz oft findet man sie in den Büschen und Bäumen. Somit wurden wir immer davor gewarnt durch Gestrüpp zu streifen oder uns länger unter Bäumen aufzuhalten. Zu den verschiedenen Mambagattungen, sind auch einige Cobraarten dort vertreten. Schlangen sind nicht zu unterschätzen.

 

 

Auf Spinnen sind wir immer wieder und relativ oft gestoßen. Sie waren einfach überall. Ich finde Spinnen im Allgemeinen nicht schlimm. Aber es gibt schon Exemplare, die jagen einem schon einen gehörigen Schauder über den Rücken. Eine harmlose Vogelspinne ist da wirklich fast nichts dagegen. Die sind irgendwie kompakt. Im südlichen Bereich Zimbabwes, da wo wir uns überwiegend aufhielten, gab es die Rainspider. Eine ziemlich große Spinnenart, auf die hatte selbst ich keine großartige Lust. Ich finde sie noch heute sehr gruselig. ;-)

 

 

 Abends bevor wir in unseren Schlafsäcken verschwanden galt immer das oberste Gebot, alles ziemlich akribisch auszuschütteln, bevor wir in irgendetwas reingekrochen sind. Nach der Skorpionaktion, war ich für meinen Teil, schon ziemlich vorsichtig geworden. Barfuss war ich zwar hin und wieder schon noch unterwegs, aber doch nicht mehr ganz so unbedarft. Schuhe machten dort wirklich Sinn. Aber auch in Schuhe schlüpften wir nicht so ohne weiteres, gut ausklopfen und dann anziehen, dass war die Devise. Und ja, ziemlich oft, purzelte eine Spinne oder ein kleiner Skorpion aus einem Schuh. Anfangs verursachte das noch ziemliches Herzrasen, aber nach einiger Zeit, war es fast schon ein wenig Routine.

 

 

Die niedlichsten Exemplare waren und sind immer noch die Erdmännchen. Sehr scheue Vertreter, aber irgendwie die coolsten Socken der Kalahari. ;-) Ich glaube die hat einfach jeder gern.

 

 
Mückenstiche waren eine echte Plage und auch nicht so ganz ohne. Weit verbreitet ist dort die Anophelesmücke, welche ja bekanntermaßen die Malaria überträgt. Dagegen waren wir zumindest schon mal geimpft. Ansonsten wäre sicher die eine oder andere Pseudo-Malaria ausgebrochen. ;-)

Aber vor den Stichen selbst, schützte nun mal die beste Impfung nicht. Das mit den Moskitonetzen war auch so eine Sache für sich, mangels Siemens-Lufthaken ;-) war das leider nicht möglich. Somit liefen wir nach einigen Tagen mit ziemlich vielen fies juckenden Hubbeln durch die Gegend. Die „Europäer“ waren von weitem nicht zu verkennen. Wir kamen uns vor wie das „Sams“ aus Afrika, mit ganz vielen roten Wunschpunkten. Leider funktionierte das Wünschen nicht so gut, wie im Film.

Eigentlich sind wir damals völlig unbedarft in ein Stückchen vergessene Welt gereist, um dort vor Ort den Menschen ein wenig Hilfe zu leisten. Dabei setzten wir uns, nicht ganz selten, einigen Gefahren aus. Ein fremdes Land, mit einer völlig fremden Kultur und fremden, sehr wilden unberechenbaren Tieren und Insekten. Jede Vorbereitung die wir vorher getroffen hatten, konnte uns nicht im geringsten darauf vorbereiten, mit welchen Situationen wir letztendlich zu kämpfen hatten.

Jeder und jede Einzelne von uns, ist an seinen oder ihren Aufgaben in diesen Monaten gewachsen. Das Überleben und Leben in Afrika ist nicht selbstverständlich und für einen Mitteleuropäer eine echte Herausforderung. Wir reisten in dieses Land um zu helfen und hatten im Endeffekt viel mit uns selbst zu tun. Die Menschen in Zimbabwe leben mit diesen Gefahren, so wie wir hier in Deutschland mit dem alltäglichen Autoverkehr. Es ist eben Normalität.

Die Krankenschwester verließ uns nach knapp drei Wochen, nachdem sie meinte mit einem Elefantenbaby auf Tuchfüllung gehen zu müssen und damit fast eine größere Katastrophe auslöste. Die Elefantenherde fand das nämlich alles andere als niedlich und reagierte auf die Annäherungsversuche der Krankenschwester ziemlich ärgerlich. ;-) Etwas Glück im Unglück griff dann glücklicherweise doch um sich und es passierte, außer einer zertrampelten Hütte am Dorfrand, nichts weiter. Diese bauten wir dann zusammen mit den Einheimischen, im Laufe der Wochen, natürlich wieder mit auf.

Das Fazit was wir dann daraus zogen und sie somit auch selbst akzeptierte, war ihre baldmöglichste Heimreise. Die beste und klügste Entscheidung und Lösung für uns alle. Mit dem Heli, der uns nach drei Wochen noch einige Lebensmittel und andere notwendigen Dinge einflog, flog sie dann zurück nach Harare. Von dort trat sie dann die Heimreise nach Deutschland an. Im Zusammenhang mit unserer Hilfsorganisation, sahen wir sie, auch nach unserer Rückkehr, nie wieder. Es machte sich auch keiner die Mühe, den Kontakt nochmals herzustellen. Manche Dinge sind eben hoffnungslos verloren und sollten dann lieber ruhen.

Viele Tage verliefen gleich, ohne größere Aufregungen und Besonderheiten. Aber viele Tage waren auch besonders. Besonders aufregend…………..

Fortsetzung folgt……………..(Inzest ist in vielen Teilbereichen Afrikas ein großes Problem. Nicht nur in den nordafrikanischen muslimischen Ländern, sondern auch in weiten Teilen Zentral- und Süd- ,Ostafrikas. Dies führt zum Teil zu vielen Problemen….., aber dazu weiter in Teil 5) ;-)

P.S. Das mit den Bildern stellt gerade eine regelrechte Herausforderung für mich da. Zu groß, zu klein, Abstand stimmt nicht....Bild ganz weg. Puhh..... Ich habe das Gefühl, umso mehr ich daran rumfummele, desto schlimmer wird es. ;-)

13.6.17 00:10


Die Götter müssen verrückt sein ^^ Teil 3

"Es ist schwierig, nach Feierabend die Welt zu retten, die Andere hauptberuflich und in Vollzeit zerstören.

Ich möchte niemanden, der mir die Welt zu Füßen legt. Ich möchte jemanden an meiner Seite haben, der meine Hand nimmt und mich durch die ganze Welt begleitet."


Afrika  - Zimbabwe Teil 3

Vorwort:

Ich möchte noch auf ein paar Fragen antworten – seit ich in Zimbabwe war und eine Zeit dort mit allen Facetten erlebt habe, ist meine Wahrnehmung für bestimmte Dinge wesentlich bewusster geworden. Im Nahrungsmittelbereich ist das ganz extrem. Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn etwas verschwendet wird, nur weil wir eben in der Lage dazu sind. Das macht für mich keinen Sinn. Gerade im Nahrungsbereich kann ich den Überfluss nur sehr schlecht vertragen. Aber ich werde es nicht ändern und komme ja auch damit irgendwie klar. Nur für mich selbst, Lebensmittel wegwerfen, nur wenn es wirklich nicht mehr geht. Also ich habe auch schon so ein paar Leichen im Kühlschrank gehabt, passiert mir schon auch. Aber gut fühle ich mich dabei nicht.

Ich bin Minimalistin in vielen Dingen. „Weniger ist für mich ganz oft das Etwas mehr!“ Und das spiegelt sich in ganz vielen Dingen wieder. Ich selbst registriere das gar nicht so oft, bekomme es aber hin und wieder gesagt. Ich bin absolut nicht geizig, im Gegenteil. Aber ich hasse übermässigen Konsum. Klar habe ich schon einen gewissen Lebensstandard, aber ich würde behaupten, dennoch einen recht soliden. Sehr zum Leid meiner Freundinnen, mag ich es auch überhaupt nicht shoppen zu gehen. Es ist mir ein Graus! Zwangsweise musste ich jetzt vor kurzem ein paar Klamotten kaufen, weil mir eben nichts mehr richtig passte. Aber selbst das habe ich im minimalsten Rahmen gehalten, weil ich mich ja kenne und weiß, wenn das mal überstanden ist, dann finde ich auch wieder zu meiner normalen Ursprungsfigur zurück. 😉

Wir leben aber nun mal in Mitteleuropa in einem Standard des totalen Überflusses. Und es geht hier keinem wirklich schlecht, aber ich möchte da jetzt auch keine Diskussion auslösen. Seit ich in Zimbabwe war und dort wirklich das Schlimmste erlebt und gesehen habe und in welcher Not Menschen doch überleben und leben können, ist meine Sichtweise zu vielen Dingen anders und bewusster geworden. Aber das wird sich sicher noch in den nächsten Teilberichten erklären.

Und weiter geht´s…………..

Nach dem erfolgreichen ersten Fussballspiel, wobei sich der Lehrer direkt mal beide Knie aufschlug und somit unser erster Patient wurde 😉, durften wir wieder eine kleine Fahrtstrecke in unserem Wohlfühlbus in Anspruch nehmen. Im Dorf selbst gab es nur zwei Fahrzeuge und ein ziemlich altes Motorrad. Irgendwie fuhren die Dinger. Ansonsten bewegte man sich zu Fuss, mit dem Maultiergespann oder einem klapprigen Fahrrad vorwärts. Da wir einiges an medizinischen Kleingeräten, Medikamenten etc. dabei hatten, war die erste Fahrt ins „Dorfkrankenhaus“ 😉 nochmal mit dem Bus vorgesehen. Ich entschied mich dann in der künftigen Zeit für ein Fahrrad.

Die Fahrt dauerte nur ca. 15 min. und wir kamen diesmal ohne größere Probleme dort an. In der kurzen Zeit unseres Aufenthaltes hatten wir bisher nur die Einwohner im Kerndorf und die Schulkinder gesehen. Die Aussenbezirke waren uns bisher noch verborgen geblieben. Das Dorfkrankenhaus, welches für den ganzen Bezirk zuständig war, zeigte uns dann schon die erste prompte Ernüchterung. Gleichzeitig zu der medizinischen Versorgung, wurden dort auch Lebensmittel und eben der Getreidebrei (Maisbrei = Sadza) an die Ärmsten verteilt. Die meisten Menschen leben dort vom eigenen Anbau. Aber gar nicht so selten wird die Ernte durch Wettereinflüsse zum Großteil unbrauchbar gemacht oder auch komplett zerstört. Einige hielten ein paar Hühner, Ziegen oder eine Kuh, manchmal auch Schweine. Die Nachzucht der Schweine war ausschließlich für den Verzehr gedacht. Getauscht wurde rege, aber es reichte ganz oft nicht zum überleben. Die Defizite konnte man direkt an den Kindern sehen. Der typische „dicke Bauch“ und die dürren Extremitäten, sowie der überdimensionale wirkende Kopf zum Körper. So etwas zu sehen tut weh. Richtig weh. Es brauchte einen Moment, bis ich selbst damit irgendwie klar kam. Emotional musste ich mich, wie die anderen auch, sehr zusammenreißen. Es ist deutlich etwas anderes, Berichte im Fernsehen zu verfolgen, wo mal kurz ein paar Bilder von Hungersnöten eingeblendet werden oder ob man eben direkt vor solchen Kindern steht. Es entwickelt sich ein absoluter Beschützerinstinkt.

Aber genau für solche Momente und Situationen wurden wir ja im Vorfeld sehr intensiv geschult. Theorie ist immer das eine, die Realität dann was ganz anderes. Es gibt Situationen, da kannst Du so gut wie Du willst drauf vorbereitet sein, in dem Moment, wo Du den Tatsachen ins Auge blickst, fällst Du erstmal ins Bodenlose.

Es half ja alles nichts, Kopf in den Sand stecken war nicht möglich und wollte auch keiner von uns. Also, ein paarmal tief durchatmen, in die Sonne blinzeln 😉 und versuchen Herr der Lage zu werden. Die hoffnungsvollen Blicke hafteten auf uns wie Magnete. Es war irgendwie deutlich zu spüren.

Im Gebäude selbst begrüßten wir erstmal den Arzt, den wir ja schon vom Vormittag kannten und das „medizinische Personal“, welches sich wohl selbst dazu ernannt hatte. Aber ich musste feststellen, es funktionierte. An medizinischen Geräten hatten wir ein Mikroskop, ein EKG, ein CTG, sowie Instrumente wie Pinzetten, Scheren, Nahtmaterial, Spekula, Küretten, Skalpelle, Spritzen, Kanülen, Laborschnelltests etc.……mitgebracht. Alles Dinge, die es bis zu diesem Zeitpunkt einfach nicht oder in nur sehr eingeschränkter Form gab. Einige Medikamente und Impfstoffe wurden dann noch ein paar Tage später mit dem Heli eingeflogen, da bei gewissen Präparaten die Kühlkette nicht unterbrochen werden durfte. Und das wäre auf unserer etwas turbulenten Anreise schwierig geworden.

Da draußen in der Hitze eine lange Schlange stand, die alle noch behandelt werden wollten, hielten wir uns auch nicht lange mit unnötigen Dingen auf, sondern fingen gleich mit unserer Arbeit an. Die meisten Beschwerden, die uns zugetragen wurden, basierten auf Parasiten. Ob Würmer, Flöhe, Milben oder sonstiges. Überwiegend ein Hygieneproblem. Die Parasiten zu bekämpfen stellte nicht wirklich das Problem da, die Möglichkeiten dazu hatten wir dabei, nur den Menschen zu erklären, wie sie künftig vorgehen müssen, um eben nicht wieder gleich befallen zu werden, dass war eine Kunst für sich. Hände waschen macht da niemand. Was für uns eine Selbstverständlichkeit ist oder sein sollte 😉, z. B. nach der Toilette oder bei der Essenszubereitung ganz speziell auf Händehygiene zu achten, ist dort ein Fremdwort. Man sollte meinen, wenn es dann erklärt wird, dass es gut ist. Ist es aber nicht, denn die machen das einfach nicht. Die hören sich das an, üben auch mit, finden das witzig und gut ist. Ein Prozess der Wochen dauert.

Wasser ist dort ein heiliges knappes Gut. Zum einfachen Hände waschen einfach nicht vorgesehen. Die Plausibilität darzulegen, dass eben die Ursache von vielen Infektionen, Parasiten oder sonstigen Erkrankungen, im wahrsten Sinne auf der Hand liegt, ist schwer bis fast unmöglich. Die Sterblichkeit nach einer wirklich einfachen Op. wie z. B. ein Blinddarm, eine Kürettage nach einer Fehlgeburt oder selbst bei einem gezogenen Zahn ist/war dort nicht unerheblich. Eben weil es sehr oft zu postoperativen Infektionen aufgrund mangelnder Hygiene kommt/kam. So etwas muss nicht sein, da es mit einfachsten Mitteln zu bekämpfen oder zu verhindern ist.

Eine zeitlang ging die Lebenserwartung in Zimbabwe auf ca. 45 Jahre zurück. Mittlerweile liegt sie wieder bei ca. 60 Jahren. Was positiv zu bewerten ist. Zimbabwe gehört zu den stärksten mit HIV und AIDS betroffenen Ländern der Welt. 1/5 der Gesamtbevölkerung dieses Landes ist von dieser Krankheit betroffen, ca. 100.000 Menschen sterben jedes Jahr an AIDS. Besonders betroffen sind die jungen Erwachsenen, daher gibt es mittlerweile mehr Alte wie Junge Menschen und wenn dann noch die Kindersterblichkeit dazugezählt wird, kann sich jeder in etwa denken, dass es einfach nur eine große Katastrophe dort ist.

Trotz aller Hilfe und Unterstützung die wir geben wollten, war natürlich das oberste Gebot der Selbstschutz. Somit mussten immer besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, gerade wenn es um den Kontakt mit Körperflüssigkeiten ging. Selbst dem ansässigen Arzt und den medizinischen Mitarbeitern mussten wir erst langwierig erklären, dass Handschuhe und Mundschutz wirklich Sinn machen und in erster Linie dem Infektionsschutz dienen. Dauerte auch ein paar Tage, klappte dann aber.

Der Lehrer war mehr oder weniger das Mädchen für alles. 😉 Medizinisch war er eben nicht wirklich ausgebildet und sein vor kurzem absolvierter erste Hilfe Kurs, brachte ihn nun wirklich nicht viel weiter. Aber wir brauchten ja immer mal eine dritte oder vierte Hand und so war es gut, dass wir ihn dabei hatten. Es dauerte ein paar Tage, bis er so eingenordet war, dass er als Universalwaffe eingesetzt werden konnte. Am dritten Morgen kam er recht schnell an seine Grenzen, als wir ziemlich flott einen Kaiserschnitt machen mussten. Wir hatten dann ziemlich spontan, zwei Patienten. Aber einen kurzweilig ohnmächtigen Lehrer mit zwei vom Fußball spielen aufgeschlagenen Knien bekommt man dann recht schnell wieder auf die Füße. Der Vater des Kaiserschnitt-Babies klopfte ihm dann ermunternd auf die Schulter und sagte zu ihm: „you have to be strong!“ 😉 Ich sehe es heute noch vor mir. Immer wenn dann hochschwangere Frauen kamen, war vom Lehrer nichts mehr zu sehen. Der verdrückte sich dann ziemlich schnell. ;-)

Die Krankenschwester stand eigentlich mehr im Weg rum, wie sie etwas nützte. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich sie am liebsten nach fünf Tagen mit dem Heli, der uns die Medikamente brachte, nach Hause geschickt. Wirklich viel machen wollte sie nicht oder konnte sie nicht, keine Ahnung, wirklich ganz dahinter gekommen bin ich nicht. Wie sie letztendlich durch ihr Examen gekommen ist, war mir nie so ganz klar. Die einfachsten Dinge wusste sie nicht und konnte sie nicht, da waren die beiden Krankenpfleger wirklich absolute Alleskönner. Auch wenn ich meinem „Freund“ immer mal auf die Füße treten musste, wenn ihm was zu eklig, zu klebrig oder zu müffelig war. Da musste er durch und da wir uns schon so viele Jahre kannten, hatte er auch keinerlei Chance sich vor etwas zu drücken. Die beiden Ärzte machten richtig gute Arbeit und waren abends immer ziemlich erschöpft. Wir entwickelten uns im Laufe der Wochen zu einem richtig guten Team, incl. Lehrer und der Krankenschwester die ständig irgendwo rumsaß oder rumlag, weil es ihr entweder schlecht war, sie Kopfschmerzen hatte oder ganz klar keinen Bock hatte, sich bei der Hitze irgendwie sinnvoll zu betätigen.

Die unterernährten Kinder waren mit am schwierigsten zu verkraften. Diese Bilder lassen niemanden so schnell wieder los. Auch heute denke ich noch ganz oft daran. Es ist ein Wahnsinn, wenn Du so ein kleines hilfloses Kind im Arm hast, welches Dich mit seinen übergroßen Augen ansieht und so überhaupt nichts von dieser Welt weiß. Einem Kind das Essen beizubringen und mit dem Nahrungsaufbau zu beginnen, ist in so einer Region eine sehr schwierige Aufgabe. Es dauert und es erfordert viel Geduld und Feingefühl. Aber ein herzliches Lächeln oder ein kleines Händchen, welches dann die Deine hält, entschädigt jede Minute.

Die Nächte gestalteten sich weiterhin sehr unruhig. Immer wieder kam es zu plötzlichen Panikattacken der Krankenschwester, die uns dann immer wieder aus dem Schlaf rissen. Sei es, weil etwas ihr Gesicht streifte, irgendetwas im Schlafsack krabbeln würde, sie etwas gestochen hatte oder sie Stimmen hörte. Selbst die Ziegen hatten dann irgendwann keinen Bock mehr, sich ihr zu nähern. Ihre offensichtlichen Annährungsversuche bei den beiden Ärzten schlugen wohl aufgrund ihres allgemeinen Benehmens ziemlich fehl. So war ihre Unzufriedenheit für alle anderen deutlich spürbar.

Am Tag darauf passierte mir ein kleines Malheur. Ich lief mit meinem „Freund“, wie eigentlich fast alle dort, barfuß zum Fluss runter. Auf dem Weg dorthin gab es ein kleines Teilstück, welches sehr steinig war. In der Abendsonne war da so einiges an Viechern unterwegs und als ich nicht richtig aufpasste, trat ich auf einen Skorpion, der mir dann ordentlich in den Fuß stach. Autsch! Es tat schon gewaltig weh. Erschrocken war ich auch erstmal. Im Reflex habe ich den Skorpion dann mit einem Stein dingfest gemacht. Mein „Freund“ war wohl mehr aufgeregt wie ich und war erstmal nicht wirklich hilfreich. Er holte dann schnell jemanden vom Dorf, der sich den Skorpion ansah. Glücklicherweise war es nur ein leichtgiftiges Exemplar. Von den Schmerzen und der Schwellung würde ich es jetzt mit fünf Wespenstichen vergleichen. Das Flusswasser mied ich bewusst, aufgrund der Infektionsgefahr, so dass es wegen mangelnder Kühlung etwas stärker anschwoll, bis mich mein „Freund“ huckepack ins Dorf schleppte. Da ich ja wusste, dass alles halb so wild war, war für mich die Sache auch schon fast wieder in Ordnung. Mein Fuß sah zwar nicht so ganz super aus, aber das würde schon wieder werden. Vorsichtshalber bekam ich noch ein Antiallergikum und etwas Cortison gespritzt. Glücklicherweise bin ich nur auf Walnüsse allergisch. Die Nacht war für mich nicht ganz so ruhig, da ständig irgendeiner an mir rumzwirbelte umzusehen, dass es mir auch ja gut geht. Zwei Tage später war fast alles wieder gut. Barfuß bin ich allerdings weiterhin sehr oft gelaufen, eine Angewohnheit, die ich bis heute noch gerne mache. Zum Glück sind die Skorpione hier bei mir nicht so weit verbreitet. 

Die Gemeinschaft in solch einem Dorf ist sehr intensiv und wird auch entsprechend ausgelebt. Abends treffen sich die Meisten in der Dorfmitte um zu tanzen, zu singen oder einfach nur um zu reden. Auch Alkohol gibt es da, man glaubt es kaum. Selbstgebraute Flüssigkeiten werden da ganz gerne mal konsumiert. Und die Stimmung hebt es deutlich auch an. Ich hatte mich da nicht wirklich dran getraut. Die Krankenschwester schon. Und das mit voller Hingabe.

Seit wir in Zimbabwe waren, hatten wir alle nicht sonderlich viel Nahrung zu uns genommen und wenn, war es etwas völlig anderes, was wir sonst so gewöhnt waren, das dann in Kombination mit undefinierbaren Alkohol, war definitiv eine wirklich schlechte Idee. Die Krankenschwester fiel beim Aufstehen um wie eine gefällte Eiche und gab kaum noch Lebenszeichen von sich. Somit war für uns der Abend noch lange nicht zu Ende, denn wir führten dann eine Magenspülung bei ihr durch, damit sie ihren übermäßigen Alkoholkonsum wieder loswurde. Sicherlich eine Sache, die wir den Dorfbewohnern gerne erspart hätten. Nachdem sie dann einigermaßen wieder bei Bewusstsein war, schleppten wir sie irgendwie in unsere Unterkunft. Die ganze Nacht wechselten wir uns dann ab, damit auch sicher war, dass sie die Nacht überlebte, hin und wieder musste sie nochmal austreten.  ;-)

Das Resümée dieser ersten Tage war schon etwas gruselig:

-       Lehrer mit aufgeschlagenen Knien und Kreislaufkollaps

-       Skorpionstich

-       Krankenschwester mit Alkoholvergiftung

   ;-))))

 Fortsetzung folgt……………

 

P.S. Hätte ich mein Notizbuch aus Zimbabwe nicht vor einigen Tagen beim ausmisten gefunden, würde es diese Einträge wohl nicht geben. Aber es gefällt mir gerade ganz gut, mich nochmal ausführlich damit zu beschäftigen. Das bringt mich von anderen Gedanken ein wenig ab. Leider gibt es aus dieser Zeit keine Bilder. Handys gab es noch nicht wirklich, jedenfalls nicht mit Kamera, außerdem war es so gut wie verboten zu fotographieren. Ich hoffe es lässt sich aber auch so ganz gut übermitteln.

7.6.17 18:18


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