Startseite
    Krankheitsverlauf
    Beruf
    Ich - Marie
    Schicksal
    Katastrophen
    Gedanken
    Besonders wertvoll
    Erinnerungen
    Familie und Freunde
    Hoffnung
    Zukunft
    Dies und das
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Fulda Mosocho Projekt - "gegen Genitalverstümmelung"
   Welthungerhilfe Zimbabwe
   Aktion gegen Hunger Zimbabwe
   DKMS
   Impfaktion in Afrika
   Deutsche Kinderkrebsstiftung
   Ärzte ohne Grenzen
   Elisabeth-Die Legende einer Heiligen
   
Letztes Feedback
   19.08.17 18:09
    Liebe Marie, meine Frau
   19.08.17 18:11
    ja das ist ein problem.
   20.08.17 12:20
    Hallo Marie, ich drücke
   22.08.17 08:19
    ja die unvernunft.......
   22.08.17 08:25
    Moin Marie, Hauptsache
   22.08.17 13:54
    ...Lungenentzündung ist

http://myblog.de/marie-adel-verpflichtet

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Erinnerungen

Die Götter müssen verrückt sein ^^ Teil 6

 


"Erinnerungen sind Zeitreisen, die mich zu meinen schönsten Augenblicken zurückführen"

Vorwort:

Afrika – eine Zeit, bzw. eine sehr erlebnisreiche prägende Zeit, welche mir momentan gar nicht mehr aus dem Kopf geht. In vielen Situationen, welche sich momentan einstellen, schweifen meine Gedanken ganz oft dahin ab. Dabei hatte ich diese Zeit in den letzten Jahren gar nicht mehr so bewusst auf dem Schirm. Dann fallen mir beim ausmisten meine alten Notizen in die Hände und ich bin wieder mittendrin. So, als wäre es erst wenige Monate her. Oft wurde ich gefragt, warum ich mich auf so ein Abenteuer eingelassen habe. Ich glaube eine richtige befriedigende Antwort gibt es da eigentlich nicht. Die Entscheidung selbst dauerte nicht wirklich sehr lange. Von Seiten meiner Familie und auch in weiten Teilen meines damaligen Freundeskreises war die Begeisterung sehr sparsam. Mein Bruder war komplett dagegen und das war auch die einzige Zeitspanne in unserem gemeinsamen Leben, wo unser Verhältnis etwas angespannter war. Ich hatte nie den Traum eine Praxis haben zu wollen, ja nicht mal Oberärztin oder was auch immer zu werden. Die Medizin war mir sehr wichtig und möglichst unkompliziert praktizieren zu können, was natürlich im deutschen Bürokratenwirrwarr schier nicht durchführbar ist. Allerdings war mir auch immer klar, die Welt wartet ganz sicher nicht auf mich. ;-) Obwohl die liebe Welt da ganz sicher was verpasst. ;-)) Naja, Visionen vom Welt retten haben ja viele, dass dies nicht möglich ist, nicht mal ansatzweise, merken dann wiederrum auch ganz viele.

Einem Teil meiner Familie erstmal zu erklären, was ich da überhaupt tun und lassen werde, war das Eine, es zu Verstehen dann nochmal das Andere. Nachdem bekannt wurde, dass mein „bester Freund“ Frank mit von der Partie sein würde, war natürlich dann noch das i-Tüpfelchen obendrauf. Leider hatte Frank nie eine Lobby bei Ihnen. Was mich nie störte und ich somit immer erfolgreich ignorierte. Er selbst hatte damit auch kein Problem. Die einzigen beiden Vernünftigen waren mein Vater und mein Bruder. Der Rest, naja, sagen wir es so, die hatten einfach keine Ahnung und mehr sollte ich auch dazu nicht sagen.

Für mich war Afrika keine Bauchentscheidung, sondern eine Mission aus tiefster Seele. Es fühlte sich gut und richtig an und auch heute kann ich diese Gefühle noch ohne weiteres genauso nachempfinden. Wir waren knapp sechs Monate dort. Eine lange, aber dennoch viel zu kurze Zeit.

Heute denke ich oft, ich hätte genau das, in ähnlicher Form weiterführen sollen. Weil es eigentlich genau das ist, was mich und meine Philosophie vom „Arzt sein“ wiederspiegelt.  Meine Neugier auf andere Länder, Sitten und Kulturen besteht weiterhin und natürlich möchte ich auch weiterhin Ärztin sein. Dies im Einklang wäre nach wie vor, wie schon vor zwanzig Jahren, perfekt.

Es gibt viele Erzählungen und auch Erlebnisberichte verschiedener Menschen, welche eine Weile in Afrika lebten. Auch einige Verfilmungen sind bekannt. Vieles in einem bunten Gemisch aus Realität und Fiktion. Afrika selbst spaltet sich aus meiner Sicht in vier Bereiche. Zum einen der nordafrikanische Teil, welcher ganz oft überhaupt nicht wirklich mit Afrika in Verbindung gebracht wird. Dort herrscht eine völlig andere Kultur, die eben nicht typisch afrikanisch ist. Die persische, orientalische Kultur in Nordafrika ist eine völlig andere und gliedert sich mehr an den Ländern wie Irak und Iran an. Zentral-(rund um den Äquator oder unterhalb der Sahara) und Ost-Süd-Afrika sind dann wiederrum die typisch afrikanischen Länder. Da, wo Löwen, Elefanten und einiges gefährliches Getier zu Hause sind, wo eben noch von der Hand in den Mund zum Teil gelebt wird und auch da wo lange Dürren eben auch viel Leid und viel Tod bedeuten. Genau da, wo die Welt immer mal wieder einen Moment stehen bleibt. Süd- und Westafrika sind zum größten Teil diese Teilbereiche, welche dem aktuellen Zeitalter entsprechen, obwohl es auch in Südafrika noch sehr viel Diskrimination gibt. Eigentlich sollte Apartheid seitdem Nelson Mandela Präsident wurde der Geschichte angehören, leider gibt es dennoch immer wieder Probleme in diesem Bereich. Als viertes Territorium würde ich Nord-West-Afrika ansehen, beginnend rund um die Elfenbeinküste. Dort geht es schon recht wild her. Die Kriminalität in diesen Ländern, wie Nigeria, Ghana, Togo etc. ist extrem hoch und hat bereits ihre internationalen nicht unerheblichen Ausläufer. Der Einfallsreichtum dort ist immens erschreckend. Ja, ein Kontinent der Extreme, der extremen Unterschiede. Dennoch fühle ich mich mit Afrika sehr verbunden und dieser Kontinent ist in vielen Bereichen, gerade was die Flora und Fauna betrifft, ein großes Wunder. Leider würde ich Afrika selbst, als den vergessenen Kontinent betiteln. Er fällt immer wieder durchs Raster. Und das Augenmerk der Welt, liegt definitiv nicht auf Afrika.

Ein anderes Land kennenzulernen ist ein großes Vorhaben. Durch Reisen ist dies sicherlich in einer sehr oberflächlichen Variante möglich, aber um wirklich zu erleben und zu verstehen, würde es niemals ausreichen. Selbst sechs Monate, welche ich in Zimbabwe war, haben nicht im geringsten ausgereicht um heute sagen zu können, ich kenne alles. Im Grunde kenne ich gar nichts. Ich durfte für einige Monate Teil einer kleinen Bevölkerungsgruppe im süd-östlichen Teil Zimbabwes werden. Einiges habe ich verstanden, vieles aber auch nicht. Die Lebensumstände dort sind für uns fremd und schwierig umzusetzen. Und natürlich war auch ich in einer Hinsicht froh, nach diesen Monaten, wieder in „normale“ Verhältnisse zurückkehren zu können.


Afrika – Zimbabwe – Teil 6

Die ersten vier Wochen vergingen recht zügig, zumal wir alle erstmal unseren Platz in irgendeiner Form finden mussten. Die täglichen Abläufe und Rituale im Dorf waren anfangs befremdlich und ungewohnt, aber nach einiger Zeit konnten wir uns gut anpassen und es stellte sich eine Art Normalität ein. Jeden von uns erwischte so nach und nach die Rache Montezumas. Die ungewohnte, völlig andere Ernährung tat da ihr nötiges dazu. So hatte jeder mindestens 1-2 Tage mit gewissen Dingen  ;-) zu kämpfen. Was durch die Hitze und den dadurch resultierenden Flüssigkeitsverlust nicht so ganz lustig war. Aber wir konnten uns ja ganz gut selbst helfen und unseren Elektrolythaushalt zumindest chemisch wieder auf die Sprünge helfen. Als wir dann alle wieder auf den Beinen waren, gab es diesbgl. auch keinerlei Probleme mehr. Wir gewöhnten uns daran.

Nach ca. sechs Wochen, sollte ein Teil von uns für einige Tage in ein anderes kleines Dorf gebracht werden, um sich dort ein paar gehäufte Infektionen ansehen zu können. Dieses Dorf lag ca. 200 km  süd-westlich von Nyanyadzi. Das hieß, wieder eine abenteuerliche Busfahrt durch die Wüste, in der Hoffnung, dass diesmal alle Reifen am Bus blieben und sich auch sonst keine weiteren Katastrophen einstellen würden. Seit diesen aufregenden Busfahrten, wusste ich ein Fahrrad oder einfach einen Fußmarsch um einiges mehr zu schätzen. ;-) Selbstverständlich stellte dies zu einer Entfernung von 200 km durch die Wüste Afrikas keine Alternative da.

Wir waren ja mittlerweile nur noch zu sechst. Im Dorf zurück blieben einer der Ärzte, der etwas ruhigere Krankenpfleger und der Lehrer. Auf kurzweilig neuer Mission waren somit der andere Arzt, Frank und ich. Die Reise ging schon vor Anbruch der Dämmerung los. Da ja der Bus kein Licht hatte, war das schon wieder ziemlich aufregend für uns. Die Augen der Afrikaner sind anscheinend besser wie die mitteleuropäischen, jedenfalls war es für uns einfach nur rabenschwarz. Somit hofften wir hinten im Bus sitzend nur das Beste und vertrauten auf das Können des Fahrers. Aufregend war es dennoch, so eine kleine Restangst blieb doch zurück. Ausgerüstet mit viel Trinkwasser, zwei Ersatzreifen ;-) und natürlich einigen medizinischen Utensilien, machten wir uns auf den Weg. Wer wusste schon was uns dort wieder erwarten würde.

Ein bisschen komisch war die Situation schon. Für uns alle. Wir hatten uns aneinander gewöhnt, gehörten in dieser Zeit irgendwie zusammen. Jeder wusste, dass er sich auf den anderen verlassen konnte. Nun waren wir in zwei Gruppen getrennt und irgendwie fehlte etwas. Ein Stückchen Sicherheit, welche wir uns gegenseitig gaben, fehlte.

Während der Fahrt versuchten wir noch etwas Schlaf zu bekommen, was eigentlich ein unmögliches Unterfangen war. Dadurch das wir hinten im Bus auf dem blanken Blech saßen, lagen, hockten, knieten, wie auch immer, war natürlich jedes Loch und jede Unebenheit deutlich zu spüren und wahrzunehmen. ;-) So etwas wie Stoßdämpfer hatte dieser Bus wohl nicht mehr oder wahrscheinlich nie gehabt. Andererseits war die Fahrweise des Fahrers auch nicht so, wie wir es hier in Deutschland so gewohnt waren. Es war ihm egal was oder wie er vorankam. Hauptsache irgendwie, koste es was es wolle. Eins war jedenfalls klar, wer diese Fahrten überlebte, der überlebte auch die afrikanische Wüste mit allem was dazugehörte.

Wie sollte es auch anders sein, kostete es natürlich nach einigen Kilometern durch die Wüste knattern mal wieder einen Reifen. Das gehörte anscheinend zum Standardprogramm. Mittlerweile war es allerdings schon fast Mittag und dementsprechend heiß. Schatten – Fehlanzeige. Die Reifen waren ja alle nicht mehr die Neusten, dass auch wahrscheinlich nie gewesen. Irgendwie wurden sich entsprechende Räder immer mal wieder zusammengesucht, getauscht und dann bestmöglich montiert. Das passte nicht immer so ganz. ;-) Aber es erfüllte wohl kurzweilig seinen Zweck. Was aber auch hieß, dass es irgendwie unrund lief und der Bus somit mehr vorwärts eierte wie auch nur annähernd vernünftig fuhr. Es ähnelte einer Schifffahrt mit sehr hohem Wellengang. Irgendwann wurde es mir dann gehörig schlecht. Wellengang war schon immer so eine Sache, die ich nicht sonderlich gut vertragen habe und dann noch mechanisch in einem Bus herbeigeführt, irgendwie noch schlimmer. So mussten wir leider immer mal wieder spontan anhalten. ;-) Das ganze schlug dann Frank mitleidshalber auch ziemlich auf die Substanz, so dass auch ihm gewaltig schlecht wurde, kurze Zeit später war dann der Arzt auch mit von der Partie. Ich bin mir sicher, den Fahrer hat es etwas belustigt, das sich die drei Mediziner in seinem Laderaum im Gruppenkotzen präsentierten. Aber geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.

Diese Fahrt fühlte sich an, wie eine kleine Unendlichkeit. Durch unsere häufigen Pausen, diversen Buspannen, denn irgendwann dampfte dann nochmal der Motor, kamen wir dann endlich nach 18 Stunden an. 18 Stunden für 200 km, ein Wahnsinn. Vor der Rückfahrt, welche in einigen Tagen dann sein sollte, war uns allen in diesem Moment schon ziemlich Angst.

 


 

Das Bild vor Ort gestaltete sich im ersten Moment nicht so sehr viel anders, wie in dem Dorf, aus dem wir kamen. Der Aufbau war ähnlich. Die Menschen herzlich und freundlich. Sie begrüßten uns sehr überschwänglich.

Unsere mitteleuropäische Reserviertheit mussten wir schon bei unserer Ankunft in Afrika ziemlich schnell ablegen. Abstand halten zu anderen Personen, gerade zu Fremden, gibt es in dieser Kultur nicht. Jeder und jede wurde da sehr herzlichst begrüßt, gedrückt und ja, auch manchmal etwas unverhofft auf die Wange geküsst. Es ist erstmal ungewohnt, aber wir haben uns daran gewöhnt. Es gehörte dazu. Wenn ich ehrlich bin, ist mir etwas „Abstand“ dann doch lieber, entscheiden zu können, zu wem man ein näheres Verhältnis zu lässt und wen man eben auf Abstand hält, ist doch manchmal schon von Vorteil. 😉

Wir bemerkten sofort, dass eine gewisse Erleichterung über unsere Anwesenheit einkehrte. Ob wir natürlich so sehr viel tun konnten, war nicht wirklich klar. Aber alleine, dass jemand da war, der diese Menschen ernst nahm und versuchen wollte in irgendeiner Form Hilfe und Unterstützung zu geben, war alleine schon eine Hilfe.

Zuerst mussten wir natürlich etwas essen, dies abzulehnen wäre einer Beleidigung gleich gekommen. Allerdings gestaltete sich das für uns drei, aufgrund unserer „Reisebeschwerden“, als nicht so ganz simpel. Eigentlich war es in diesem Moment unmöglich irgendetwas essbares zu sich zu nehmen. Zumal das eine oder andere undefinierbar war. Sie hatten sich sehr viel Mühe gegeben und es gab auch was fleischähnliches, aber keiner von uns brachte es so wirklich über sich, im normalen Rahmen zu essen. Tapfer hielten wir aber der Sache irgendwie Stand, wenn wir auch mehr schlecht wie recht, im Essen rumstocherten. Nach kurzer Zeit regulierten sich unsere „Reisebeschwerden“ aber auch wieder.

 


 

Auch in diesem Dorf mussten wir den Einheimischen erstmal klar machen, dass wir unser Wasser, welches wir tranken, vorher aufbereiten mussten. Das stieß erstmal auf einige Skepsis. War aber dann kein größeres Problem.

Auch wenn Zimbabwe selbst überwiegend christlich ist, wird dort noch vielfältig die Polygamie ausgelebt. So ist es oft, dass Männer zu ihrer eigentlichen Frau noch 2-3 jüngere zu ihren Frauen machen. Diese sind sehr oft zwischen 12- 15 Jahre alt. Für uns eigentlich unvorstellbar. Auch wenn wir sicherlich über Ehe etc. auch hier nicht immer einig sind. Für mich selbst ist die Ehe sicherlich kein erstrebenswertes Ziel. Das sich dies mal ändern könnte, schließe ich grundsätzlich nicht aus, kommt darauf an, wie sich Dinge entwickeln und die Sicht und die Empfindungen sich ändern. Allerdings finde ich in einer Beziehung die Monogamie unabdingbar. Was natürlich ein aus unserer eigenen Kultur gelebter Standard ist.

Die Lage vor Ort adäquat abzuschätzen, sich einen groben Überblick zu verschaffen, dass war anfangs immer erstmal mit das schwierigste Unterfangen. Das junge Mädchen, den doch schon etwas in die Jahre gekommen Männern zuzuordnen waren, mussten wir auch erst kapieren. Entscheidungen trafen grundsätzlich die Männer. Die Frauen und Mädchen hatten so gar nichts zu wollen und zu sagen. Die einzige der Frauen, die wirklich die Zügel in der Hand hatte, war die „Schamanin“ oder „Medizinfrau“.

Afrika gilt als der Kontinent der Medizinleute, Zauberer, Hexen und der Besessenheit. Die Glaubensvorstellungen südlich der Sahara drehen sich vor allem um die „magische Macht“. Eine unpersönliche Kraft aus der Schattenwelt der Götter und Geister, die alles „befallen“ kann, z. B. besondere Steine oder Plätze, machtgeladene Pflanzen oder Tiere, Zauberer, Hexer und ähnliche Menschen, aber ebenso bestimmte Zeiträume, Worte, Zahlen oder gar Gesten. Die Macht kann negativ oder positiv auf den Menschen wirken und der Mensch seinerseits versucht, sie durch sein Verhalten (Beachtung von Tabus und Sitten) in seinem Sinne zu beeinflussen. Die Macht ist nicht immer gleich stark, sie kann sich konzentrieren, etwa in Amuletten oder in Menschen, die diese Magie beherrschen. Obgleich die animistisch geprägten ethnischen Religionen Afrikas durch die zunehmenden Einflüsse islamischer und christlicher Missionare immer synkretistischere Formen annehmen, sind sie vor allem bei der Landbevölkerung vieler Staaten als Volksreligion nach wie vor lebendig. Verschiedene Arten von Medizinleuten und Zauberern spielen fast überall eine wichtige Rolle. Unter Synkretismus versteht man die Vermischung verschiedener Religionen und Anschauungen zu einer Neuen. Gibt es auch sehr oft z. B. in Vietnam. Diese Art des Glaubens ist allerdings nicht allerorts gerne gesehen, sondern wird oft als ketzerisch betrachtet. Also alles in allem auch recht schwierig.

 

 © Hans Hillewaert
 
Wir mussten uns da irgendwie zurechtfinden. Zwischen tiefen christlichen Glauben, aber auch gleichzeitig zwischen extremen Glaubensvorstellungen der Medizinmänner- und frauen, Hexen und Zauberer. ;-) Für uns nicht wirklich immer ganz so einfach. Das was wir hier oft als Blöd- oder Irrsinn bezeichnen, gilt dort als fest gelebte Realität. Wir durften das nie unterschätzen und mussten das respektieren und in unseren Handlungen sehr behutsam vorgehen.

Allerdings wurden wir ja nicht aus Wohlwollen von dem einen Dorf zu dem anderen, im wahrsten Sinne des Wortes, „verschifft“. ;-) Eine Infektion hatte in diesem Dorf um sich gegriffen und schon so einige dahingerafft. Die Medizinfrau kam jedenfalls nicht mehr weiter. Der Glaube der Medizinmänner- und frauen liegt ja nicht darin, dass ihnen bewusst ist, dass einige Heilkräuter tatsächlich eine pharmazeutische Wirkung besitzen, sondern sie glauben fest an eine magische Wirksamkeit. Aber es ist nun mal in Afrika wie in Europa, alle Pflanzen in Ehren, aber bei gewissen Dingen sind sie eher unangebracht und schaden mehr wie sie eben helfen. Kapiert ja selbst nicht mal jeder in Europa, auch da gibt es viele Extremfanatiker. Aber mitten in Afrika kapiert das erstmal gar keiner.

Die erkrankten Menschen, welche wir sahen, zeigten ein eindeutiges Bild. Jeder von uns drei wusste eigentlich sofort, mit was wir es zu tun hatten. Tetanus! Leider durften wir nicht direkt handeln. Tetanus, also Wundstarrkrampf, äußert sich in den meisten Fällen durch starke Krämpfe, was wiederum bei den Einheimischen als ein Zeichen der „Besessenheit“ gedeutet wurde. Diese Erkrankten wurden schon mal isoliert untergebracht. Die Behandlung eines an Tetanus Erkrankten ist nicht sonderlich schwierig, allerdings schwierig, wenn es nicht zugelassen wird. Ein Semester Teufelsaustreibungen hatte leider keiner von uns absolviert und somit waren wir auch ziemlich schlecht darin. ;-)

Es plausibel klar zu machen, dass wir helfen können, war sehr kompliziert. Aber es klappte dann doch, so dass wir einigen helfen konnten. Allerdings war bei einigen die Infektion schon soweit fortgeschritten, dass wir nur noch palliative Maßnahmen ergreifen konnten.

Nach ein paar Tagen gehörten wir schon fest zum Stamm der Einheimischen dazu. Außerdem bekamen wir unsere traditionelle „Kriegsbemalung“ ins Gesicht gemalt ;-) und hatten dann sogar eine große, nicht gänzliche!, Handlungsfreiheit. Sogar ich als „Frau“ hatte eine ziemlich sichere Lobby. Zusätzlich zu den Tetanusinfektionen kamen noch einige übliche Beschwerden der Einheimischen dazu, welche wir dann auch behandeln oder „mitbehandeln“ durften.

 


 

Nach knapp zwei Wochen mussten wir dann wieder zurück nach Nyanyadzi. Ich zog ernsthaft in Erwägung den Rückweg zu Fuß zu bestreiten. ;-) Der Rückweg gestaltete sich ähnlich wie die Hinfahrt. Nach einigen Kilometern ging ein Reifen kaputt, da der Fahrer über einen größeren Ast gefahren war. Anscheinend gehörte ein kaputter Reifen incl. des interessanten Reifenwechselns zum Standard-Ausflugs-Programm in Zimbabwe. Ich habe tatsächlich keine einzige längere Fahrt dort gemacht, ohne dass nicht mindestens ein Reifen kaputt ging, irgendwas dampfte, klapperte oder was abfiel.

Die sich immer wieder einschleichende Übelkeit während dieser Fahrten, gehörte ebenso zum Standardprogramm dazu. Diese Fahrten waren ein Abenteuer für sich und das nicht weiter was passierte, grenzte schon an ein Wunder. Aber die Götter waren scheinbar mit uns!

Zurück in Nyanyadzi wurde uns deutlich, dass es dort doch ein kleines wenig fortschrittlicher war, wie in dem Dorf, aus dem wir gerade kamen. Auch da gibt es doch deutliche Unterschiede. Als erstes wurde uns unsere Gesichtsbemalung des „Fremddorfes“ entfernt. Da waren sie doch sehr penibel. Jedes Dorf oder jeder Stamm hatte so seine eigenen Bemalungen. Und da wir ja nun wieder zu diesem Dorf gehörten, mussten wir sozusagen erstmal restauriert werden. ;-)

Gute Zeiten

Verrückte Freunde

Unglaubliche Erinnerungen

Fortsetzung folgt………….

23.6.17 17:12


Die Götter müssen verrückt sein ^^ Teil 5

„Zu sehen, unter welchen Bedingungen Menschen leben und überleben können, ist für mich selbst eines der größten Wunder des Lebens geworden. Und es gleicht an ein unermessliches Wunder, dass sich Bevölkerungsgruppen nicht gänzlich selbst ausrotten. Diese kleinen und großen Wunder und diese unendliche immer wiederkehrende Kraft des Lebens, sind wohl der Ursprung jedes Lebewesens und der Evolution an sich. Müssen wir immer alles wissen? Nein, wir dürfen uns lediglich wundern über diese Wunder!“


Afrika - Zimbabwe Teil 5

Das Unbegreifliche an Widersprüchen

Nach der Abreise der Krankenschwester, war ich dann also die einzige weibliche Person in unserem Trupp. Aufgrund der permanenten Aufregungen, die uns die Krankenschwester knapp drei Wochen bescherte, war ihre Abreise eine regelrechte Erleichterung für alle Beteiligten.

Einige Tage verliefen relativ organisiert und regelmäßig. Die Nächte waren immer ein wenig unruhig. Wären wir von der Hitze des Tages und unserer Arbeit und den immer wieder neuen Eindrücken nicht wahnsinnig erschöpft gewesen, wäre es wohl oft sehr schwierig geworden in den Schlaf zu finden. Die afrikanische Tierwelt, welche sich rund um uns herumtummelte, war aufregend, unberechenbar und vor allem nicht ungefährlich. Nach einigen Vorkommnissen, wurden wir für viele Dinge und Situationen in unseren Verhaltensweisen sensibilisiert. Mit der Zeit klappte das immer besser.

Die Essensgewohnheiten waren natürlich sehr viel anders, wie wir das so kannten. Der Mais-/Getreidebrei war eines der Grundnahrungsmittel und den gab es täglich. Mal mit, mal ohne Fleisch. Das Fleisch war meist Schwein oder auch mal so eine Art „Gnu“ glaube ich. :-) Irgendwas selbst gejagtes. In dieser Zeit bekam der Begriff „Jäger und Sammler“ wieder eine ganz andere Dimension für uns. Es gab aber auch seltsame Sachen zu essen. Naja, sagen wir, seltsam für uns! Gegrillte oder gebratene Vogelspinnen waren dort eine regelrechte Delikatesse. Das gab es immer mal wieder. Anfangs waren wir da schon sehr skeptisch, aber was soll ich sagen, es war essbar und zu dem sonst doch recht monotonen Essen, eine Abwechslung. ;-) Ich probiere sehr gerne mal andere Dinge und bin da wirklich sehr weltoffen. Mehr wie nicht schmecken kann es ja eigentlich nicht. Auch gab es hin und wieder Heuschrecken und andere Dinge. Alles habe ich dann auch nicht runterbekommen, aber so die meisten Dinge habe ich mindestens mal probiert.

Unsere Arbeit im Krankenhaus war immer etwas anders, auch gab es mal zwischendurch einen Tag, an dem es ruhiger war. Eine richtige Struktur gab es nicht. Für ziemlich durchorganisierte „Deutsche“ anfangs schwierig. Vertreten war so ziemlich alles, von normalen Schnittverletzungen, über Stiche und Bisse, bis hin zu abgetrennten Gliedmaßen.

Die typische Schwangerschaftsvorsorge, wie sie hier in Deutschland gehandhabt wird, ist dort natürlich nicht möglich. Nicht mal im Ansatz. Kinder kamen dort auf die Welt, wenn es eben an der Zeit war. Ging etwas schief, war das eben Schicksal. Hilfe gab es da einfach nicht. Das kleine Krankenhaus hatte zwar eine gewisse Grundausstattung, aber diese war eher schlecht wie recht. Seit unserer Ankunft gab es zumindest immer mal glücklich endende Geburten, da wir in der Lage waren einen Kaiserschnitt im Fall der Fälle schnell durchführen zu können. Das rettete sicherlich so einigen Müttern, wie auch Kindern das Leben. Viele der Frauen brachten ihre Kinder entweder in einer speziellen Geburtshütte, welche etwas außerhalb des Dorfes erbaut war zur Welt oder eben irgendwo draußen in der freien Natur. Das war schon krass! Eine schon sehr in die Jahre gekommene Einheimische, war dort verantwortlich für das ganze Geburtsgeschehen und hatte das Oberkommando. So wirklich widersprechen wollte ihr keiner. Selbst wir waren da anfangs auch eher zurückhaltend. Generell mussten die Frauen aber sehen, wie sie selbst mit dieser Situation zurechtkamen. Unvorstellbar! Die Tage nach der Geburt verbrachten die Frauen dann in dieser Hütte oder eben irgendwo außerhalb, bis sie wieder zurück ins Dorf und das tägliche Leben durften.

Jedenfalls erklärt das schon mal einen Teil der hohen Kindersterblichkeit. Die Neugeborenen waren ja, bis zur Rückkehr ins Dorf bei ihren Müttern. Gab es da Komplikationen, war es eben so. Da wurde kein Geschiss gemacht oder gehadert.

Die Hygiene war und ist gerade in diesem Bereich eines der Hauptprobleme. Sehr oft kam es zu Infektionen, gerade nach einer Geburt. Die Naturheilmittel, die von den Einheimischen eingesetzt wurden, waren sicherlich nicht immer ganz falsch, aber in vielen Situationen einfach eine große Katastrophe. Wir standen oft hilflos den Situationen gegenüber, denn manchmal wurde uns ein Eingreifen verwehrt. Diese Akzeptanz war schwer und daran hatte jeder zu knabbern. Wir konnten diesen Menschen nicht von einem auf den anderen Tag die Welt erklären und alles für nichtig erklären, woran sie alle bisher geglaubt hatten. Aber im Zuge der Monate, konnten wir dennoch Stück für Stück die Richtung etwas ändern. Es klappte nicht immer, aber bis zu unserer Ab- oder Weiterreise, immer öfter.

Inzest ist bei solchen Bevölkerungsgruppen Normalität. Oft werden Cousin und Cousine oder auch Onkel und Nichte, etc., verheiratet. Das führt sehr oft bei der Fortpflanzung zu argen Problemen. Manchmal geht es gut, aber ganz oft leider nicht. Die Natur hilft sich zum Teil selbst und lässt einfach nicht zu, dass sich ein neues Lebewesen lebensfähig entwickelt und stößt es früh genug wieder ab. Für uns plausibel, für diese Menschen eine große Katastrophe. Aberglauben wird dort großgeschrieben. Nach der 2. oder 3. Fehlgeburt, wird da schon das Schlimmste vermutet, vom Fluch der Ahnen bis hin zum Voodoo-Zauber. Dies mit biologisch genetischen Hintergründen erklären zu wollen, ist sinnlos.

Aber manche Schwangerschaften funktionieren. Leider sieht man das Maß der Dinge dann erst bei oder nach der Geburt. Miss- oder Fehlbildungen, viele genetische Defekte, wie Trisomie 13 und 18, Hydrocephalus und noch so einiges mehr. Es war schlimm und die Häufigkeit auf die von uns begleitenden Geburten gemessen, erschreckend. Viele Kinder waren aufgrund der Defekte nur wenige Minuten lebensfähig oder kamen tot zur Welt.

Ich weiß nicht, wie diese Frauen mit diesen Situationen zurechtkamen. Aber sie haben das toleriert und normal weitergelebt, als wäre es nie anders gewesen. Es ist eine andere Welt. Die Möglichkeiten und das Verständnis aufgrund dieser Abgeschiedenheit ist begrenzt. Ich weiß selbst, wie schlimm es für mich selbst war, als mein Sohn nach wenigen Minuten in meinem Arm gestorben ist. Das habe ich bis heute noch nicht ganz begriffen. Aber diese Mentalität dieser Afrikanerinnen ist schlichtweg anders. Möglicherweise ist sie besser, ich weiß es nicht.

Die Mädchen wurden oft schon mit ca. 12-14 Jahren verheiratet. Ein Wahnsinn. Für solch´ junge Mädchen der Anfang vom Ende. Ein noch nicht fertig entwickelter Körper, welcher schon ein Kind austragen soll, eigentlich nicht vorstellbar. Es gibt auch hier 14 jährige Mädchen die schwanger werden und auch mal ein Kind austragen, nur sind eben bei uns die medizinischen Möglichkeiten gegeben. Dort halt eben nicht.

Wir konnten nicht verhindern, dass weiterhin Inzest betrieben wurde, aber wir konnten einigen beibringen, dass nicht immer unbedingt eine Schwangerschaft eintreten musste. Natürlich war es nicht sinnvoll Verhütungsmittel, wie die Pille oder die Spirale dort einzusetzen, aber Kondome waren schon mal eine gute Alternative. Das Verständnis von und für solche „Hilfsmittel“ ist schwierig. Und ich war nicht unbedingt die richtige Person dafür, den Afrikanern den Umgang mit Kondomen zu erklären. Die hätten mich überhaupt nicht ernst genommen. Aber dafür hatten wir ja dann den Lehrer. ;-) Der stellte sich anfangs auch ziemlich an, aber ich muss sagen, im Laufe der Zeit, machte er seine Sache richtig gut.

In den Tiefen Afrikas den Einheimischen zu erklären, wie sie sich beim Sex zu verhalten haben, war schon eine Aufgabe für sich. Zum einen den Frauen, zum anderen den Männern. Vergleichbar mit dem Sexualkundeunterricht der 9. Klasse an unseren Schulen. Eigentlich dachte ich immer, so Naturvölker sind da relativ hemmungslos und die bekommen das schon hin. Ist ja schließlich der Ruf der Natur. ;-) Aber da hatte ich mich doch gewaltig geirrt. Somit fingen wir sprichwörtlich bei Adam und Eva an. ;-)

Es ist schwierig gegen den Strom zu schwimmen. Die meisten Menschen dort sind Christen. Katholische Christen. Wir kamen dorthin um, unter anderem, Aufklärungsarbeit und Prävention zu betreiben, doch der religiöse Glaube machte uns sehr oft wieder einen Strich durch die Rechnung. So ganz bin ich sowieso nicht dahintergekommen, wie sich gerade der christliche Glaube in einem doch etwas dem Zeitalter hinterher hinkendem Dorf, so manifestieren konnte. Aber das hatte wohl irgendwann mal angefangen und funktionierte. Es ist ja nicht so, dass es dort so gar nichts gab, aber es war schon sehr viel anders. Zum einen hielten sie an ihren Urbräuchen und -sitten fest. Gerade was die medizinische Versorgung in gewissen Teilbereichen anging, zum anderen aber glaubten sie an Gott, Jesus und alles was dazugehörte. Ja und den Papst kannten sie auch. Und genau das war ja das Problem. Ich will jetzt sicher nicht gegen den Papst und die Vorstellungen der römisch-katholischen Kirche hetzen, ich kenne sie selbst zur Genüge 😉:-) Aber ich kann mich leider überhaupt nicht mit vielen Vorgaben und Erwartungen dieser Kirche identifizieren.

Wie kann es denn sein, dass z. B. ein Papst auf hohem Niveau, in solche Länder reist, diese Missstände und Probleme mit eigenen Augen sieht und dann den Messias spielt und diesen Menschen jegliche Verhütungsmittel, in Anbetracht ihres Glaubens, madig macht. Das geht so gar nicht. Vielleicht habe ich da grundsätzlich etwas nicht verstanden, möglich wäre es. Sicherlich ist es christlicher, Kinder verhungern zu lassen, anstatt sie überhaupt erst entstehen zu lassen. Mhm, da läuft doch gewaltig was schief.

Und genau aus diesen Gründen, kämpften wir teilweise den Kampf der Giganten. David gegen Goliath. Manche verstanden, manche nicht. Die Worte der katholischen Kirche trugen schwerer, wie alles andere. Und dieser Glaube und dieser Gehorsam, den viele dieser Kirche entgegenbrachten, brachte uns an greifbare Grenzen. Es machte teilweise vieles unmöglich.

Selbstverständlich gab es auch eine Art Kirche in diesem Dorf und ein Prediger. Regelmäßig besuchten wir dann auch den Gottesdienst, auch wenn wir nicht wirklich viel verstanden. Aber im Grunde gab es da auch nicht viel zu verstehen. Diese Menschen sind schon sehr gläubig, weil es eben sonst nicht viel anderes gibt.

Und da sage mir doch nochmal einer, Religionen sind nicht zwangsläufig manchmal der Auslöser allen Übels und verursachen sehr viel Leid auf dieser Welt. ;-)

Fortsetzung folgt………………
14.6.17 02:02


 [eine Seite weiter]




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung