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Krankheitsverlauf

Dr. Google und das Ungeheuer im Kleiderschrank ^^

„Look up at the stars and not down at your feet.“

 


Jeder einzelne Atemzug tut mir an manchen Tagen weh. Meistens gleicht es einer gigantischen Anstrengung. Ich bin daran gewöhnt, aber manchmal nimmt es überhand. So wie letzte Nacht. Frank und Marc waren wirklich sehr schnell da und fuhren mit mir in die Klinik. Die Diagnose hatte ich in der Tat schon selbst gestellt. Mittlerweile bekomme ich es gut hin, mir die Lunge selbst abzuhören. Leider arbeitet meine eine Niere noch nicht ganz auf Hochtouren. Sie arbeitet gut, aber manchmal eben noch nicht ausreichend. Unter der Belastung der Chemotherapie kommt sie dann schon mal ins Stolpern und somit wird natürlich alles in Mitleidenschaft gezogen.

Es hängt eines am anderen, arbeitet die Niere nicht vernünftig, hat die Lunge auch keinen Bock mehr. Warum auch, wenn einer faulenzt, können das die anderen Organe anscheinend auch. Das Resultat ist dann ein unregelmäßiger Herzschlag und eben massive Atemprobleme, da sich ein Lungenödem bildet.

Zum Verständnis nochmal ein kleiner Ausflug in die menschliche Anatomie und Physiologie:

Was ist ein Lungenödem?

Ein Lungenödem ist eine Ansammlung von Flüssigkeit im Lungengewebe, die unter gesunden Bedingungen nicht vorhanden ist. Hierbei tritt Flüssigkeit aus den kleinen Lungenkapillaren zunächst ins Lungenzwischengewebe, das so genannte Interstitium, über. Diese Art von Lungenödem nennt wird deshalb als interstitielles Lungenödem bezeichnet. Dringt die Flüssigkeit dann zusätzlich in die Lungenbläschen, in der Fachsprache auch Alveolen genannt, ein, spricht man von einem alveolären Lungenödem. Mit Flüssigkeit gefüllte Alveolen können den Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen und es bildet sich im Körper ein Sauerstoffmangel aus.

Die Ursachen für diese Flüssigkeitsansammlung sind vielfältig. In der westlichen Welt sind die häufigsten Auslöser eine Herzschwäche, zum Beispiel durch einen Herzinfarkt oder eine Herzmuskelentzündung verursacht, oder eine Nierenerkrankung, welche zu einer eingeschränkten Nierenfunktion führt.

Ein Lungenödem kann außerdem im Rahmen eines Hungerleiden, einer Höhenkrankheit oder wenn Salzwasser eingeatmet wird, auftreten. All diese Ursachen führen entweder zu einem erhöhten Druck in den Blutgefäßen der Lunge, so dass durch den hohen Druck Flüssigkeit aus den feinsten Blutgefäßen gepresst wird, oder sie machen die Kapillarwände aufgrund verschiedener Mechanismen durchgängiger für Flüssigkeit. Zum Beispiel Reizgase wie Chlor oder Ammoniak sind in der Lage, die feinen Gefäßwände zu zerstören, so dass ebenfalls Flüssigkeit austreten kann.

Wissenswertes über die Lunge

Die Lunge liegt im Brustkorb und besteht aus einem linken und einem rechten Lungenflügel, die dem Herz beidseits anliegen. Beide Lungenflügel haben annähernd die Form einer Pyramide und reichen mit ihrer Spitze bis unter das Schlüsselbein. Mit der breiten Basis liegen sie dem Zwerchfell auf. Der rechte Lungenflügel besteht aus drei, der linke Lungenflügel aus zwei Lungenlappen. Die Lungenlappen gliedern sich wiederum in die Lungenläppchen auf, die so genannten Lobuli. Die Lobuli bestehen aus vielen, mit Luft gefüllten Lungenbläschen, den so genannten Alveolen. Der Mensch besitzt davon etwa 300 Millionen.

 

Die Luft gelangt normalerweise über die Nase - manchmal auch über den Mund - am Kehlkopf vorbei in die Luftröhre. Diese teilt sich in Herzhöhe in einen rechten und linken Hauptbronchus, der jeweils einen Lungenflügel versorgt. In den Lungenflügeln unterteilen sich die Hauptbronchien baumartig immer weiter in kleinere luftleitende Röhrchen, die man Bronchien nennt. Parallel dazu verlaufen die Blutgefäße. Die kleinsten Aufzweigungen schließlich, die Bronchiolen, münden in die Lungenbläschen, die Alveolen. Die Alveolen bilden sozusagen wie eine traubenförmige Aussackung das Ende des Bronchialbaumes. Sie sind von einem Netz aus winzig kleinen Blutgefäßen umgeben, die man Kapillaren nennt. Hier findet der Gasaustausch zwischen Luft und  Blut statt, bei dem Sauerstoff aufgenommen und Kohlendioxid über die Ausatmung abgegeben wird. Der Sauerstoff wird über den Blutstrom im gesamten Körper verteilt. Von innen sieht die Lunge mit ihren feinen Luftröhrchen und Luftbläschen wie ein Schwamm aus. Luftröhrchen und -Bläschen sind von einem feinen Stützgewebe umgeben, dem so genannten Interstitium.

 

Die Atemwege sind ausgekleidet mit einer besonderen Schleimhaut, die man auch in allen anderen Bereichen der Atemwege vorfindet. Diese Schleimhaut ist hoch spezialisiert und schützt unsere Atemorgane vor schädlichen Stoffen, die über die Atemluft in unseren Körper gelangen können. Diese Aufgabe wird erfüllt durch das Zusammenspiel verschiedener Zellen. Die eine Zellart besitzt winzige Härchen, so genannte Flimmerhärchen, die sich wellenartig in Richtung Rachen bewegen. Daneben gibt es Zellen, die einen dünnen Schleim herstellen - so genannte Becherzellen - und damit die Flimmerhärchen überziehen. So können Fremdkörper wie Staubteilchen und Krankheitserreger auf dieser Schleimschicht zum Rachen transportiert und über einen Hustenstoß ins Freie befördert oder in den Magen verschluckt werden.

 


Also die Lunge ist schon so ein ziemlich wichtiges Ding und ganz ehrlich, vernünftig Atmen zu können ist eine wirklich tolle Sache. ;-) Weiß ich auch erst seit ein paar Monaten zu schätzen, seit es immer mal wieder zu diversen Problemchen damit kommt.

Naja, jedenfalls hatte ich es in der letzten Nacht mit einem recht frischen Assistenzarzt in der Notaufnahme zu tun. Die sind immer etwas lustig, da sie meinen, so frisch von der Uni, die wissen alles. Können alles und wie schon gesagt, wissen eben alles. ;-) Es ging mir zwar nicht wirklich gut, aber ich hab´ mir so gedacht, ok, der verzichtet darauf sich meine Patientenakte (und die ist wirklich schon erschreckend dick) anzusehen, der ist wohl echt gut! ;-) Lassen wir ihn mal machen. Hat ja jeder grundsätzlich eine Chance verdient.

Ziemlich super genervt fing er an: „Es ist 1.00 Uhr nachts, dann muss es ja was Dringendes sein.“

Ich musste Frank und Marc zurückhalten, damit die nicht dazwischenfunkten, was nicht so einfach war.

„Ich glaube schon, sonst würde ich jetzt auch lieber in meinem Bett liegen. Ich vermute ein Lungenödem, jedenfalls hörte es sich so an.“

„Haben Sie Dr. Google zu Rate gezogen?“

„Nein, nicht direkt. Ich traue mir durchaus zu, dass weitgehend beurteilen zu können.“

„Aha, na dann hätten Sie sich ja auch gleich selbst behandeln können.“

„Würden Sie dann bitte mal langsam anfangen. Abhören, und dann denke ich eine Infusion wäre da schon die Rettung. Meine Niere arbeitet nicht so ganz ideal, daher passiert das manchmal, im übrigen sind da noch die Lungenmetastasen, die auch immer mal rumnörgeln und beleidigt sind.“

„Na, jetzt malen Sie mal den Teufel nicht an die Wand. Dr. Google verunsichert die Leute immer enorm und dann meint jeder, er müsste gleich sterben.“

„Das mit dem Sterben will ich jetzt nicht hoffen und ich glaube so ganz akut ist es dann doch nicht, und ich bin weder verunsichert noch sonst etwas. Die Diagnose ist klar und jetzt wäre es dann doch schön, wenn Sie mal einen klitzekleinen Blick in meine Akte werfen. Ich bin übrigens Frau Dr. Marie …….., aber ich gehe Ihnen gerne zur Hand, wenn Sie Fragen haben.“

Frank und Marc haben kurzfristig den Raum verlassen müssen, weil sie sich nicht mehr halten konnten vor lachen.

Okay, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. ;-)

Glücklicherweise kam dann der Oberarzt dazu. Wir kennen uns ewig, war ein sehr guter Freund von Hannes.

Der Assistenzarzt, dessen Namen ich mir irgendwie nicht merken konnte, da er sehr lang und kompliziert war, stand wie ein begossener Pudel daneben.

Ich glaube er vernachlässigt nie mehr eine Patientenakte. So kleine Erziehungsmaßnahmen müssen sein! ;-)

Gut, nichts desto trotz war die ganze Angelegenheit nicht ganz so lustig, wie es erscheint. Zum Zeitvertreib war ich auf jeden Fall nicht dort.

Ich bekam dann bis heute Morgen Antibiotika und Antidiuretika (zum Entwässern), damit die Lunge etwas entlastet wird. Die Niere arbeitet trotzdem ganz gut, aber eben noch nicht perfekt und die Chemo von letzter Woche hängt eben noch ziemlich nach. Die Gefahr bei solchen Ödemen, es kann sehr schnell zu einer Pneumonie (Lungenentzündung) kommen. Daher das Antibiotika. Das hatte ich ja vor ein paar Monaten schon mal und das war nicht so ganz spaßig.

Heute Mittag bin ich dann aber wieder nach Hause, soweit geht es. Und es geht mir auch gar nicht so sehr schlecht gerade muss ich sagen. Ich muss da ja auch nicht unnötig ein Bett belagern, andere Patienten brauchen das sicherlich dringender. ;-)

 

Kaum zu Hause kam Gabi. Mit Gitarre! Da war mir schon klar, es gibt wieder ein selbst komponiertes Lied. Es ist manchmal seltsam, aber ich freue mich darüber. Wer bekommt schon extra Lieder komponiert?

Diesmal war sie allerdings etwas unsicher.

Gabi beäugte meine Notizbücher, die offen auf meiner Couch lagen, und ich hoffe, dass sie meine Handschrift über Kopf nicht lesen konnte. Die Texte sind nämlich schon irgendwie peinlich, so peinlich, dass sie dann vermutlich ihre Einstellung zur Euthanasie ändern würde. ;-)

Nun bin ich wieder alleine, genieße ein wenig meine Ruhe. Später kommt Frank nochmal vorbei. Ich glaube heute Nacht brauchen wir alle mal wieder ein paar Stunden Schlaf.

Ich hatte nie Angst vor Monstern unter meinem Bett oder Ungeheuern in meinem Kleiderschrank, weil ich davon ausging, dass nichts Bedrohliches je so blöd wäre, sich mit mir anzulegen. Aber wie sehen Monster und Ungeheuer letztendlich aus? Ich weiß es nicht. Ich möchte eigentlich keine Angst haben, aber sie schleicht sich doch immer wieder mal ein, unter mein Bett oder in meinen Kleiderschrank! ;-)

 Gestern war ich ein wenig draußen, nicht weit, nur hier am Feldrand ein paar Meter von meinem Haus entfernt. Und da sah ich sie, eine Wespenspinne! Sie ist wunderschön!


10.8.17 19:09


Der Feind in mir

"Ist die Hoffnung in uns nicht der Regenbogen in unserem Leben? Ohne Anfang, ohne Ende? Ohne Voraussetzungen, ohne Pflichten? Sie wird mit uns geboren und stirbt mit unserem letzten Atemzug. Ohne Dunkelheit, die in manchen Momenten unser Leben streift, würden wir das Glitzern der Sterne nicht erkennen! Und besondere Sterne, vertiefen unsere Hoffnung!"

(Marie L. F.v.D.)

 Erstmal ein wenig Anatomie und Physiologie

Diagnose: Nierenzellkarzinom mit Lungenmetastasen

Meist entsteht ein Nierenzellkarzinom in der Nierenrinde und wächst von dort in Richtung des Nierenbeckens. Der Tumor wächst meist so, dass er das umliegende Nierengewebe verdrängt. Er kann aber auch zerstörerisch in das Gewebe hineinwachsen, dabei die Organgrenze überschreiten und in die Umgebung einwachsen.

So sind die Tumorzellen in der Lage, ins Blut- und Lymphsystem einzudringen. Blut- und Lymphgefäße durchziehen den ganzen Körper, so dass die Tumorzellen darüber transportiert werden und sich in anderen Organen ansiedeln können. Diese Tumorzellansiedlungen bezeichnet man als Tochtertumore oder in der Fachsprache als Metastasen. Besonders häufig entstehen Metastasen in der Lunge, in den Knochen, in der Leber und im Gehirn.


Therapie

Ein Nierenzellkarzinom wird ganz grundsätzlich chirurgisch behandelt. Das bedeutet, dass der Tumor durch eine Operation wenn möglich komplett entfernt werden sollte. Bei einem kleinen Tumor ist es unter Umständen möglich, dass nur ein Teil der betroffenen Niere entfernt werden muss. In aller Regel muss allerdings die ganze Niere mit umliegendem Gewebe und mit dem Harnleiter entfernt werden. Zusätzlich werden die Lymphknoten in der Umgebung zur Sicherheit ebenfalls entfernt.

 


Nach der Operation kommen mehrere verschiedene Therapien zum Einsatz, um unterstützend die Prognose  zu verbessern. Dazu gehört zum Beispiel die Chemotherapie, aber auch die Immuntherapie. Bei einer Immuntherapie werden, ähnlich wie bei einer Impfung gegen Infektionskrankheiten, unschädlich gemachte Tumorzellen aus dem herausoperierten Tumor wieder in den Körper verabreicht. Somit wird er auf die Tumorzellen sensibilisiert, damit sich das Immunsystem besser gegen den Krebs wehren kann. Es kommen zusätzlich auch Medikamente zum Einsatz, welche das körpereigene Abwehrsystem stärken.


"Im Dezember 2016, nach Manifestierung des Primärtumors und der Lungenmetastasen, wurde mir eine erwartet Überlebensdauer von 8-12 Monaten prognostiziert, sollten sich noch weitere Metastasen in anderen Organen finden oder eben die Immun- oder Chemotherapie nicht anschlagen. Diese Pille musste ich erstmal schlucken. Mittlerweile habe ich acht Monate überlebt, die Therapie schlägt an, ich kämpfe noch gegen die Metastasen. Die Prognose steht zur Zeit gut, ich darf auf eine Totalremission hoffen. Glücklicherweise, wurden die Tumore im Anfangsstadium entdeckt. Ein bisschen Glück im Unglück, darf ja auch mal sein!"

Am Montag lief nun also Chemo 3/6. Das übliche Procedere startete am frühen Montag morgen. Erst wurde mir wieder elendig viel Blut abgenommen, um die aktuellen Werte zu ermitteln. Nach knapp zwei Stunden bekam ich dann das ok, dass die Chemo angehängt werden durfte. Und so geschah es dann auch.

Die Übelkeit folgte auf dem Fuße. Diesmal wirklich sehr schnell. Ich kann es schlecht beschreiben, es ist, als würde von der einen auf die andere Sekunde ein Hebel umgelegt werden und genau dann ist eben ganz schnell Schluss mit lustig. Aber darin bin ich ja nun mittlerweile schon gut geübt! Ich müsste eigentlich behaupten, ich bin auf alle Individualitäten vorbereitet. Aber „denkste“ Puppe, es gibt wohl Sachen im Leben, da „kannste“ Erfahrungen haben wie Du willst, es trifft Dich immer wieder unvorbereitet. So eben auch das. Es nervt mich. Kurzum, es war mir einfach nur grottenschlecht und das Erbrechen ist dann noch das Highlight schlechthin. Ich mag es nicht, wenn in diesem „Gemeinschaftsraum“ dann noch fünf weitere Augenpaare mich beim kotzen (sorry) beobachten. Von denen kotzt auch irgendwie keiner, dass ist anscheinend mein Privileg. Sehr zu meinem Unverständnis kommt dann aber auch jedesmal die Frage: "Ist Ihnen schlecht?"

"Och nö, mach´ich nur aus Langeweile, damit die Zeit schneller rum geht!" ;-) Meinen Kopfhörern sei Dank, kann ich mich immer mal "tot" stellen.

Zum Ende der Chemo merkte ich schon, dass ich die kommende Nacht wohl eher nicht alleine zu Hause verbringen würde und sollte. Das Atmen fiel mir zu dieser Zeit schon deutlich schwerer und somit diagnostizierte ich gleich mal selbst ;-), dass die Metastasen mal wieder auf Gegenangriff gingen und gnadenlos rummotzten. Sprich, es bildete sich wieder Flüssigkeit in der Lunge, bzw. im Pleuraspalt. Bis zu einem gewissen Grad ist das zu tolerieren, aber wenn dann so ein Punkt überschritten ist, wird’s doof. Sehr doof!

 

Von dieser Nebenerscheinung hatte ich ja auch eine längere Zeit nun Ruhe gehabt. Aber wäre ja auch wirklich zu langweilig geworden, wenn nicht wieder mal etwas anderes auf dem Plan gestanden hätte. Da diese Sache wirklich wahnsinnig schmerzhaft ist und „atmen“ ja ehrlich gesagt auch schon so eine richtig tolle Angelegenheit ist, wenn es denn funktioniert. ;-) Ganz darauf verzichten wollte ich dann doch noch nicht und mal ehrlich, ich fühle mich schon erheblich in meinem Stolz verletzt, dass diese Minidinger von Metastasen meinen sie wären auf dem Siegeszug. Aber Fehlanzeige, da haben sie in der Tat wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht!

 

 Was sind Metastasen?

Bei einer Metastase handelt es sich um die Tochtergeschwulst eines bösartigen Tumors. Die Zellen eines bösartigen Tumors, also Krebszellen, sind in der Lage, sich aus dem eigentlichen Primärtumor zu lösen (in meinem Fall das Nierenzellkarzinom) und in benachbarte Gewebe und Organe einzudringen. Zellen, die sich auf diese Weise aus dem Zellverband gelöst haben, können über den Blutweg oder über die Lymphgefäße in andere Organe oder Lymphknoten transportiert werden und sich dort ansiedeln. Die Zellen bilden in der Folge an diesen Stellen durch eine Zellvermehrung einen neuen Tochtertumor, also eine Metastase. Unser körpereigenes Immunsystem ist zwar in der Lage, Tumorzellen abzubauen, aber dies ist keine Garantie, dass alle Tumorzellen erkannt und vernichtet werden können. Den Vorgang der Tumoraussaat nennt man Metastasierung. Der ursprüngliche Tumor, von dem sich die Krebszellen losgelöst haben, ist der Primärtumor.

Da das gesamte Blut jedes Mal, wenn es sauerstoffarm aus dem Körper zum Herz zurückfließt, durch das feine Gefäßnetz der Lunge gepumpt werden muss, um mit Sauerstoff angereichert zu werden, siedeln sich die Krebszellen hier sehr häufig an und bilden Metastasen.

 

Primärtumor in der Niere: Bevorzugt für die Metastasenansiedlung sind Lunge, Gehirn, Leber und Knochen.

Somit ging es dann quasi mitten in der Nacht zum Dienstag mal wieder zügig zur Sache. Andere Dinge in der Nacht würde ich jetzt doch als sehr erquickender empfinden, aber ich weiß, ich kann ja nicht alles haben. ;-)

Ich hatte diese Lungenpunktion, bzw. diese Punktion des Pleuraspaltes ja schon so ein paarmal über mich ergehen lassen müssen und war jedes Mal wieder davon überzeugt, was für eine verdammte Scheiße! Beim ersten Mal ;-) bin ich ja noch weitgehenst locker an die Sache rangegangen, wie das eben so ist, bei Dingen, die sich zum ersten Mal ergeben. Entweder wird es dann beim nächsten Mal grandios oder eben komplett Kacke. ;-) Die zweite Variante, war natürlich in dem Fall die einzige Option die es zu wählen gab. Und somit war ich bei diesem aktuellen Ereignis natürlich entsprechend sensibilisiert, von den Punktionen in den Monaten vorher. Allerdings ist das ja auch so, dass ich mittlerweile abwäge, denn Ersticken ist halt auch doof.

 

 

Ja, so eine Pleurapunktion wird sitzend mit aufrechtem Oberkörper durchgeführt. Schwierig, durch die Übelkeit. Husten ist auch nicht erlaubt, da sich dann wiederum ganz schnell ein Pneumothorax bilden kann. Aber es muss halt bei vollem Bewusstsein ;-) durchgeführt werden. Irgendwie habe ich es geschafft, mich nicht zu übergeben und die Sache auch einigermaßen aufrecht sitzend zu überstehen. Die Schmerzen sind ganz klar Scheiße! Es ist einfach nicht zu beschreiben. Ich glaube aber einfach auch, meine Schmerzgrenze selbst, ist mittlerweile sehr niedrig und leider habe ich ja, durch meine „Nierenproblematik“ das Problem, dass nicht alle Schmerzmittel verwendet werden dürfen und somit habe ich da echt die A-Karte gezogen. Hat dann doch immer noch etwas vom wilden Westen, nur eben ohne Whisky! Aber hinterher gab es dann schwach dosiertes Morphium und etwas Diazepam. Somit war erstmal schlafen angesagt. Zumindest hat mir in dem Moment nichts mehr weh getan, mir war nicht schlecht und überhaupt. Scheißegal dann halt. ;-) Jedenfalls bis ich wieder wach wurde.


Letztendlich habe ich es wiedermal überlebt. Und der Preis, wieder ohne größere Probleme durchatmen zu können, einfach unbezahlbar. Das weiß ich auch erst richtig zu schätzen, seit es damit immer mal Probleme gibt.

Das ganze fördert natürlich nicht die körperliche Gesamtsituation. Alleine Aufstehen, Fehlanzeige! Allerdings bin ich so jemand, der sich dann doch wenigstens irgendwie ins Bad kämpft, um eben dort so die üblichen menschlichen Dinge zu verrichten. ;-) Koste es was es wolle, sozusagen. Finden die nicht immer gut in der Klinik, denn bedeutet ja schon zeitlicher Mehraufwand. Zumal ich da auch wirklich zwei Pfleger/Schwestern vollzeitbeschäftigen musste. Letztendlich schleppten sie mich mehr ins Bad, wie ich wohl selbst laufen konnte, aber es gab mir trotzdem das bessere Gefühl. Die Bezeichnung „nasser Sack“ bekam da für mich eine ganz neue Bedeutung.

Aber die Plausibilität, dass eine nötige Eigenmobilisation, die Gesamtsituation im positiven Sinne fördert, liegt für mich einfach auf der Hand. Und ist schon auch so. Nur rumliegen hilft nicht, jedenfalls nicht mir. Mein Blutdruck war noch nie sehr hoch, nun ist er wirklich super niedrig, die Herzfrequenz dazu sehr hoch, womit sich natürlich die Unfähigkeit der eigenen Aufrechthaltung von selbst erklärt. Aber das bessert sich halt nicht vom rumliegen.

   

Am Mittwoch Nachmittag verschärfte sich die Situation wieder, so dass gestern Abend erneut punktiert wurde. Wie schon öfters gesagt, so ein zweites Leben gibt’s eben nicht gratis und schon gar nicht einfach mal so. Das muss ich mir wirklich hart verdienen. Allerdings wollte ich gestern dann auch kein Morphium und auch kein Diazepam mehr. Irgendwann muss ja auch mal gut sein. Ich hab´ dann zwar die ganze Nacht irgendwie darum gemacht, unter anderem das Pflegepersonal bespaßt, da sie mir zweimal das Bett beziehen mussten. Einmal wegen massiven Nasenbluten, als das einigermaßen wieder ging, wurde mir wieder schlecht und ich bekam leider die Kurve nicht schnell genug. Sehr unangenehme Situation. Aber passiert halt.

"Irgendwann kommst Du an so einen gewissen Punkt, da ist Dir nur noch sehr wenig wirklich peinlich, Hauptsache Du überlebst!"

Heute morgen ging es dann so einigermaßen, mein „Sicherheitspersonal“ heftete mir natürlich wieder fest an den Fersen. Aber ich bin heute schon wieder deutlich „stabiler“ unterwegs. Das Frühstück entpuppte sich heute morgen als kleiner Mordanschlag. Durch meine gereizten Schleimhäute, kann ich nur schlecht Schlucken, daher gab es Pudding. Auch wenn ich diesen wohl sowieso nicht runtergebracht hätte, kam mir die Sache doch etwas komisch vor und dieser Pudding entpuppte sich als Walnussgries-Irgendwas! Ich bin schon seit meiner Kindheit extrem gegen Walnüsse allergisch. Ich vertrage wirklich sonst alles, sogar andere Nusssorten, nur eben keine Walnüsse. Die dürfen nicht mal einfach so am Tisch liegen, die Sporen reichen da schon aus, um mich außer Gefecht zu setzen. Das ist allerdings in der Klinik bekannt, steht dick und breit auf meiner Akte und ich erwähne es wirklich jedes mal beim einchecken. ;-) Aber anscheinend wollen die dort meine Reaktion oder meinen Überlebenswillen testen. Nun gut, so etwas sollte eigentlich nicht passieren.

Ich würde mich auch nicht ganz so darüber aufregen, wenn es nicht schon das zweite Mal vorgekommen wäre. Im Dezember bekam ich Weihnachtsgebäck mit dicken Walnüssen darauf vor die Nase gesetzt. Glücklicherweise waren die ja mit dem bloßen Auge zu erkennen. Der Gries-Pudding-Dingsda heute morgen, war da schon etwas heimtückischer und hätte mir echt böse mitspielen können. Und ein allergischer Schock, würde mir zu meinem allgemeinen Glück gerade noch fehlen. Aber mein Überlebenswille hat gesiegt! Yes!

"Manchmal ändern sich Dinge, Situationen und Sichtweisen im Leben. Dies geschieht durchaus plötzlich oder aus einer besonderen Situation heraus. Die Angst etwas falsch zu machen oder etwas falsch zu interpretieren liegt nahe. Doch wenn sich der Weg als richtig erweißt, besitzt genau diese Magie eine heilende Kraft, die über allem steht und es tut so wahnsinnig gut!"

Nach einem sehr angenehmen Telefonat, welches meiner Psyche erheblichen Auftrieb gab, musste ich vorhin zum Röntgen und zum Schädel-MRT. Vor dem MRT war mir schon etwas mulmig. Meine Angst lag darin, dass sich im Gehirn evtl. auch Metastasen gebildet haben könnten.

"Die Eigensenibilisierung, die solch´eine Erkrankung mit sich bringt, ist nicht zu unterschätzen. Sicherlich liegt der Wahnsinn und die Schizophrenie da direkt um die Ecke!"

Seit einiger Zeit, bin ich einfach ziemlich vergesslich geworden. Mir fallen einfach manchmal die einfachsten Dinge nicht mehr ein. Auch fehlen mir manchmal Wörter. Ich kann es schlecht erklären, ich steh´ dann da und zweifele an mir selbst. Und das ärgert mich auch enorm. Meistens fällt es mir dann schon wieder ein, aber dauert einen Moment. Ich glaube aber, dass ich geistig ein wenig unterfordert bin, auch wenn ich viel lese etc., bringt es mir doch nicht mein sonstiges Level zurück. Letzte Woche, als ich sozusagen für eine gute Bekannte Retter in der Not war, war es deutlich besser. Ich versuche mich wirklich mit vielen Dingen zu beschäftigen, damit ich eben „geistig“ weiterhin zu tun habe. Aber anscheinend ist es doch nicht ausreichend. Ebenso habe ich manchmal einen extremen Schwindel, dass ist mal ganz gut, dann wieder kaum zu ertragen und das kommt auch plötzlich. Und meine Augen sind auch nicht mehr so ganz super. Es fällt mir immer mal plötzlich ein Gesichtsfeld aus. Das kann natürlich alles oder nichts heißen. Vieles lässt sich psychosomatisch erklären und wäre wohl auch mehr wie verständlich, aber der Hintergedanke ist eben immer anders. Die Panik und die Erfahrungen der letzten Monate beruhigen mich da nicht unbedingt.

Aber, es ist alles in bester Ordnung in meinem „Oberstübchen“. Ich bin also voll zurechnungsfähig, da ist nichts, was da nicht hingehören würde. Tja, wer hätte das gedacht. Die Bilder wurden eben gleich ausgewertet. Manchmal hat es eben dann doch Vorteile ein VIP-Patient zu sein. ;-)

Speziell wurde noch ein Lungenscreening durchgeführt, um die Metastasen aktuell zu beurteilen. Da sind sie noch, war auch nicht anders zu erwarten. Sie sind ein wenig geschrumpft, nicht viel, aber ein wenig. Die Hauptsache ist, sie wachsen nicht und vermehren sich nicht. Dann läge nämlich die Vermutung nahe, dass ich auf dem falschen Weg bin und das evtl. weiterhin irgendwo der Feind in mir, sein Unwesen weitertreibt. Aber so wie es gerade aussieht, kann ich im wahrsten Sinne des Wortes, aufatmen.

"Diese Resultate habe ich glaube ich zu diesem Zeitpunkt auch dringend nötig gehabt. Nach diesen ganzen Strapazen und der „Folter“, wäre nichts vernichtender, wie ein negativer Verlauf und Befund. Aber ich darf weiterhoffen und es sieht gut aus."


So, nun hoffe ich, dass die nächsten Stunden ruhig bleiben und ich morgen dann nach Hause darf. Denn erholen, hier in der Klinik? Unmöglich! Aber es geht mir seit heute Mittag deutlich besser. Und da ich ja immer versuche, irgendwie optimistisch zu bleiben, kann ich behaupten, die Hälfte des Chemozykluses ist geschafft, nun geht es dem Ende zu.

3.8.17 18:56


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