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Die Götter müssen verrückt sein ^^ Teil 5

„Zu sehen, unter welchen Bedingungen Menschen leben und überleben können, ist für mich selbst eines der größten Wunder des Lebens geworden. Und es gleicht an ein unermessliches Wunder, dass sich Bevölkerungsgruppen nicht gänzlich selbst ausrotten. Diese kleinen und großen Wunder und diese unendliche immer wiederkehrende Kraft des Lebens, sind wohl der Ursprung jedes Lebewesens und der Evolution an sich. Müssen wir immer alles wissen? Nein, wir dürfen uns lediglich wundern über diese Wunder!“


Afrika - Zimbabwe Teil 5

Das Unbegreifliche an Widersprüchen

Nach der Abreise der Krankenschwester, war ich dann also die einzige weibliche Person in unserem Trupp. Aufgrund der permanenten Aufregungen, die uns die Krankenschwester knapp drei Wochen bescherte, war ihre Abreise eine regelrechte Erleichterung für alle Beteiligten.

Einige Tage verliefen relativ organisiert und regelmäßig. Die Nächte waren immer ein wenig unruhig. Wären wir von der Hitze des Tages und unserer Arbeit und den immer wieder neuen Eindrücken nicht wahnsinnig erschöpft gewesen, wäre es wohl oft sehr schwierig geworden in den Schlaf zu finden. Die afrikanische Tierwelt, welche sich rund um uns herumtummelte, war aufregend, unberechenbar und vor allem nicht ungefährlich. Nach einigen Vorkommnissen, wurden wir für viele Dinge und Situationen in unseren Verhaltensweisen sensibilisiert. Mit der Zeit klappte das immer besser.

Die Essensgewohnheiten waren natürlich sehr viel anders, wie wir das so kannten. Der Mais-/Getreidebrei war eines der Grundnahrungsmittel und den gab es täglich. Mal mit, mal ohne Fleisch. Das Fleisch war meist Schwein oder auch mal so eine Art „Gnu“ glaube ich. :-) Irgendwas selbst gejagtes. In dieser Zeit bekam der Begriff „Jäger und Sammler“ wieder eine ganz andere Dimension für uns. Es gab aber auch seltsame Sachen zu essen. Naja, sagen wir, seltsam für uns! Gegrillte oder gebratene Vogelspinnen waren dort eine regelrechte Delikatesse. Das gab es immer mal wieder. Anfangs waren wir da schon sehr skeptisch, aber was soll ich sagen, es war essbar und zu dem sonst doch recht monotonen Essen, eine Abwechslung. ;-) Ich probiere sehr gerne mal andere Dinge und bin da wirklich sehr weltoffen. Mehr wie nicht schmecken kann es ja eigentlich nicht. Auch gab es hin und wieder Heuschrecken und andere Dinge. Alles habe ich dann auch nicht runterbekommen, aber so die meisten Dinge habe ich mindestens mal probiert.

Unsere Arbeit im Krankenhaus war immer etwas anders, auch gab es mal zwischendurch einen Tag, an dem es ruhiger war. Eine richtige Struktur gab es nicht. Für ziemlich durchorganisierte „Deutsche“ anfangs schwierig. Vertreten war so ziemlich alles, von normalen Schnittverletzungen, über Stiche und Bisse, bis hin zu abgetrennten Gliedmaßen.

Die typische Schwangerschaftsvorsorge, wie sie hier in Deutschland gehandhabt wird, ist dort natürlich nicht möglich. Nicht mal im Ansatz. Kinder kamen dort auf die Welt, wenn es eben an der Zeit war. Ging etwas schief, war das eben Schicksal. Hilfe gab es da einfach nicht. Das kleine Krankenhaus hatte zwar eine gewisse Grundausstattung, aber diese war eher schlecht wie recht. Seit unserer Ankunft gab es zumindest immer mal glücklich endende Geburten, da wir in der Lage waren einen Kaiserschnitt im Fall der Fälle schnell durchführen zu können. Das rettete sicherlich so einigen Müttern, wie auch Kindern das Leben. Viele der Frauen brachten ihre Kinder entweder in einer speziellen Geburtshütte, welche etwas außerhalb des Dorfes erbaut war zur Welt oder eben irgendwo draußen in der freien Natur. Das war schon krass! Eine schon sehr in die Jahre gekommene Einheimische, war dort verantwortlich für das ganze Geburtsgeschehen und hatte das Oberkommando. So wirklich widersprechen wollte ihr keiner. Selbst wir waren da anfangs auch eher zurückhaltend. Generell mussten die Frauen aber sehen, wie sie selbst mit dieser Situation zurechtkamen. Unvorstellbar! Die Tage nach der Geburt verbrachten die Frauen dann in dieser Hütte oder eben irgendwo außerhalb, bis sie wieder zurück ins Dorf und das tägliche Leben durften.

Jedenfalls erklärt das schon mal einen Teil der hohen Kindersterblichkeit. Die Neugeborenen waren ja, bis zur Rückkehr ins Dorf bei ihren Müttern. Gab es da Komplikationen, war es eben so. Da wurde kein Geschiss gemacht oder gehadert.

Die Hygiene war und ist gerade in diesem Bereich eines der Hauptprobleme. Sehr oft kam es zu Infektionen, gerade nach einer Geburt. Die Naturheilmittel, die von den Einheimischen eingesetzt wurden, waren sicherlich nicht immer ganz falsch, aber in vielen Situationen einfach eine große Katastrophe. Wir standen oft hilflos den Situationen gegenüber, denn manchmal wurde uns ein Eingreifen verwehrt. Diese Akzeptanz war schwer und daran hatte jeder zu knabbern. Wir konnten diesen Menschen nicht von einem auf den anderen Tag die Welt erklären und alles für nichtig erklären, woran sie alle bisher geglaubt hatten. Aber im Zuge der Monate, konnten wir dennoch Stück für Stück die Richtung etwas ändern. Es klappte nicht immer, aber bis zu unserer Ab- oder Weiterreise, immer öfter.

Inzest ist bei solchen Bevölkerungsgruppen Normalität. Oft werden Cousin und Cousine oder auch Onkel und Nichte, etc., verheiratet. Das führt sehr oft bei der Fortpflanzung zu argen Problemen. Manchmal geht es gut, aber ganz oft leider nicht. Die Natur hilft sich zum Teil selbst und lässt einfach nicht zu, dass sich ein neues Lebewesen lebensfähig entwickelt und stößt es früh genug wieder ab. Für uns plausibel, für diese Menschen eine große Katastrophe. Aberglauben wird dort großgeschrieben. Nach der 2. oder 3. Fehlgeburt, wird da schon das Schlimmste vermutet, vom Fluch der Ahnen bis hin zum Voodoo-Zauber. Dies mit biologisch genetischen Hintergründen erklären zu wollen, ist sinnlos.

Aber manche Schwangerschaften funktionieren. Leider sieht man das Maß der Dinge dann erst bei oder nach der Geburt. Miss- oder Fehlbildungen, viele genetische Defekte, wie Trisomie 13 und 18, Hydrocephalus und noch so einiges mehr. Es war schlimm und die Häufigkeit auf die von uns begleitenden Geburten gemessen, erschreckend. Viele Kinder waren aufgrund der Defekte nur wenige Minuten lebensfähig oder kamen tot zur Welt.

Ich weiß nicht, wie diese Frauen mit diesen Situationen zurechtkamen. Aber sie haben das toleriert und normal weitergelebt, als wäre es nie anders gewesen. Es ist eine andere Welt. Die Möglichkeiten und das Verständnis aufgrund dieser Abgeschiedenheit ist begrenzt. Ich weiß selbst, wie schlimm es für mich selbst war, als mein Sohn nach wenigen Minuten in meinem Arm gestorben ist. Das habe ich bis heute noch nicht ganz begriffen. Aber diese Mentalität dieser Afrikanerinnen ist schlichtweg anders. Möglicherweise ist sie besser, ich weiß es nicht.

Die Mädchen wurden oft schon mit ca. 12-14 Jahren verheiratet. Ein Wahnsinn. Für solch´ junge Mädchen der Anfang vom Ende. Ein noch nicht fertig entwickelter Körper, welcher schon ein Kind austragen soll, eigentlich nicht vorstellbar. Es gibt auch hier 14 jährige Mädchen die schwanger werden und auch mal ein Kind austragen, nur sind eben bei uns die medizinischen Möglichkeiten gegeben. Dort halt eben nicht.

Wir konnten nicht verhindern, dass weiterhin Inzest betrieben wurde, aber wir konnten einigen beibringen, dass nicht immer unbedingt eine Schwangerschaft eintreten musste. Natürlich war es nicht sinnvoll Verhütungsmittel, wie die Pille oder die Spirale dort einzusetzen, aber Kondome waren schon mal eine gute Alternative. Das Verständnis von und für solche „Hilfsmittel“ ist schwierig. Und ich war nicht unbedingt die richtige Person dafür, den Afrikanern den Umgang mit Kondomen zu erklären. Die hätten mich überhaupt nicht ernst genommen. Aber dafür hatten wir ja dann den Lehrer. ;-) Der stellte sich anfangs auch ziemlich an, aber ich muss sagen, im Laufe der Zeit, machte er seine Sache richtig gut.

In den Tiefen Afrikas den Einheimischen zu erklären, wie sie sich beim Sex zu verhalten haben, war schon eine Aufgabe für sich. Zum einen den Frauen, zum anderen den Männern. Vergleichbar mit dem Sexualkundeunterricht der 9. Klasse an unseren Schulen. Eigentlich dachte ich immer, so Naturvölker sind da relativ hemmungslos und die bekommen das schon hin. Ist ja schließlich der Ruf der Natur. ;-) Aber da hatte ich mich doch gewaltig geirrt. Somit fingen wir sprichwörtlich bei Adam und Eva an. ;-)

Es ist schwierig gegen den Strom zu schwimmen. Die meisten Menschen dort sind Christen. Katholische Christen. Wir kamen dorthin um, unter anderem, Aufklärungsarbeit und Prävention zu betreiben, doch der religiöse Glaube machte uns sehr oft wieder einen Strich durch die Rechnung. So ganz bin ich sowieso nicht dahintergekommen, wie sich gerade der christliche Glaube in einem doch etwas dem Zeitalter hinterher hinkendem Dorf, so manifestieren konnte. Aber das hatte wohl irgendwann mal angefangen und funktionierte. Es ist ja nicht so, dass es dort so gar nichts gab, aber es war schon sehr viel anders. Zum einen hielten sie an ihren Urbräuchen und -sitten fest. Gerade was die medizinische Versorgung in gewissen Teilbereichen anging, zum anderen aber glaubten sie an Gott, Jesus und alles was dazugehörte. Ja und den Papst kannten sie auch. Und genau das war ja das Problem. Ich will jetzt sicher nicht gegen den Papst und die Vorstellungen der römisch-katholischen Kirche hetzen, ich kenne sie selbst zur Genüge 😉:-) Aber ich kann mich leider überhaupt nicht mit vielen Vorgaben und Erwartungen dieser Kirche identifizieren.

Wie kann es denn sein, dass z. B. ein Papst auf hohem Niveau, in solche Länder reist, diese Missstände und Probleme mit eigenen Augen sieht und dann den Messias spielt und diesen Menschen jegliche Verhütungsmittel, in Anbetracht ihres Glaubens, madig macht. Das geht so gar nicht. Vielleicht habe ich da grundsätzlich etwas nicht verstanden, möglich wäre es. Sicherlich ist es christlicher, Kinder verhungern zu lassen, anstatt sie überhaupt erst entstehen zu lassen. Mhm, da läuft doch gewaltig was schief.

Und genau aus diesen Gründen, kämpften wir teilweise den Kampf der Giganten. David gegen Goliath. Manche verstanden, manche nicht. Die Worte der katholischen Kirche trugen schwerer, wie alles andere. Und dieser Glaube und dieser Gehorsam, den viele dieser Kirche entgegenbrachten, brachte uns an greifbare Grenzen. Es machte teilweise vieles unmöglich.

Selbstverständlich gab es auch eine Art Kirche in diesem Dorf und ein Prediger. Regelmäßig besuchten wir dann auch den Gottesdienst, auch wenn wir nicht wirklich viel verstanden. Aber im Grunde gab es da auch nicht viel zu verstehen. Diese Menschen sind schon sehr gläubig, weil es eben sonst nicht viel anderes gibt.

Und da sage mir doch nochmal einer, Religionen sind nicht zwangsläufig manchmal der Auslöser allen Übels und verursachen sehr viel Leid auf dieser Welt. ;-)

Fortsetzung folgt………………
14.6.17 02:02
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mausi / Website (14.6.17 07:42)
Moin liebe Marie,
für uns ist das Leben in Afrika schwer zu verstehen, dort herrscht eine andere Mentalität.
LG Helga


gebsy / Website (14.6.17 07:57)
Danke, Marie!

Dürfen wir einem Menschen die geistige Kompetenz absprechen? Meiner Meinung nach ist das unsere Fehleinschätzung Gottes und des Menschen.
Was in unserer aufgeklärten Gesellschaft aus dem Ruder läuft, versuche ich gerade aufzuzeigen:
http://www.gebsy.at/433672887
Multiplikatoren werden sich aus dem persönlichen AHA-Erlebnis rekrutieren ...

Wünsche nur das Beste für die Seele!
gebsy


padernosder (14.6.17 14:38)
Hallo Marie,

bei Deiner Kirchenkritik stimme ich Dir gerne zu. Doch wenn Du schreibst, nach Afrika gegangen zu sein, um u.a. "Aufklärungsarbeit und Prävention" zu betreiben, werde ich auch ein wenig "stutzig".

Auch der Missionar hatte gute Absichten, wollte die Menschen vom "Besseren" überzeugen und ebenso wie Du ist er von seiner Weltsicht ausgegangen. Wenn "Inzest" und "hohe Kindersterblichkeit" nicht als "Problem" empfunden werden, dann sind sie auch kein Problem.

Erinnern wir uns an das "Höhlengleichnis" von Platon. Die Höhlenmenschen wissen nichts von einer Welt mit Licht und Sonnenschein, wollen auch nichts davon wissen, denn es lebt sich am leichtesten "so", wie es immer war.

Wenn mir einer etwas von einer besseren Welt erzählt, dann bin ich auch skeptisch, vor allem dann, wenn er in meiner Welt nur schwer zurecht kommt. Es kommt also immer die Sicht der Betroffenen zu kurz, egal ob wir ihnen das Himmelreich versprechen oder ein gesünderes Leben.


mausfreddy (15.6.17 21:18)
Hallo Marie!
Bin froh, dass Du wieder schreibst.
Konnte nicht in meinen Blog. Das Tablet spinnt.
War in Urlaub und muss nun wieder arbeite.
Bleibe auf dem laufenden. Leider keine Zeit.
L.G. mausfreddy

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