Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Die Götter müssen verrückt sein ^^ Teil 4

„Was bedeuten Wunder für mich? Muss es immer das ganz große Wunder sein? Die kleinen Dinge, die unscheinbar wirken, sind das nicht eigentlich die wirklichen Wunder? Es gibt sie, diese Wunder, da bin ich mir ganz sicher! Egal in welcher Form, in welchem Menschen oder von welcher Bedeutung, jeder hat seine eigenen ganz bestimmten Wunder und genau das macht doch mein oder unser Leben in vielen Abschnitten wunderbar!“

Die letzten Tage war ich etwas „Jenseits von Afrika“, aber nun möchte ich doch wieder anknüpfen, an diese ganz besondere Zeit. Ich weiß immer nicht, wie sich das Schreiben bei mir so entwickelt und in welche Richtung der Erzählungen es läuft, aber ich glaube, auch der heutige Teilbericht, ist ganz unterhaltsam geworden. ;-)


Afrika – Zimbabwe Teil 4

Wir waren erst wenige Tage in Afrika und doch kam es uns vor, als hätten wir schon Wochen dort verbracht. Die Erfahrungen die wir in den letzten Tagen durchgemacht hatten, waren schon fast etwas denkwürdig. Wir waren sicherlich eine Truppe von, ich würde mal sagen, relativ hochintelligenten Menschen, aber dennoch machten wir viele Fehler und handelten so manches Mal viel zu intuitiv und unüberlegt.

Was dachte ich mir eigentlich, als ich barfuss, ohne großartig nachzudenken, zum Fluss runterging? Keine Ahnung, ich glaube nicht wirklich viel. Das nicht mehr passierte, war wohl eines dieser kleinen Wunder, dass es eben nur ein leichtgiftiger Skorpion war. Es hätte auch anders sein können. Die Narbe über meinem rechten Knöchel habe ich bis heute, da der Stich von einem der Ärzte ein wenig eröffnet und gespült wurde. Kommt, so wie in den letzten Monaten immer mal die Frage eines Arztes, woher die Narbe stammt und ich mit „Skorpionstich“ antworte ;-), gibt es erstmal erstaunte Blicke. Bis hin zu der Rückfrage, ob das jetzt richtig verstanden worden wäre. Ja, sicher ;-)! Ich weiß, nicht so ganz die übliche „deutsche“ Standardverletzung. Aber eben ein Teil meiner Lebensgeschichte. Eines prägenden Lebensabschnittes.


Und was dachte sich wohl die Krankenschwester, als sie munter mit den Einheimischen deren selbstgebraute Flüssigkeiten in hohem Maße zu sich nahm? Auch nicht wirklich irgendwas. Selbst diese Sache hätte in Anbetracht der Gesamtsituation ziemlich blöd ausgehen können.

Die Einheimischen haben sich sicher auch so ihren Reim und ihren Spaß auf unsere Naivität gemacht. Und das mit vollster Berechtigung!

Ein kleiner Ausflug in die Tierwelt Afrikas:

Am nächsten Morgen, nach der etwas ausgearteten Alkoholsession der Krankenschwester, war nicht wirklich viel mit ihr anzufangen. Hatte auch keiner von uns wirklich erwartet. So blieb sie an diesem Tag im Dorf und durfte den Frauen bei deren Tageswerk wie kochen, Holz sammeln und Kleinkinderbetreuung zur Hand gehen. ;-) Der Rest von uns machte sich nach dem Frühstück wieder auf den Weg zum Krankenhaus.

Oberstes Gebot war für uns, sich niemals alleine vom Dorf wegzubewegen. Eigentlich sollte man ja meinen, was soll da schon passieren, außer dass Du Dir zwangsläufig einen gewaltigen Sonnenbrand holst. Die Landschaft ist dürr und mager, staubig und der Boden hart und trocken. So arg viel Gefahrenpotenzial wird da erstmal nicht vermutet. Aber es ist schon so, dass so einiges an Getier dort unterwegs ist. Und das auch wirklich ziemlich plötzlich. Bei so einigen Begegnungen ist es mir bis heute ein Rätsel geblieben, aus welcher Staubwolke sie entstiegen sind. Es passierte hin und wieder, dass sich eine kleine Elefantenherde dem Dorf näherte. Da war Großalarm angesagt, denn so eine, wenn auch kleine Herde, kann so ein Dorf im Nullkommanichts dem Erdboden gleichmachen. Gerade wenn sie sich bedroht fühlen oder Angst um ihre Nachkommen haben, ist nicht wirklich gut mit ihnen Kirschen essen.

Ja, Elefantenbabys sind niedlich. Sehr niedlich. ;-) Dennoch ist es lebensgefährlich, sich einem solchen Tier in freier Wildbahn zu nähern. Eigentlich klar, wurde uns auch schon im Vorfeld, vor unserer Abreise, ausgiebig eingetrichtert. Egal wie süß, niedlich oder wie auch immer irgendein afrikanisches Wildtier daher kommt, Pfoten weg und nix wie weg. Und das am besten ziemlich schnell und ziemlich weit. ;-) Schon irgendwie logisch. Und wenn so eine Löwin oder eine Elefantenmama angepisst ist, ist es definitiv besser das Weite zu suchen.

Die meisten Tierherden tümmeln sich in Reichweite von Flüssen oder Wasserlöchern. Relativ selten streifen sie mitten durch die Pampa. Aber kommt doch immer mal vor. Nicht weit vom Dorf war ein Fluss, welcher schon nach der Regenzeit, einiges an Wasser führte. Somit zog er auch die Tiere an. 


In Zimbabwe und Botswana gibt es den noch größten Bestand von freilebenden Elefanten. Das ist wirklich schön und beeindruckend. Aber wenn, die lieben grauen Riesen zur Gefahr mutieren, ist es dann doch nicht mehr ganz so schön.


Ich selbst liebe die Natur ja bereits seit frühster Kindheit an. Das ist bis heute auch so geblieben. Wenn ich draußen bin, egal wie und wo, ist fast alles gut. ;-) „Die Natur ist das beste und wirkungsvollste Beruhigungsmittel!“ Ich liebe und schätze Tiere wirklich sehr. Ich hasse Zoos! Auch wenn die Meinungen da weit auseinandergehen, die Tiere sollten da bleiben wo sie hingehören. In ihrer authentischen Umgebung und nicht in Käfigen und unrealistischen, immer beengten (auch wenn wir es anders vermittelt bekommen) Gehegen. Es ist einfach entsetzlich und nicht richtig.

Aber es waren nicht nur Elefanten, welche eine Gefahr darstellten, es waren auch Hyänen, Geier und natürlich die Löwen. In diesem Teil Afrikas ist auch der König der Tiere, noch sehr aktiv. Somit galt es immer und zu jederzeit, nie träumend durch die Gegend streifen, sondern immer ein wenig auf der Hut sein. Aber wenn ich ehrlich bin, ich glaube, leichtere Beute, wie uns, hätten die Löwen in diesen Monaten wohl kaum haben können. ;-) Im großen und ganzen waren immer 1-2 Einheimische mit dabei, wenn wir irgendwie unterwegs waren. Die wussten schon, dass wir keine wirkliche realistische Überlebungschance gehabt hätten.


Die mit größte Gefahr stellten die Schlangen da. Die schnellste und giftigste Schlange, in dieser Region, ist die schwarze Mamba. Eine wirkliche Chance zu überleben, hätte man wohl eher nicht. Trotz vorhandenem Antiserum, wäre es so mitten im nirgendwo einfach nicht möglich eine adäquate und schnelle Versorgung herzustellen. Das Gift der schwarzen Mamba führt relativ schnell zur Atemlähmung. Selbst in Deutschland wäre unter ziemlich glücklichen Umständen, eine realistische Chance zu überleben da, aber in der afrikanischen Wildnis, einfach nicht. Schlangen sind schnell und vor allem schnell da und so gut wie lautlos. Ganz oft findet man sie in den Büschen und Bäumen. Somit wurden wir immer davor gewarnt durch Gestrüpp zu streifen oder uns länger unter Bäumen aufzuhalten. Zu den verschiedenen Mambagattungen, sind auch einige Cobraarten dort vertreten. Schlangen sind nicht zu unterschätzen.

 

 

Auf Spinnen sind wir immer wieder und relativ oft gestoßen. Sie waren einfach überall. Ich finde Spinnen im Allgemeinen nicht schlimm. Aber es gibt schon Exemplare, die jagen einem schon einen gehörigen Schauder über den Rücken. Eine harmlose Vogelspinne ist da wirklich fast nichts dagegen. Die sind irgendwie kompakt. Im südlichen Bereich Zimbabwes, da wo wir uns überwiegend aufhielten, gab es die Rainspider. Eine ziemlich große Spinnenart, auf die hatte selbst ich keine großartige Lust. Ich finde sie noch heute sehr gruselig. ;-)

 

 

 Abends bevor wir in unseren Schlafsäcken verschwanden galt immer das oberste Gebot, alles ziemlich akribisch auszuschütteln, bevor wir in irgendetwas reingekrochen sind. Nach der Skorpionaktion, war ich für meinen Teil, schon ziemlich vorsichtig geworden. Barfuss war ich zwar hin und wieder schon noch unterwegs, aber doch nicht mehr ganz so unbedarft. Schuhe machten dort wirklich Sinn. Aber auch in Schuhe schlüpften wir nicht so ohne weiteres, gut ausklopfen und dann anziehen, dass war die Devise. Und ja, ziemlich oft, purzelte eine Spinne oder ein kleiner Skorpion aus einem Schuh. Anfangs verursachte das noch ziemliches Herzrasen, aber nach einiger Zeit, war es fast schon ein wenig Routine.

 

 

Die niedlichsten Exemplare waren und sind immer noch die Erdmännchen. Sehr scheue Vertreter, aber irgendwie die coolsten Socken der Kalahari. ;-) Ich glaube die hat einfach jeder gern.

 

 
Mückenstiche waren eine echte Plage und auch nicht so ganz ohne. Weit verbreitet ist dort die Anophelesmücke, welche ja bekanntermaßen die Malaria überträgt. Dagegen waren wir zumindest schon mal geimpft. Ansonsten wäre sicher die eine oder andere Pseudo-Malaria ausgebrochen. ;-)

Aber vor den Stichen selbst, schützte nun mal die beste Impfung nicht. Das mit den Moskitonetzen war auch so eine Sache für sich, mangels Siemens-Lufthaken ;-) war das leider nicht möglich. Somit liefen wir nach einigen Tagen mit ziemlich vielen fies juckenden Hubbeln durch die Gegend. Die „Europäer“ waren von weitem nicht zu verkennen. Wir kamen uns vor wie das „Sams“ aus Afrika, mit ganz vielen roten Wunschpunkten. Leider funktionierte das Wünschen nicht so gut, wie im Film.

Eigentlich sind wir damals völlig unbedarft in ein Stückchen vergessene Welt gereist, um dort vor Ort den Menschen ein wenig Hilfe zu leisten. Dabei setzten wir uns, nicht ganz selten, einigen Gefahren aus. Ein fremdes Land, mit einer völlig fremden Kultur und fremden, sehr wilden unberechenbaren Tieren und Insekten. Jede Vorbereitung die wir vorher getroffen hatten, konnte uns nicht im geringsten darauf vorbereiten, mit welchen Situationen wir letztendlich zu kämpfen hatten.

Jeder und jede Einzelne von uns, ist an seinen oder ihren Aufgaben in diesen Monaten gewachsen. Das Überleben und Leben in Afrika ist nicht selbstverständlich und für einen Mitteleuropäer eine echte Herausforderung. Wir reisten in dieses Land um zu helfen und hatten im Endeffekt viel mit uns selbst zu tun. Die Menschen in Zimbabwe leben mit diesen Gefahren, so wie wir hier in Deutschland mit dem alltäglichen Autoverkehr. Es ist eben Normalität.

Die Krankenschwester verließ uns nach knapp drei Wochen, nachdem sie meinte mit einem Elefantenbaby auf Tuchfüllung gehen zu müssen und damit fast eine größere Katastrophe auslöste. Die Elefantenherde fand das nämlich alles andere als niedlich und reagierte auf die Annäherungsversuche der Krankenschwester ziemlich ärgerlich. ;-) Etwas Glück im Unglück griff dann glücklicherweise doch um sich und es passierte, außer einer zertrampelten Hütte am Dorfrand, nichts weiter. Diese bauten wir dann zusammen mit den Einheimischen, im Laufe der Wochen, natürlich wieder mit auf.

Das Fazit was wir dann daraus zogen und sie somit auch selbst akzeptierte, war ihre baldmöglichste Heimreise. Die beste und klügste Entscheidung und Lösung für uns alle. Mit dem Heli, der uns nach drei Wochen noch einige Lebensmittel und andere notwendigen Dinge einflog, flog sie dann zurück nach Harare. Von dort trat sie dann die Heimreise nach Deutschland an. Im Zusammenhang mit unserer Hilfsorganisation, sahen wir sie, auch nach unserer Rückkehr, nie wieder. Es machte sich auch keiner die Mühe, den Kontakt nochmals herzustellen. Manche Dinge sind eben hoffnungslos verloren und sollten dann lieber ruhen.

Viele Tage verliefen gleich, ohne größere Aufregungen und Besonderheiten. Aber viele Tage waren auch besonders. Besonders aufregend…………..

Fortsetzung folgt……………..(Inzest ist in vielen Teilbereichen Afrikas ein großes Problem. Nicht nur in den nordafrikanischen muslimischen Ländern, sondern auch in weiten Teilen Zentral- und Süd- ,Ostafrikas. Dies führt zum Teil zu vielen Problemen….., aber dazu weiter in Teil 5) ;-)

P.S. Das mit den Bildern stellt gerade eine regelrechte Herausforderung für mich da. Zu groß, zu klein, Abstand stimmt nicht....Bild ganz weg. Puhh..... Ich habe das Gefühl, umso mehr ich daran rumfummele, desto schlimmer wird es. ;-)

13.6.17 00:10

Letzte Einträge: Menschen......Seele, Mäuse-Luftwaffe und so ;-), Frühling vs. Herbst und der verwunschene Prinz ;-), Im Auge des Hurricans

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


padernosder (13.6.17 02:40)
Hallo Marie,

Schlangen, Elefanten, Skorbione - kein Wunder, daß Narben bleiben, nach der "Auseinandersetzung" mit einer völlig anderen Welt.

Ich frage mich, ob wir als "Fremde" da wirklich hin "müssen"? Klar, "helfen" kann grundsätzlich nicht falsch sein, aber man könnte manche Flasche Rotwein leeren, bei der ausgiebigen Diskussion über alle Aspekte eines solchen "Einsatzes". ;-)

Doch eigentlich ist alles schon klar: 99 % der Menschen schließen einen "Afrika-Einsatz" für sich aus. Selbstschutz kommt vor Hilfeleistung. Hinter diesem Argument kann man sich gut verstecken. Ich z.B. fahre nirgendwo hin, wo täglich Schwärme von Mücken mein Blut saugen wollen.

Natürlich wird man beim Lesen Deines Berichtes immer wieder mal an Albert Schweitzer erinnert und es ist sicher interessant, seine Beweggründe für die "Afrika-Hilfe" zu kennen. So schließe ich meine lange Rede mit dem Satz: "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will"... mit Ausnahme der Stechmücken! ;-)


Frank und Marc (13.6.17 06:31)
Meine liebe Marie, heute möchte ich doch mal kommentieren, es liegt dir natürlich frei, meinen Eintrag zu entfernen. Aber da ich dich sehr gut kenne, weiß ich, das du das wohl nicht tun wirst. Ich möchte dir einfach hier mal an dieser Stelle sagen, dass ich verdammt stolz auf dich bin. Du beeindruckst mich immer wieder aufs Neue, das du momentan in einer so schwierigen Situation steckst, tut mir wahnsinnig weh und ich kann es an manchen Tagen kaum selbst ertragen, wie sehr du leidest. Ich bin einfach stolz, dass du trotzdem deinen Mut und deine Lebensfreude nicht verlierst und weißt was wichtig ist. Gerade deine Berichte über unsere Zeit in Afrika, haben mich nun animiert, hier etwas dazu zu schreiben. Du hast schon so viel erlebt und gesehen und niemals konnte dich irgendetwas aufhalten weiterzumachen. Ich kenne dich besser, wie fast niemand sonst. Ich weiß wie sehr du unter dem Verlust von Hannes leidest. Ich sehe es in deinen Augen, deine Traurigkeit, deine teilweise Hilfslosigkeit, aber ich weiss das du dein Strahlen wiederfinden wirst. Ich bin immer für dich da. auch Marc wird immer an deiner Seite sein, wenn du das möchtest und brauchst. Du wirst es schaffen, da sind wir uns absolut sicher. Ich habe gerade auch die letzten Tage ganz oft an Afrika denken müssen. Wie oft hast du mich in die Schranken gewiesen, weil ich mich so angestellt habe. War wirklich nötig. ;-) Wie viele zwanzigjährige Frauen haben jetzt wohl den Namen Marie in Zimbabwe? Pass auf dich auf. du bist meine Heldin, love you, dein Franky


Mausi / Website (13.6.17 07:18)
Moin liebe Marie,
da hast schon Abenteuer erlebt. Ich wäre da wohl ausgeflippt, da ich solche Wärme absolut nicht vertrage.
GLG Helga

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