Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Königsdisziplin

„Ein Wunder entsteht, wenn ich das Unmögliche versuche und es wahr wird!“


Was bedeutet in der momentanen Situation eigentlich kämpfen für mich? Das ist eine gute Frage, die ich mir wahrscheinlich schon hätte länger vor Augen halten sollen. Es sagt sich immer sehr leicht, „ich kämpfe mich da durch“ oder „ ich schaffe das“.


Aber wenn ich mir das so ganz intensiv überlege, ist es mir bis heute nicht wirklich klar. Ja, kämpfen heißt für mich, dass irgendwie alles durchzustehen und eben auch alle Dinge, die damit im Zusammenhang stehen, hinzunehmen und irgendwie auszuhalten. Aber trotzdem bin ich noch „Mensch“, „Frau“, „Mutter“, „Tochter“, „beste Freundin“ und eben nicht zu unterschätzen „ich“ – „Marie“.


Und so lange ich denken kann, weiß ich, dass es Sinn macht für eine Sache zu kämpfen, von der ich selbst überzeugt bin. Es ging „meistens“ gut. Um das eigene Leben zu kämpfen, ist eine enorme Hausnummer und ich tue das auch nicht lapidar ab, aber dennoch gibt es da eben nur meinen ganz eigenen Weg dafür.


Ich mache es mir oft selbst sehr schwer in manchen Dingen, stehe mir gewaltig manchmal selbst im Weg. Das weiß ich alles und ich merke das auch „meistens“. ;-)


Aber dann kommt eben die „Marie“ mir dazwischen und meint, „ach, was soll´s, so ein bisschen arbeiten und ein bisschen wieder mehr „Mensch“ sein, hat ja noch keinen umgebracht.“ Also, das sehe ich schon auch so, nicht nur die Marie. ;-)


Und dann merken wir Beide eben, „wow“, so etwas mehr Forderung tut ja schon der Seele wieder unheimlich gut. Dem „gesund werden“, dann halt nicht immer.


Ich weiß, dass ich einer der schlechtesten Patienten der Welt bin, dass ich absolut keine Geduld habe, jedenfalls in Dingen, die mich betreffen. Ich weiß das alles und mir ist das alles klar.


Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, das eben die nötige Ruhe und eben mal alle fünfe gerade sein lassen, evtl. der bessere Weg wäre. Vielleicht!


Aber vielleicht auch nicht! Viellicht ist es eben auch besser, einen einigermaßen normalen Tagesablauf zu haben, zu arbeiten, seinen Gewohnheiten nachzugehen, eine Struktur zu haben und joaaa, halt auch mal feiern gehen! Warum sollte das so sehr falsch sein? Weil es nicht im Standard des „Gesund-werd`-Kataloges“ gelistet ist? Nur darum? Weil es eben anders ist? Ein anderer Weg?


Ich mache ja nichts, was absolut schlimm wäre. Nichts was absolut schaden würde. Ich bin kein Mensch, der sich 24 h auf die Couch haut und zwangläufig vor der Klotze verblöden würde. Das funktioniert bei mir nicht. Ich muss raus, egal wie schlecht es mir geht und ja, ich mache Dinge, die vielleicht nicht immer altersgerecht und krankheitsgerecht sind. Aber was genau ist denn „altersgerecht“ und „krankheitsgerecht“? Ich glaube da gibt es keinen Maßstab. Die Meisten sind auch in „dem Alter“ ;-) *hust, verheiratet oder schon zweimal geschieden und haben einen Stall voll Kinder. Ist ja auch schön, für den, der darin aufgeht. Aber ist das dann auch zwangsläufig der Standard für alle? Sicherlich nicht! ;-) Und mein Standard ist es eben nicht!


Und genauso ist es doch auch mit dem „Krank sein“ oder „Gesund werden“, je nachdem aus welcher Perspektive ich es betrachte. Natürlich gibt es auch da Standards und klar lauten die ärztlichen Empfehlungen ganz sicher nicht „werden sie 1:1 mit einer Fledermaus“ ;-) oder „klettern Sie auf Bäume“ ;-), aber das sind eben nur Empfehlungen und Ratschläge. Ob ich das dann so umsetze oder umsetzen kann, dass sind nochmal zwei ganz andere Schuhe.


Ich mache meistens das, was ich für mich verantworten kann, geht auch nicht immer gut! Jetzt für den Moment, weiß ich es manchmal nicht genau, was ist gut oder was ist nicht gut. Das merke ich dann ganz oft erst hinterher. Weil ich mich durch diese Erkrankung wahnsinnig verändert habe.


Verändert teilweise in meinen ganzen Emotionen, die ich mir selbst schuldig bleibe, so manches mal. Aber ich erlebe auch gerade Emotionen, die für mich ziemlich fremd sind, mit denen ich gerade lernen muss umzugehen, weil ich so etwas noch nie erlebt habe, jedenfalls nicht so. Und es ist neu, aber auch wunderschön und ich stelle mich auch schon mal „sehr“ dumm an, um es mal im Klartext zu sagen. Auch komme ich mir an manchen Tagen vor, wie der letzte Trottel. Aber ändern tut es auch nichts. ;-) Und im dumm anstellen, bin ich manchmal schon ein Superheld!


Und ich glaube, jeder macht so manches Mal Dinge, die nicht immer gut für einen selbst und geschweige denn für andere sind. Ganz oft gibt es doch unüberlegte Dinge, die jeder mal aus der eigenen Spontanität fabriziert. Natürlich gibt es da die ganz Spontanen und die nicht ganz so Spontanen. ;-) Und ich zähle mich selbst zu den ziemlich extrem spontanen Exemplaren. Über viele Dinge, die mich selbst betreffen, denke ich wenig bis gar nicht nach, obwohl ich mir um andere Dinge wiederum sehr viele Gedanken mache. Das ist so ein Widerspruch in sich.


Ich glaube es einfach nicht, dass etwas arbeiten und evtl. ein wieder etwas höherer Stresslevel so enorm dazu beitragen, dass ich evtl. langsamer, schneller oder gar nicht gesund werde. Das es mir jetzt gerade mal wieder nicht so gut geht, ist sicher nicht schön und ich denke schon, dass ich mir das wohl auch selbst eingebrockt habe, mit meinem Drang vielen Dingen auf den Grund gehen zu müssen. ;-) Wenn ich nichts zu tun habe, bin ich total unausgeglichen und kann mich früher oder später selbst nicht mehr leiden. Das kann auch nicht gut fürs „gesund werden“ sein.


Das ich was ändern musste, habe ich ja mittlerweile begriffen. War auch kein Prozess, der über Nacht gestartet ist. Und ich glaube ich habe in den letzten Monaten ziemlich viel verändert. Wenn ich was anfange, dann mit allen Konsequenzen. Ganz oder eben gar nicht. Was dazwischen gibt es bei mir nicht. So ein bisschen von allem, dass geht nicht. Es gibt auch nicht ein bisschen schwanger. ;-) Entweder ich stehe komplett hinter einer Sache oder gar nicht. Und so ein umswitchen, wie es grad passend ist, dass gibt es bei mir auch nicht.


Ich stehe hinter meinem Handeln und auch hinter meinen Fehlern. Natürlich ist es mir im vollen Umfang bewusst, dass eine evtl. andere Handlungsweise vielleicht der richtigere Weg gewesen wäre. Aber ich brauche manchmal Umwege um an gewisse Ziele zu kommen, was nicht heißt, dass ich sie nicht erreiche. Im Großen und Ganzen habe ich bisher meine Ziele immer erreicht, auch wenn es für andere evtl. nicht plausibel war oder ist, wie ich den Weg dorthin bestritten habe. Und genauso wird es auch jetzt sein, mit dieser Königsdisziplin der Krankheiten. Ich habe mir das Ziel gesetzt dieser Krankheit das Genick zu brechen und genau das wird auch geschehen! Mit welchen Mitteln und wie lange und mühevoll dieser Weg sein wird, weiß ich heute noch nicht in jeder Einzelheit, auch wenn ich eine gewisse Ahnung habe. ;-) Aber ich darf mich dabei nicht komplett verlieren, denn ein bisschen „Marie“ gehört für meinen Weg immer mit dazu.


Der Standard ist auch, nicht krank zu werden und/oder früh zu sterben. Das steht nicht auf dem Bauplan des Menschen. Aber es passiert halt doch immer mal. Leider! Selbst wenn die Metastasen irgendwann mal weg sein werden und alles andere hoffentlich weiterhin die Bälle flach hält ;-) heißt das noch lange nicht, ich bin für alle Zeiten gesund. Die Zeit und die Jahre danach, werden nicht minder hart werden, wie die momentanen Phasen zwischen absoluter Euphorie und absoluter Verzweiflung. Jede Nachuntersuchung wird zu einem Spießroutenlauf werden und davor ist mir heute fast schon mehr Angst, wie die Untersuchungen in der momentanen Situation. Jeder komische Husten, jedes Zwicken oder was auch immer, wird für lange Zeit ein komisches Gefühl in mir verursachen. Da kann ich mir doch noch so sehr selbst einreden, "alles wird oder ist gut". Dagegen werde ich machtlos sein, dass wird mir und den Menschen, die mir mit am nahsten stehen, noch einige Nerven rauben.


Es gibt viele Standards wie oder was ich tun könnte, aber letztendlich kann nur ich selbst wissen, was mir gut tut und was evtl. nicht. Das ich manchmal oder auch öfters mich selbst überschätze und gerne auch mal gewisse Alarmglocken ignoriere, ist sicherlich nicht unbedingt hilfreich, aber ich glaube, es ist auch nicht vernichtend.


Wenn der Krebs mich in die Knie zwingen sollte, dann wird er das tun. Egal ob ich mich an alle möglichen Standards halte oder nicht. Aber Krebs und Marie, dass passt nicht, es kann nur einen geben! Und das wird Marie sein! ;-) Und kein Krebs und keine Nebenwirkungen der Welt oder keine sonst irgendwas, werden mich in die Knie zwingen! Manchmal evtl. ansatzweise, aber um dann eben wieder etwas stärker aus der Situation rauszugehen. PUNKT!!


Das meine eine Niere, die ich jetzt noch habe, mit Samthandschuhen zu behandeln ist, weiß ich und da bin ich auch wirklich sehr vorsichtig! Denn wenn die auch noch hops geht, wird es richtig blöd. Das aber genau diese Niere immer mein „Schwachpunkt“ sein wird, egal in welcher Situation oder Verfassung ich bin oder sein werde, ist mir auch klar. Ich glaube nicht, dass diese Niere auch noch etwas hat. Weil einfach nicht sein kann, was nicht sein darf! Ganz so viel Pech, gibt es bestimmt nicht auf einem Haufen. Ja, ich weiß, manchmal halt schon! Und wer wüsste das nicht besser wie ich selbst! ;-) Aber so manchmal muss ich mir dann auch wieder selbst gut zu reden! Auch wenn es nicht wirklich was hilft!


Es gibt Tage da läuft alles gut und dann gibt es eben wieder einige von diesen Tagen, wo alles über mir zusammenstürzt, dass eine zum anderen kommt und ich hadere und alles anzweifle. Aber hat das nicht jeder irgendwo und irgendwann immer mal wieder? Egal ob gesund oder krank?

Und so manches Mal brauche ich auch den gewissen Tritt in den Hintern, wie jeder andere eben auch!  Und dann ist es gut, dass es Menschen gibt, die das auch machen, ohne Rücksicht auf Verluste! Und es wirkt Wunder!


Diesen Kampf werde ich gewinnen, da bin ich mir sicher. „Game over“ steht bei mir einfach nicht auf der Agenda!

Die Königsdisziplin bin ganz alleine ich und nicht dieser, mhm, wie heißt er noch?? Krebs??

Danke!  ;-)

8.5.17 19:05

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bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mausi / Website (8.5.17 18:39)
Liebe Marie,
so gefällst Du mir . Wer nicht kämpft hat schon verloren. Ich kämpfe täglich gegen meine Ängste zu stürzen, denn dieses Haus ist derart marode, daß es nun im Sommer grundsaniert wird - bedeutet für mich einen Umzug aus 3-Zimmerwohnung in 2-Zimmerwohung, muss viel weggeschmissen´werden.
LG Helga


gebsy / Website (8.5.17 20:46)
Liebe Marie! Meine Frau Marie hatte die Dialyse (Diabetes) und freute sich auf die Transplantation; nach 2 Jahren war eine Explantation erforderlich. Monika, unsere Chefsekretärin bekam eine Niere transplantiert, welche mit Krebs befallen war. Sie sind durch die Dialyse dicke Freundinnen geworden ... gebsy


mausfreddy (8.5.17 21:07)
Hallo,
Richtig so!
Weiter kämpfen. Ich hatte mir gestern Gedanken gemacht.
Deine Einstellung ist heute wieder besser.
L.G. mausfreddy


ide02 (9.5.17 08:45)
Wir besitzen die Freiheit (selbstverständlich darf sowas niemals werden) zu entscheiden, wie wir Dinge, Situationen...whatever angehen. Jeder für sich. Und eigentlich darf niemand das bewerten. Ist wirklich die Frage, ob man das Recht dazu hat. Denkanstöße ja, Meinungen ja, aber dann sollte man trotzdem das Leben, so wie der andere es führen möchte, akzeptieren. Somit: Wenn es sich für dich richtig anfühlt, dann gehe diesen Weg weiter. Alles Gute dafür!


padernosder (9.5.17 09:58)
Hallo Marie,

in Deinem Erzählen ist alles zu finden. Von der Einsicht in die Notwendigkeit von Veränderungen bis hin zum Starrsinn. Dein Kampf ist spürbar, auch die Zweifel, obwohl Du diese lieber überspielst, als sie deutlich zu beschreiben. Da kommt immer sofort ein Gegenargument.

Und was tatsächlich das Beste für Dich gewesen wäre, wirst Du nie erfahren, denn das, was Du nicht getan hast, aber vielleicht alternativ hättest tun können, bleibt für immer im Ungewissen.

Die Frage ist also nicht, "was" soll ich tun?, sondern vielleicht, "wie" tue ich das, was ich tun will? Und darin bist Du gut, denn ich kenne kaum jemand, der sich so überzeugt von seinem eigenen Handeln zeigt wie Du und seine Zweifel so rigoros ausblenden kann.

Gutes Gelingen! ;-)


Indianwinter (9.5.17 19:12)
Liebe Marie,
deine Zweifel, Ängste und Sorgen- wer könnte sie nicht nachvollziehen, wenn man deine Einträge liest.
Ich kann gut verstehen, dass du einfach auch mal „machen“ willst, ohne ewig darüber nachzudenken, ob es gut und richtig ist, oder dir schaden könnte.
Vllt. gelingt es dir, den Mittelweg zu finden, dich nicht zu überfordern und eben auch lieber einmal mehr auszuruhen, auch wenn es schwerfällt.
Ich wünsche dir weiter die Kraft für deinen Weg und bin überzeugt, du schaffst es.
LG, Indianwinter

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