The trouble is, you think you have time!

Märchenland

„Die schönsten Erinnerungen sammelt man immer zu zweit!“

Es war einmal vor langer langer Zeit, in einem Königreich vor den Toren Bayerns, am östlichen Rand Hessens, wo zum Teil die Entwicklung der Weltgeschichte noch ein wenig hinterher hinkte. So lebten dort zwei kleine Königskinder, ein Mädchen und ein Junge. Durch eine Laune der Natur, wurden die beiden im schönsten Frühlingsmonat am selben Tag im selben Jahr geboren. Dies war ein großes Ereignis, welches natürlich zur Taufe der Beiden gleich groß gefeiert werden musste. Die ersten Jahre vergingen und die Beiden entwickelten sich recht ordentlich. ;-) Wobei eine gewisse Dominanz relativ früh zu erkennen war. Das Mädchen war zwar äußerlich immer die etwas zartere und kleinere, aber vom Wesen her, sicherlich der dickköpfigere Part der Beiden. Grundsätzlich ergänzten sie sich hervorragend, so dass die zwei nicht nur Geschwister, sondern auch in vielen Dingen Verbündete und beste Freunde waren. Von den Beiden wurde immer recht viel erwartet, sei es sich in bestimmten Etiketten, die dem Status des Königreiches gerecht werden sollten zu benehmen und um später genau ein solches Leben weiterführen zu können oder um eben dem höheren gesellschaftlichen Standard schon früh genug gewachsen zu sein.

Die sonntäglichen Kirchgänge oder auch feierlichen Anlässe waren für die Beiden immer sehr anstrengend und meistens passierten da immer solche Dinge, die dann für größere Aufregungen sorgten. So war es z. B. mit der Kleiderordnung immer so eine Sache für sich. Mit schönen Kleidchen und Lackschühchen konnte sich das Mädchen so gar nicht abfinden und das ganze ging auch nur immer bedingt kurzweilig gut. Diese Kleider zerrissen aber auch immer viel zu schnell ;-) und waren auch ziemlich schnell schmutzig. Und das passierte natürlich auch immer ausgerechnet vor den Veranstaltungen, so Pfützen, Bäume und Gräben hatten irgendwie eine magische Anziehungskraft. Auch sind die Lackschühchen und Socken immer komischerweise wie aus Geisterhand kurz vorher verschwunden, so dass das Mädchen immer mal wieder barfuß bei einigen Feierlichkeiten erschien, jedenfalls so lange, bis die Mutter dies durchschaute und dann mit einer Ersatzausstattung bewaffnet war. Der kleine Junge war da immer etwas skeptischer und vorsichtiger, hatte aber auch nie Lust, sich irgendwelchen Zwängen zu unterwerfen, daher fand er den Einfallsreichtum seiner Schwester immer ganz praktisch, auch wenn diese ganz oft mit strengen Sanktionen geahndet wurden.

Es war eine schöne, wenn auch manchmal für Außenstehende sicherlich befremdliche und „andere“ Art, des Aufwachsens. Eine Welt für sich. Die beiden Kinder waren sicherlich ganz oft auch traurig, dass sie eben nicht genau wie ihre Freunde und Freundinnen, ein super normales Leben führen konnten. Es wurde viel erwartet und vorausgesetzt. Aber trotzdem war es für die Beiden immer sehr schön. Grenzen gab es viele, ziemlich viele, aber die Beiden kamen ganz gut immer mal über diese Grenzen weg. ;-)

Passierten irgendwelche ominösen Dinge, wurde das natürlich auch schon mal in der Zeitung ein paar Tage breitgetreten. Denn sonst passiert ja in dieser Ecke des Königreiches nicht viel. Die Notaufnahme in der nächsten Stadt, war jedenfalls immer auf zwei Kinder spontan vorbereitet. ;-) Die kleine Welt im Märchenland war nicht immer nur geprägt von Pflichten und Erwartungen, jedenfalls konnten sich die Beiden da immer mal recht gut ausgrenzen.

Durch einen doch ungebändigten Durst nach Wissen, und Erfahrungen, durchlebten die Beiden unzählige Abenteuer. Diese endeten nicht immer gut, aber letztendlich doch immer weitgehenst glimpflich. Selbst die einbezogenen Tiere, die immer mal wieder Hauptdarsteller einiger Abenteuer waren, sind nie zu Schaden gekommen.

Die Tiere am Hofgut des Königreiches waren immer mit die besten Freunde der beiden Königskinder. So liebte es das Mädchen besonders, ohne Sattel, Halfter und Schuhe im Sommer durch die Wiesen und Wälder zu reiten. Das wurde zwar nie gerne gesehen, aber ändern konnte es meistens niemand. Der Drang nach Freiheit und Ungezwungenheit entwickelte sich bei dem kleinen Mädchen schon ganz früh, so dass es immer schwieriger wurde, sie in irgendwelche vorbestimmten Richtungen zu lenken. Bei dem kleinen Jungen war das etwas einfacher, er ließ sich meistens doch von den gesellschaftlichen Vorlieben der Vorfahren beeindrucken und hatte da ein ausgeprägteres Familienempfinden. Das nützte aber nicht viel, denn zum Anderen war auch er ein Kind, welches gerne mal gegen den Strom schwamm.

Die Jahre vergingen und die Beiden wurden zum ersten Mal getrennt. Mit 10 Jahren trennten sich die Wege der Zwillinge in schulischer Form. Nachdem die Beiden nach einem kleinen Ausflug mit Esel und allem was dazu gehörte, wieder wohlbehalten aufgefunden wurden, wurde dieser drastische Entschluss gefasst. Ein ganzes Dorf geriet dadurch in Aufregung und es wurden sich wohl die schlimmsten Szenarien ausgemalt, die über eine mögliche Entführung (wer entführt einen Esel?), bis zu allen möglichen Horrorvorstellungen führten. Möglicherweise hätte ein potentieller Entführer sicherlich erheblichen Spaß mit den Beiden gehabt. ;-) Aber man weiß ja nie! Durch die getrennten Schulen und die strengen Erziehungs- und Lehrmethoden die dort herrschten, erhoffte man sich, dass die bisher nicht ganz erfolgreichen Erziehungsmaßnahmen, etwas besser fruchten würden.

Die anfängliche Trennung fiel den Beiden unheimlich schwer und es war sicher keine gute Sache. Aber da mussten die Beiden nach einer gewissen Zeit leider doch einsehen, dass die„Großen“ da leider den Trumpf in der Hand hatten. Der Junge war in der Schweiz in einem Jungen-Internat, wobei das Mädchen auf einer katholischen Mädchenschule aufgenommen wurde. Die anfängliche Zeit war schwer für „Alle“. Der Junge fügte sich ganz gut und nahm diese Begebenheit hin, das Mädchen kam mit dieser Situation wohl am schwierigsten zurecht. Der Einfallsreichtum war grenzenlos, leider aber auch das Durchhaltevermögen der Nonnen. Irgendwann arrangierte man sich und wenn es auch immer mal wieder zu fragwürdigen Ereignissen kam, wurde die Schulzeit doch noch eine recht schöne Zeit. Freundschaften die bis zum heutigen Tage andauern, entwickelten sich und brachten das eine oder andere Erlebnis mit sich.

Irgendwann stand dann die offizielle Einführung in die Gesellschaft an. Heute bekannt unter der Einführung der Debütanten/Debütantinnen. Dem Mädchen, welches sich mittlerweile zu einer jungen Frau entwickelt hatte, war und ist das bis heute wohl nicht klar, für was die Welt so ein Ereignis überhaupt braucht. Das schlimmste daran war dann wohl der zwingend erforderliche Tanzkurs, wo ihr dann erst so richtig bewusst wurde, dass es ja zwei verschiedene Sorten von Menschen auf der Welt gibt. ;-) Die eine männlich, die andere weiblich! Heimlich angeeignete Zeitschriften, wie z. B. die Bravo ;-) wurden immer sehr erfolgreich von den Nonnen oder auch der Mutter zensiert. So machte man sich die Arbeit diese Literatur von gewissen anrüchigen Bildern zu befreien und schnitt diese dann einfach raus.

Der Tanzkurs war dann natürlich so eine Sache für sich, der selbstverständlich in der Ferienzeit, absolviert werden sollte und musste. Mit vielen Gegenargumenten fügten sich die Beiden dann doch und waren sicher das Grauen der Tanzlehrer. Aber wie das in diesen Kreisen so ist, die Tanzlehrer hielten viel aus und hatten den längeren Atem. Die spezielle Kleiderordnung dann für den Ball der Bälle, war der jungen Dame schon lange vorher ein Dorn im Auge, aber die Befürchtung lag nahe, dass sie da wohl keine großartige Wahl haben würde.

Und manchmal passieren eben diese besagten Wunder, der  hochangesehene Ball, welcher in Frankfurt stattfand, ging ohne größere Katastrophen über die Bühne. Nur die Schuhe mussten dann ziemlich schnell dran glauben ;-) Hatte aber fast! keiner gemerkt. Und nicht mal die Mutter hatte ein paar Ersatzschuhe dabei ;-)

Eine weitere Zeit verstrich, die Beiden machten auf ihren Schulen das Abitur und hatten auch gleich ihre so ganz eigenen Vorstellungen vom Leben. Die Wege trennten sich weiterhin entscheidend, so musste der junge Mann zuerst seine Bundeswehrzeit absolvieren, bevor er dann in sein Medizinstudium starten konnte. Die junge Frau dagegen ließ sich erst noch etwas Zeit, bereiste einige schöne Orte, bevor sie dann erstmal eine medizinische Ausbildung begann.

In den nächsten Jahren passierte sehr viel im Leben der Beiden. Durch Studium und auch andere Dinge, wurden die Beiden doch so langsam erwachsen. Der Eine mehr, die Andere weniger ;-)

An einigen Stationen des Lebens mussten die Beiden lernen ohne einander auszukommen, was nicht immer leicht war. Nachdem sich die beruflichen Werte und die Richtung manifestiert hatten, gab es allerdings wieder viele gemeinsame Zeiten. Man konnte sich unabdingbar in jeder Situation aufeinander verlassen.

Was einst in der Kindheit begann, war in späteren Jahren wieder greifbar und eigentlich unzerstörbar. Ein Band von sehr großer Stabilität.

Aber auch in einer Märchenwelt bleibt das Schicksal nicht vor den Schlossmauern stehen. So fielen dunkle Schatten auf die Beiden. Eine schlimme Krankheit schlich sich ein, doch auch da hielten die Beiden immer fest zusammen und das Band zwischen den Beiden war stärker denn je.

Einige Wochen später kam es zu einem schweren Unfall und das Band riss für immer.

Dennoch, was man im Herzen trägt, kann einem keiner nehmen. Diese Verbundenheit und Liebe ist unsterblich.

Ein Schluss mit…“und wenn sie nicht gestorben sind….“ ist jetzt leider nicht passend! ……..

 

An manchen Tagen ist es einfach nur schwer damit zurecht zu kommen.

 

20.4.17 18:03

Letzte Einträge: Mein Weg....., Zweifel, No risk....no fun ^^, Kieselsteinchen

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mausi / Website (20.4.17 18:17)
Liebe Marie,
dieses "Märchen" ist Deines, gelle? Sehr gefühlvoll geschrieben und ich ahne, wie Du leidest .
Tröstedrückerchen Helga


gebsy / Website (20.4.17 20:35)
Wer das nicht erlebt, kann sich schwer in die Situation einleben. Zwillinge haben doch schon vorgeburtlich eine intensive Beziehung, die das ganze Leben prägt. In so schweren Situationen ist dein Bruder ganz besonders nahe und möchte sicher nur das Beste für dich ...


mausfreddy (20.4.17 21:10)
Hallo!
Dein Märchen ist schön und gefühlvoll geschrieben? Leider ohne Happyend. Kann mir vorstellen, dass Du zu kämpfen hast. Die schönen Erinnerungen bleiben jedoch für immer.
L.G.mausfreddy


Dorehn / Website (21.4.17 01:22)
...fast "witzig" zu lesen, vlt. ist es auch die Ironie der Geschehen bei aller Härte, die auch durchklingt, wenn es um Findung - ja, Selbstfindung - geht, wo der "vorgezeichnete" Weg auf eigene Art sich erkämpft anfühlt...und das unwiderrufliche Schicksal des Todes macht vor "nichts" halt - es reißt tiefe Wunden - und sie "Ausleben" durch Schreiben ist heilend - egal wie - den eigenen Stil finden, um den inneren Aufschrei ein Ventil zu geben, das steht im Vordergrund.
Alles Gute u. LG!


padernosder (21.4.17 11:36)
Hallo Marie,

aus sich selbst heraustretend einen Blick auf das eigene "Ich" werfen, kann in mancher Hinsicht hilfreich sein - auch für das Schreiben.

Bei Dir klingen persönliche Erkenntnisse oft "allgemeingültig". Da wäre ich vorsichtiger, oder würde anders formulieren, auf das "man" verzichten. Meine Erfahrung ist, solcherlei Einsichten gelten immer nur für mich.

Mir gefällt die "andere Art" Deines Schreibens, Deines Erzählens. Du bist in der Lage, von einer Märchenwelt zu erzählen, die natürlich nur der Rahmen ist, für eine Handlung, welche den meisten von uns von Anfang an den Atem raubte, ob ihrer "brutalen" Wirklichkeit.


Elisabeth / Website (21.4.17 17:36)
Hallo Marie,
schön zu lesen, dass Du Deine Kindheit trotz allem doch als eine schöne und positive Zeit empfindest.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schwer der Tod Deines geliebten Bruders war, ich weiß nicht, was ich in so einer Situation machen würde. Ich bin mir ganz sicher, dass das Band zwischen Euch nicht zerrissen ist, sondern, dass Hannes immer bei Dir ist und Dir zuschaut, wo immer er auch jetzt ist. Alles Liebe, bleib stark!!


Mathias (22.4.17 21:38)
Hallo Marie,
du hast deine Kindheit und was danach kam, sehr schön erzählt. Eben wie in einem Märchen.
Nur, leider ist es kein Märchen an dessen Ende man das Buch schließt und alles ist wie vorher. Es ist eher wie die unendliche Geschichte, wobei der Glücksdrache eher der Esel ist.
Ich glaube, euch verbinden 2 Bänder, das eine, das zerrissen ist und das 2., Das Band der Erinnerung, welches eich immer verbinden wird.
LG. Mathias

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