Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

„The place to be“ – for me!

„Nicht immer findet man im Leben das, was man sucht. Nicht immer sucht man, was man findet und ab und zu findet man etwas, das man überhaupt nicht gesucht hat und stellt überraschend fest, dass es genau das ist, was einem seit langer Zeit gefehlt hat!“ ……(ich glaube schon)

Wenn ich mir gerade die Urlaubsbilder vom letzten Sommer betrachte und mich dann kurzerhand im Spiegel selbst betrachte, wird mir bewusst, dass dazwischen, auch wenn es nur einige Monate sind, Welten liegen.

Gerade der letzte Sommerurlaub hat sich bei mir ganz fest in mein Gedächtnis eingebrannt. Es war ein spontaner Urlaub, nachdem ich meinen seit langem geplanten Bali-Urlaub, den ich mit einer Kollegin erleben wollte, abgesagt habe. In dieser Zeit bin ich für meinen Opa in der Praxis eingesprungen, da dieser akut krank wurde und mein Bruder das alleine nicht geschafft hätte. Eine Selbstverständlichkeit, über die ich nicht lange nachgedacht hatte. In der Klinik stand mein Jahresurlaub an, dafür arbeitete ich fast täglich 12 Stunden in der Praxis. Sicherlich war ich zu diesem Zeitpunkt schon alles andere als gesund. Seit Wochen kämpfte ich permanent gegen ständige Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Schwindelattacken an, an einem Abend bin ich in der Praxis einfach umgekippt. Eigentlich hätten da schon alle Alarmglocken läuten müssen, denn so etwas ist mir bis dahin, wirklich noch nie passiert. Mein Bruder war sicherlich auch sehr erschrocken, aber gut, kann ja passieren und wirklich viel Freizeit um mal wirklich durchschnaufen zu können, hatte ich ja länger nicht. Als dann die Praxis in den Sommerurlaub ging, bin ich mit meiner Tochter über ein verlängertes Wochenende mit an die Ostsee gefahren. Immerhin ganze vier Tage! ;-) Aber man ist ja manchmal mit wenig zufrieden. Als kleines Trostpflaster stand ja dann unser Island-Urlaub im Oktober noch auf der Agenda.

Und wie das so ist, anstatt eben mal die Bremse ein wenig anzuziehen, wurde die Arbeit statt weniger, irgendwie immer mehr. Ich glaube ein richtig freies Wochenende gab es seit August bis Mitte Oktober nicht mehr. Man hält viel aus, keine Frage und so lange es irgendwie läuft, ändert man eben nichts. Aus heutiger Sicht, kann ich da nur selbst über mich den Kopf schütteln. Und ja, mein Freundeskreis hat mir das schon gesagt, dass ich mal die Bremse anziehen soll, dass ich nicht gut aussehe etc. Aber wer hat denn nicht mal schlechte Phasen?

Im Oktober hat dann der Island-Urlaub sogar geklappt. Ein Wunder das nicht wieder irgendetwas dazwischen kam. Aber es war halt eben kein Urlaub, wo man sich etwas erholt, sondern eben ein kleiner Abenteuerurlaub, mit vielen Unternehmungen und Anstrengungen. Und genau da habe ich dann gemerkt, dass ich ganz schön weit weg von meiner eigentlich doch recht guten körperlichen Verfassung war. An einem Tag bin ich einfach im Hotel geblieben, weil ich es nicht mal geschafft habe aufzustehen. Auch das schiebt man dann auf eine Grippe oder ähnliche Unpässlichkeiten. Und diese 10 Tage gingen ja auch ziemlich flott dann rum.

Kaum zu Hause stand dann der 60. Geburtstag meiner Mutter an. Ein Ereignis, welches ich schon mit Grauen entgegensah. Denn der ganze Hofstaat war ja sozusagen geladen, ganz großes Kino. Und meine Mutter natürlich in ihrem Element. Gut, auch wenn ich mich sicher oft beschwere, hätte ich es nie über mich gebracht, ihr diesen Tag bewusst zu verderben. Macht man nicht und mache „ich“ nicht. Dazu hat dann in der Erziehung doch zu viel geklappt. Und generell würde ich sagen, bin ich doch auch ein sehr höflicher Mensch. Nicht immer, aber meistens. Trotzdem ist ja meine Mutter alles andere wie blöd, sie weiß schon ganz genau, wie ich zu allem stehe. Und um eben auf Nummer sicher zu gehen, hat sie mich, schon in Island ständig angerufen und eben die Gefahrenzone abgesteckt. Dieser Tag hat mir schon so einiges abverlangt. Aber ich habe tapfer durchgehalten, konnte mir den einen oder anderen Kommentar nicht so ganz verkneifen. Meine Mutter hat hier und da wohl mal kurzfristig die Luft angehalten, aber ich habe immer die Kurve bekommen. ;-) Auch mit einigen blauen Flecken, die mir mein Bruder mit seinen Ellenbogenstupsern, verursacht hatte. ^^

Nach diesem Tag, ging es dann nur noch bergab. Das nächste Wochenende war wieder ein volles Dienstwochenende und das hatte es richtig in sich. Von Freitag abend bis Montag früh im Dienst zu sein, ist eine harte Nummer. Wenn man zwischenzeitlich, in ruhigen Momenten mal schlafen kann, geht das irgendwie, aber wenn man ein Wochenende erwischt, welches uneingeschränkten Dauereinsatz erfordert und man maximal vielleicht 4-5 Stunden über das gesamte Wochenende zur Ruhe kam, ist das eigentlich, um ehrlich zu sein, schon unverantwortlich.  Zu allem Übel, rief mich sonntags dann noch meine Tochter an und erinnerte mich, dass ich ja montags noch vier Stunden an der Schwesternschule Unterricht hatte. Das hatte ich total vergessen. So bin ich dann Montags direkt von der Klinik weiter in die Schwesternschule. Keine Ahnung was ich denen so erzählt habe, ich weiß es nicht mehr.

Abends lag ich dann mit knapp 40 Fieber auf dem Sofa und es ging eigentlich nichts mehr. So nahm dann die Sache ihren Lauf. Als dann im Dezember die Indikation zur Nephrektomie stand, noch ohne Krebsdiagnose, hat mich schon leicht die Panik ergriffen. Ich bin eine schlechte Patientin und jeder einzelne Klinikaufenthalt macht es nicht unbedingt besser. Wenige Tage vor der Operation habe ich bei einem Notar ein Testament gemacht und ja ich bin noch einen Schritt weiter gegangen und habe selbstverständlich eine Patientenverfügung aufsetzen lassen mit offizieller notarieller Beglaubigung. Und um das Ganze noch komplett zu machen, habe ich auch schon Dinge bzgl. einer möglichen Bestattung geregelt.

Ich habe gewisse Dinge gerne geregelt und mich beruhigt es ungemein, wenn ich weiß, alles ist nach meinen Vorstellungen unter Dach und Fach. Kann man sicher drüber streiten und anderer Meinung sein, aber mich hat es eben beruhigt.

Stellt Euch doch mal vor, es wäre bei der Operation was schief gegangen und ich wäre unvorbereitet gewesen? Da hätte ich aber blöd dagestanden. ;-) Und ja, auch darüber darf man mal einen Spaß machen, dass Leben ist doch ernst genug und lebend ist bisher noch keiner rausgekommen. Das Gegenteil wäre zu beweisen. ;-)

Und um einige kleine Details zu offenbaren, ich möchte nicht beerdigt werden. Ich möchte, dass meine Asche auf der Ostsee verstreut wird. Genau so und nicht anders. Kein Grab, keine komische Urnenwand oder ähnliches. Und ein konventionelles Grab, ach du Gott, nee, allein der Gedanke, da nagt mich dann was an. Grausam. Die Ostsee, „the place to be“ – for me! ;-) So soll es sein! Darüber kann ich mit keinem reden. Jeder guckt da etwas komisch. Ich habe es auch noch keinem so wirklich in allen Einzelheiten erzählt. Da der Empfindlichkeitsgrad bei vielen in meinem Umfeld gerade ganz dünn ist. Und da wäre es halt eben wieder dieses Problem, warum geht man so super behutsam mit jemanden um, der Krebs hat? Weil es eben immer noch als meist tödliche Brandmarkung angesehen wird. Dabei sieht es doch oft, selbst mit dieser Diagnose, gar nicht so schlecht aus. Ist zwar kein Schnupfen, aber auch zwangsläufig kein Todesurteil mehr. Aber eben noch ein ziemliches Vorurteil gegen diese Diagnose.

Die Operation habe ich ja nun nachweislich überlebt und auch noch so einige andere Dinge, die aufgrund der fatalen Nebenwirkungen auf mich eingestürmt sind.

Ich nehme auch nicht an, dass die ganze Angelegenheit komplett schief geht, sondern bin mir schon sicher, dass alles ein gutes Ende nehmen wird. Und die Prognose steht ja auch gerade ganz gut da.

Ich sehe ja gerade, wie es ist, wenn man so gar nichts festgelegt oder geregelt hat. Mein Bruder ist das beste Beispiel. Klar, mit Anfang 40 rechnet man ja auch nicht unbedingt damit, dass der Tag der Tage unmittelbar vor einem steht. Und um es eben mal direkt in Worte zu fassen, die Tragödie die aus diesem ganzen Chaos resultiert, ist nicht ohne und wird noch so einiges an Nerven und Selbstbeherrschungsstrategien für mich mit sich ziehen. Daher bin ich für meinen Teil froh, dass meine Dinge ziemlich präzise und genau, geregelt sind. Das stört ja keinen und tut auch keinem weh. Aber wie sagt man doch immer mal wieder so schön und unüberlegt? Man weiß ja nie und wenn, wäre ich vorbereitet….;-) Und dieser Trumpf ist mir sicher…..ganz bestimmt…irgendwann….nicht heute und nicht morgen……und übermorgen nicht gleich!

Und bevor das über-übermorgen eintritt habe ich noch viel vor und das wird schön werden!

In diesem Sinne, passt schön auf Euch auf!

18.4.17 23:19

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bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


padernosder (19.4.17 00:18)
Hallo Marie,

die Frage ist doch, ob Du auf Dich aufpassen wirst, wenn Du wieder gesund bist. Manchmal klingst Du einsichtig, aber ich vermute, wenn Du Dich wieder richtig fit fühlst und es auch bist, dann geht alles von vorne los, siehe: "Ich habe noch viel vor..."

Aber jeder darf sein Leben "verzocken" und immer den höchsten Einsatz riskieren, wenn er glaubt, das wäre sein Weg. Es ist gar nicht so einfach, aus "Fehlern" zu lernen.

In diesem Sinne, pass schön auf Dich auf!


Mausi / Website (19.4.17 07:55)
Moin Marie,
man hat nur ein Leben und das ist das höchste Gut. Also schön langsam mit den Kräftem haushalten . Muss ich auch - eine Überanstrengung und schon liege ich am Boden .
Passe also auch auf Dich auf .
Ganz lieben Gruß
Helga


gebsy / Website (19.4.17 09:07)
Hallo Marie!
Wie sieht eine Medizinerin die Möglichkeit, sich der Anatomie zur Verfügung zu stellen, wenn das irdische Leben vorbei ist?
gebsy


Indianwinter (19.4.17 15:11)
Liebe Marie,
Gedanken, die jedem dann und wann kommen, wie soll es am Ende werden, wo soll ich bleiben.
Du hast dir für diesen Fall die Ostsee ausgesucht.
Das kann ich gut verstehen, ein schöner Gedanke.
Bei meinen Überlegungen, habe ich dann auch an meine Kinder z.B. gedacht, sie hätten gerne einen Ort, den sie konkret besuchen und auch mal eine Blume hinlegen können.
Da denke ich mir, mir ist es egal ich spüre es sowieso nicht mehr und so wird es dann ein Wiesengrab werden, klein und mit wenig Aufwand zu pflegen...
Und jetzt schieben wir den Gedanken zur Seite und du gehst erstmal einem gesunden Leben entgegen, der Himmel kann noch warten.
Ich drücke dir weiter fest die Daumen!



eman (19.4.17 16:54)
Liebe Marie, als mein Vater plötzlich starb, war er Anfang Dreißig - und hatte dennoch, ein halbes Jahr vorher, sein Testament gemacht.
Dieses Testament hat meine Mutter gehütet und fast jeder ihrer Sätze fin an mit: Euer Vater wollte...Euer Vater hätte gewollt ...
Sie händigte mir eine Kopie des Testaments aus, als ich Volljährig war - und bewußt oder unbewußt, richtete auch ich mich lange Zeit noch nach seinen Wünschen ...bis ich, mit über Vierzig, dieses Testament mal einer Freundin zeigte. Die war entsetzt:" Was für ein Kontrollfreak! Der hat Euch ja alles, alles bis ins Kleinste vorgeschrieben und über Euren Kopf weg bestimmt ...
So hatte ich sein Testament bisher noch nie gesehen ...und: Sie hatte recht! Ich fragte mich zum ersten Mal: Wozu den Angehörigen vorschreiben, was sie wie "zu regeln" haben - man selbst kriegt doch eh nichts mehr davon mit! Muss man denn noch nach seinem Tod bestimmen, was andere zu tun und zu lassen haben?
Seitdem betrachte ich Testamente mit gemischten Gefühlen...


mausfreddy (20.4.17 18:13)
Hallo Marie!
Ich bin nun schon älter, aber mein Testament habe ich nicht gemacht. Die Patientenverfuegung schon lange. Eigentlich ist es mir egal was mit mir wird. Am liebsten würde ich am Waldrand an meinem Lieblingsplatz verstreut. Leider geht das nicht. Dann ist es wohl auch ein Grab im Friedwald. Bäume müssen sein, damit die Vögel in meiner Nähe sein können.
Ich bin froh, dass Du so zuversichtlich bist. Ich denke Du kannst Deine Situation ganz gut einschätzen. Nur gute positive Gedanken und Vorfreude bringen dich weiter. Ich glaube mit Dir fest an deine Genesung. Alles Gute mausfreddy

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