Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Perfektes Leben inclusive ^^

““Vertrauen zu missbrauchen ist, wie ein perfektes Blatt Papier zu zerknüllen. Danach kann man so oft über das Papier streichen, wie man will. Es wird nie wieder so, wie es mal war..!!““

 

Vorwort:

Nach knapp drei Tagen „auswärts“, bin ich nun wieder zu Hause. Es war zwar schon recht anstrengend, da An- und Abreise so ihren Preis fordern, aber der Rest war es definitiv Wert und somit einfach die richtige Entscheidung gewesen. Und was soll ich sagen, ich hatte ein super Wetter. Kaum zu glauben, aber wirklich wahr. Am Samstag, gab es einen strahlend blauen Himmel mit viel Sonnenschein, gestern dann auch Regen, aber da bin ich ja dann sowieso nach Hause gefahren. So konnte ich wirklich viel Ruhe und viel Sonne in Timmendorf genießen. Ein Ort, welcher um diese Zeit noch relativ „ruhig“ ist. Ich mag die Ostsee im allgemeinen sehr gern und das Meer ist einfach nur toll.  Und das tollste war ja, ich konnte relativ „normal“ essen, vielleicht auch deswegen, weil ich mir einfach kaum Gedanken darum gemacht habe. Das ist heute schon wieder komischerweise anders…..Ja, und nun bin ich wieder zu Hause, war heute morgen schon schön brav bei den Voruntersuchungen für Mittwoch, incl. Lungen röntgen. Die Gefahr von so einem Kurzurlaub ist ja immer, dass man hinterher noch weniger Lust hat, wie vorher. Und das ist leider definitiv der Fall. Auch wenn ich natürlich weiß, dass es keinen anderen Weg gibt, als das alles irgendwie durchzuziehen, egal wie viele Federn es mich noch kostet, war die Verlockung doch recht groß einfach in den Sack zu hauen. Aber nein, mache ich natürlich nicht. Was mich nicht umbringt, macht mich wohl noch stärker….habe ich immer für einen blöden Spruch gehalten…aber mittlerweile kann ich sogar daran festhalten. Und wie schon mehrfach festgestellt, man hält wirklich mehr aus, wie man immer so denkt….auch wenn es definitiv manchmal recht haarig ist. Aber von einfach war ja auch nie wirklich die Rede. Und „einfach“ war ja auch noch nie mein Ding, wenn ich mal ehrlich bin. 😉

Weiter geht´s: (könnte länger dauern ;-)

Ich hatte in den letzten Tagen mal wieder einiges an Zeitpotenzial und bin so einigen Gedanken nachgehangen. Klar, was sonst! Ich habe mir schon öfters überlegt, wie ich momentan zu dem Thema Ehe stehe, was heißt überlegt, ich werde da ziemlich oft dazu gefragt, sei es im Rahmen meiner Arbeit oder eben auch privat. Und da ich immer oft europaweit unterwegs war, auf Kongressen oder ähnlichem, kam es auch immer sehr oft auf dieses Thema. Für mich ehrlich gesagt unverständlich, da es mich eigentlich generell im allgemeinen nicht interessiert, ob jemand verheiratet ist oder nicht.  Aber wie schon so oft erlebt, gibt es ganz viele, die da ein reges Interesse entwickeln. Ich habe ja am letzten Wochenende bei einer Freundin gewohnt, die dann auch auf einmal genau mit diesem Thema anfing und einiges bei mir hinterfragte. Hatte ich jetzt auch nicht so das Problem mit, als wenn mich jemand Fremdes nach solchen Dingen fragt, obwohl ich nach wie vor der Meinung bin, geht ja eigentlich keinen was an und mich dann da auch recht knapp und direkt auszudrücken vermag. Wem ich was oder wie erzähle ist immer noch meine Sache und ob ich jemanden soweit Vertrauen schenke, gewisse Dinge von mir wissen zu lassen, nochmal eine ganz andere.  Aber wenn man bei mir so einen Stein ins Rollen gebracht hat, dann komme ich mit meinen Gedanken nicht so ganz schnell wieder davon ab und habe mich mit dem Thema Ehe dann doch nochmal intensiv beschäftigt.

Als Kind wurde mir immer der Wert vermittelt, dass heiraten, Haus bauen und Kinder kriegen, dass Ding aller Dinge ist und dann am besten noch jemanden, der gesellschaftlich in die Familie passt. Also am besten hätte man mir einen geeigneten Mann ausgesucht, damit da auch ja nichts schief geht. Ich meine, die haben mich schon ganz gut gekannt. 😉 Haben die dann natürlich nicht gemacht, wenn es auch teilweise ganz schön mittelalterlich bei uns her gegangen ist und wohl auch noch bis heute geht, dass haben die sich dann doch nicht getraut. Auch wenn es viele Anlässe, so gaaaanz zufällig gab, wo mir der eine oder andere präsentiert wurde.  Ich habe es schon verstanden, mich davor entsprechend zu bewahren. Irgendwann haben sie es dann einfach gelassen, bzw. wurden solche „Zufälligkeiten“ weniger.  Als Kind und auch als Jugendliche wurde ich oft in solche „Benimmkurse“ gesteckt, die immer ziemlich doof, aber auch teilweise dann richtig lustig waren. Man kann sich da schon entsprechend die Zeit ganz schön machen, in dem man die Lehrer gezielt zum Wahnsinn treibt. Und da das ja hochbezahlte Kurse für die Nachkommen der „oberen Gesellschaft“ waren, haben die dann auch nicht so schnell klein beigegeben. Das eine oder andere konnte ich da schon lernen und ich ertappe mich heute noch, wo ich merke, naja, so ganz umsonst war es dann doch nicht und es stören mich in der Tat selbst Dinge an anderen Menschen, die eben nicht so die besten Manieren an den Tag legen.  Aber das sind so Einzelheiten.  Um das mal hervorzuheben, ich kann mich schon benehmen und ich denke das auch ganz gut. Manchmal muss ich ja auch meinem Ruf der „Frau Doktor“ gerecht werden. Und ich glaube, dass kann ich hin und wieder ganz gut. Es gibt da so zwei Seiten an mir, einmal eben „Dr. Marie“ 😉, die sicherlich meine berufliche und menschliche soziale Überzeugung 1:1 wiederspiegelt und dann eben die andere Seite, die zwar sicher im Einklang mit meinem Beruf steht, aber eben doch anders ist. Also würde mich jemand rein privat kennenlernen, ich schätze niemand würde mir einen Doktortitel, geschweige denn einen Adelstitel zuordnen. 😉 Ich bilde mir darauf auch nichts weiter ein und denke da auch im täglichen Leben eher gar nicht dran. Der Doktortitel war im Rahmen meiner Ausbildung, hätte nicht sein müssen, aber hatte es dann einfach komplettiert und der "Ahnentitel" nun ja, der wurde mir ja leider mit in die Wiege gelegt. Manchmal bin ich selbst erschrocken, wenn mich jemand mit „allem“ drum und dran anspricht. Ist ja dann auch eine längere Angelegenheit. Dauert dann einen Moment manchmal, bis ich selbst realisiere, „ach, ich bin ja gemeint“.

Ach, herrlich, jetzt bin ich wiedermal völlig abgeschweift. 😊 Eigentlich ging es ja um das Thema Ehe…jedenfalls aller zum Trotz, habe ich mir meine „Kerle“ immer selbstständig ausgesucht und ich denke das wird auch weiterhin so bleiben. Ich war schon immer sehr bedacht in dieser Angelegenheit und habe ungern meine Familie oder generell die Öffentlichkeit da mit einbezogen. Da ich nach wie vor der Meinung bin, dass ist ganz alleine meine Sache, geht keinen was an. Ich würde behaupten, damit bin ich ziemlich gut gefahren bisher, obwohl es wohl gerade meine Mutter ziemlich fuchst, da so ziemlich im Dunklen zu tappen, aber gut ich schätze, da muss sie wohl auch weiterhin durch. Trotz aller Versuche mich nach dem Abitur und einer dreijährigen Ausbildung in Richtung Kinder und Küchenherd zu schieben, hätten quasi nur noch die Kittelschürze und die Lockenwickler gefehlt, bin ich meiner Einstellung und Überzeugung weitgehenst treu geblieben. Die Ehe war für mich nicht das Ziel meines Lebens, genauso wenig wie es Kinder waren. Das bitte jetzt nicht falsch verstehen, meine Tochter liebe ich überalles!! Und das ich meinen Sohn vor zehn Jahren verloren habe, ist für mich heute noch ein sehr schlimmes Erlebnis. In erster Linie wollte ich immer schon beruflich einiges erreichen, viel von der Welt sehen und ja, in erster Linie „leben“. Das war schon irgendwie immer so. Da habe ich auch nie ein großes Geheimnis drum gemacht. Mit Anfang/Mitte zwanzig hatte ich dann einen Freund, wo ich schon dann das Gefühl hatte, ja könnte eine längerfristige Sache werden, wollte aber vorerst nie ein „Zusammenleben“ daraus machen. Es war schon so ganz gut, dass jeder seine eigene Wohnung hatte. Im Frühjahr 1999, in den Semesterferien, haben wir dann eine sechswöchige Rucksacktour durch Südamerika gemacht. Das war ein richtig tolles Erlebnis, also genau das Richtige für mich. So hätte es wegen mir wirklich für immer weitergehen können. Irgendwie kommt man immer durch, denn so sehr viel Geld hatten wir zu dieser Zeit ja auch nicht wirklich. Und ich bin wirklich heute noch sehr stolz darauf, dass ich mir mein Studium, mit allem was dazu gehörte, selbst finanziert habe, in dem ich eben nebenbei gearbeitet hatte. Ja, aber von dieser Reise kamen wir dann nicht mehr so ganz alleine zurück. Jedenfalls war ich schwanger. Das war für mich im ersten Moment die totale Katastrophe. Stehe ich auch dazu. Ich konnte mich da sehr lange überhaupt nicht mit abfinden. Ein Kind war für mich einfach unvorstellbar. Ich und ein Kind, war zu dieser Zeit eigentlich ein Widerspruch in sich. War ja auch alles total paradox, mitten im Studium, ganz andere Lebenspläne usw. Ich habe mir schon einige Zeit überlegen müssen, welchen Weg gehe ich jetzt und bin da wirklich anfangs sehr schlecht mit klar gekommen. Das nächste Problem stellte dann natürlich meine Familie da. Es ist ja jetzt nicht unbedingt verwerflich mit Mitte zwanzig schwanger zu werden, aber meiner Familie zu erklären, dass ich eben nun halt schwanger bin, aber heiraten und so nicht in die Tüte kommt, war dann nochmal ein ganz anderes Problem. So mit „sex, drugs and rock´n roll“ konnte ich denen ja nun wirklich nicht kommen. Nachdem ich mich dann dazu entschlossen habe, mein Kind zu behalten, habe ich erst mal abgewartet und meinen Freund auch dazu gebracht erst mal die Klappe zu halten. Kommt Zeit, kommt Rat. Und wie das eben so ist, so ganz lange kann man das ja dann eben doch nicht für sich behalten. Jedenfalls hat man irgendwann halt gesehen, dass ich mich verändert habe. 😉 Da half es auch nichts mehr, einen auf blöd zu machen. Ich weiß noch genau, wie meine Mutter mich anrief und fragte ob ich schwanger wäre. Das war so ca. im September. Ich antwortete ihr nur, „ja, bin ich, Anfang Januar wirst Du Oma, wir reden mal bei Gelegenheit darüber“ und habe aufgelegt.  War nicht ganz ok von mir, habe ich zwar in dem Moment nicht ganz eingesehen, aber heute schon! Aber andererseits, hatte das ja auch alles so seine Gründe, warum ich eben keine Lust hatte, davon zu erzählen, weil es eben immer im ganz großen Drama endete. Und so war es dann auch. Da wäre es egal gewesen ob ich es fünf Minuten nach der Empfängnis erzählt hätte oder eben drei Minuten vor der Geburt. Drama ist Drama und in dieser Familie ist ein Drama eben ein Drama. Ehrenwort! Naja, jedenfalls einen Tag später, nach dem Telefonat mit meiner Mutter, stand genau diese mit ihrem Terminplaner bei mir in der Wohnung und teilte mir meinen Hochzeitstermin mit. Mit den Eltern von meinem Freund, hätte sie am Abend vorher schon alles abgesprochen und mein Freund hätte „wahrscheinlich“ auch nichts dagegen. Völlig überrannt von ihrem Engagement, fragte ich dann ziemlich geschockt, ob sie denn mit ihm geredet hätte? Nein, noch nicht, aber sie wäre sich sicher, dass er das machen würde. Häh?? Wie, was machen? "Ja, dich halt heiraten……." Halt, Moment, was heißt hier „mich halt heiraten“?? „Ja, dich heiraten, damit das Kind einen Vater hat und alles in geregelten Bahnen verläuft. Ende Oktober sollte der Termin sein, sie hätte schon alles mit Pfarrer und was weiß ich noch alles abgesprochen und ich sollte doch mal etwas Feingefühl an den Tag legen, was das in vier Wochen jetzt für ein Stress für sie wäre……Stop! Ich habe ihr dann erklärt, dass das Kind so oder so einen Vater hat und ich nicht heiraten werde, jedenfalls jetzt nicht und später ganz sicher nicht gleich und ob überhaupt ist auch nicht sicher. PUNKT….““Das ginge nicht!““… Wie, das geht nicht? ““Das geht nicht, die Leute reden doch jetzt schon.““ …..Das ist mir ziemlich egal. Ich kann noch zehn Kinder bekommen und vielleicht von zehn verschiedenen Männern….geht keinen was an. Und die werde ich alle dann auch nicht heiraten!! 😉 Wir leben im zwanzigsten Jahrhundert, da "muss" keiner mehr heiraten. Also hast Du auch weniger Stress, so, und nun sagst Du alles bitte schön wieder ab. Es gibt keine Hochzeit Ende Oktober und in naher Zukunft auch nicht…..“Schlaf mal drüber“. ….. Nein, brauch´ ich nicht, die Sache ist klar. Nach noch einigem hin und her und „das wären wohl die Hormone“, ist sie dann erst mal abgetrollt. Es hat mich noch einiges an Anstrengung gekostet, aber nach einigen Tagen hat sie es dann irgendwie erstaunlicherweise erst mal hingenommen. Mein Freund war auch etwas überrascht über die ganze Vorgehensweise (also ich nicht ganz, ich kenne ja meine Pappenheimer), er hätte aber wohl doch auch geheiratet, ich glaube er fand zu diesem Zeitpunkt die Sache für sich sogar ganz praktisch, tja aber dazu gehören ja halt nun mal zwei. Und siehe da…man glaubt es kaum, Anfang Januar kam dann meine Tochter putzmunter, auch ohne das ich einen Ehering am Finger hatte, auf die Welt.

Mein Kind war kaum zwei Wochen alt, da ging allerdings der ganze Zirkus wieder von vorne los. Ein Säugling muss binnen kürzester Zeit getauft werden…..so die Überzeugung meiner Mutter. War mal früher so, da hat die Hebamme den Säugling zur Taufe gebracht usw., aber diese Zeit war ja nun schon länger rum. Und die super Idee meiner Mutter die Taufe gleich mit einer Hochzeit zu kombinieren, war natürlich ziemlich krass. Ich glaube meine Mutter hatte sich für ihre Idee selbst gefeiert und fand das wohl total gut. Jedenfalls so lange, bis sie mir von ihrer Idee erzählte.  Manchmal hat sie mir ja schon leid getan, aber so resistent wie sie manchmal in vielen Dingen war, ging es einfach auch nicht anders. Ich weiß nicht, was sie an meinen Aussagen, dass ich nicht heiraten möchte, nicht verstanden hat. Eigentlich eine ganz klare und deutliche Ansage. Da gibt es auch nichts misszuverstehen. Jedenfalls finde ich das. Und ob jemand heiratet oder nicht, dass kann man doch nur für sich selbst entscheiden. Das man das entschieden bekommt, dass kann ja wohl nicht sein. Auf die Taufe hatte ich mich dann eingelassen, dass wollte ich schon und hat mir für mein Kind ein besseres Gefühl gegeben. Die Hochzeit hatte ich aber weiterhin erfolgreich abgewehrt. Es gab hin und wieder nochmal ein paar Anflüge und Anfragen, wann denn jetzt mal geheiratet wird, aber irgendwann war es dann erst mal rum.

Mein Studium ging weiter, was nicht immer leicht war, erst mit Baby und dann einem Kleinkind, gerade in Examensphasen. Aber letztendlich habe ich das dann irgendwie hinbekommen. Der Vater meines Kindes war oft mit sich selbst beschäftigt, dokterte an seinem Jurastudium rum und war für ein Kleinkind eher nicht so ganz kompatibel. Die Phase besserte sich dann, unsere Beziehung wurde ganz gut, jedenfalls anfangs, als er das Jurastudium beendet hatte und anfing als Anwalt zu arbeiten. Ich ließ mich darauf ein, dass wir ein gemeinsames Haus bauten, keine Ahnung wie das passiert ist 😊 und ja, wir wollten dann auch ein zweites Kind. Also, es gab durchaus eine kurze Phase in meinem Leben, die etwas geordneter  verlief. Also geordneter für Andere, für mich eher seltsamer so im Nachhinein. Mittlerweile hatte ich mein Grundstudium beendet und meinen Doktortitel. Also alles solide Grundlagen. Und ob man es glaubt oder nicht, nachdem ich dann wirklich nochmal schwanger wurde, habe ich sogar dem Heiratsantrag zugestimmt.  Wie sich sowas ändern kann und warum sich das so plötzlich geändert hatte, keine Ahnung. Das wird mir wohl immer ein Geheimnis bleiben.  Nachdem wir es dann der „Familie“ mitgeteilt hatten, ich war ja da schon immerhin 32, war natürlich die Freude ziemlich groß. „Endlich das lang ersehnte gesellschaftliche Ereignis der Region.“ Und meine Mutter in ihrem Element. Haha!! Das war alles ungefähr im Oktober, die Hochzeit sollte dann im Februar sein. Also geplant war die standesamtliche Trauung für Februar, da es vor Weihnachten zeitlich nicht mehr passte und dann im Frühling eben die Taufe und kirchliche Hochzeit. Irgendwie war mir das nicht so ganz geheuer und ich war auch mit allem ziemlich unsicher. Und dann passierte eben etwas, was ich mir bis zum heutigen Tage nicht erklären kann.

Menschen verändern sich, dass passiert Tag täglich, aus welchen Gründen auch immer. Jedenfalls veränderte sich der Vater meiner Kinder ziemlich plötzlich und ziemlich gravierend. Anfangs merkte ich es nicht so ganz, da ich durch meine Arbeit in der Klinik und meine parallele Facharztausbildung, die gerade in den letzten Zügen lag, sehr wenig Zeit hatte. Und vielleicht möchte man manchmal auch einfach so einige Dinge nicht bemerken und wiegelt das unbemerkt etwas für sich selbst ab. Keine Ahnung, denn eigentlich so augenscheinlich gesehen, war ja alles perfekt. Wir hatten beide ziemlich gute Jobs, somit beide ein ziemlich gutes Einkommen, Haus war fertig, eine gemeinsame Tochter, ein Sohn war unterwegs, Hochzeit geplant, alle gesund und munter…….man hätte sagen können, dass perfekte Leben! Aber war es nicht. Der Mann, dem ich zu diesem Zeitpunkt wirklich bedingungslos vertraute, veränderte sich, leider nicht zum Positiven. Es gab ständig Streit, er nahm gemeinsame Termine nicht war, vergass seine Tochter irgendwo abzuholen oder hinzubringen, wenn ich Dienst hatte, wurde zu mir teilweise unbegründet gemein und auch grundlos ungehalten, trank vermehrt Alkohol, was so Situationen nochmals doppelt schlimm machten. Zu diesem Zeitpunkt, dass war in der Vorweihnachtszeit, hätte ich eigentlich schon die Reißleine ziehen müssen. Warum auch immer, habe ich es nicht getan. Irgendwie gehofft, dass das vorbei geht. Eigentlich so alles Dinge, die gar nicht zu mir passten. Aber manchmal ist es einfach so. Es gab dann auch ominöse Anrufe von mir nicht bekannten Damen, die mir schon klar machten, dass hier ganz gewaltig was schief läuft, trotzdem lief es irgendwie erst mal weiter. An Silvester waren wir abends eingeladen und er war den ganzen Tag „unterwegs“, kam dann am späten Nachmittag zurück und war sichtlich angetrunken.  Genau in diesem Moment ist mir dann eben der Kragen geplatzt und ich habe ihn auf diverse „Anrufe“ und Begebenheiten angesprochen. Er ist dann ziemlich eskaliert, dazu möchte ich keine nähere detaillierte Ausführung geben. Drei Stunden später ist dann mein Sohn, 18 Wochen zu früh geboren und einige Minuten später in meinen Armen gestorben. Er hatte einfach keine Chance. Es gab dann noch größere Komplikationen, so dass mir die Gebärmutter entfernt werden musste und das Ganze für mich selbst, außer den Verlust von meinem Kind, noch sehr nachhaltige Folgen hatte. Ein „Unfall“, der kein „Unfall“ war. Aber ich selbst habe es so ausgelegt, alleine um meine Tochter zu schützen. Ich habe geschwiegen und obwohl es absolut gegen meine Einstellung ist, niemals zur Sprache gebracht. Es hätte nichts geändert, außer das meine Tochter wohl darunter gelitten hätte, wenn sich alle Welt darüber ausgelassen hätte. Ja und letztendlich habe ich "ihn" damit sogar geschützt. Ich glaube nicht, dass er ansonsten den gesellschaftlichen, wie auch beruflichen Status hätte, den er heute hat. Trotz allem, warum und wie das ging, keine Ahnung, es ging erst mal weiter. "Er" war seit diesem Vorfall auf spontaner „Geschäftsreise“, eine ziemlich lange Geschäftsreise, die fast acht Wochen ging. Warum das keinen gewundert hat und warum keiner komische Fragen gestellt hatte, weiß ich auch nicht genau, vielleicht ist es mir auch nicht mehr ganz bewusst oder ich habe es einfach nicht richtig wahrgenommen, keine Ahnung. Ich war eine zeitlang zu relativ gar nichts mehr fähig. Das es nun keine Taufe mehr gab war soweit klar, aber an der Hochzeit wurde natürlich festgehalten. Nachdem ein paar Wochen rum waren, saß ich dann mit meiner Mutter, meiner besten Freundin und meiner potenziellen Schwiegermutter im Brautladen und sollte mein Hochzeitskleid aussuchen. Ich weiß nicht warum ich da überhaupt saß, warum ich da überhaupt mitgegangen bin, sehr viel Meinung hatte ich bis dahin irgendwie nicht. Vieles war an mir einfach vorbei gegangen in dieser Zeit, zumal ich den Vater meiner Tochter seit Silvester auch nicht mehr gesehen hatte, geschweige denn auch nur ein Wort mit ihm gewechselt hatte. Auch das ist etwas, was ich mir heute gar nicht mehr vorstellen kann. Wir haben niemals "darüber" gesprochen, er hat sich nie dafür entschuldigt. Trotzdem saß ich da und schaute mir Hochzeitskleider an. Hingeschaut und doch nichts gesehen, kann man nicht erklären, war aber so. Meine potenzielle Schwiegermutter erlaubte sich dann einen Kommentar, der mir dann sozusagen wohl das Leben rettete, in dem ich endlich wach wurde! „Marie, so eine Fehlgeburt machen täglich ganz viele Frauen durch (ach komm, wer ist hier die Gynäkologin?), "sowas passiert und da braucht man auch nicht traurig sein" (als ginge es ums traurig sein), "und nun hast Du wenigstens wieder eine anständige Figur für ein Brautkleid." Haha, genau, nur darum geht es!, naja, jedenfalls war das genau der Moment, als ich endlich, zum Glück, wach wurde! Ich bin dann aufgestanden, zum Glück hatte ich noch keines dieser „Kleider“ anprobiert, habe nur gesagt, „es wird keine Hochzeit geben“ habe alle sitzen gelassen und bin gegangen. Damit war dieses Thema für mich diskussionslos für alle Zeiten beendet. Ich habe einige Tage weder auf Anrufe, Emails oder sonstiges reagiert, habe mein Leben „weitergelebt“ und versucht meiner Tochter eine gute Mutter zu sein. Das ganze wurde dann von Seiten der Familie so ausgelegt, dass ich mit dem Verlust des Kindes nicht klar kommen würde und somit "alle anderen" darunter leiden müssten. "Die Braut, die sich nicht traut", nicht wirklich lustig. Mit dem Vater meiner Tochter hatte ich seitdem nur ganz sporadisch Kontakt, als es um die Regelung des Sorgerechts ging, aber auch das nur auf neutralem Boden. Ihn in meiner Nähe zu wissen, ist für mich bis heute unvorstellbar. Das Haus habe ich übernommen und ihn ausgezahlt, was er nicht wollte, aber alles andere wäre für mich nicht akzeptabel gewesen. Ganz selten telefonieren wir, wenn es etwas bzgl. unserer Tochter zu regeln gibt, was aber jetzt mit fortschreitendem Alter immer seltener bis gar nicht mehr nötig wird.

Seitdem sind 10 Jahre vergangen. Zehn Jahre, in denen ich zu dem Menschen geworden bin, der ich heute bin. Es waren Jahre, die nicht einfach waren, aber auch Jahre, die mich geprägt haben und bestimmt auch haben stärker werden lassen. Ich weiß, dass ich kein einfacher Mensch bin und werde das sicher auch niemals sein. Jedenfalls weiß ich, dass meine Einstellung zum Thema Ehe, bevor ich mit meiner Tochter schwanger wurde, sicherlich die für mich Richtige war. Ich möchte mir niemals mehr von einem Mann das Leben erklären lassen müssen, bzw. mich Dingen fügen, die sich für mich nicht richtig anfühlen. Genauso wenig möchte ich einem Mann das Leben erklären. Es gibt Dinge, die funktionieren einfach nicht und es gibt Dinge, da sind wir einfach machtlos. Und es gibt eben auch Menschen, die sind für die Ehe nicht gemacht. Bedingungslos vertrauen, ein Prozess der lange Zeit in Anspruch nimmt und der in Sekunden zerstört sein kann, egal wie alt man ist. Ob ich das jemals wieder schaffe, ich weiß es nicht. Jedenfalls eines ist sicher, mein Privatleben wird niemals wieder jemanden außer mir selbst und den Menschen, den es betrifft etwas angehen. Nur mich und den potentiellen Mr. X…………..;-) Gemeinsame Interessen und meine speziellen Lebenseinstellungen und -vorstellungen, die sich überschneiden gibt es wohl in dieser Kombination relativ wenig, aber manchmal passt es dann vielleicht doch. Und ein Leben ohne Ehe, ich glaube das ist genau das, was für mich vorgesehen ist und womit ich mich wohlfühle. Alles andere wäre einfach falsch. Und dann käme wieder das Schicksal mit ins Spiel. Schau´n wir mal……

20.3.17 17:10

Letzte Einträge: Menschen......Seele, Mäuse-Luftwaffe und so ;-)

bisher 10 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mausi / Website (20.3.17 17:40)
Huhu Marie,
jedenfalls hast Kraft gesammelt zum Romanschreiben . Alles weitere muss sich finden, aber niemals die Hoffnung aufgeben..
LG Helga


eman (20.3.17 17:44)
Respekt!
Ich erlebe in Deinem (und @padernosders) Blogbeiträgen gerade eine Synchronizität, die mich nachdenklich macht, mir imponiert, mich inspiriert und in einem bestätigt: Der vielbegangen Weg ist sicher der Bequemste - kann aber auch dazu verführen, wie die Lemminge einem Anführer zu folgen - und auf einen Abgrund zuzusteuern. Wir alle sind aufgefordert, auch unserer eigenen, individuellen Spur zu folgen, auf der wir unsere eigenen Fußstapfen hinterlassen - auch, wenn sie manchmal ins Abseits zu führen scheint: Umwege erhöhen die Ortskenntnis!
Weiter so!
Und: Ich besuche Dein Blog immer wieder gerne.


Mathias (20.3.17 22:30)
Hallo Marie,
es steht mir nicht zu deine Familie zu kritisiere, aber deine Mutter ist ja schon anstrengend . Vielleicht sollte man erst nachfragen, bevor man Hochzeiten, oder Berufliche Entscheidungen plant.

Ich freue mich, dass du schöne Tage an der Ostsee hattest. Hoffentlich könntest du Kraft für deine weitere Therapie sammeln.


Mirco / Website (21.3.17 03:01)
Tolles Bild, da scheinst Du tatsächlich ein super Wetter erwischt zu haben. Schön, dass es dir so gut gefallen hat.
Viel Glück für diese Woche. Ich drücke Daumen, dass es hilft und nicht wieder allzu schlimm wird.

Liebe Grüße aus Ningbo


ide02 (21.3.17 09:25)
In deinen Eintrag habe ich mich hier und da wiedergefunden. Dieser gesellschaftliche Druck - wer kennt ihn nicht. Und ihn stand zu halten und sich immer wieder zu fragen: Okay, das wird "erwartet", aber was ist meine Meinung dazu, wohin soll mein Weg gehen...ist nicht immer einfach. Ich frage mich wirklich ab und an: Bildest du dir jetzt diesen Standpunkt, weil DU es willst oder weil die Gesellschaft es toll findet? Dann versuche ich tief in mich hineinzublicken, um eine Antwort zu erhalten, zu finden.
Nun, jeder muss für sich letztendlich die Entscheidungen treffen. Und damit leben können, Wenn man sein Leben eher gegen den Strom schwimmend sieht, ist das sicherlich mit mehr Kraft und Ausdauer verbunden als wenn man einfach hinterher schwimmt - in die Richtung, wo sich so viele hinbewegen. Aber egal wie, jeder hat das Recht das selbst zu entscheiden. Beide Richtungen würde ich persönlich nie verurteilen.
Was ich gar nicht mag ist, wenn man sich dann ständig rechtfertigen muss, warum man es so und so macht und nicht wie alle anderen. Warum muss man sich zB ständig rechtfertigen, wenn man für sich selbst ausmacht: Ich brauche keine Kinder. oder: Ehering brauche ich persönlich nicht. Da denke ich mir immer: Kann man nicht mal über den Tellerrand schauen?Weiter denken?
Ich wünsche dir für morgen alles Gute und versuche dir einfach die Sonne und diesen Meeresgeruch ins Gedächtnis zu rufen. Um die negativen Gedanken und Sorgen etwas zu verdrängen...Daumen sind gedrückt!


padernosder (21.3.17 09:31)
Hallo Marie,

ich kämpfte mich durch, obwohl Du kein Freund von "Absätzen" bist. ;-) Den Inhalt kann ich nicht kommentieren, soviel "Schicksal" übersteigt meine Vorstellungskraft.

All das Erlebte bringt Dich jetzt zum Schreiben. Das ist der Punkt, an dem wir hier zusammen treffen. Schreiben nur als "Therapie", oder doch auch als "Lust auf Kunst"?

Ich fand eine "Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach", österreichische Erzählerin, die meinte: "Es schreibt keiner wie Gott, der nicht gelitten hat wie ein Hund!"


eman (21.3.17 12:33)
"Es schreibt keiner wie Gott, der nicht gelitten hat wie ein Hund!"


Oh.Mein.Gott: DAS Stimmt!


Marie / Website (21.3.17 15:21)
Die Freifrauen sind schon gescheite Wesen ;-) Das kannst Du mir glauben....


gebsy / Website (21.3.17 22:08)
Marie, das Herz erleichtert, stellst du uns vor Augen, was der Mensch fähig ist, durchzustehen.


eman (22.3.17 12:32)
Ich muss mich hier doch noch einmal melden - weil ich Deinen Blog auch nochmal "rückwärts" gelesen habe ...wobei mir besonders aufgefallen ist, dass Du ein Kind verloren hast ...und wie.
Ich hatte das wohl "überlesen" - oder wollte ich es überlesen? Weil es mich an meine drei ungeborenen Kinder erinnert, die ich verloren habe ...zu einer anderen Zeit, unter anderen Umständen?
Und weißt Du was, @Marie?
Manchmal ist das Leben einfach nur ein Arschloch.
Manchmal ist einfach NICHTS Gutes in dem Mist, der uns zugemutet wird.
Und wir müssen auch nicht immer "tapfer" sein und alles irgendwie "verarbeiten".
Manchmal widerfahren uns Dinge, die einfach besch ...sind und es auch bleiben.
So.
Habe fertich!

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