The trouble is, you think you have time!

Träume und Ziele

„Wenn der Weg, den Du gehst, schön ist und Dich glücklich macht, dann frag´ nicht, wohin er Dich führt, sondern geh´ ihn und schau´ nicht zurück!"

Ein paar Tage sind nun wieder vergangen. Ein paar Tage, welche für mich in gewisser Weise etwas befreiender waren. Emotionen, die einen manchmal in einer gewissen Situation spontan überkommen, sind zwar nicht immer gut für die Menschen, die es in dem Moment abgekommen, aber sie sind in diesem Moment relativ ehrlich und nicht verschönt. Ich neige ja generell dazu, meine Meinung anderen meistens ziemlich direkt aufzudrücken. Egal, in welche Richtung das auch geht. Entweder man kann damit umgehen oder eben nicht. So ist es aber auch, dass ich sehr gut mit Meinungen anderer zurecht komme und es mir fern liegt „angefressen“ zu sein, wenn´s mal nicht so positiv endet. Also würde ich mich im Allgemeinen als gut kritikfähig einstufen.

Ja, die letzten Tage……waren relativ ok.  Es hat sich doch etwas grundlegendes verändert. Ich habe meine Stelle in der Klinik gekündigt. Und fühle mich etwas merkwürdig, da es ja doch irgendwo zu 80% mein Leben bestimmt hat, mit allen Vor- und Nachteilen. Aber ich fühle mich absolut befreit und irgendwie auch gut. Vielleicht war oder ist es der absolute Wahnsinn, den ich gerade wieder verursache, aber andererseits glaube ich das auch wiederum nicht. Zum neuen Sommersemester werde ich an der Uni eine Dozentenstelle beginnen. Und ich freue mich darauf. Eine neue Herausforderung, völlig anders wie ein Klinikalltag, natürlich viel Theorie, aber dass erachte ich für mich selbst auch für nicht ganz verkehrt, da doch einiges über die Jahre nur noch im „Hinterstübchen“ existiert. Somit ist es sehr gut, nochmal vieles aufzuarbeiten und an „neue“ Mediziner weiterzugeben. Zumal es auch immer gut ist, wenn man einige Jahre praktische Erfahrungen mitbringen kann. Mir ist es besonders wichtig, auch einiges in der Allgemeinmedizin nochmals intensiv aufzuarbeiten. Meine Zukunftspläne liegen ja nicht darin, an der Uni jetzt zu versauern, sondern eben schon als Ärztin praktisch zu arbeiten. Mein großer Traum war immer mich Ärzten ohne Grenzen anzuschließen. War auch schon hier und da mal mit dabei. Aber das ist dann halt so eine festgelegte bestimmte Sache, wo freie Entscheidungen und freies Handeln auch wieder schwierig werden. Spontaneinsätze in akuten Katastrophengebieten gehören da natürlich auch mit dazu. Das Optimum würde ich für mich in einer Art freies Arbeiten sehen. Das ist natürlich nicht ganz so einfach umzusetzen und ist natürlich auch nicht ganz ungefährlich und eine finanzielle Frage, wie man das hinbekommen kann. Viel unterwegs zu sein und eben dort sich einbringen kann, wo es Not tut, wo Defizite sind, und da gibt es sehr viele, wenn man genau hinsieht. Als Frau alleine unterwegs zu sein, ist generell bei bestimmten Bevölkerungsgruppen schwierig und da mangelt es teilweise an der Akzeptanz und Toleranz. Das muss schon recht gut überlegt sein und mal schauen wie es sich evtl. umsetzen lässt. Das wäre jedenfalls ein/mein Ziel, welches ich intensiv verfolgen werde. Aber genau das ist mein Traum oder meine Vorstellung vom „Arzt sein“!!! Verstehen viele nicht, ist aber so. Genau das war es auch, warum ich so viel mit Flüchtlingen und für Flüchtlinge gearbeitet habe. Teilweise ein schwieriges Unterfangen. Eben auch, weil man als Frau teilweise in gewissen Bevölkerungsgruppen keine Akzeptanz findet. Aber genau die, die sich vorher am meisten gewehrt haben, sind mir nun ganz gut gesinnt. ;-)) Also alles eine Frage, des wie und was!! Ich zwinge keinen sich behandeln zu lassen und wenn wirklich Not besteht, werden gewisse Vorurteile gerade gegen Frauen, ganz schnell hinfällig. Klar gibt es noch so einige, die das nicht akzeptieren, aber dann kann ich es nicht ändern. Ich mache das freiwillig und jeder Mensch ist mir in erster Linie wichtig, wenn er meine Hilfe benötigt. Aber dann muss man eben das auch zulassen und eben auch Anweisungen annehmen. Ja, da stößt man schon an Grenzen. Aber ich finde es immer wieder nett, wenn ich mich mit den Frauen aus dem Irak, Sudan oder Afghanistan treffe, Fragen beantworten und erklären kann und eben Tipps zu „weiblichen“ Problemen näher bringen kann. Das sind eben immer Situationen, die nicht nach Schema „F“ verlaufen, sondern individuell verlaufen. Und man muss oft improvisieren. Und genau das ist es , was ich gerne mache. Das bin ich! Das größte Hindernis waren anfangs immer die sprachlichen Barrieren. Dolmetscher sind rar, zumal es so viele verschiedene Abwandlungen der einzelnen Landessprachen gibt. Aber mittlerweile habe ich einen ganz vernünftigen arabischen Grundwortschatz und komme damit ganz gut voran. Hände und Füße sind da auch noch gute Wegbegleiter. Jedes mal, wenn ich die Unterkünfte verlasse, fühle ich mich echt gut. Es hat einfach etwas befreiendes, gutes! Zur Zeit darf ich leider die Unterkünfte nicht besuchen, aufgrund des zu hohen Infektionsrisikos, wegen meiner Erkrankung. Aber ich hoffe das ich das bald wieder machen kann.

Ich weiß, dass ich anders bin. Schon immer irgendwo anders war, aber immer meiner Linie treu geblieben bin. Egal wie viele Steine mir in den Weg gelegt wurden. Und ich glaube, dass genau macht mich aus. Es war mir nie wichtig, großen beruflichen Erfolg anzustreben, irgendwo ins Rampenlicht gestellt zu werden, für eine Sache, die ich nicht verkörpere. Wenn ich einige Kollegen sehe, denen nichts wichtiger ist, als eben die größtmöglichen Erfolge zu erzielen, egal mit welchen Mitteln, dann fehlt mir da das nötige Verständnis. Dieses immer mehr, größer, besser, teurer etc. finde ich eher abstoßend. Klar, ich habe einen guten Lebensstandard. Ohne Zweifel. Aber es ist mir nicht wichtig, immer besseres zu besitzen. Für mich ist weniger meistens mehr. Verstehen viele nicht und bekomme ich auch oft vorgeworfen, dass ich „mehr“ erreichen könnte. Dabei denke ich, habe ich doch schon so einiges erreicht. Und meine Ziele und Träume liegen eben in anderen Werten.

Wenn ich überlege, dass es damals schon ziemlich blöd bei meiner Familie angekommen ist, dass ich ein Medizinstudium angestrebt habe, anstatt das erwünschte Jura-Studium aufzunehmen, bin ich wirklich froh, dass ich meinen Weg gegangen bin. Die Medizin ist genau meine Welt, alles andere wäre wohl eher mein Untergang gewesen. Das Einzige, wo ich mir wirklich habe rein reden lassen, war die Entscheidung des Doktortitels. Ich wollte den ja eigentlich nicht. Arzt ist man auch ohne diesen Titel. Ist eben nur ein Titel. Aber gut, da habe ich dann klein beigegeben und meine Dissertation bis zur erfolgreichen Promotion gemacht.

Gestern war ich mit einigen lieben Freunden auf einem Rosenmontagsumzug. Ich bin gefahren, da ich ja „eigentlich“ eh nichts trinke. Anfangs hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, gerade ob ich mich da zur Zeit schon so zeigen kann, im Bezug auf Hannes. Aber meine Freunde haben mich darin bestärkt mitzugehen. Und ich glaube es war auch richtig. Es war ein schöner Nachmittag und es hätte nichts geändert, wäre ich zu Hause geblieben. Und Hannes hätte es mir sicher auch nicht übel genommen. Er wollte immer, dass es mir gut geht.

 Morgen steht meine nächste Immuntherapie an. Drei Wochen sind schon wieder vergangen. Ich habe ganz schön Muffe, obwohl beim letzten Mal, war es ja, bis auf die Übelkeit, erträglich. Dann hoffe ich jetzt, dass es wieder so wird.

Ich hatte mir schon sehr intensiv überlegt, einfach ein paar Tage weg zu fahren. Wäre sehr gerne mal einige Tage nach Schottland geflogen.  Dort war ich schon öfters mit Hannes, gerade jetzt habe ich das Bedürfnis wieder dort zu sein, um ihm nah zu sein. Aber aufgrund meiner immer noch seltsamen Gerinnungswerte und meines ziemlich schlechten Blutbildes, sollte ich fliegen im Moment vermeiden. Ich werde mich daran halten. Obwohl es mir gerade jetzt sehr schwer fällt.

Der zur Zeit abgebrochene Kontakt zu meiner Familie tut mir unheimlich gut. Wundersamer Weise halten sie sich auch daran. Ich habe zwar das Gefühl, dass es noch nicht das Ende ist, aber momentan ist zumindest mal Funkstille und das ist genau das, was ich brauche.

„Beim Abschied wird uns oft erst klar, wie kostbar jeder Moment doch war….“

28.2.17 16:47

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mausi / Website (28.2.17 17:05)
Huhu Marie,
das klingt nach neuem Lebensmut . Mache weiter so, wie Du denkst.
LG Helga


(28.2.17 18:56)
Ja, du musst unbedingt tun, was du für richtig hälst,
ich drücke dir ganz fest die Daumen.
GLG, Indianwinter


padernosder (28.2.17 19:36)
Hallo Marie,

die Vielschreiberin hat wieder zugeschlagen! ;-)

Eine neue berufliche Aufgabe. Ohne Patienten. Wo Du doch gerne direkt am Mann, an der Frau arbeitest?

Ich denke, da kommt noch was nach. Ein Bruch im beruflichen Lebensweg - ich sehe das positiv, das ist nichts für Feiglinge. ;-) Und die Arbeit mit Menschen, die Dein Wissen brauchen und gierig in sich aufnehmen, daß muß doch Freude machen!


Mathias (28.2.17 19:41)
Ich denke, es war richtig, dass du mit deinen Freunden beim Karneval warst. Du hast Hannes bei der Beerdigung versprochen weiter zu kämpfen. Dazu gehört auch, dir auch mal etwas gutes zu tun. Ich glaube, wenn dein Bruder von da oben schaut, was du so machst, werden seine Daumen sicher nach oben zeigen.
Schade, das dir deine Gesundheit nicht erlaubt nach Schottland zu reisen. Aber irgendwann wirst du wieder dorthin reisen können.


Elisabeth / Website (28.2.17 23:10)
Hallo Marie,
ich wünsch dir alles Gute für morgen, wirst sehen, diesmal geht's besser! Da glaub ich fest dran! Ich halt dir super fest die Daumen!!!!!
Die neue Arbeit an der Uni wird bestimmt spannend, ich glaub, das passt gut zu dir.
Mal wegfahren wär bestimmt eine gute Idee...vielleicht kannst ja mit dem Auto irgendwo hinfahren, wenn das Fliegen nicht klappt momentan.
Alles Liebe und Gute,
Elisabeth


ide02 (1.3.17 07:52)
Der gute alte Unialltag - so richtig weg kommt man nie von ihm, oder? ;-) Ich wünsche dir für deine neue Stelle jedenfalls alles Gute, nette Kollegen, liebe und aufmerksame Studis und interessante Projekte! Vielleicht auch leckeres Essen in der Mensa - aber weiß nicht, ob du mensen gehst. ;-)

Ich finde es allgemein als erstrebenswert, wenn man seinen Weg geht. Ich selbst habe viel das gemacht, was andere von mir erwartet haben. Ohne selbst immer so dahinter zu stehen. Aber komplett ohne Rücktsicht auf Verluste diesen Weg zu beschreiten, ist sicherlich auch nicht so richtig. Gesunder Egoismus tut gut, aber niemals zu viel. Aber so wirkst du auch auf mich, wenn ich dich lese: Du hörst dir auch an, was andere zu sagen haben. Wägst ab, denkst darüber nach, aber entscheidest dann so, wie es dir am besten gut tut. Mach weiter so... :-)


(1.3.17 16:40)
Liebe Marie,
Du bist ja wirklich gross im Pläne-schmieden. Das zeigt wie mutig und zukunftsorientiert du dein Leben in die Hand nimmst, und dass du Freude daran hast.
Hier bei uns im Grossraum von Köln heisst ein karnevalistisches Motto: "Spass an der Freud'".
Von daher war deine Entscheidung, am karnevalistischen Treiben teilzunehmen, eine gute und absolut in deinem Sinne.
Ich wünsche dir, dass die anstehende, weitere Immuntherapie dir gut bekommt und dich deinen Zielen ein Stückchen näher bringt.
LG Maria

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen