The trouble is, you think you have time!

Ein Teil meines Lebens...

-Glücklich sein bedeutet nicht, ein perfektes Leben zu führen. Glücklich sein bedeutet zu wissen, dass das Leben lebenswert ist, trotz aller Schwierigkeiten.-

 Heute möchte ich mal etwas aus meinem Leben berichten, über meine Arbeit, wie sich so alles bei mir entwickelt hat.

Aufgewachsen bin ich mit meinem Zwillingsbruder in sehr behüteten Verhältnissen. Unsere Eltern waren noch sehr jung, als wir geboren wurden. Mein Bruder ist bis heute mein bester Freund und mit einer der wichtigsten Bezugspunkte in meinem Leben. Unsere Eltern trennten sich, als wir 19 waren. Unsere Mutter ist immer etwas extrem getaktet, sie möchte gerne alles geregelt, tut viel für den guten Ruf (jedenfalls ist ihr das wichtig), und ist da immer ganz besorgt. Das ich bis heute nicht verheiratet bin, stört sie sehr…aber daran wird alleine sie wohl eher nichts ändern. Ich bin bestimmt nicht gegen die Ehe, aber generell vertrete ich die Meinung, heiraten muss nicht unbedingt sein und so für mich selbst, denke ich, werde ich das auch nicht mehr tun.

Direkt nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung als medizinische Fachangestellte angefangen und auch erfolgreich abgeschlossen. Anschließend habe ich dann in Marburg Medizin studiert. Mein Studium hat sich etwas in die Länge gezogen, da ich zwischenzeitlich schwanger wurde und meine Tochter geboren wurde. An heiraten habe ich zu dieser Zeit noch nicht gedacht, obwohl wir schon einige Zeit zusammen waren und das zu diesem Zeitpunkt auch bleiben wollten. Nach einer kurzen Pause habe ich dann mein Studium beendet, parallel meinen Doktortitel gemacht und habe eine Assistenzarztstelle angetreten. Nach einiger Zeit habe ich dann meine Facharztausbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe parallel zum Klinikalltag gemacht.

Zwischenzeitlich wurde ich nochmal mit 32 Jahren gewollt schwanger. Wir hatten uns für ein 2. Kind entschieden und wollten dann auch heiraten. Dazu ist es nie gekommen. Manchmal verändern sich Menschen, auch wenn man es nicht nachvollziehen kann, und die Beweggründe, warum sich der Vater meiner Tochter so dermaßen negativ verändert hat,  mir bis heute nicht plausibel sind. Aufgrund dessen habe ich mein 2. Kind im 5. Monat verloren. Und das mit sehr weitreichenden Folgen für mich. Zu einer Hochzeit ist es nie gekommen, dass wäre paradox gewesen. (ganz großes Familiendrama, aber sie wussten es ja nicht besser).Evtl. werde ich das alles nochmal genauer erzählen, im Moment möchte ich das dennoch nicht. Das alles ist ein ziemlich dunkler Punkt in meinem Leben, der mir bis heute noch sehr nachhängt. Vertrauen zu jemanden aufbauen oder jemanden ganz nah an mich ran lassen ist schwierig.

Ja, das alles sind Gründe, warum ich mich besonders für die Gewaltprävention einsetze. Ich glaube wenn man selbst einige Dinge durchgemacht und erfahren hat, kann man sich schon recht gut in ähnliche Thematiken reinversetzen.

Mein beruflicher Schwerpunkt ist die Geburtshilfe, Reproduktionsmedizin, Gewaltprävention und die Mädchensprechstunde. Das mache ich sehr gerne, Aufklärung ist sehr wichtig und da gibt es ziemlich oft große Defizite. Und jede Jugendliche,  die nicht schwanger wird, sehe ich als Erfolg an. Zusätzlich unterrichte ich noch medizinische Fachkunde an der Schwesternschule und unterstütze ehrenamtlich die Flüchtlingsinitiative und unser Obdachlosenheim, was sich so darstellt, dass ich einmal wöchentlich im abwechselnden Wochenrhythmus in die Unterkünfte  hier im Kreis fahre und dort nach den Frauen schaue, die Hilfe benötigen. Und das mache ich ohne Bürokratie, einfach das Menschenmögliche. Und wenn es akut etwas gibt, bin ich immer erreichbar.

Auch mein Tag hat nur 24 Stunden, und mein Tagespensum hört sich wahrscheinlich erstmal ziemlich umfangreich an. Aber alles machbar und umsetzbar. Ich bin kein Mensch, der lange nichts tun kann und wenn ich beschäftigt bin, kann ich weniger nachdenken.

Und dann kommt der Tag, wo bei einem selbst alles zusammen stürzt, dass war  vor zehn Jahren und jetzt vor vier Wochen mit meiner Diagnose. Da sitzt man dann selbst da, hält inne und denkt  „bitte ganz schnell aufwachen“.

Trotzdem bin ich gerade jetzt an einem Punkt, wo ich denke, dass mir doch was fehlt. Das mir jemand fehlt. Aber man kann eben nichts übers Knie zwingen. Was kommt, dass kommt. Und das überhaupt alles erstmal wieder  zu zulassen, jemanden bedingungslos zu vertrauen, dass braucht Zeit und Geduld.

 

10.1.17 13:05

Letzte Einträge: Leben - Veränderungen - Yes, I can!, Träume und Ziele, Mein Weg....., Zweifel, No risk....no fun ^^

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mathias (10.1.17 20:53)
Ich finde es super, was du alles für die Bedürftigen tust. Die Dankbarkeit dieser Menschen ist der größte Lohn, den man bekommen kann.
Ich habe seit Jahren eine Kinderpatenschaft in der 3.Welt. Früher einmal in Ecuador jetzt in Nicaragua.
Mitte der 80er auch mit meinen Geschwistern zusammen in Afrika und Portugal. Zu den Portugiesen haben wir noch heute Kontakt.
Hier gebe ich Obdachlosen etwas Geld oder auch eine Kleinigkeit zu essen.


Marie (11.1.17 07:03)
Man kann so viel tun und fast jeder kann auch seine eigene Weise oder Möglichkeit helfen. Es muss nicht immer materielles sein, auch Kontakte aufbauen, sich mit den Kindern beschäftigen, vorlesen, basteln etc. (Speziell bei den Geflüchteten), es gibt so vieles. Ich finde es total schön, dass Du Dich da ebenfalls so für einsetzt und teilen ist einfach eine gute Sache.


ide02 (11.1.17 16:02)
Dein Eintrag berührt mich. Jeder von uns trägt seine Päckchen mit sich herum. Die dunklen, wie auch hellen Erlebnisse prägen uns - ein Leben lang. Aber ich finde es super, dass du trotz Rückschläge und schlimmen Erfahrungen immer weiter gemacht hast und deinen Weg gehst.Darauf kannst du stolz sein - und nicht nur, dass du anderen Menschen hilfst und für sie da bist. Sondern auch alles, was dich selbst betrifft. Das du deinen Weg gegangen bist und immer wieder auch neue Wege eingeschlagen hast. Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute, Kraft und bleibe dir treu! S

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen