Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

The same procedure as....

"Dinge, die ich als Kind geliebt habe, bleiben im Besitz des Herzens bis ins hohe Alter. Mit das schönste im Leben ist, dass meine Seele nicht aufhört an jenen Orten zu verweilen, wo ich einmal glücklich war."

Die letzten zwei Tage habe ich hauptsächlich in der Praxis meines Hausarztes verbracht. Mittlerweile haben wir die Seiten gewechselt, er besucht nicht mehr mich, sondern ich schaffe es mittlerweile wieder selbst, die Praxis aufzusuchen. Meine Krankenversicherung wird wohl jede Einsparmaßnahme meinerseits begrüßen. Für mich bedeutet das allerdings, Hintern zusammenkneifen, Augen zu und durch.

Die Praxis liegt in der 3. Etage eines Ärztehauses. Nicht weiter schlimm, wenn da nicht meine Abneigung gegen Fahrstühle wäre. Also quäle ich mich seit gestern, drei Stockwerke durch das Treppenhaus nach oben. Ich habe es jeden Morgen geschafft, geschnauft wie eine Dampflok und mit dezenten Schwindelgefühlen, aber ich kam lebend oben an. Immerhin. Und ein wenig Stolz, schwang da ja nun auch mit. Schließlich bin ich vom sterbenden Schwan, am Ende der letzten Woche, zur gerupften kurzatmigen Kampfhenne mutiert.

Beim täglichen anfänglichen Blutdruckmessen, brachte ich es immerhin auf einen weiteren Rekordwert von 95/60 und einer Frequenz von 176 /min. Der etwas besorgt fragende Blick und die hochgezogene Augenbraue meines Arztes, veranlasste mich gleich dazu, in die Offensive zu gehen. „Nein, mir geht’s einigermaßen gut. Solche geschichtsträchtigen Werte verursacht zur Zeit nur meine Mutter oder Ihr Treppenhaus!“ ;-) Er hat mich nicht gelobt, was ich auch nicht erwartet hatte. Aber mir gab es schon ein gutes Gefühl, 1. dem Fahrstuhl entkommen und 2. die drei Etagen, wenn auch schnaufend, selbstständig hochgelaufen zu sein. Da sag´ noch mal einer, kleine Dinge und Erfolge wären nicht wertvoll.

Wenigstens halten sich seit der Transfusion, meine Gerinnungswerte in der Waage und verursachen keine besorgniserregenden Aktionen. Ich hatte bisher nur einmal etwas stärkeres Nasenbluten, ansonsten alles gut. Wenigsten etwas. Für meine mir allezeit an den Fersen haftende Übelkeit, bekam ich in den letzten Tagen Infusionen, dazu noch Vitamine, Mineralstoffe und andere natürlich nur „gute“ Substanzen, die letztendlich schweineteuer sind. Ob sie von Nutzen sind, dass sei mal dahingestellt.

Letztendlich habe ich mich etwas berappelt, es ist lange nicht gut, aber etwas besser. Vieles geht nur im Schneckentempo, aber immerhin. Essen naja! Mein ersehnter Cocos Latte Macchiato bei Mc Donalds, schaffte es leider nicht bis nach Hause. ;-) Na, ich hoffe ich wurde nicht wieder von irgendwelchen Spionen, beim Graben kotzen oberserviert. Aber Telefon ruhig, Türklingel ruhig, dass lässt hoffen.

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Meine Weihnachtsgeschichte beschäftigt mich noch sehr. Ein Krippenspiel bedeutet sehr viel mehr, wie nur die Geschichte dazu zu schreiben. Auch wenn das natürlich mit der wichtigste Grundstein dazu ist. Daher fällt es mir schwer, einfach nur die Geschichte weiterzureichen. Wenn ich ein Krippenspiel plane, ist das normalerweise eine sehr umfangreiche Sache.

Die Geschichte selbst setzt da natürlich schon den Hauptteil. Aber ich habe da immer meine konkreten Vorstellungen. Dazu kommt dann noch die Musik. In dem Fall sind es eben der Chor und die Kinder, welche zusammen, zu Melodien von bekannten Weihnachtsliedern, in angepasster Textform singen. Das macht wirklich richtig Spaß. Es ist auch viel Arbeit und kostet Unmengen an Nerven. Aber es ist toll. Ich meine, „Oh Du fröhliche und es ist ein Ros entsprungen“, kann ja jeder. ;-) Und Kinder können wirklich recht wenig mit den Standardtexten der altdeutschen Weihnachtslieder anfangen. Nur angepasste Texte, welche dann auch noch zur Geschichte passen, sind nicht so ruckzuck umgesetzt. Daher weiß ich nicht, ob ich das wirklich bis zum Samstag schaffe, denn da sollen die Proben beginnen.

Vor zwei Jahren, bei meinem bisher letzten Krippenspiel, hatte ich ein 10 jähriges Mädchen mit einer Trisomie 21 in der Gruppe. Sie traute sich nie einen Text zu sprechen oder eine Rolle zu übernehmen, saß aber immer an meiner Seite. Ich kenne sie schon von Geburt an. Sie ist ein tolles, liebenswertes Mädchen und sie hat eine besondere Gabe, sie kann wunderschön singen. Ich habe mit ihr zusammen ein Lied eingeübt, welches zur gespielten Geschichte passte. Zusammen haben wir das richtig gut hinbekommen. Das war so wahnsinnig schön und sie war so stolz und das mit allem Recht der Welt. Ganz oft besucht sie mich, ein ganz besonderer Mensch. Ich glaube, sie war es, die mich letztendlich vor ein paar Tagen dazu animierte, mich doch an die Weihnachtsgeschichte zu setzen.

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Ja, es gibt eben auch noch eine andere Seite von mir. Weit weg von der Ärztin, erwartungshaltenden Tochter oder was weiß ich nicht alles. Ich hatte immer sehr wenig Zeit und eigentlich passte so ein Projekt gar nicht in meinen Zeitplan, aber diesen kleinen Freiraum habe ich mir dafür immer freigehalten. Als Kind habe ich das alljährliche aufgezwungene Krippenspiel gehasst. Es war lieblos und ohne jegliche kindliche Umsetzung. Genau das habe ich vor ein paar Jahren geändert. Das war erst nicht so einfach und hat seine Zeit gedauert. In kirchlichen Abläufen etwas zu ändern, basiert auf großer Geduld und Hartnäckigkeit. ;-)

Es ist nicht die Pflichterfüllung, ganz sicher nicht. Es sind Menschen, die etwas besonderes sind und die etwas besonderes verdient haben. Ich hoffe das ich es schaffe, das Konzept fertig zu bekommen. Die Durchführung und alles drumherum, muss ich sowieso in die Hände Anderer legen. Das mache ich nicht gerne, da ich meine genauen Vorstellungen dazu habe. Nur bin ich zu oft nicht da und nächste Woche geht’s ja schon wieder nach Heidelberg. The same procedure as ……., nur ohne James. ;-)

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28.11.17 22:38

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bisher 10 Kommentar(e)     TrackBack-URL


padernosder (29.11.17 02:23)
Hallo Marie,

wenn ich lese, wie und was Du schreibst, denke ich an die große, alles überragende Bedeutung von Weihnachten - für Kinder. Es ist schon sehr lange her, aber für mein kindliches Dasein waren die Weihnachtstage immer der Höhepunkt des ganzen Jahres, da ging nichts drüber, auch kein Geburtstag.

Im Kindergarten bekam ich einmal ein "Weihnachtsplätzchen" geschenkt, es steckte in einer Streichholzschachtel. Ich weiß nicht mehr, wie es geschmeckt hat, aber ich erinnere mich noch heute an die tolle blaue Farbe der Schachtel.

So kann ich mir gut vorstellen, daß das eine oder andere Kind gespannt und freudig erregt auf das Singen, auf die feierliche Stimmung und auf die Krippengeschichte warten wird. Und was gibt es im Leben Schöneres, als in die großen, staunenden, glücklichen Augen eines Kindes zu blicken?

Ich hoffe, Du findest einen Weg, Deine Vorstellungen von fremder Hand "umsetzen" zu lassen, das wird nicht nur den Kindern, sondern auch Dir gefallen. ;-) Und weiterhin auch gutes Gelingen beim Treppensteigen.




Helga / Website (29.11.17 08:09)
Moin liebe Msrie,
ich freue mich über Deinen Kampfgeist . 3 Etagen Treppen würden mir aber auch schwer fallen . Krippenspiele gab es in meiner Kindheit hier nicht, ist eben der etwas sture Norden . Nun hoffe ich, daß es noch weiter aufwärts geht.
GLG Helga


pagina (29.11.17 11:33)
Liebe Marie, falls Du meine zwei Kommentare zu Deinem Weihnachts-Aktivismus als "Angriff" verstanden hast: Weit gefehlt.
Ich habe Dich und Deinen Wunsch, den Du noch Anfang des Monats in Deinem Blog geäußert hast, nur ernst genommen Zit.: "Ich habe ja gerade an vieles gedacht, aber sicherlich nicht an das Krippenspiel. Eigentlich wollte ich dieses Jahr der Kirche auch an Weihnachten fernbleiben. Und eigentlich wollte ich Weihnachten gerne woanders sein, irgendwie weit weg, Hauptsache nicht hier..."
Es steht mir nicht zu, Entscheidungen, die Menschen für ihr Leben treffen, oder Handlungen zu bewerten.
Anfang des Monats schreibst Du, Zit.:"Ich habe ja gerade an vieles gedacht, aber sicherlich nicht an das Krippenspiel. Eigentlich wollte ich dieses Jahr der Kirche auch an Weihnachten fernbleiben. Und eigentlich wollte ich Weihnachten gerne woanders sein, irgendwie weit weg, Hauptsache nicht hier..."
Und dann tust Du genau das, was Du NICHT tun wolltest - für die, die Dir doch trotz Deiner Erkrankung so viel "zumuten".
"Es ist nicht die Pflichterfüllung, ganz sicher nicht" schreibst Du heute, Du tust es für "die Kinder" ...
Das IST Pflichterfüllung.
In jedem Fall (Für den Pfarrer, für die Mutter, für die Kinder ...) sicher ehrenvoll, altruistisch, aufopfernd ...und an sich nichts Schlechtes.
Ich frage nur: Und was tut Marie an Weihnachten für SICH SELBST?











pagina (29.11.17 11:36)
Uuuups: Ein Zitat wurde verdoppelt, sorry ...irgendwann kriege ich meine Kommis auch mal einwandfrei hin *hüstel*


Marie (29.11.17 13:14)
Hallo Pagina,

Natürlich nervt mich das weiterhin, wenn immer nur erwartet und gefordert wird. Ich kenne das allerdings auch nicht anders.
Ich vertrete weiterhin meinen Standpunkt, dass ich Weihnachten nicht zum Gottesdienst gehen werde und somit "fernbleibe". Das wird in 1. Linie wohl daran hängen, dass ich ein paar Tage vorher meine 3. Chemo intus habe, andererseits, ist mir auch wenig nach Kirche.

Ich wollte diese Geschichte nicht übernehmen, gerade weil es unbedingt, gerade von meiner Mutter, gefordert wurde. Allerdings hängt da auch sehr viel Herzblut dran. Letztes Jahr ist es schon nach traditioneller Art verlaufen, da ich auch da schon krankheitsbedingt ausgefallen war. Und keinem hat es wirklich gefallen, wenn ein paar Jahre vorher, es anders, einfach schöner, wärmer und herzlicher war.
Ich springe in vielen Dingen, sehr oft über meinen Schatten und bin da auch absolut inkonsequent. Wohl einer meiner größten Fehler.
Nur, ich habe das in der Tat für die Kinder, die es betrifft geschrieben und noch liegt es hier bei mir. Auch wenn es erwartet und eingefordert wird, ist das ein winziger Teil, der mir wirklich Spaß macht. Der ein bisschen das andere "Ich" ist und zeigt. Genau das weiß auch meine Mutter, dass mir das viel bedeutet und das ich in vielen Dingen leider auch Perfektionistin bin. Das sind Knöpfe bei mir, die meistens funktionieren. Leider. Ich hoffe das ich das irgendwann mal besser hinbekomme und mich abgrenzen kann. Aber vieles ist mir nicht egal, auch wenn ich das im ersten Zorn auf meine Mutter, ihr erst mal an den Kopf knalle.

Das ich eigentlich alles lassen müsste oder sollte, weiß ich. Aber ich kann nicht alles hinwerfen von heute auf morgen. Dazu habe ich zu viele Jahre funktioniert.

Ich verstehe Dich und ich weiß, wie blöd das alles klingen muss. Tut mir leid.


Marie (29.11.17 15:47)
Und ich sehe das keineswegs als Angriff. ;-)


(29.11.17 17:31)
merry-n
Liebe Marie,
ich finde es unglaublich stark, dass du trotz aller Sorgen und Einschränkungen deinen (wie wir in Bayern sagen) "Galgenhumor " nicht verloren hast.
Dass du dich nicht hängen lässt und sogar noch für andere etwas erschaffst, was ihnen viel Freude machen wird, das finde ich einfach großartig!
Ich wünsche dir, dass die Energie, die du da hineingesteckt hast, vervielfacht zu dir zurück kommt. Was wäre die Welt, ohne uns Idealisten?
Liebe Grüße


mausfreddy (29.11.17 20:30)
Hallo!
Ich denke, wenn du das Krippenspiel nicht schreiben wolltes, hättest du es nicht getan. Es ist so schön geworden, dass man den Spaß daran spürt. LG mausfreddy


Anja Herbig / Website (29.11.17 21:13)
Hallo Marie,
also bei so ein Stück, würde ich sogar Weihnachten dies Jahr weniger ausfallen lassen und würde dort hin fahren wo deine Weihnachtsgeschichte aufgeführt würde.
OK; ich glaube mein AUTO würde es kaum bringen. Daher lass ich dies Jahr bei mir weniger Weihnachten erklingen (-;!
Ehrlich, ich bleib schön zu Hause und vielleicht spiel ich mir ein Lied auf meine Orgel.
Wünsche dir eine schöne ZEIT und lass es dir so gut gehen, wie es geht.
Herzliche Grüße
ANJA


pagina (30.11.17 14:51)
Liebe Marie - ich finde es menschlich und weiß, dass wir alle mal inkosequent, sprunghaft ... was auch immer sind - und solange uns das bewusst ist: Gut. Falls wir jedoch auf "Autopilot" re-agieren, weil (Mutti, Pfarrer ...etc.) so toll unsere "Knöppe" drücken: Nicht so gut für uns - toll für die Anderen ...!
Die Hauptsache ist: Dir hat es wirklich Freude gemacht.

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