Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

"Denn man weiß ja nie!"

                    

"Mut ist nicht immer ein lautes Gebrüll, manchmal ist es auch eine leise Stimme am Ende des Tages die spricht: Morgen versuche ich es wieder!"

23. November 2017

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Ich fühle mich kraftlos und die Schmerzen haben deutlich zugenommen. Trotzdem möchte ich nicht dauerhaft starke Schmerzmittel nehmen und für Morphium fühle ich mich noch nicht bereit. Morphium hat ein gewisses Stigmata und für mich selbst möchte ich mich noch nicht darauf einlassen. Es heißt eigentlich nichts, aber irgendwo auch wiederrum alles.

Die Übelkeit ist richtig fies. Es gibt gute Momente, manchmal bis zu 2-3 Stunden und dann wieder übergebe ich mich im 5-Minuten-Takt. Frank war gestern und heute oft bei mir, dabei wäre ich auch ganz gerne mal alleine. Mein Hausarzt sitzt jetzt auch konsequent mit im Boot und besucht mich einmal am Tag. Meine Krankenversicherung wird sich vor Freude nicht mehr einkriegen. ;-)

Diese Hausbesuche sind sicherlich gerade ganz sinnvoll, meine Blutwerte müssen im zweitägigen Rhythmus kontrolliert werden, damit mein Immunsystem und meine Gerinnungswerte nicht vollends wieder abstürzen. Dazu hängt er mir einmal am Tag eine Infusion an, damit ich nicht komplett dehydriere. Abstöpseln schaffe ich dann noch selbst. Aber Krankenpfleger Frank ist ja immer parat und hat mir schon mehr wie einmal erste Hilfe geleistet, wenn ich mich mal wieder stärker gefühlt hatte, als ich es wohl tatsächlich war. Immer diese Selbstüberschätzung.

Meine Haare gehen mir schon arg aus. Es war zu erwarten, aber so schnell? Gleich nach der ersten Chemo?

Heute stand, nein eigentlich saß ich wohl eher, vor meinem Spiegel und dachte das erste Mal: „So sieht also jemand aus, der Krebs hat!“ Ich habe das bisher noch nie über mich selbst gedacht und immer versucht meine eigene Normalität zu erhalten und bewahren. Das ist gerade komplett weg. Die neue Chemo fordert ihren Preis, da wächst wohl so schnell kein Gras mehr. Sie soll gegen Krebs helfen, gegen die dummen unermüdlichen Metastasen, die es sich so wunderbar gemütlich in meiner Lunge und den Lymphknoten gemacht haben.

Wenn es noch mehr befallende Lymphknoten geben sollte, die Wahrscheinlichkeit liegt ziemlich hoch (ich erspare mir die Prozentangabe ;-), denn das ist weiterhin Hokuspokus), wird die Zeit knapp, denn dann könnte es überall losgehen. Daher ist diese Chemo wohl pures Rattengift und so fühle ich mich auch.

Bei Rattengift z. B. versagt auch die Blutgerinnung, nur mal so hypothetisch überdacht. ;-)

Der Tod selbst ist wohl im Gegensatz zu den ganzen Nebenwirkungen ein Spaziergang. Ich hoffe, dass es nun jeden Tag ein wenig besser wird, der nächste Chemotermin ist schon bald. Zwei Wochen Abstand sind hart, aber leider nötig.

Auch wenn mir jeder einreden möchte, „Du schaffst das“, „alles wird gut“, glaube ich nicht mehr fest daran. Ich versuche alles zu tun, was möglich ist, aber tief in meinem Inneren bin ich unsicher und ich habe eine wahnsinnige Angst, dass ich verliere. Der Krebs ist mehr geworden, nicht weniger. Das ist nun mal eine nicht von der Hand zu weisende Tatsache. Die Metastasen sind noch da, da hat sich nicht viel getan. Viele Lymphknoten sind befallen, meine noch vorhandene Niere arbeitet, aber so ganz glücklich sind meine Ärzte auch nicht damit. Ja, aber es wäre halt ein bisschen Scheiße so ganz ohne Niere.

Was soll ich tun? Ich weiß es nicht, ich weiß es absolut nicht. Es hat sich in Heidelberg auch keiner ganz so weit aus dem Fenster gelehnt, klar wollen die gerne „meine Helden“ sein, aber letztendlich gab es keine Prognose. Was natürlich auch kein wirklich guter Arzt macht.

Vielleicht sollte ich mich doch langsam mit Gott und seinem Sohn wieder vertragen. "Denn, man weiß ja nie!" ;-)

23.11.17 21:37

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bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Anja Herbig / Website (23.11.17 21:46)
In tiefer VERBUNDENheit, macht SICH sicher auch ein ENGEL bei dir breit!!!
Bussi
Herzliche Grüße
ANJA


Twity-Autor / Website (23.11.17 22:21)
Ich umärmele dich mal ganz doll... :-) :-)


padernosder (23.11.17 23:04)
Hallo Marie,

ich hoffe für Dich, daß es Dir jetzt "stündlich" besser geht, dann sieht auch das Gesamtbild wieder erträglicher aus.

Medizinisch wirst Du offenbar jetzt bestens betreut, insofern mußt Du Dich zumindest über Fehler Deiner Ärzte nicht mehr "totärgern". ;-) Es ist vielleicht eine "eigenwillige" Reaktion von mir, aber wenn ich von Deiner Not lese, neige ich dazu, mir etwas Gutes "antun" zu wollen. Ich will noch guten Gewissens ein paar Flaschen Sekt trinken, bevor man mich "zur Therapie ruft". ;-)


Helga / Website (24.11.17 08:18)
Moin Marie,
bitte halte durch - ist logisch, daß jetzt erstmal ganz tief im Keller sitzt. Manchmal geht es trotzdem aufwärts. Verscheuche die fiesen Gedanken und denke an Deine Freunde, die so selbstlos zu Dir halten.
TrösteKnuddel
Helga


(24.11.17 12:34)
Liebe Marie - es gibt noch etwas anderes, ebenso heilsames wie "durchhalten", "aushalten" und "kämpfen" auf körperlicher Ebene: Entspannte Geistreisen. Falls Du noch nie meditiert hast, kannst Du mit "geführten Meditationen" anfangen, Deinen inneren Freund, Heiler, heilsame Orte ... aufsuchen (im Internet gibt`s jede Form von gesprochenen, geführten Anleitungen mit Musik auf CD). Such` Dir aus, was zu Dir passt und Dir intuitiv gut tut. Es funktioniert, versprochen!


pagina (24.11.17 12:36)
Huch - ich hatte den Namen vergessen, das Vorherige ist ein Gruß von mir


lifeminder (24.11.17 20:23)
Hallo, Marie!

Ich wünsche dir sehr, das es dir wirklich jeden Tag ein Stück besser geht und du dich besser fühlst.
Ich mag es sehr, das deine Blogs so voller Leben sind.

Liebe Grüße
lifeminder

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