Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Ich kann - Chemo 1/12

Heidelberg 20. - 21. November 2017

Chemo 1/12 

So wie schon in meinem letzten Eintrag angedeutet, ging es dann am Montag Abend sehr ausgeprägt mit der Übelkeit weiter. Ich habe es erwartet und war mir auch darüber bewusst. Auch im Aufklärungsgespräch vorher wurde mir gesagt, dass es wohl nicht wegbleiben würde.

Vielleicht sollte ich noch genau erklären, was da nun genau im nächsten halben Jahr alle zwei Wochen in mich hineintröpfelt.

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Chemotherapie-Krebsmittel-Zytostatika

Als Zytostatika (Zytos = Zelle; statikos = hemmen) bezeichnet man die bei der Chemotherapie angewendeten Medikamente. Es gibt sehr viele Zytostatika, die auf unterschiedliche Weise entartete Zellen angreifen. Je nach Art ihrer Zusammensetzung bzw. nach ihrem Wirkmechanismus unterscheidet man verschiedene Gruppen. Man benötigt viele unterschiedliche Medikamente, da die verschiedenen Krebserkrankungen nicht auf alle Stoffe gleich ansprechen, z. B. kann ein Medikament , dass sehr gut bei Leukämien wirkt, bei einer Erkrankung wie z. B. Lungenkrebs nur sehr selten Erfolge erzielen. Allerdings wirken die vielen Zytostatika durchaus bei verschiedenen Krebserkrankungen, allerdings eben längst nicht bei allen. Es ist also wichtig, für die Behandlung der Krebserkrankung, die am besten geeigneten Medikamente zu finden.

Eine Chemotherapie kann in der Anwendung eines einzelnen Zytostatikums bestehen. Meistens werden allerdings mehrere Zytostatika miteinander kombiniert, man nennt dies eine Kombinations-Chemotherapie. Die Gabe verschiedener Stoffe mit unterschiedlichem Wirkungsansatz kann oft bessere Erfolge erzielen als ein einzelnes Medikament. Die Kombination verschiedener Medikamente kann verhindern, dass die entarteten Zellen während der Behandlung nicht mehr auf ein bestimmtes Zytostatikum ansprechen, "resistent" werden.

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Somit wurde nun in einem sehr aufwändigen Procedere, unter Einbezug des Cancer Centers in Housten/USA, eine passende Chemotherapie für mich zusammengestellt. Meine Befunde und mein gesamter Krankheitsverlauf befinden sich unter anderem dort. Auch wurden Proben von meinen Lymphknoten dorthin geschickt. Schon ein merkwürdiges Gefühl, dass Teile von mir durch die Welt schwirren.

Die Problematik besteht letztendlich darin, dass durch die vorangegangen Therapien, schon einiges versaubeutelt wurde. Zellen können sich viel merken. Tumorzellen sind hinterlistig, fies und haben ein gutes Gedächtnis. Es könnten sich bereits gewisse Resistenzen gebildet haben. Diese Gefahr ist sehr hoch und es wird sich erst in einigen Wochen zeigen, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Schön wäre es, wenn meine Krebszellen natürlich eiskalt erwischt werden würden. Ich hoffe es!

Gestern morgen sollte dann eigentlich schon parallel mit der Bestrahlung begonnen werden. Diese Kombination wird nicht oft gewählt, da die Belastung sehr hoch ist, aber mir fehlt der gewisse Zeitrahmen, um mich beruhigt zurücklehnen zu können mit dem Hintergedanken, „mache ich später“.

Dennoch wurde die Bestrahlung erstmal aufgeschoben, bis klar ist, ob die Chemo ihre Wirkung erfüllt. Durch meine doch nicht unerheblichen Nebenwirkungen, wollten sie mir eine momentane weitere Belastung ersparen. So lange das gerechtfertigt und vertretbar ist, denke ich ist es in Ordnung. Ich fange an wieder zu vertrauen, was nicht sehr einfach für mich ist. Andererseits habe ich auch keine andere Möglichkeit mehr.

Hier wird nun scharfes Geschütz aufgefahren. Eine Chemo, welche von der Medikationszusammensetzung ein ziemlicher Brocken ist. Es wird Zeit mich nun von meinen Haaren zu verabschieden. Nicht wichtig für die Menschheit, aber ein großer Schritt für mich. Aber ich werde das hinbekommen. Spätestens nach der nächsten Chemo werde ich meine Haare komplett abschneiden lassen. Ich bin nicht der Kopftuchtyp, aber ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen. Wenn meine Haare allerdings in den nächsten Tagen schon erheblich ausgehen sollten, dann gehe ich diesen Schritt früher.

Die Übelkeit und das Erbrechen begleitet mich weiterhin. Das lässt sich leider nicht abstellen. Es geht mal ein paar Stunden besser, aber dann geht es wieder sehr extrem los. Es ist anstrengend und raubt mir viel Kraft.

Gestern Nachmittag durfte ich dann nach Hause. Der Heimweg gestaltete sich etwas langwierig, da wir öfters pausieren mussten. ;-) Aber irgendwann hatten wir es  dann doch geschafft. Danke Frank für Deinen unermüdlichen Einsatz und beim Festhalten. ;-) Sonst wäre ich wohl kopfüber in den Straßengraben geplumpst.

Nun zu Hause, fühle ich mich schon etwas wohler, da ich einfach zu Hause bin. Die nächsten Tage werden sicher nicht toll, aber ich werde es überstehen und zwei Wochen sind leider viel zu schnell vorbei.

Im Laufe des gestrigen Vormittags gab es noch eine weitere „Sitzung“ mit meinem Psychoheini. ;-) Aber dazu dann in den nächsten Tagen mehr.   

22.11.17 10:42

Letzte Einträge: Menschen......Seele, Mäuse-Luftwaffe und so ;-), Frühling vs. Herbst und der verwunschene Prinz ;-), Im Auge des Hurricans

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Helga / Website (22.11.17 10:59)
Moin Marie,
jedenfalls hast noch Galgenhumor ! Die neue Chemo ist schon ein schwerer Brocken - dagegen war mein Mitoxantrom eine Kleinigkeit. Allerdings ging es mir mit der Übelkeit genau wie Dir und begleitet mich bei bestimmten Speisen auch heute noch. Nur gut, daß den Frank hast - der hilft Dir ganz uneigennützig.
GLG Helga


(22.11.17 11:10)
Liebe Marie, als mich vor Jahren meine krebskranke Freundin morgens früh in Panik anrief, als die ersten Haare büschelweise auf dem Kopfkissen lagen, sind wir gemeinsam los, zum Friseur - und danach haben wir jede Menge Perücken probiert ... um Maras Krebs den Stinkefinger zu zeigen: Hey, Arschloch, wir suchen jetzt nach dem passendsten, würdevollsten, ansprechendsten, modernsten Outfit für Maras "Chemo-Zeit" ...


padernosder (22.11.17 14:25)
Hallo Marie,

nachdem ich nicht mit Krebs-Erfahrungen dienen kann, strenge ich meine Phantasie an, und komme auf die Idee, Du könntest aus Deiner Not etwas Schönes, oder zumindest Nützliches machen...

Vorausgesetzt, Du hast keine Haare mehr, würde sich Deine Verwandtschaft sicher köstlich amüsieren ;-), wenn Du beim nächsten offiziellen Anlaß Deine Perücke vom Kopf ziehst und einen schön tätowierten, blanken Schädel zeigst.

Vielleicht so ein Fledermaus-Motiv, paßt sicher gut zu einer Weihnachts-Krippe. Nun sage nicht, ich würde "spinnen"! Es wäre nur die Fortsetzung dessen, was Du als Kind schon am Liebsten getan hast.




Twity-Autor / Website (22.11.17 16:09)
Hallöchen Marie,

ohne Vertrauen in die Ärzte, wäre alles sicherlich sinnlos. Es ist schön zu lesen, dass du den Ärzten in Heidelberg dein Vertrauen schenkst. Nachdem was du bisher geschrieben hast, bist du bei ihnen in den besten Händen. Ich hoffe und wünsche dir sehr, dass die Chemo positiv anschlägt. :-)


pally (22.11.17 17:34)
Hallo Marie, es wird wohl eine sehr anstrengende Zeit für Dich werden, aber die Aussicht auf Erfolg wirkt sich bestimmt positiv aus. Ich wünsche es Dir von ganzem Herzen. LG pally


(23.11.17 07:10)
merry-n
Schön, dass du uns weiterhin auf dem Laufenden hältst! Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Behandlung. Da fällt mir der schöne Satz von Leonhard Cohen ein:" There's a crack in everything that's where the light comes in."


Elisabeth (23.11.17 09:07)
Hi Marie,
freut mich, dass Du jetzt mit der Chemo startest...wird zwar sicher wieder ziemlich heftig, aber andererseits ist's auch wieder eine neue Chance! Diesmal wird's bestimmt klappen, da bin ich sicher, irgendwann muss dein Sch...-Krebs ja aufgeben! Ich halt dir super fest die Daumen! Dein Arzt scheint ja auch ein ziemlich witziger und ungewöhnlicher Typ zu sein. Würd vom Humor her jedenfalls gut zu dir passen. Also überleg dir das mit dem Antrag nochmal :-)
Und keine Angst vor der Glatze! Wirst sehen, das ist alles halb so schlimm. Mir haben ganz viele Freunde gesagt, wie gut das ausschaut und ich fands dann selber irgendwie cool...mal was anderes, oder? Außerdem muss man ja nicht die komischen Kopftücher und Chemo-Turbans tragen, jetzt ist ja eh schon Mützen-Zeit. Wirst sehen, da liegst du voll im Trend :-) Ich hab immer nur Mützen oder Hüte getragen, da gibt's echt schöne Teile, ich hab eine richtige Sammlung daheim. Die dünnen Mützen gehen auch drinnen sehr gut und man merkt dann gar nicht, dass du keine Haare hast. Allerdings schätz ich dich eher so ein, dass du dich eh gern mit Glatze zeigst...das wird deiner Mutter und der Restfamilie sicher gut gefallen ;-) Die Idee mit der Fledermaustätowierung find ich super :-D...könntest allerdings riskieren, enterbt zu werden.
Alles Liebe, ich denk an dich und drück dir alle Daumen! Elisabeth

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