Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

365 Tage

365 Tage krank

365 Tage Erfahrungen

365 Tage durchzogen mit viel Frust, Niederlagen und Rückschlägen

365 Tage Hoffnung

365 Tage Angst

………………………………………………

ABER

Es gab auch schöne Momente, neue Menschen in meinem Leben und die Erkenntnis, dass sich etwas ändern musste und das auch weiterhin muss.

 


Ich kann heute nicht sagen, es liegt nun hinter mir, nein, leider liegt noch ganz viel vor mir. Aber eigentlich könnte ich ja definitiv sagen: „Hurra, ich lebe noch!“ ;-) Ja, ich weiß, ein wenig makaber,  aber ich kann durchaus sagen, dass ich noch lebe ist nicht unbedingt ein Wunder, aber zum Teil doch schon hier und da mit einer Portion Glück verbunden. Mit einer Erkrankung klar zu kommen, die 1. statistisch gar nicht auf mein Alter passt und dazu noch eine Krebsart, die prognostisch ziemlich schwierig ist, da irgendwie keiner so wirklich einen Plan hat, macht es mir nicht einfacher.

Erschwerend ist dann immer noch mein eigener Beruf. Mediziner zu therapieren oder zu behandeln, ist und bleibt eine Herausforderung. Das weiß ich alles. Auch wenn mir die Onkologie nicht ganz so vertraut ist, da mein Fachgebiet eben woanders liegt, kenne ich ja nun doch einiges. Und das was ich selbst noch nicht kannte, habe ich nun als Patientin quasi live getestet. Naja, da bekommt die Theorie „learning by doing“ gleich eine ganz andere Bedeutung.

Wenn ich die letzten Monate reflektiere, ist es nicht so, dass ich sagen könnte, es hat sich gelohnt diese ganzen Operationen und Nebenwirkungen mit den erforderlichen Maßnahmen auszuhalten. Letztendlich stehe ich weiterhin am Anfang.

Und die Verbindung zu dem Leitsatz „der Anfang vom Ende“ trifft es wohl einfach gerade sehr genau. Es gibt nur noch zwei Möglichkeiten, entweder ist es der Anfang vom Ende von diesem ganzen Desaster oder es ist eben der Anfang vom wirklichen Ende. Fifty fifty sozusagen.

Das macht es mir gerade nicht unbedingt leichter oder irgendwas besser. Es entschärft auch nicht die Tragik des Ganzen im Allgemeinen. Es ist und bleibt doof und ungewiss.

„Die wahren Optimisten sind nicht überzeugt, dass alles gut gehen wird, aber sie sind überzeugt, dass nicht alles schief gehen kann!“ (Friedrich Schiller)

Ich habe so viel ausgehalten, mal mehr, mal weniger gut, dann noch der Tod von meinem Bruder. Der Stress mit meiner Schwägerin, die Sorge um die Kinder meines Bruders, dann diese endlosen Auseinandersetzungen mit meiner Familie. Gut die gab es eigentlich schon seit ich denken kann, aber im Laufe des letzten Jahres, hat es mich deutlich mehr belastet, gestört, genervt und was weiß ich nicht noch alles.

Ja, wo stehe ich heute? Die ehrliche Antwort wäre wohl: “keine Ahnung“. Im Therapiebereich dieser Krebserkrankung stehe ich absolut am Anfang, also: „gehen Sie nicht über Los und ziehen Sie nicht 4000 Euro ein!“ ;-) Also gehe ich lieber ins Gefängnis und warte auf einen Glücktreffer im Bezug auf die Chemotherapie und hoffe das ich mein Leben weiterleben kann. In welcher Hand liegt also mein Glück, mein Wille, meine Hoffnung oder die Chance auf ein "irgendwann" in diesem Leben?

Das wird kaum irgendein Gott sein oder Jesus, der dem Gott gut zuredet, dass die da unten (also ich) evtl. doch noch eine Chance verdienen würde. Und das trotz Mittelfinger und Ungehorsam ihrer Familie gegenüber. ;-) Nein, es wird wohl eher wie beim russischen Roulette sein, entweder die Chemo trifft den Tumoren mitten ins Herz oder es ist weiterhin sinnlos.

Zusätzlich kommt nun noch unterstützend Bestrahlung dazu. Im Endeffekt eine wahnsinnige Belastung. Mir ist nicht sehr wohl bei dem Gedanken, zumal ich seit einigen Wochen massiv mit Herzrhythmusstörungen zu kämpfen habe. Das hat ja jeder mal, aber es ist schon recht ausgeprägt und stolpert relativ oft und sehr unangenehm so vor sich rum. Auch das eine Nebenwirkung der Vorgängertherapien.

„Wie stark Du bist, erfährst Du erst dann, wenn stark sein die einzige Option ist, die Du hast!“

Ich könnte daraus schlussfolgern, wenn der Krebs besiegt sein sollte, ist alles andere schrottreif.  Und es ist schon sehr massiv, wie z. B. eine Chemotherapie in den menschlichen Organismus und die normalen Funktionsabläufe eingreift und sie durcheinander würfelt. Na hoffentlich gibt es dann anschließend ein „Reset“ und alles startet wieder wie es sollte. ;-) Vorausgesetzt die Nebenwirkungen bringen mich nicht vorher zur Strecke.

Es ist einfach schwierig, nochmals, nach diesen ganzen Monaten, den Mut, die Hoffnung und den nötigen Glauben aufbringen zu können und sich selbst einzureden „ja, ich schaffe das!“ Es fällt mir schwer und die letzten Wochen, ohne Therapie oder ähnlichen Dingen, haben mir schon deutlich besser gefallen. Da war viel Normalität, viel Leben auf der einen Seite, auf der anderen Seite habe ich natürlich schon gemerkt, dass ich eben nicht gesund bin. Ganz oft habe ich mir einfach überlegt, muss ich denn nun unbedingt diese Treppe hoch oder vielleicht doch nicht. So 15 Stufen können schon ganz gewaltig anstrengend sein und zur Herausforderung mutieren.

Aber es gab so viele schöne Tage in den letzten Wochen. Ich war viel unterwegs, ob das gut oder schlecht war, darüber lässt sich streiten. Es ist mir schon klar, dass das keine normalen „Urlaube“ waren, sondern ganz viel mit Verdrängung zu tun hatte.

Morgen fahre ich nach Heidelberg, am Dienstag werden die noch auffälligen weiteren 4 Lymphknoten entfernt. Dann heißt es wieder ein paar Tage warten, bis die Ergebnisse da sind. Anschließend startet dann die Chemo und die Bestrahlung. Im Moment sind 12 Chemos angesetzt im zweiwöchigen Abstand, parallel dann noch die Bestrahlungen. Ja, ich habe Angst, unbeschreibliche Angst und meine Motivation tendiert gegen null.

So, in der Kürze liegt heute mal die Würze und somit schließe ich diesen Eintrag.


12.11.17 17:37

Letzte Einträge: Menschen......Seele, Mäuse-Luftwaffe und so ;-), Frühling vs. Herbst und der verwunschene Prinz ;-)

bisher 13 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Helga / Website (12.11.17 18:04)
Liebe Marie,
nun hast wieder Dein Innerstes nach Aussen gedreht und ich gestehe, ich leide mit. So viel Chemotherapien in kurzem Abstand täten mir auch Angst einjagen und dann noch die Bestrahlungen dazu - ich weiß nicht, ob ich das durchstehen würde. Mein Mitoxantron kam ja auch aus der Krebsforschung, aber ich hatte dann anfangs 4 Wochen dazwischen und später 3 Monate. Nur da war mein Magen schom hinüber und auch heute nach vielen Jahren ohne das blaue Gift laboriere ich damit noch rum. Ich kann nur Daumen drücken, daß diese Torturen überstehst und vielleicht ein wenig helfen. Hast eine verdammt schwere Zeit vor Dir, da ist es gut, daß vorher mal etwas Schöneres gemacht hast.
GLG Helga


mausfreddy (12.11.17 18:18)
Hallo Marie!
Ich kann gut verstehen das du Angst hast. Die hätte ich auch.
Ich bewundere dich trotzdem, was du alles schon hinter dir hast.
Ich hätte wohl längst aufgegeben. Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen und denke bestimmt sehr oft an dich. Es ist ein schwerer Weg der noch vor dir liegt und du wohl selbst mehr darüber weißt als einer von uns Laien.
Ich danke dir für deinen lieben Eintrag in meinem Blog. Du kennst die Geschichte von der Maus Frederic?
Heute konnte ich mal wirklich Frederic nachspielen.
LG mausfreddy


padernosder (12.11.17 18:36)
Hallo Marie,

es ist oft ein wenig schwierig, den Ansatz zu finden, um Dir etwas zu sagen, was Du zumindest gerne liest. Mit "Angst" kenne ich mich nicht aus und krank war ich auch selten.

Deshalb möchte ich Dir lieber etwas geben, was Du nicht hast, aber brauchen kannst. Vielleicht ist es das "Zuhören". Das "Gut-Zuhören-Können" ist ja wohl dann erreicht, wenn ich das Gehörte/Gelesene richtig verstehen kann. Aber da wird es schon wieder schwierig. ;-)

So bleibt das "Dasein" und "Zuhören" - und das "Widersprechen". ;-) Der Spruch: "Wie stark Du bist..." usw. ist z.B. Unsinn, denn es gibt immer eine zweite Option. Immanuel Kant sagte, uns Menschen unterscheidet von den Tieren, daß wir immer "ja" oder "nein" sagen können. Aber was würde in Deinem Fall bedeuten, nicht stark sein zu wollen? Das will niemand wirklich wissen und relativiert somit das Ganze wieder.

Allerdings: Eine "Fifty-fifty-Chance" ist eigentlich gar nicht so schlecht. Dann wäre es aber nötig, wirklich alles zu tun, damit die "bessere Hälfte" noch ein paar Prozent hinzubekommt. Wenn Du überzeugt bist, daß die Waage ausgeglichen ist, dann kannst Du Deine Angst bekämpfen, indem Du alles tust, was für Deine Gesundung förderlich ist, denn dann bist Du dem Leben näher als dem Tod.

Das ist eine einfache Rechnung. Da brauche ich keinen "Schiller" und keine "Philosophen". ;-)


Pascale / Website (12.11.17 20:54)
Viel Erfolg in Heidelberg und liebe Grüße!


lifeminder / Website (12.11.17 21:09)
Hallo, Liebe merry-n!

Leider hab ich erst vor wenigen Stunden mitbekommen, das du auch einen eigenen Blog hast. Tut mir echt leid. Ich hab viele Einträge von dir gelesen, mich reißt deine Schreibweise total mit, man verliert sich schnell in deinen Blogeinträgen.
Rat kann ich dir leider keinen geben, das einzige was mir zu deiner speziellen Situation einfällt ist eines meiner Lieblingszitate von Oscar Wilde:

"Am Ende wird alles gut.
Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende."

LG, die Allerbesten Wünsche und vielen Dank für deine lieben Gästebucheinträge

lifeminder


Zitronenhauch / Website (12.11.17 21:27)
Joo Marie und wilkommen zu einem neuen Kommentar von Zitronenhauch :D. Ich hab deine Einträge angeschaut. Weist du was, immer wenn ich einen Blogeintrag von dir( diesmal ohne "e" ) lese, denke ich immer "oh scheisse, gehts der schlecht." Und immer, wenn ich deine Kommis oder Gästebucheinträge lese, denke ich, dass es dir ( wieder ohne "e" ) ganz normal geht XD . Deine Lage hört sich scheisse an, aber du schaffst dass, ich glaub an dich. Wenn du Vorschläge hast, für meinen Blogg, schreib sie bei mir in die Kommis. Das wars für den heutigen kommentar und Tschau Marie. LG -Zitronenhauch


/ Website (12.11.17 22:33)
Liebe Marie,

Angst ist auch ein Motor, Angst muss nicht schlimm sein.
..."Es ist einfach schwierig, nochmals, nach diesen ganzen Monaten, den Mut, die Hoffnung und den nötigen Glauben aufbringen zu können und sich selbst einzureden „ja, ich schaffe das!“...
Du solltest dir vielleicht nicht die Frage stellen ob du dies schaffst, sondern ob du Leben willst. Wenn es aussichtslos wäre, würden die Ärzte sicherlich nicht weiterhin alles versuchen. 50 Prozent sind mehr als gar keine Chance. Du solltest sie nutzen, du hast schon so viel geschafft und ausgehalten. "Nur wer wagt, gewinnt..." :-) :-) Und sage dem ganz oben in einem stillen Moment, dass du dich auf jeden Fall für das Leben entschieden hast. Ich müsste lügen, würde ich jetzt sagen: "Alles wird gut.." Da ich kein Hellseher bin. Aber ich wünsche es dir von Herzen und bin in Gedanken bei dir!


(13.11.17 13:30)
merry-n
Liebe Marie,
ich wünsche dir viel Glück und eine große Portion Mut, damit du die nächsten Wochen gut überstehst!


Indianwinter (13.11.17 14:03)
Liebe Marie,
viel ist hier schon gesagt/geschrieben worden...
...im Grunde kann ich mich nur anschließen und möchte dir einfach nur alles Glück wünschen, dass du nun brauchst und drücke dir die Daumen für dir schwere Zeit, die vor dir liegt.
Ich schicke dir all meine guten Gedanken und Wünsche und diese verflixte Angst-ich wünschte, ich hätte ein Mittel dagegen für dich...
Meine feste Überzeugung ist es, dass du es schaffst, das wünsche ich dir von Herzen, Marie, bleib mutig.
GLG, Barbara


Maccabros (14.11.17 06:58)
Denk an Dich und drücke weiterhin die Daumen - Alles Gute für Dich...♣...


mausfreddy (15.11.17 23:46)
Hallo Marie!
Ich hoffe es geht dir den Umständen entsprechend gut.
Ich druecke die Daumen und denke an dich. L.G mausfreddy


Faradei (17.11.17 00:04)
Marie, ich liebe dein Leben, jeden winzigen Augenblick davon.


Anja Herbig / Website (18.11.17 15:00)
Hallo liebe Marie,
ich finde es wunderschön dass du noch SCHREIBST!
DANKE dir von HERZEN.
Wünsche dir eine schöne ZEIT und lasse es dir so GUTE gehen wie es die möglich ist.
Herzliche Grüße
ANJA

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