Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

"Nicht schlecht, Herr Specht!" ;-)

 

"Die Made"

Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.

Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.


Eines Morgens sprach die Made:
"Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!

Halt, noch eins! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!"


Also sprach sie und entwich. -
Made junior aber schlich hinterdrein;
doch das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. Schade!

Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde ...

(Heinz Erhardt)

 

Heute war er wieder da, der Herr Specht! ;-) Den ganzen Sommer hat er mit Abwesenheit geglänzt und ich habe ihn regelrecht vermisst. Eigentlich war es immer ein Pärchen, ich bin gespannt, ob bald Beide wieder da sind. Ameisen gibt es definitiv genug! ;-)

 

 

Im wahrsten Sinne, war das heute alles „nicht schlecht, nicht wahr, Herr Specht?“  ;-)

 


 

Es war ein wirklich ereignisreicher und auch ein wenig merkwürdiger Tag. Alles in allem, für einen einzigen Tag fast ein wenig zu viel.

Relativ früh heute morgen bekam ich einen Anruf von meinem ehemaligen Chefarzt. Er ruft immer mal wieder an, also ganz so merkwürdig war es nicht, aber diesmal ging es nicht ausschließlich um mein „Wohlbefinden“, sondern er fragte mich, ob ich nicht doch wieder in Erwägung ziehen könnte, wenn es mein Gesundheitszustand wieder zulassen würde, als Ober- und Stationsärztin, an die Klinik zurückzukehren.


Mit dieser Frage hatte ich eigentlich überhaupt nicht gerechnet. Also, ich müsste schon lügen, wenn ich nun behaupten würde, es wäre mir egal, aber alleine, dass er mich das gefragt hat und das im vollen Ernst, berührt mich und schmeichelt mir schon. Ist so! ;-)

Wir waren nie so wirklich „best friends“, allerdings weiß ich sicher, dass er meine Arbeit immer geschätzt hatte und dies auch bei meiner Verabschiedung im März, durch einige Gesten und für ihn untypischen Taten, gezeigt und zum Ausdruck gebracht hatte. Er ist auch nicht der Typ Mensch, der einen anderen, gerne um etwas bittet. Er "setzt mehr voraus" und "erwartet", aber bitten, nein, eigentlich nicht. Von daher war dieses Angebot, welches sich eher als "Bitte" herauskristallisiert hatte, während dem Gespräch, für mich ein wenig verwirrend. Aber es freut mich schon.

Allerdings bin ich mir auch sicher, dass ich das nicht mehr möchte. Ich wollte was ändern und ich glaube schon, dass dieser hohe Stresslevel dort, nicht ganz unschuldig an meiner momentanen Gesamtsituation ist.

Ich blicke gerne auf diese lange Zeit und die vielen Jahre dort zurück. Es war nicht immer einfach und ich musste mich als Frau und alleinerziehende Mutter, in einer Abteilung, die, ausschließlich von männlichen Kollegen geführt wurde, erheblich durchsetzen. Das gelang mir nicht immer, aber mit der Zeit immer öfter. Und in den letzten Jahren, hatte ich eigentlich meinen Platz gefunden und mir meine „Lobby“ geschaffen. Es gab immer mal wieder Rückschläge, aber letztendlich hatte ich einen guten Status und die Akzeptanz die ich wollte, und mit der ich gut leben konnte.

Ich glaube nicht, dass eine Rückkehr gut wäre, zumal ich dann wieder im gleichen Hamsterrad wäre, aus dem ich mich eigentlich befreit hatte. Ich musste einen hohen Preis dafür bezahlen, um zu begreifen, dass ich was ändern musste.

Andererseits weiß ich auch, dass ich an der Uni nicht glücklich werde. Das mag mal eine Zeit ok sein, aber das bin nicht ich. Ich möchte, wenn es irgendwann wieder möglich ist, in meinem Beruf als Ärztin arbeiten. Im Ausland wäre nahezu perfekt. Gerne würde ich nochmal eine ähnliche Erfahrung machen, wie vor einigen Jahren in Afrika. Das ist genau das „Arbeiten“, welches ich mir vorstelle. Genau das, was meine Vorstellung des "Arzt seins" ausmacht. Aber dazu sollte ich wohl erstmal Gesund werden.

Vielleicht hat es heute nun wirklich seinen Anfang genommen. Der erste wirkliche winzige Schritt, in die richtige Richtung. Kurze Zeit nach meinem Telefonat mit meinem ehemaligen Chefarzt, rief Heidelberg an.

Und wieder blieb die Welt einen Moment stehen!


Und ich verkünde…….Tadaaaa…..alle Knochenproben von letzter Woche sind negativ! (negativ = super, fantastisch, genial, perfekt, gesund….)

Ich bin mir sicher, diesen Riesenklumpen von Stein, habt Ihr heute Mittag alle plumpsen gehört! Das kann überhaupt nicht anders sein! Einfach überall, von Franken, über Hessen, nach Berlin, mit einem kleinen unwesentlichen Abstecher nach China und natürlich Österreich! Außerdem ganz sicher noch an vielen kleinen anderen Orten hier in Deutschland! ;-) Keine Knochentumore! YES!

Trotz aller Euphorie, hat mich mein Arzt meines Vertrauens, auch gleich wieder ausgebremst. „Die vier Lymphknoten müssen aber schnellstmöglich entfernt werden, Frau Kollegin!“ Klar, irgendwas ist halt immer! Aber eigentlich habe ich gerade auf „schnellstmöglich“ überhaupt keine Lust! Wieder Vollnarkose, wieder Op, wieder Op-Hemd und Thrombosestrümpfe, wieder, wieder, wieder….! Und wieder endlose Tage auf das Ergebnis warten. Das kann doch auf Dauer kein Mensch aushalten.

Ich weiß, dass ich eigentlich keine Zeit habe, um darüber großartig nachzudenken. Aber ich brauche trotzdem ein paar Tage, einfach um mich erstmal über die gute Nachricht von heute freuen zu können. Diese positiven Momente sind so gut und die brauche ich, um weitermachen zu können, um das alles weiter auszuhalten, und um gewappnet zu sein, für die schlechten Tage, die mit Garantie auf dem Fuße folgen werden.

Natürlich ist mir bewusst, dass diese Nachricht, kein Erfolgserlebnis darstellt, dass es kein Therapieerfolg ist. Aber es ist ein wichtiger Grundstein für mich, nun zu wissen:

"Die Bausubstanz ist nicht ganz marode!" .... "Eine Basis, mit der ich arbeiten und leben kann."

Ich weiß ja, dass ich mich zusammenreißen muss und ich wusste auch genau, wer es sich trauen wird, mir das zu sagen! ;-) Und genau das ist auch gut so! Danke, Padernosder! Natürlich hatte auch Mirco recht! Gute Intuition! ;-)

Lieben Dank für Eure Zuversicht, Euren Trost und alles drum herum! Davon werde ich wohl noch einiges brauchen, in den nächsten Wochen!


"Und zum Kuckuck sprach der Specht, auf einem Bein, da steht´s sichs schlecht!"

 Ist zwar eigentlich ein Trinkspruch ;-), aber im übertragenen Sinne, braucht es noch viele gute Momente und Ergebnisse, um diesen Kampf aushalten und gewinnen zu können!
 
Ein Jahr geht das nun, ein Jahr welches schlimmer nicht hätte sein können. Dennoch möchte ich auch nicht alles schlecht darstellen, es gab durchaus Situationen, Momente und Menschen, die es wert sind, dass ich diesen etwas holprigen Lebensabschnitt gehe. Und das weiterhin, bis zum Ende, wie auch immer das aussehen mag.
 
Ich habe Gefühle und Situationen erlebt, die ich eigentlich nur aus dem Lehrbuch kannte, über die ich einst, mit meinen Patienten sprach, ohne selbst zu wissen, wie sich ein Mensch in einer Ausnahmesituation fühlen kann. Es gab manche Tage, da fühlte ich mich absolut "tot". Und es werden wohl auch noch einige "tote" Tage folgen.
 
Aber ich habe Hoffnung und das ist letztendlich im Moment alles was zählt! 
 
(Bitte nicht über meine Specht-Bilder meckern, ich weiß, die sind richtig schlecht, aber das war das Beste, was ich so ruckzuck rausholen konnte ;-)) 

23.10.17 23:03

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bisher 10 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Anja Herbig / Website (23.10.17 23:46)
SUPER dass eine FREUT mich ungemein SEHR!!!
DIE BILDER... ach her jee.. sieht super... man kann sie sehen...
Herzliche Grüße
ANJA
PS: schick dir mal nee mail...


padernosder (24.10.17 00:50)
Gratuliere, Marie!

Eine Flasche Sekt ist das Mindeste..., im Augenblick! ;-)


Helga / Website (24.10.17 07:48)
Moin liebe Marie,
da schreie ich ganz laut HURRA . Wenigstens mal etwas Gutes . Die Geschichte mit dem Specht ist klasse . Bei mir kommt auch oft ein Buntspechtpärchen, vor allem im Winter auf der Futtersuche. Bleibe positiv - den Rest schaffst auch noch.
GLG Helga


Indianwinter (24.10.17 15:29)
Hallo Marie,
superschöne Nachricht ist das heute von dir!
Ich glaube, es ist uns allen ein Stein vom Herzen gefallen, es gibt wieder Hoffnung und so soll es doch weitergehen.
Wann sonst, wenn nicht beim Arzt, hat das Wort "negativ" so eine positive Bedeutung...
Die Bilder sind klasse, LG, Barbara


ide02 (24.10.17 15:37)
Super Nachrichten!!! :-) Dann geht es nun mit einem lauten "Tschakka!Ich schaffe das!" weiter... :-)


Elisabeth (24.10.17 19:50)
Super, sooo eine gute Neuigkeit! Jetzt wird's so gut weitergehen, bestimmt! Und den Stein, der Dir vom Herzen gefallen ist, hab ich hier in Tirol natürlich ganz laut gehört :-D YEAHHHH!

ganz liebe Grüße, Juchuuuu :-)


pally (24.10.17 20:04)
Hallo Marie, die größte Hürde ist überstanden. Den Rest schaffst Du doch mit links! Ich freue mich für Dich, dass der Befund negativ ausgegangen ist. Sonst ist das Wort "nagativ" immer mit schlecht zu übersetzen, aber in Deinem Fall ist es etwas Positives. Prima, nun geht's aufwärts! Schönen Abend wünscht Helga


Twity-Autor / Website (24.10.17 21:57)
Ich freue mich für dich, dies sind wunderbare Neuigkeiten! :-) :-) :-) Und dies ist ein Licht am Horizont, ein silberner Hoffnungsstreif. :-) :-) :-)


mausfreddy (24.10.17 23:03)
Hallo!
Hab den Fels plumsen gehört. Freue mich fuer dich.
LG mausfreddy


(25.10.17 21:50)
merry-n
Ich wünsche dir noch ganz viele von diesen guten "negativen" Nachrichten! Alles Liebe!

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