Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Fire and rain

„Jeder Mensch trägt die geheimen, die ungesagten Gedanken tief in seinem Inneren. Es sind Gedanken, die jeder nur für sich träumt und atmet, egal an welchem Ort oder zu welcher Stunde sie seinen Geist beleben. Die Gedanken sind unendlich wie das Meer. Erst wenn das Meer wogt, steigen die Wellen an und tragen Perlen der Erkenntnis ans Ufer des Lebens.“


Die Zeit schreitet voran. In wenigen Wochen bin ich nun schon ein Jahr in diesem Krebs-Kreislauf. Ich hatte mir so gewünscht, dass es bis zum Sommer weitgehend ausgestanden wäre, aber leider stecke ich tiefer drin, wie bisher und der Glaube an ein gutes Ende rückt zur Zeit immer ein wenig weiter in die Ferne.

Oft wird mir die Frage gestellt, ob ich Angst vor dem Sterben habe. Eine Frage, welche ich mir selbst immer mal wieder stelle. Es gab diese Zeit, wo ich felsenfest davon überzeugt war, keine Angst zu haben, denn wovor sollte ich eigentlich Angst haben? Höchstens vor der Ungewissheit. Der Tod bedeutet Schmerzfreiheit und Freiheit im Allgemeinen. Niemand und nichts, kann einem da noch schaden oder weh tun. Unendlichkeit, bzw. die immer wieder gepredigte Ewigkeit. Es wird nicht anders sein, wie vor meiner Geburt, da gab es mich noch nicht, ich habe somit keine Empfindung, ähnlich denke ich mir den Tod, ob ich dann weiß, dass ich tot bin? Ich glaube nicht. Aber diese sogenannte Ewigkeit ist irgendwie erdrückend. Und eigentlich kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen, was vielleicht daran liegen mag, dass ich noch nicht soweit bin. Ich bin noch nicht fertig mit diesem Leben. Ganz und gar nicht. Ich bin nicht bereit, jetzt schon aufzugeben. Dafür bin ich zu jung und möchte noch so viele Dinge erleben, den weiteren Lebensweg meiner Tochter verfolgen und hin und wieder auch mitbegleiten, selbst noch irgendwo mal „ankommen“. Aber ich werde wohl nicht gefragt werden, was ich möchte, denn der ganz eigene Plan meines Lebens, ist anscheinend ins Stolpern geraten und findet nicht mehr in den Rhythmus des Lebens zurück.

Natürlich bin ich ungeduldig und kann mich schlecht ruhig verhalten, aber ich glaube nicht, dass es großen Einfluss auf die weiteren Geschehnisse in meinem Körper hat, ob ich eben mal ein paar Tage „arbeite“ oder eben auf der Couch von morgens bis abends ausharre, bis der Tag vorüber ist. Ich tue das, was mir gut tut, dass merke ich sehr schnell. Und wenn es der Plan meines Lebens nicht ab kann, dass ich genau das mache, dann war es eben ein schlechter Plan.

Nächste Woche geht das Bangen wieder los. Ich muss mir vier weitere Lymphknoten entnehmen lassen. Die Dinger sind auffällig, schmerzhaft und wahrscheinlich nicht in Ordnung. Was heißt das für mich? Game over? Möglich wäre es. Befallene Lymphknoten bedeuten, irgendwo gibt es noch mehr. Ich wurschtel schon die ganze Woche irgendwie darum, die ganze Woche stand irgendwie unter keinem besonders gutem Stern. Vor zwei Wochen war ich noch fest überzeugt, Methadon ist vielleicht die Lösung des Ganzen, nun bin ich unsicher, ob es überhaupt noch eine Lösung geben wird. Immer dieses Auf und Ab macht mich mürbe, ungerecht, einer sagte vor einigen Tagen „nervig“ zu mir. Das mag alles sein. Ich bin bestimmt nervig und alles andere auch und es tut mir gerade nicht mal sonderlich leid.

Am Mittwoch läuft dann Chemo 5/6. Diesmal nach drei Wochen. Die letzten beiden Cocktails sollen im dreiwöchigen Abstand erfolgen. Ja klar, alles gar kein Problem. Am Montag werden die Lymphknoten entfernt und Mittwoch dann wieder Chemo. Lässig, oder?

Dabei hatte ich eigentlich für nächste Woche einen ganz anderen Plan. Aber der ist nun erstmal um einiges nach hinten gerutscht, denn die Ergebnisse von nächster Woche, wären dazu nun ausschlaggebend. Ja, toller Freitag, toller Start ins Wochenende.

Ich weiß, dass diese Gedanken schlimm sind und ich sie mir niemals eingestanden hätte, so etwas selbst mal zu denken, aber gerade würde ich mir wünschen, heute Abend einzuschlafen und nie wieder aufwachen zu müssen. Dann wäre sie da, diese Ewigkeit, ganz plötzlich und ohne dass ich mir großartig einen Kopf hätte darum machen müssen. Solche Gedanken erschrecken mich selbst und ich möchte das auch nicht, aber das Gefühl ist einfach da und umso mehr negative Ergebnisse auf mich einregnen, umso stärker werden sie.

Es war eine schwierige, seltsame, traurige und auch etwas aufregende Woche. Meiner Kollegin habe ich in der Praxis ausgeholfen und gestern war ich in München und habe mich für knapp drei Stunden mit meiner Tochter getroffen. Natürlich war das schon anstrengend, alleine die insgesamt 10 Stunden Autobahn waren der Horror, aber der Rest war es in jedem Fall wert, wenn auch ein klein wenig Wahnsinn.

Dann heute die Nachricht der Befunde, dass die Lymphknoten rausmüssen, darf ich auch mal sagen, ich kann einfach nicht mehr?

Ja, und so geht es eben weiter, „fire and rain“, ein auf und ein ab. Aber einen wirklichen Fortschritt, habe ich bis heute noch nicht gemacht. Die Angst bleibt, in jeder Minute, in jedem Atemzug.

"Bäume sind Meister der Geduld. Sie lehren uns jedes Jahr aufs Neue, mit frischem Mut wieder neu anzufangen." (Dom Helder Camara)

So einfach und doch so schwierig im menschlichen Leben!


15.9.17 16:59

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bisher 17 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mausfreddy (15.9.17 18:28)
Hallo Marie!
Ich bin traurig, dass ich das hier lesen muss. Ich möchte dir gerne helfen, aber man ist machtlos. Das musst und kannst du nur selbst. Ich dachte auch du hättest es geschafft. Mit den Lymphknoten das ist Kacke. Doch ich meine du solltest nicht aufgeben, wo du so gekämpft hast und ich dich so bewundert habe für deinen Mut. Probiere einfach das Methadon es schadet dir sicher nicht. Ich drücke dir ganz fest die Daumen und denke sicher öfter an dich. ( Da kannst du dich auf mich verlassen)Gute Gedanken helfen sicher auch.L.G. Doris


Elisabeth (15.9.17 20:08)
Hi Marie,
nicht aufgeben jetzt, ich weiß, dass Du´s schaffen wirst! Du hast schon so viel hinter Dir, jetzt muss es einfach bergauf gehen! Ich halt Dir soooo fest die Daumen für Montag und dann für die Chemo. Halt durch, nur noch 2 Chemos! Vielleicht hast dann das Schlimmste geschafft...
Ich denk an Dich und schick Dir ganz viel schöne Gedanken und Kraft! GLG Elisabeth


Indianwinter (15.9.17 20:13)
Liebe Marie,
mir geht es wie Doris auch, man ist entsetzt, nun doch wieder schlechte Nachrichten von dir zu hören.
Und man kann leider nichts tun, außer mit den Gedanken bei dir zu sein und dich nur zu bitten nicht aufzugeben.
Dass es schwer ist, kann sich jeder denken und die Kraft, die es dir abverlangt, muss immens sein.
Vor allem, diese Angst, die dich begleitet-immer wieder dagegen anzukämpfen und die Hoffnung nicht aufzugeben, wie schwer für dich...
Auch ich sende dir alle meine guten Gedanken und alles Liebe und drücke weiterhin die Daumen, es tut mir sehr leid, dass man nichts sonst tun kann, um dir zu helfen, GLG, Barbara


Mausihelga / Website (15.9.17 20:39)
Arme Marie,
das alles ist sehr kurz aufeinander - hoffentlich stehst das durch. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde... Drücke wiedr Daumen, daß es gut ausgeht. An der MS selbst stirbt man nicht, "nur" an den Folgeerkrankungen.
GLG Tröstegruß Helga


Pascale / Website (16.9.17 12:18)
Ich habe ein tiefen Glauben dran, dass Du den Krebs besiegen wirst!!!
Liebe Grüße


Marie / Website (16.9.17 16:15)
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dafür gibts noch zu viel Gutes was mir passiert. Liebe Grüße aus Sylt ;-) Ohne meine Freunde, die mich nicht immerzu und zu fast unmöglichen Dingen motivieren würden, hätte ich längst aufgegeben. Schade nur, dass ich morgen schon wieder zurück muss.....
Lieben Dank Euch und ein schönes Wochenende 😘


betoni / Website (17.9.17 12:33)
es nimmt aber auch wirklich kein ende. jetzt das wieder. das macht mich auch traurig, obwohl ich dich nicht persönlich kenne. ich hoffe mit dir und kann sehr gut verstehen das du noch kämpfst. wie würde es mir ergehen...........?
lass den kopf nicht hängen.....
lg renate


Hermann / Website (17.9.17 13:52)
Liebe Marie,

die allgegenwärtige Ungewissheit über das Sein nach dem Tod wird von Dr. Gloria Polo (siehe Website) durch ihre eigene Erfahrung geklärt ... HH


mausfreddy (17.9.17 18:53)
Hallo Marie!
Hab an dich gedacht und mich gefreut, dass du auf Sylt bist. Sylt ist immer gut. Ich wäre auch gerne dort.
Drück die Daumen für morgen GLG Doris


Mirco / Website (19.9.17 07:42)
Hallo Marie,

ich hoffe Du hattest einen tollen Kurzurlaub.Ich war noch nie auf Sylt, aber das werde ich nachholen. Ansonsten hilft nur Daumendrücken, dass es gute Nachrichten zu den Lymphknoten gibt.

Lg aus China

Mirco


pally (19.9.17 20:53)
Liebe Marie, auch wenn wir uns nur im Blog kennen, bedrückt mich Deine Situation außerordentlich. Ich habe fast alle deine Berichte gelesen, und daraus meistens eine Zuversicht gesehen. Aus Deinem heutigen Bericht lese ich eher eine entmutigende Stimmung. Aber wie heißt das Zitat: die Hoffnung stirbt zuletzt! Darum sollte man die Hoffnung niemals aufgeben. Es gab schon Fälle, dass ein starker Wille und positive Gedanken zur Gesundung beigetragen haben. Warum sollte Dir dieses "sogenannte" Wunder nicht auch zu Teil werden.Ich würde es Dir von ganzem Herzen wünschen.Nur nicht aufgeben! In diesem Sinne ganz lG Helga


mausfreddy (20.9.17 21:23)
Hallo!
Ich wünsche dir viel Kraft!
L.G


gebsy / Website (21.9.17 17:46)
Liebe Marie!

Wie unser Leben ein Auf und Ab ist, erlebst Du Deinen Krankheitsverlauf in verdichteter Form.
Hoffe, Dir dient die Zuversicht auf das nächste AUF, wenn es einen Tiefpunkt zu verkraften gibt.

gebsy, im Gebet verbunden.


Indianwinter (21.9.17 20:19)
...ich hoffe, es geht...
LG, 🍀🍀🍀


Twity-Autor / Website (22.9.17 13:17)
Könnte ich doch zaubern,
gäbe ich dir Mut,
gäbe ich dir Hoffnung,
alles würde gut.

So kann ich nur trösten,
beste Wünsche senden,
für Genesung beten,
damit die Qualen enden.

Diese Zeilen sind eben spontan nur für dich entstanden, sie gehören nur dir alleine und werden nicht weiter von mir veröffentlicht!

Alles, alles Gute und viel Kraft! :-)


mausfreddy (22.9.17 18:20)
Hallo!
Ich denke an dich und hoffe es geht dir den Umständen entsprechend gut. GLG Doris


Anja Herbig / Website (24.9.17 10:07)
Hallo Liebe Marie,
ich bin in Reha und denke oft von hier auch an dich. Auch wenn mir hier ehrlich wenige Technische Möglichkeiten, wie die Zeit um etwas irgendwo im Internet zu lesen gegeben wird. Den dass stehte Mo. - Fr. Programm ist schon etwas zu bewähltigen. Zu deinen kleinen und doch sehr großen WEG und neuen Wochenstart wünsche ich dir viel Kraft/Energie und Licht. Ich werde an dich denken, sicherlich. Denn sonst wäre ich doch heute wohl auch weniger hier her gereist um zu lesen wie dein STAND der Dinge ist. Ehrlich... DANKE!
Manach mal kann man kaum weniger GUTE Worte dafür finden. Aber deine 10 Std. Reise die dir doch ein paar schöne Min. Schenkten sind es einfach wehrt. Hat mich daran erinnert; was ich letztes Jahr gemacht habe, einfach hin gefahren und nur ca. 3 std. schlaf, danach weiter gearbeitet. Denn ich wollte Sie einfach wieder sehen; man weiß doch kaum wann der letzte TAG ist; daher habe ich es einfach mit genommen und bin einfach hin gefahren; zu einer tollen FRAU (-;! Daran erinnere ich mich auch immer wieder in freude daran; den auch jedes lächeln egal von wem auch von SICH tut einfach gut.
DANKE dir herzliche!
Herzliche Grüße
ANJA
HDL

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