Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Methadon - Tabu - Wahnsinn oder Segen?

„Mut, Geduld und Liebe – drei Dinge, die sich immer lohnen!“

Was am Anfang als Zufallsentdeckung galt, könnte sich in naher Zukunft als Ultimativtherapie in der Krebsbekämpfung erweisen.

Methadon ist ein vollsynthetisch hergestelltes Opiod, welches eine sehr hohe schmerzstillende Wirksamkeit hat. Eingesetzt wurde Methadon, allseits bekannt, als die „Heroinersatzdroge“. Ich selbst kenne es noch aus meinem anfänglichen Klinikalltag, in dem, meist täglich, an die drogenabhängigen Patienten Methadon rationiert, abgegeben wurde, wenn der kalte Entzug nicht möglich war. Somit ist Methadon mit einem ziemlich harten Stigmata besiedelt und die Lobby ist noch schwierig. Aber auch in der Palliativmedizin wird es mit großem Erfolg eingesetzt und nur da ist es bisher zugelassen und offiziell als Medikament verordnungsfähig.

 

Ich weiß, Tierversuche sind verpönt und sicherlich werden sich einige finden, welche nun mit dem Kopf schütteln. Ich mag auch keine Tierversuche, aber mir ist auch bewusst, dass diese leider in bestimmten Teilbereichen unumgänglich sind. Bei Kosmetik lehne ich dies grundsätzlich ab, aber in der Medizin, sind sie leider nötig. Und ich glaube, jeder hat schon Medikamente einnehmen müssen, welche es nicht ohne Tierversuche geben würde. Als Zufallsbefund bei verschiedenen Krebsarten in Tierversuchen, wurde festgestellt, dass unter der Gabe von Methadon, welches ursprünglich zur Schmerzlinderung verabreicht wurde, die Tumorzellen „durchgängiger“ wurden. Was bedeutet das? Tumorzellen sind aggressiv, vergleichen wir sie mit Wespen. Wespen sind generell aggressive Vertreter, stänkern überall rum und verbreiten Unfrieden. Tumorzellen sind hartnäckig und wehren sich enorm gegen angewandte Therapien, sprich die Immuntherapie, Chemotherapie, kombinierte Immun-Chemotherapien oder Bestrahlungen. Manche dieser Therapien sind bei gewissen Tumorarten erfolglos oder zeigen nur sehr wenig Wirkung. Gerade der Lungenkrebs, welches die aggressivste Krebsform überhaupt ist. Die Überlebenschance, langfristig gesehen, über die 5-Jahresmarke hinaus, ist sehr gering und liegt bei unter 20%. Glück im Unglück könnte ich nun sagen, habe ich natürlich keinen Lungenkrebs im Sinne eines Primärtumors, sondern ja „nur“ Lungenmetastasen, d. h. Tochtertumore eines vorangegangenen Nierenkrebses. Also fast ja schon harmlos. Und da es mich, aufgrund meines Alters, in keiner Statistik mit Erfahrungswerten gibt, ist sowieso alles komplizierter. Die Statistik hat eben nicht mit mir gerechnet. ;-) Denn Nierenkrebs bekommt der Durchschnittsmensch eben nicht mit Anfang vierzig, sondern frühstens mit über 50.

Natürlich ist das alles weit weg von harmlos, die Sache ist doof genug, aber nicht ganz so gefährlich, wie ein primärer Lungentumor. Metastasen sind halt immer die etwas schlimmere Verlaufsform einer jeden Krebsart, die zeigt, dass hat schon länger gebrodelt, „hättest Du mal mehr aufgepasst“ oder der Primärtumor war oder ist eben (bei mir war, bzw.  ist er ja zum Glück weg) schon etwas aggressiver. Daher musste ja die eine Niere weichen. Na was für ein Glück, hat jeder gesunde Mensch zwei davon. Somit, wenn es gut läuft, schafft auch die übrige Niere, ihre Arbeit. Allerdings natürlich nicht ganz ohne Einschränkungen. Da muss schon gut darauf aufgepasst werden.

Aber zurück zu den Tumorzellen. Durch die Gabe von Methadon wurde in der Forschung festgestellt, dass die Tumorzellen sensibler und somit durchgängiger wurden. Eine Tumorzelle ist schwer zu zerstören, oft prallten Medikamente, z. B. Chemotherapeutika an ihr ab und machten sie im schlimmsten Fall resistent. Durch Methadon wird dieser Abwehrmechanismus der Zellen gestoppt. Die Chemotherapeutika können somit tiefer in die Zelle eindringen, die Folge davon, „die Zelle stirbt“. In der angewandten Medizin konnten schon bei vielen Patienten, die Lebenserwartungen erhöht werden, bis hin zur Totalremission bei unsicheren Heilungschancen. Auch die Immunabwehr soll dadurch besser angeregt werden, um gegen die Krebszellen zu kämpfen. Hört sich klasse an.

 Es gibt jedoch noch keine aktuellen Studien in der Krebstherapie, auch wenn es bereits eingesetzt und Erfolge damit verzeichnet wurden. Die Nebenwirkungen, die auftreten könnten, sind noch völlig unklar und somit ist es natürlich ein nicht einschätzbares Risiko, schließlich handelt es sich bei Methadon um ein sehr komplexes Opioid.

Offiziell darf es nur als Schmerzmittel in der Krebstherapie verordnet werden und das somit dann nur im Endstadium. Für die Anwendung als „Krebstherapie“, müsste es noch einige Chargen und Studien durchlaufen, um als Medikament in der Krebstherapie eine medizinische Zulassung zu bekommen. Das wäre durchaus möglich. Allerdings wäre das für die Pharmaindustrie nicht wirklich profitabel. Und genau da beißt sich die Katze mal wieder in den Schwanz. Denn die Pharmaindustrie mischt leider viel zu viel mit. Methadon ist ein sehr kostengünstiges Medikament, 100 ml kosten ca. 20 Euro. Lächerlich zu speziellen Krebsmedikamenten, die mal locker 20.000 – 25.000 Euro kosten. Bei ca. 50.000 Krebsneuerkrankungen im Jahr alleine in Deutschland, d. h. jeder 4. Bundesbürger erkrankt früher oder später an Krebs, dürfen wir uns ausrechnen, welcher Weg der Pharmaindustrie am liebsten wäre. Somit dürfte die offizielle Zulassung, als Medikament in der Krebstherapie noch ein wenig auf sich warten lassen.

Die gleiche Problematik finden wir in der HIV-Forschung. Auch da könnte es womöglich den langersehnten „Durchbruch“ schon längst gegeben haben, aber die vielen, vielen Medikamente, für die Immunabwehr, Bekämpfung und Linderung der Symptome etc. sind natürlich weiterhin viel profitabler.

Es ging mir mit diesem Bericht jetzt zwar weniger um die Pharmaindustrie, als eigentlich um mich selbst, aber als gutes oder eher schlechtes Beispiel, wäre da noch die Schweinegrippe zu erwähnen. Jeder, der sich ein wenig mit der Zulassung von Impfstoffen auseinandergesetzt hat, dürfte sich damals gewundert haben, warum urplötzlich im Zuge weniger Wochen ein Impfstoff da war. Das funktioniert eigentlich gar nicht. Ein Impfstoff durchläuft viele, wirklich sehr viele Chargen, bis er die Zulassung erhält. Profitiert davon hat wohl lediglich auch hier, nur die Pharmaindustrie. Die Impflinge wohl eher weniger. Ob es langfristig zu Problemen kommen kann oder wird, wird sich zeigen. Ich hätte mich zu dieser Zeit niemals gegen die Schweinegrippe impfen lassen und habe mich da auch bewusst zur Wehr gesetzt. Auch meine Tochter habe ich natürlich auf gar keinen Fall dagegen impfen lassen. Nur mal so angemerkt. Ein Impfstoff, welcher nicht ausreichend getestet wurde, ist immer als kritisch zu sehen. Im Vergleich zur Grippeimpfung, welche immer nur von Jahr zu Jahr auf die Grippeerreger des Vorjahres aufbaut und entsprechend entwickelt wird. D. h. der Grippevirus verändert sich stetig. Die Impfung die heute verabreicht wird, kann nicht gegen den Virus schützen, der mit der nächsten Grippewelle angerollt kommt. Sicherlich beschert eine kontinuierliche Impfung eine bessere Immunabwehr und schwächt den neuen Virus ab, aber komplett schützen funktioniert, aufgrund der Veränderungsfähigkeit nicht. Der Grippevirus ist nicht äquivalent.

Ich habe mich lange mit Methadon in den letzten Wochen auseinandergesetzt, viel gelesen, viel darüber gehört.  Letztendlich habe ich mich entschieden. Ich versuche es. Auf mein eigenes Risiko. Ich habe nicht viel zu verlieren. Es gibt seit langem nur noch Hop oder Top. Die Kontrolluntersuchungen und Erfolge dieser letzten 9 Monate waren dürftig. Zu dem was ich dagegenhalten musste, zu wenig. Zu wenig für mich. Ich nehme Methadon nun seit ca. zwei Wochen. Die letzte Chemo 4/6 verlief, bis auf den Fehlstart am letzten Montag, im Anfang  etwas humaner. Ich konnte Abends nach Hause und außer Übelkeit und ein paar fast lächerlichen Wehwehchen ging es wirklich. Das Wochenende war stressig und ich habe natürlich mal wieder das eine oder andere „Symptom“ übergangen, so dass ich Montag Abend dann freiwillig in der Klinik war und das volle Programm mit Lumbalpunktion und hohem Fieber mal wieder erleben durfte. Danach ging es aber wieder relativ schnell etwas besser und ich durfte heute Nachmittag nach Hause.

Allgemein würde ich Chemo 4/6 als ein wenig verkorkst im Anfang, aber dann doch noch als erträglicher einstufen. Ich muss jetzt sehen, wie die nächsten Tage verlaufen. Trotz Methadon habe ich zur Zeit ziemliche Schmerzen, darf aber aufgrund der Nierenproblematik keine weiteren Schmerzmittel einnehmen. Also „Aushalten“, irgendwie.

Ich habe jetzt noch zwei Chemos in diesem Zyklus. Danach ist dann wieder großes Ganzkörperscreening und Zittern angesagt und es wird entschieden, wie geht es weiter. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder weiter Chemo oder der Versuch einer Operation. Die Überlegung und Entscheidung ist nicht ganz leicht. Aber ich muss mich heute schon damit auseinandersetzen. Diese Entscheidung kann ich nicht Ende November oder Anfang Dezember innerhalb von wenigen Tagen treffen. Weiter Chemo würde heißen, den momentanen Weg weitergehen oder mich einer sehr risikohaften Operation unterziehen. Ich weiß es nicht. Noch hoffe ich, dass ich in einigen Wochen, mal endlich eine wirklich positive Rückmeldung erhalte. Es ist kompliziert und welche Entscheidung letztendlich richtig sein wird, ich weiß es nicht.

 

 


 

6.9.17 21:49

bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mausfreddy (6.9.17 23:13)
Hallo Marie!
Ich freue mich, das du das Methadon ausprobierst. Ich denke auch das die Pharmaindustrie bei vielen Sachen die Finger im Spiel hat. Über die Studien habe ich auch schon mal gelesen. Ich habe mich damals auch bewust nicht impfen lassen. Ich drück dir die Daumen, daß es den Erfolg bringt, den du dir erhoffst. Selbst die Linderung der Nebenwirkungen bei der Chemo wäre doch auch schon ein Erfolg.
L.G. mausfreddy


Mausihelga / Website (7.9.17 06:18)
Moin Marie,
über das Methadon habe ich schon positive Berichte gesehen und hoffe, daß es Dir auch hilft!
LG Helga


Twity-Autor / Website (7.9.17 10:45)
Ich denke auch, man sollte nichts unversucht lassen wenn es der Gesundheit förderlich ist. Mich beeindruckt sehr, wie genau du dich über dieses Thema informierst. :-) :-) Ich hoffe sehr, dass du die Schmerzen bald los wirst und das Methadon bei dir anschlägt. Danke für deinen Besuch auf meinem Poesie-Blog! :-):-)


Indianwinter (7.9.17 12:32)
Hallo Marie,
auch ich habe erst vor einigen Wochen über diese Methadon-Studie gelesen und denke auch, man sollte alles versuchen.
Du stehst vor schwierigen Überlegungen, ich bin sicher, du wirst dich richtig entscheiden und wünsche dir von Herzen die wirklich dringende positive Rückmeldung für dich!
GLG, Indianwinter


ide02 (8.9.17 16:16)
Bei Methadon muss ich zwangsläufig an Dr. House denken... ;-)
Ich drücke dir weiterhin die Daumen. Irgendwann muss doch auch mal für dich das Tal, die Ebbe, der Regen...(oder was weiß ich noch für Metaphern für schwere Zeiten...) zu Ende sein.Ich wünsche dir jedenfalls, dass das Jahr mit was Positiven endet!


Elisabeth (9.9.17 12:30)
Hallo Marie,
ich bin mir ganz sicher, dass die Chemo diesmal wirkt! Und das Methadon bringt ja vielleicht auch noch was. Ich hab in Stern-TV einen Bericht darüber gesehen...die Patienten(und zum Teil auch Ärzte), die darüber berichtet haben, waren alle ziemlich begeistert. Probieren kann sicher nicht schaden...Für mich ist das ja kein Thema mehr(ich hoff das bleibt so!), weil meine Chemo schon vorbei ist und auch super gewirkt hat. Aber viele meiner Freunde haben mich darauf angesprochen. Jetzt noch mal 2 Chemos durchhalten, ich weiß, Du schaffst das! Und dann gibt's bestimmt positive Nachrichten!!!Muss einfach! Alles Liebe, Elisabeth

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen