Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Das Licht am Ende des Tunnels......

„We are all in the same game just different levels, dealing with the same hell, just different devils!“


Aus meinen Notizen:

23.08.2017

Und täglich grüßt das Murmeltier. Die ganze Woche bin ich nun schon täglich mit diesen Infusionen beschäftigt. Gut, ich habe nicht wirklich viele Termine zur Zeit, aber trotzdem nervt es mich doch sehr. Jeden Morgen das gleiche Procedere, die Fahrt zur Klinik, Anmeldung, „ja, ich lebe noch“, dann knapp drei Stunden Bespaßung, von der Blutentnahme, bis zur Infusion. Ein wirklich erfülltes Leben. Ich lerne ständig neue Menschen und Schicksale kennen, ständig sind andere Menschen da, nur irgendwie das Einzige was fast immer identisch ist, bin ich. Das gibt mir schon zu denken.

An so manchen Tagen fehlt mir die Lust. Die Lust weiterzumachen und irgendwo kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Könnte das vielleicht gerade mal jemand anknipsen? Mit Dauerstrom bitte! Ich brauche es einfach, genau jetzt!

In solchen Momenten, wo ich mich selbst nicht mehr leiden mag, kommt dann meistens Gabi oder eben Frank. Gabi ist übrigens Stationsschwester auf der geschlossenen Abteilung. Somit kann sie es mit mir an solchen Tagen, die mich in die tiefste Depression stürzen, locker aufnehmen. Ich glaube, sie weiß genau, an welchen Fäden sie bei mir ziehen muss. Auch wenn ihre selbstgereimten Liedchen nicht immer die glücklichsten sind. Aber es erheitert mich ungemein. Kaum habe ich das überstanden und spüre einen kleinen Funken Belustigung wieder in mir, steht auch schon Frank vor der Tür.

„Wir haben heute noch ein Date“, sagt er.

„Ich habe keine Lust, auf diesen Polterabend! Alle sind gut drauf und meine Stimmung ist gerade nicht so die Beste, dass ich eine Bereicherung, für so ein wichtiges Ereignis, wie einen Polterabend, auch nur annähernd sein könnte!“

„Die rechnen aber fest mit Dir.“

„Es fällt sicher nicht ins Gewicht, ob ich nun dorthin gehe oder eben nicht.“

„Och doch! Mach´ jetzt das Du fertig wirst.“

Manchmal habe ich keine Wahl. Und ich glaube, so ganz unbewust, möchte ich auch manchmal gar keine andere Wahl haben.

Und so geschah es, und ja, es war ein schöner, lustiger Abend. Ohne Trübsal!!

25.08.2017

Natürlich war ich auch heute wieder in der Klinik und habe mir meinen, so hoffe ich doch, letzten Infusionscocktail eingeheimst. Das der heutige Tag ein wenig stressig werden würde, war mir schon klar. Ja, ich weiß, dass sollte ich vermeiden und das ist nicht gut, aber manchmal geht es eben nicht anders.

Gleich nach der Klinik, war ich auf einem kleinen Seminar. Mitten in Fulda. Das war allerdings alles andere als lustig am heutigen Tag. Fulda gleichte einer Festung. Ein einfaches Durchkommen? Unmöglich! Am Dom, wo ich eigentlich hätte herfahren müssen, war alles dicht und abgesperrt. Der Grund: Das „open air Konzert“ von Sarah Connor. Aber ich kenne mich ja so ein klein wenig dort aus. Also nahm ich den Weg durch den verkehrsberuhigten Bereich und bin dann zwei Parallelstraßen weiter, Richtung Stadtmitte gefahren. Die Nebenstraßen in den Häuserreihen in der Innenstadt von Fulda, sind eng. Jedenfalls passen da keine zwei Autos aneinander vorbei. Eine Anwohnerin parkte mitten auf der Straße und lud in aller Seelenruhe ihren Wochenendeinkauf aus. Hinter mir standen zwei ziemliche imposante Autos. Darin wohl einige Security Menschen, die schon sehr ungeduldig wurden. Einer stieg dann auch aus und wies die Dame mit ihrem sehr umfangreichen Einkauf an, etwas schneller auszuladen und das Auto wegzufahren. Das tat sie dann auch sichtlich beeindruckt von dem Herren mit Sonnenbrille und Headset.

Kaum hatte ich dieses Hindernis bewältigt, ging das nächste Chaos los. Rund um den Uniplatz, wieder alles abgesperrt, überall die Bundespolizei und wieder Security. Was für ein Tag. Manchmal bekomme ich echt wenig mit. Der Grund dafür, „Frau Merkel“. Diese wurde abends per Helikopter zur Wahlpropaganda eingeflogen. Toll, warum musste das ausgerechnet an meinem Seminartag sein? Andererseits hätte ich mich auch fragen können, warum legt man ein Seminar auf so einen Tag, der wirklich chaotischer nicht hätte sein können? Zumal das Hotel auch noch mittendrin lag. Jedenfalls musste ich erstmal mein Auto irgendwie loswerden und am besten so, dass ich es auch 1. Wiederfinde (das ist nicht immer so ganz klar, also ich habe in der Tat nach einer Comedyveranstaltung, mein Auto eine geschlagene Stunde gesucht, weil ich völlig die Orientierung verloren hatte) 2. Irgendwie heil aus diesem Chaos wieder rauskomme ohne jemanden oder mir selbst zu schaden. Gut, meine Wahl, bzw. ich hatte eigentlich gar keine andere Wahl, fiel auf die Tiefgarage in der Innenstadt. Das war dann aber auch noch genau die Tiefgarage, die unter dem Uniplatz liegt. Somit natürlich Volltreffer. Auch da war die 1. Etage schon mal komplett gesperrt und überall Security. In der 2. Etage fand ich dann auch glücklicherweise einen Parkplatz und konnte dann zu meinem Seminarhotel laufen. Ziemlich entnervt kam ich dann auch dort an, wo sich der Dozent als erstes entschuldigte für diesen doch sehr unglücklich gewählten Tag. Gut, hat uns allen dann auch nicht mehr geholfen.

Das ganze Seminar fand dann im Zeitraffer statt, damit wir wenigstens eine reelle Chance hatten, Fulda noch vor Eintreffen der Menschenmassen zu verlassen. Also es war schon knapp und als ich zum Parkhaus lief, wimmelte es nur von Polizeibeamten, Securitypersonal und sogar Scharfschützen auf den Dächern waren ausreichend vorhanden. Wow! Also dann mal lieber nichts falsches machen, so ein Kopfschuss macht sich auch nicht so toll! Und bei meinem Glück……

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir diesen Tag komplett schenken können. Aber das konnte ich ja nicht wirklich vorher ahnen. Aber was tut man nicht alles für seine jährlichen Fortbildungspunkte.


26.- 27.08.2017

Am Samstag heirateten zwei liebe Bekannte von mir. Für „Sie“ ist es der zweite Versuch, für „Ihn“ der Erste. Es war eine wirklich sehr schöne Feier. Sehr lustig und ungezwungen, es wurde viel getanzt und gelacht. Die Musik war anfangs etwas eine Zumutung und der „Sänger“ grenzte schon an Körperverletzung. Mit zunehmenden Fortschreiten des Abends, wurde es dann irgendwie besser. Keine Ahnung woran das lag.

Und zu guter Letzt bin ich noch in einen Hinterhalt geraten. Ich bin mir sicher, dass war geplant. Dummerweise habe ich den Brautstrauß gefangen. Eigentlich eine Sache, die ich so gar nicht wollte und mich davor auch klamm heimlich verdrücken wollte. Aber so irgendwie ging alles ganz schnell, Frank zog mich etwas unwirsch aus der Ecke mitten ins Geschehen und schon flog das Ding. Ja und irgendwie war meine Reaktion wohl noch so gut vorhanden, und mein Eigenschutz im vollen Umfang eingeleitet, dass ich dieses Ungetüm gefangen habe. Denn an den Kopf wollte ich den Strauß auch nicht kriegen. Mit großen „oh“, „ah“, „ach“, „die Marie“, „wie schön“…. Wurde die Sache dann lauthals gefeiert. Also von allen anderen. Frank und Marc waren total entzückt, die Marie, also ich, eher etwas verstört. Tja, nicht mal mein Versuch, das Ding einfach stehen zu lassen, glückte. Es wurde penibel darauf geachtet, dass ich den Strauß auch ja mitnehme.

Joa! Also besitze ich nun halt einen Brautstrauß und nein, ich werde wohl eher nicht die Nächste sein! Irgendwann lag ich dann gestern morgen um halb sechs, mit Brautstrauß, im Bett. Aufgewacht bin ich kurzfristig mal so gegen 11 Uhr, mit wahnsinnigen Kopfschmerzen und ziemlicher Übelkeit. Das legte sich aber alles wieder nach weiteren fünf Stunden Schlaf. Nur der Brautstrauß, der war immer noch da.

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„Das Leben ist wie eine Windows Installation. Gerade wenn man denkt, man hat alle Updates, tauchen 149 neue auf und das System stürzt ab!“


28.08.2017

Heute ging es wieder los, nach ein paar eher unbeschwerten Tagen, kam nun wieder ein eher schwerer Tag. Chemo 4/6 stand heute an.

Und wieder der Gang nach Canossa. Ich bin natürlich heute morgen selbst in die Klinik gefahren. Keine Ahnung warum, aber irgendwie musste das sein. Ob ich die Hoffnung hatte, evtl. am Nachmittag, nach erfolgter Chemo, selbst wieder nach Hause fahren zu können, ich weiß es nicht. Das übliche Procedere folgte auf dem Fuße. Blutkontrolle, ob alles für die Chemo gewappnet ist. Tja, irgendwie leben so einige Körperbestandteile von mir ihr eigenes Leben, machen so manchmal komplett ihr eigenes Ding. Nur das erklärt es eigentlich, warum immer irgendwie was schief geht. Ja, ich weiß, es gibt so viele, die viel schlimmeres aushalten müssen und ich sollte nicht so viel meckern. Jedenfalls gab es kurzweilig grünes Licht und die Chemo wurde angehängt. Alles gut erstmal soweit.

Dann ging´s los. „Nasenbluten“, nicht ein bisschen oder nur ein Getröpfel, nein so richtig. Es hörte einfach nicht mehr auf. Es ist blöd, es ist unangenehm, es wurde mir gewaltig schlecht, mein Kreislauf machte zwangsläufig auf doof. Und da hilft auch nichts, kein nasser Waschlappen, keine Tampons (richtig blöde Sache) in der Nase. Nichts. Rein gar nichts! Und das ist wirklich nicht wenig. Ich habe ja gerade sowieso nicht soviel davon zu entbeeren. Jedenfalls war es dann so schlimm, dass die Chemo abgebrochen werden musste. Na super! Umsonst gequält. Im Gegenzug bekam ich einige Medikamente zur Unterstützung der Blutgerinnung verabreicht, etwas Kreislaufstabilisierendes und zwei Konserven Thromboytenkonzentrat. Bäh!

Morgen das Gleiche nochmal und dann am Mittwoch, der nächste Versuch von Chemo 4/6. Frank und mein Vater holten mich dann ab, da selbst fahren, wohl nicht so eine gute Idee gewesen wäre und mein Auto musste da ja irgendwie auch wieder weg. Ich hätte auch die Nacht dort bleiben können oder sollen, wollte ich aber nicht. Ich werde schon noch oft genug dort „Gast“ sein. Nun bin ich zu Hause, mir geht es nicht so ganz gut, aber auch nicht so sehr schlecht. Mein Kreislauf ist noch ziemlich im Keller und übel ist mir von dem bisschen Chemo trotzdem. Manchmal habe ich wirklich keine Lust mehr. Also es wird jetzt wirklich definitiv Zeit, dass sich mal jemand erbarmt und das Licht hinten im Tunnel anknipst. Ich spendiere auch die Glühbirnen, Kerzen oder was auch immer. Ich muss doch noch dem Aberglauben des Brautstraußes gerecht werden. Aber so wird das wohl mal nichts! ;-)

28.8.17 23:08

bisher 12 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maccabros (29.8.17 06:33)
Danke fürs Teilen und alles Gute...


Mausihelga / Website (29.8.17 08:46)
Moin Marie,
ich drücke Dir weiter die Daumen, daß alles gut überstehst. Ist schon ein Krampf mit diesen verflixten Nebenwirkungen . Trotzdem kämpfst Du tapfer weiter und dafür bewundere ich Dich,
GLG Helga


Anja Herbig / Website (29.8.17 10:20)
Hallo Liebe Marie,
FULDA.. oh wie schön... ich würde so gerne wieder hin. War letztes Jahr dort (Schwanger/ was ich zu der Zeit weniger wusste). ABER es war so eine schöne Zeit, ich mag den DOM (habe ihn als Hintergrundbild - Fulda Dom, am PC. Weniger den Münster Dom/wo ich hier wohne). Ich finde FULDA ist nee reise wert. Ach, dass mit dem Brautstrauß finde ich auch irgendwie sehr schön zu lesen.
Lese gerade ein BUCH - Lebensschrei, Licht am ENDE des Tunnels... geht um was ganz anderes... aber einfach schön zu lesen; auch wenn ich irgendwie schon beim halben BUCH nur geweint habe; weil es auch etwas zum weinen ist. ABER ich finde es gut und wer weiß was das ENDE des Buches gibt, bin in der Mitte; habe es auf Youtube (mein Kanal) vorgestellt.
Eine Hochzeit, gibt es im Okt. von der Nichte meines Partners auch (ich bin in Reha, kann weniger SAGEN ob ich dafür FREIGANG bekomme).
Wünsche DIR viel kraft und schick dir etwas Licht (vielleicht SCHEINT ja die SONNE)!
Birnen und Kerzen habe ich genügend da... hihi, aber die bringen es wohl auch gerade kaum?!
Herzliche Grüße
deine ANJA


Indianwinter (29.8.17 10:40)
Keine Wirkung ohne Nebenwirkung, so heißt es wohl. Doch bei diesen Chemos leider besonders heftig, imnmer wieder.
Liebe Marie, auch von mir alles Liebe und Gute und weiterhin Daumendrücken und das mit dem Brautstrauss- nicht den Mut verlieren, das ist doch immer und zu jeder Zeit möglich, wenn der Richtige da ist.
LG, Indianwinter


Frank u. Marc (29.8.17 11:07)
Es tut mir so sehr leid, Marie. wenn ich könnte würde ich dir einen Teil davon abnehmen.

Hinterhalt? Nö! Wie kommst du darauf?

Seminar, ohne Worte, du kennst meine Meinung.

Und morgen wird es ganz sicher nicht so schlimm. es muss auch mal zum aushalten sein. und das ist morgen, wetten?

dein Franky


Pascale / Website (29.8.17 14:37)
Der Brautstrauß ist schön:-)


Marie / Website (29.8.17 15:27)
Ja, die Nebenwirkungen........da muss es jetzt aber so langsam mal eine bombastische Wirkung geben. Am Ende werde ich noch unsterblich .... puh, ich geb mir natürlich weiterhin Mühe. 😉

Fulda, ja ist nett, aber zum Teil schon sehr extrem und sehr katholisch 😅

Kein Hinterhalt 🤔 Also ich weiß nicht....sehr merkwürdig

Klar, morgen wird natürlich super 👍🏻 ich kann es kaum erwarten.....


Mausihelga / Website (29.8.17 15:38)
>>> Klar, morgen wird natürlich super 👍🏻 ich kann es kaum erwarten..... <<<

Galgenhumor - drück Dich mal


Elisabeth (31.8.17 17:02)
Hi Marie,
find ich ja voll witzig, dass ausgerechnet Du den Brautstrauß gefangen hast haha :-D Wer weiß, was noch kommt ;-)
Alles alles Gute für die nächste Chemo, diesmal klappt's bestimmt! Und hoffentlich mal OHNE Nebenwirkungen...jetzt hast ja schon so ziemlich alles durch, da muss ja mal Schluss sein!
ganz liebe Grüße!


(2.9.17 15:41)
Hast du alles überstanden, wie geht es dir?


Faradei (2.9.17 23:17)
Super Marie, finds voll Klasse, wie existentiell es dir war, nicht von den Scharfschützen erschossen worden zu sein.
Jahaa, auf durch den Kampf des Lebens.
Nicht mal ein Brautstrauß haut dich um.
Mein Gott, wer, wenn nicht du!!!
Du schaffst das!


Twity-Autor / Website (4.9.17 12:00)
Der Brautstrauß ist auch Hoffnung. Hoffnung auf glückliche Tage, ohne Krankheit und Ängste! Ich wünsche dir von Herzen alles Gute! :-)

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