Marie (adel-verpflichtet) "Unser Himmel ist derselbe"
 
 

Hinter dem Horizont - acht Monate oder doch ein ganzes Leben?

„Die Liebe findet für uns das, von dem wir gar nicht wussten, dass wir es uns wünschen.“


Auszüge aus meinen Notizen:

                                                                                                                                                    14. Dezember 2016

Heute bekam ich das Ergebnis: Nierenzellkrebs mit Lungenmetastasen. Im ersten Moment war ich erstarrt und eigentlich sollte ich Angst haben, aber ich fühle mich eigenartig, ein wenig, wie nicht von dieser Welt! Natürlich springe ich jetzt nicht gerade vor Freude in die Höhe, weil ich Krebs habe und bereits eine Niere hergeben musste, aber es macht wir gerade sehr bewusst, wie gut es mir doch immer ging. Ich liebe mein Leben. Ich liebe einige aus meiner Familie, meine Freunde, meine Arbeit und ganz besonders liebe ich meine Tochter.

Ich werde tun, was immer nötig ist. Ich werde siegen!

Ich bin die Mutter einer starken, fröhlichen, wunderschönen Tochter. Es ist meine Aufgabe, für sie da zu sein. Die Zeit durch die peinlichen Jahre der Pubertät haben wir schon gemeinsam geschafft, wenn sie irgendwann mal heiratet, werde ich an ihrer Seite sein. Ich werde sie niemals im Stich lassen. Niemals werde ich sie im Stich lassen und werde kämpfen, kämpfen, kämpfen und noch mal kämpfen, und dann lege ich noch einen drauf und kämpfe weiter.

Ich gelobe mit jeder einzelnen Faser meines Seins, mit sämtlicher Liebe und Kraft, die ich in mir habe, den Sieg!

 

                                                                                                                      Gesprächstherapie, Januar 2017

„Verstehen Sie mich nicht falsch, aber nur weil Sie nett wirken, bin ich noch lange nicht gerne hier. Sie wollen, dass ich Sie bei Ihrem Vornamen anrede, damit ich das Gefühl habe, wir seien dicke Freunde und das es ok sei, Ihnen den Kram zu erzählen, an den ich mich ungern erinnere und über den ich erst recht nicht sprechen will? Ich denke wir bleiben bei Dr. …..!

Als erstes fragte dieser Therapieheinz mich nach meiner Mutter und dann versuchte er tatsächlich, mich dazu zu bringen, die Farbe meiner Gefühle mit Buntstiften auf einen Block zu malen. Als ich fragte, ob das sein Ernst sei, erklärte er mir, ich würde mich gegen meine Gefühle wehren und dass ich mich „dem Prozess öffnen“ müsse. Zum Teufel mit ihm und seinem Prozess. Zwei Sitzungen habe ich durchgehalten. Die meiste Zeit habe ich darüber nachgedacht, ob ich ihn umbringen soll oder mich. Danach trennten sich unsere Wege und ich stellte für mich fest, dass ich nicht der Mensch bin, welcher sein bisher gelebtes Leben und die aktuellen Probleme, Auge in Auge mit einer mir fremden Person analysiert.

Genauso wenig wie eine Gesprächsrunde, dass war dann nämlich der nächste Vorschlag von meinem Arzt. Ich beneide Menschen die so etwas können, „haaallloooo, ich bin Marie, ich habe Krebs……………am Ende bekommt dann jeder noch eine schwierige Kindheit eingeredet. Nein, danke! Ich fand während meines Studiums die Psychologie-Studenten schon sehr interessant und hatte selbst als Nebenfach Psychologie eine Zeit lang belegt, aber letztendlich befunden, dass es nicht das Richtige für mich darstellt. Nun gut.

Ach, und für den Fall, dass sich jemand fragen sollte, ob ich schon immer so eine Zicke war? Nein!

Es begann im Frühjahr, 2016:

Ich stand gerade im Buchladen einer guten Freundin und half spontan aus, da gerade vor Ostern recht viel los war, als mein Handy plötzlich klingelte. Auf dem Display sah ich den Namen von meinem besten Freund Frank. Da diese Gespräche von der Länge manchmal ausarteten, drückte ich ihn weg. Wenn es wichtig wäre, würde er mir eine Nachricht schicken und ich könnte ihn später dann einfach zurückrufen. Aber mein Handy klingelte direkt wieder und ich ging kurz nach draußen um das Gespräch dann doch anzunehmen.

„Du bist hoffentlich zu Hause und genießt Deine freien Tage und ruhst Dich mal so richtig aus?“ kam es aus dem Handy.

„Yep“, sagte ich, „ich liege schon den ganzen Tag auf der Couch und genieße die Ruhe.“

„Lügnerin!“

„Kontrollfreak!“

Frank ist mein bester Freund. Wir kennen uns, seit ich mir während meines Studiums im Rettungsdienst etwas dazuverdient habe. Er ist Krankenpfleger und hatte ebenfalls eine Zeit lang im Rettungsdienst gearbeitet. Frank war schon immer anders, der schwule Sohn eines Geschäftsmannes aus unserem Ort und ich eben die etwas eigensinnige Tochter einer ziemlich bekannten Familie, ebenfalls aus unserer Region. Wir mussten uns einfach zusammentun.

„Laut meiner Zeitrechnung hast Du im Buchladen von Dorothea bereits vor zwei Stunden eingecheckt. Seit wann leitest Du diesen Laden?“, fragte er mich. „Schau mal geradeaus über die Straße, Marie!“

Ich blickte zu dem Café gegenüber der Buchhandlung, in dem saß Frank, das Handy am Ohr, in der anderen Hand ein Weinglas, mit dem er mir zuprostete. Er zeigte auf ein hohes Glas mit einem kaffeehaltigen Getränk, das auf dem Tisch vor ihm stand.

„Das ist hoffentlich eine Latte macchiato mit dreifachem Espresso“, sagte ich zu ihm.

„Mit extra viel Schaum“, kam es prompt zurück.

Ich meldete mich kurz in der Buchhandlung ab und ging zu Frank hinüber.

„Ich war so intensiv mit Ausruhen beschäftigt, dass ich eine Pause brauchte", sagte ich und boxte ihm seitlich in die Rippen.

„Marie, Du siehst wirklich ziemlich fertig aus, warum stehst Du seit Stunden da drüben im Buchladen und verkaufst Bücher? Die schaffen das auch ohne Dich! Ich weiß, Du liebst Bücher, aber ich glaube, Urlaub wäre nun wirklich die bessere Wahl für Dich!“ So war er und so ist er, Frank. Immer besorgt, immer fürsorglich, von allem manchmal etwas zu viel!

„Es ist alles gut, Frank. Das ist hier jetzt wirklich überhaupt kein Problem und war auch fast eine spontane Sache.“

„Da bin ich mir ehrlich gesagt nicht so sicher, aber Du bist die Ärztin.“

„Ich richte gerade für eine Lesegruppe einen Blog ein und habe mir überlegt, ob wir beide da nicht beitreten sollten? Du erinnerst Dich doch an die Canasta-Gruppe, die es jetzt mit Literatur versucht?“

„Mhm, klar.“ In Wirklichkeit stand ich erstmal auf dem Schlauch, aber es war in dem Moment leichter, so zu tun, als ob.

„Ich gehe in keine Lesegruppe. Meine Mutter ist in so einem Kaffeekränzchen.“

„Ja, in demselben wie meine.“

„Na super!“ Die Lesegruppe oder was auch immer meiner Mutter konnte sich nicht einmal darauf einigen, wie viel Zucker in den Kaffee oder Tee gehört, und diese Gruppe hatte sogar einen Blog? Frank zeigte mir über sein Handy den Link und klickte ihn an. „Leserinnen mit Anspruch“, ich war beeindruckt. Die Damen hatten sogar ein Logo.

„Aber das sind nur Damen, und Du bist keine Dame, naja d. h. vielleicht sehen die das ja bei Dir sogar ein wenig anders.“ Diesmal bekam ich einen Puff in die Rippen.

„Die treffen sich nur einmal im Monat und lesen tun sie bloß altes Zeug. Nur tote Dichter.“

„Aha, und das soll mich jetzt überzeugen? Dann können die sich doch auch quasi umbenennen: Der Club der toten Dichter, würde es dann doch besser treffen. Und die müssen wirklich tot sein?“

„Ja, das ist eine ihrer Voraussetzungen. Und natürlich ist alles nur vom Feinsten.“

„Warum sollte ich so was machen wollen?“

„Weil ich keinen Bock habe, da alleine hinzugehen und wir schon vieles gemeinsam gemacht haben.“

„Ich werde darüber nachdenken, aber sehr viel Hoffnung kann ich Dir leider nicht geben.“

„Marie? Du solltest erst mal an der Sache mit etwas Urlaub arbeiten, ich habe das Gefühl, bei Dir läuft es grad nicht so rund.“

„Was Du immer so fühlst.“

Er hat es verdammt nochmal geahnt, dass etwas nicht stimmte mit mir.

Und dann:

Ich kann nicht gut schlafen. Das geht schon seit Tagen so. In den Tagen in der Klinik war das auch schwierig, es ist nie richtig dunkel dort. Nie. Irgendwo lassen sie immer ein Licht an. Aber das ist nicht das Einzige. Ich muss einfach ständig daran denken, warum ich dort gelandet bin. Ja, natürlich weiß ich das: Ich habe mich auf das Spiel mit dem Tod eingelassen. Ein gefährliches Spiel! Ich wäre Ende letzten Jahres fast gestorben und auch im Januar kam es zu einer Situation, die wirklich sehr haarig war und nun bin ich immer mal dort, wo auf dem langen und schmerzvollen Weg der Genesung die Lichter nie ganz ausgemacht werden. Das weiß ich. Aber was ich nicht weiß und echt gerne wissen würde ist: wie. Ich will wissen, in welcher Sekunde genau die kleinen bösen Zellen in mir angefangen haben zu wuchern und wie kleine Sandkörner in meine Blutbahn gerieselt sind.

Das kann ich natürlich nicht wissen, aber das heißt nicht, dass ich es nicht wissen will oder einfach so nicht mehr daran denken könnte. Das Frustrierende an meinem Zustand ist, dass ich jede Menge Zeit zum Nachdenken habe, gleichzeitig aber meine Lebenszeit schwindet. Die Zeit vergeht unglaublich langsam und irre schnell zugleich, sie rast und schleicht, langweilt und bringt mich in Aufruhr.

Natürlich kann man sein ganzes Leben mit der eigenen Sterblichkeit leben, man kann sein ganzes Leben lang wissen, dass eines Tages der letzte Tag gekommen sein wird und trotzdem nicht wirklich wissen oder wissen wollen, was das eigentlich heißt. Jedenfalls nicht, bis der letzte Tag dann da ist. Mir ist der Tod schon in verschiedenen Situationen begegnet.

Im letzten Frühsommer hatte ich beschlossen, immer vor dem Frühdienst eine Stunde vorher aufzustehen, um die relativ morgendliche Ruhe zu genießen, bevor ich meinen Dienst im Krankenhaus antrat. Ich bin Ärztin und arbeitete auf der Gynäkologie – Geburtshilfe. Die Stille auf den noch wenig belebten Wegen, bot mir den nötigen Raum, um noch mal tief durchzuatmen, bevor ich viele Stunden lang die Luft anhalten musste. Daher hatte ich das Joggen für mich entdeckt. Zwar wohl etwas im Schneckentempo, aber ich kam immer etwas besser voran. In den letzten Wochen hatte ich deutlich bemerkt, dass mein Leistungspensum deutlich abgenommen hatte und ich dachte immer mal an Franks Worte: „Irgendetwas stimmt nicht mit Dir.“ Wahrscheinlich war es dann doch das „Alter“ oder eben die Schichtarbeit, die irgendwann auch nicht wirklich leichter und einfacher wird. Ja gut, da gab es auch noch so viel anderes. Schwesternschule, die Flüchtlinge, der Chor und dann noch der Vorstand im Karnevalsverein. Aber es ging ja irgendwie immer alles. Das mit dem „Club der toten Dichter“, hatte ich dann doch erfolgreich abgewehrt. Das wäre dann doch zu viel des Guten gewesen.

Diese eine Stunde Ruhe am frühen Morgen, war für mich die Zeit des Tages, in der ich Ruhe verspürte. Meine ganz persönliche Atempause.

In mitten dieser Fitness-Findungsphase, entschied sich Frank, mich etwas für die Partywelt zu mobilisieren. Das ist etwas, was in den letzten Jahren doch deutlich zu kurz gekommen ist. Aber dazu fehlte mir auch wirklich etwas die Zeit und manchmal befand ich schlafen dann einfach für wichtiger. An einem Samstag Abend im letzten Sommer, als ich es mir gerade auf der Terrasse in meinen Schlapperklamotten gemütlich gemacht hatte, kam Frank auf einmal durch den Garten und setzte sich zu mir.

„Du kannst doch nicht nur hier rum hocken“, hatte er gesagt und mich aus meinem Stuhl hochgezerrt und ins Haus geschoben.

„Du bist gerade mal zweiundvierzig und in der Blüte Deines Lebens, dass solltest Du genießen und immer wenn es möglich ist, auf die Piste gehen!“

„Du bist in der Blüte Deines Lebens, ich bin wohl schon eher auf dem absteigenden Ast“, sagte ich, obwohl ich wusste, dass er es nicht ausstehen konnte, wenn ich derartige Anspielungen auf eine mögliche Lebenserwartung machte. „Und abgesehen davon, kann ich so lange hier rumhocken, wie ich will.“

Nach ein paar Minuten entschied ich dann doch: "Na gut, ich komme mit.  Ich ziehe mich nur gerade etwas um.“

Frank grinste sich einen nach seinem Siegeszug und setzte sich auf die unterste Treppenstufe in meinem Hausflur.

Es dauerte ein wenig, bis ich soweit war, denn irgendwie trug ich fast nur meine weißen Klinikklamotten, die meistens aus einer weißen Jeans und einem Poloshirt bestanden oder dann eben den etwas „bequemeren“ Look zu Hause. Daher dauerte es ein wenig, bis ich mich für ein passendes Outfit entscheiden konnte. So blieb es nicht aus, dass ich mich auch mal wieder länger und genauer im Spiegel betrachtete. Und genau da stellte ich es dann irgendwie wohl auch selbst fest, jedenfalls wenn ich das heute so für mich reflektiere. Fast alles war mir zu weit geworden, es fehlten mir deutlich einige Kilos und meine doch sehr blasse Silhouette machte es in dem Moment nicht unbedingt besser. Ich entschied mich dann für ein Sommerkleid, welches die ganze Sache etwas erträglicher machte und mit etwas „Farbe“ im Gesicht, sah die ganze Sache dann gar nicht mehr so übel aus. Schadensbegrenzung! Aber etwas nachdenklich machte mich das Ganze in dem Moment schon. Ich weiß nicht mal, ob es mich beunruhigte und welche Frau hat nicht gerne mal so ein paar Kilos unbemerkt weniger?

Als wir durch die Tür des Hauses traten, wo die Party stattfand, hätte ich fast auf dem Absatz schon wieder kehrtgemacht, aber Frank hatte die Hand in meinem Rücken und schob mich hinein. Es hatte irgendwie den Anschein, als wolle er mich beschützen oder beruhigen. Dabei waren das ja alles Menschen, die ich schon viele Jahre kannte. Leute, mit denen ich an der Uni war, mit denen ich viele Partynächte durchgemacht und so einiges verrücktes erlebt hatte. Menschen, mit denen ich Kaffee trinken und lachen konnte, die immer irgendein Gesprächsthema fanden und dabei gleichzeitig unangenehme Fragen vermieden.


 

„Marieeeeeeeee!“ Christine, meine quasi beste Freundin an der Uni, rannte den Flur entlang, auf mich zu und fiel mir um den Hals. „Ach, Scheiße, ist das schön, Dich zu sehen! Du siehst klasse aus! Wie geht´s Dir? Was gibt´s Neues? Bist Du verheiratet? Wie läuft´s in der Klinik?“

Sie hakte sich bei mir unter, dirigierte mich in Richtung Küche und legte auf dem Weg kurz den Kopf auf meine Schulter. „Mir geht´s gut“, sagte ich und nahm ein angebotenes Bier an. „In der Klinik läuft es so ganz gut, viel zu tun. Und nein, verheiratet bin ich immer noch nicht und daran habe ich auch nicht vor etwas zu ändern.“

„Wie cool!“ Sie freute sich ehrlich. „Echt cool, weil, weißt Du, die Uni war für mich im Prinzip die reine Zeitverschwendung. Arbeiten war hinterher für mich eh nicht so das Ding und mehr wie Schulden von dem blöden Bafög, hat es mir letztendlich nicht gebracht. An Sex und Alkohol kommt man ja wohl auch billiger ran. Ich hab´ Dir tausend E-Mails geschrieben, aber Du antwortest ja nie. Hast wahrscheinlich doch viel zu tun, als Frau Doktor.“

Sie verstummte, sah mir forschend ins Gesicht und nahm mich dann wieder in den Arm. Mein Gesicht verschwand in ihrem Haar und ich erwiderte die Umarmung. Ich hatte gedacht, mir hätte all das überhaupt nicht gefehlt, die Leute, die ich in einem langen Zeitraum meines Lebens fast jeden Tag gesehen hatte. Das redete ich mir jedenfalls ein, aber an dem Abend merkte ich, dass genau das Gegenteil der Fall war.

Ich freute mich in dem Moment, sie zu sehen, und war froh, dass ich gekommen war. Vielleicht war es in diesem Moment in meinem Unterbewusstsein schon ziemlich klar, dass sich sehr bald in meinem Leben oder besser gesagt, mit mir, etwas gewaltig ändern würde. Der Tod lauerte wohl schon in mir und einige sensible Menschen, sahen mir das womöglich schon an.

Aber es würde dem Universum ähnlich sehen, einem so richtig vor den Koffer zu scheißen, wenn man gerade zufällig mal glücklich war. Meiner Erfahrung nach ist das Universum nämlich eine ziemlich linke Bazille.


Das Gute daran, mit meinen alten Freunden zusammen zu sein, war, dass ich nicht viel erklären und beantworten musste. Es war eine Erleichterung, mit den Leuten zusammen zu sein, die sich, seit ich Teil ihres Lebens geworden war, auf mich einlassen konnten.

Christine war immer die etwas Leichtlebige, wie soll ich es sagen, unentschlossene Frohnatur und hatte nun schon drei Ehen hinter sich, die nie länger wie zwei Jahre andauerten. Es dauerte auch nicht lange an diesem Abend, da steckte sie bereits bis zu den Mandeln in einem Typen, von dem ich vermutete, dass sie ihn angeschleppt hatte, weil ich ihn nämlich noch nie gesehen hatte. Also bahnte ich mir den Weg durch die vielen Leute und suchte Frank.

„Marie!“, kreischte Regina mir entgegen und drückte mir einen Kuss auf die Wange. „Ist das schön, Dich zu sehen! Wenn Du hier bist, heißt das, dass Frank auch hier ist, wo ist er? Junge, Junge, der ist ja wirklich scharf geworden……………Äh, Ihr seid doch nicht….?“ „Nein, an Franks Gesinnung hat sich nichts weiter geändert, er ist immer noch auf der Suche und sein Interesse liegt weiterhin nicht an weiblichen Personen.“

„Hallo, Marie“, sagte Robert, an der Uni jahrelang der Herzensbrecher vom Dienst. „Wie läuft´s? Wie geht es Dir?“ Er war noch genauso blond und gut gebaut wie damals. Und er war auch noch genauso ungelenk, höflich, freundlich und groß wie damals, alles was mich als Anfang zwanzigjährige beeindruckte. Aber jetzt nicht mehr, wie ich mit Interesse und Genugtuung feststellte. Jetzt fand ich ihn immer noch sehr nett, aber irgendwie langweilig.

Ich ging weiter von Zimmer zu Zimmer, und jedes Mal, wenn ich auftauchte, machten alle schnell ihre Zigarette aus. Manche Dinge manifestieren sich ein Leben lang. Ich war bekannt dafür, dass ich „Rauchen“ nicht gut fand und das auch schon offen kundtat. Ich fühlte mich wohl. Ich fühlte mich zu Hause. Unter Freunden. Ich fühlte mich wie eine einundzwanzigjährige auf einer Party und somit entspannte ich mich.

 
Als ich Frank dann fand, war er betrunken. Bei ihm läuft das immer auf seine ganz eigene Art ab: Er wirkt sehr lange völlig nüchtern, und dann ist er schlagartig sturzbesoffen. An dem Abend war er total cool, fing irgendwann an zu tanzen, zu lachen, herumzuwirbeln, nahm Leute in den Arm, spielte Luftgitarre, laberte Frauen und vor allem Männer an, unter anderem „Marc“, denen sein Quatsch Spaß machte.

Ich stand in einer Ecke und sah ihm dabei zu. Lächelnd. Er will so gerne der Coole sein, der Typ aus der Rockband, der Rockstar, dem es scheißegal ist, was andere von ihm halten, aber es dauert in der Regel nicht lange, dann ist er wieder ganz der schräge Alte: der Typ, den ich seit Ewigkeiten kenne. Der, der nachts aussieht, als könnte er Fledermäusen die Köpfe abbeißen, der tagsüber aber stellvertretender Geschäftsführer eines Weltkonzerns sein könnte.


Auf einmal stürzte er sich auf mich, packte mich bei den Schultern und ließ sich mit mir aufs Sofa fallen. Dabei war er ein bisschen zu ruppig und ich ein bisschen zu höflich.

„Du bist vielleicht ein Depp“, sagte ich in einem liebevollen Ton.

„Und wieso bin ich dann Dein bester Freund?“

„Ach halt die Klappe.“ Ich verzog das Gesicht, als er wie ein etwas zu hingebungsvoller Hund seine Wange gegen meine rieb.

Ich beschloss, ihn vor sich selbst zu schützen, und zwar indem ich ihn glauben ließ, er würde mich beschützen, denn dann würde er nicht mehr ganz so viel trinken.

„Weißt Du was? Ich hab keinen Bock mehr auf die Party. Ich glaub, ich geh jetzt lieber. Bringst Du mich nach Hause?“

„Nein, noch nicht gehen“, sagte er. „Es macht gerade Spaß hier, und da willst Du schon nach Hause.“

„Scheiße“, sagte er. „Ich bin total besoffen. Tut mir leid. Sorry.“

Ich stand auf und ging zur Toilette. Als ich zurückkam, saß Frank mit zurückgefallenem Kopf und offenen Mund da und schlief. Ich fuhr alleine mit dem Taxi nach Hause. Als ich Frank am nächsten Tag wiedersah, sagte er, er könne sich praktisch an nichts mehr erinnern, und ich solle ihn bitte nie wieder etwas trinken lassen.

Ein knappes halbes Jahr später wurde ich mit akutem Nierenversagen in die Klinik eingeliefert. Die Schmerzen, diese verdammten Schmerzen, die Übelkeit, das Erbrechen, die Luftnot, haben mich seitdem fast all meine Kraft gekostet. Und dann dieser Augenblick, dieser einzige Augenblick vollständiger Klarheit, als die Ärzte zu meinem Bruder und mir sagten: „Es tut uns leid, aber wenn es ungünstig verläuft, liegt Ihre Lebenserwartung bei maximal 8-12 Monaten.“

Da dachte ich mir: Ich bin noch nicht so weit. Ich bin einfach noch nicht so weit. Und tatsächlich, ich habs geschafft, ich bin noch hier, ich lebe noch und bin auf dem besten Weg, dass hinter mir zu lassen und in einigen Monaten werde ich ins Leben zurückzukehren. Diese Runde habe ich gewonnen. Trotzdem würde ich es gerne wissen wann genau ich dem Tod die Tür geöffnet habe, ich habe Angst, nicht genügend auf der Hut zu sein, wenn er das nächste Mal anklopft.

Schon möglich, dass der Tod mir im Nacken sitzt und nur auf den kleinsten Fehler meines Immunsystems wartet, um wieder die Überhand zu gewinnen. Schweigen und hinnehmen war noch nie meine Tugend. Ich rede gerne und zerpflücke und hinterfrage Dinge auch dann in sämtliche Einzelheiten, wenn mir völlig klar ist, dass ich damit weder zu einer Lösung noch zu einer Antwort kommen kann.

In der ersten Zeit nach der Operation und der klaren Diagnose, als es mir einigermaßen gut ging, bin ich öfters zur Kirche gegangen. Die Kirche war mir immer wichtig, aber seitdem hadere ich mit Gott. Ohne eine Antwort zu erwarten, hatte ich jede Menge Fragen gestellt, auch etwas lauter und einmal sogar Jesus den Mittelfinger gezeigt.

„Na, Gott? Was schlägst Du jetzt wohl vor?“ hatte ich vor ca. acht Monaten in der Kirche gefragt.

„Ah, Marie, Sie sind das.“ Pfarrer Ludwig war plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht und hatte sich neben mich auf die Bank gesetzt. Stumm hatte er nach vorne geblickt.

„Ich habe es gehört.“, sagte er zu mir.

„Ja, und?“

„Sie sind wütend, und Sie haben Jesus den Mittelfinger gezeigt.“ Er schüttelte den Kopf.

„Woher wissen Sie das?“, fragte ich ihn etwas unsicher.

"Die Küsterin hat hinten im Altarraum die Weihnachtsdeko sortiert."

„Ich habe sie gar nicht gesehen.“

„Ja, die ist wie ein Ninja-Krieger. Marie, ich verstehe Sie.“

„Nein, das tun Sie eben nicht.“

„Meine Mutter ist ebenfalls an Krebs gestorben.“

„Ihre Mutter war Vierundneunzig!“

„Liebe bleibt Liebe, Marie.“

„Nein, das stimmt nicht, und hätten Sie ein Leben voller Liebe gelebt, anstatt sie nur zu predigen, würden sie es verstehen. Also seien Sie mir bitte nicht böse, von allen Menschen, die versuchen mich zu trösten, haben ausgerechnet Sie nun wirklich gar keine Ahnung!“

„Wenn Sie das so sehen, Marie.“

„Haargenau so, tut mir leid.“ Anschließend ging ich nach Hause. Seitdem war ich nur noch sporadisch zu feierlichen Anlässen in der Kirche, nie mehr einfach so im Gottesdienst. Mein Glaube an Gott hat einen gewaltigen Knick erlitten. Ich zweifle und ich hoffe, dass die Sache mit dem Leben nach dem Tod und die Ewigkeit, reine Fiktion ist. Solch´einem Psychopathen möchte ich ungerne ausgeliefert sein.

Und jedes Mal, wenn ich wieder in die Klinik muss und dort einige Tage meines doch mittlerweile für mich sehr wertvollen Lebens dort verbringe, ist es der Gang nach Canossa. Jedes Mal wieder aufs Neue.

Anfangs begleitete mich mein Bruder Hannes, später mein Vater, zwischendurch und in der letzten Zeit Frank. Frank arbeitet als Krankenpfleger genau in dieser Klinik, aber auf einer anderen Station.

Er ist für mich da, wenn ich ihn brauche, obwohl er mit seinem Marc sicher besseres zu tun hätte. Meine manchmal etwas „anderen“ Scherze mag er so gar nicht. Das konnte Hannes auch immer sehr schlecht ertragen.

Die privaten Einzelzimmer sind ja schon recht gut hergerichtet und ausgestattet und als Frank bekennend feststellte, dass das Bad riesig ist und ebenso auch die Badewanne eine Größe zum Ertrinken hätte, konterte ich, dass ich es mir merken werde, falls es zu schlimm wird. Das fand er dann weniger gut.


Die Schwestern und Pfleger der Onkologie kennen mich bereits ganz gut, die etwas Älteren auch noch aus meiner Zeit als Assistenzärztin. Somit ist unser Verhältnis auch sehr freundschaftlich und locker.

Nach der Aufnahme werden dann immer die allgemeinen Dinge dokumentiert, wie aktuelle Medikation, Unverträglichkeiten (ha ha ha) usw.

Letzte Woche, als Schwester Bettina mich aufnahm und dann mit mir alles durchging, Frank im Sessel dabei saß und alles akribisch verfolgte und in sich aufnahm, ging es wieder sehr locker zu.

„Na, alles soweit okay bei Ihnen?“

„Naja, ich lebe noch. Das könnte man als Pluspunkt werten. Aber wenn es ganz okay wäre, würde ich jetzt wohl nicht hier einchecken, aber über die Türschwelle habe ich es gerade noch so geschafft.“ Frank verdrehte zwischenzeitlich mehrfach die Augen.

„Okay, könnten wir jetzt die Medikamente durchgehen?“

„Ich bin natürlich vorbereitet und habe Ihnen das alles notiert.“

„Nichts anderes hätte ich von Ihnen erwartet“, meinte Schwester Bettina. „Wie sind Ihre Schmerzen“.

„Erträglich.“

„Ok. In einer Stunde gibt es Essen. Wurstsalat mit Brot.“

„Auch wenn ich das sonst wohl mögen würde, klingt das grad widerlich.“

„Bei uns arbeiten die besten Köche, ich hoffe Sie wissen das zu schätzen.“

„Natürlich.“

„Wenn Sie etwas brauchen, eine Streicheleinheit, eine Fußmassage, eine Maniküre oder was auch immer, einfach klingeln.“

„Danke!“

Tja, was will ich denn eigentlich mehr! Alle vier Wochen Wellness & Spa – so what??

Im Vergleich zu einer Chemotherapie sieht der Tod wie Urlaub aus. Alphabetisch gesehen oder gesungen kann ich die Nebenwirkungen bereits in dieser Reihenfolge aufzählen:

Ausschlag, Augenbrennen, Atemnot, Bauchschmerzen, blaue Flecken, Brustschmerzen, bei C gibt’s mal nichts, Durchfall kommt auch mal vor, Entzündungen der Mundschleimhaut und des Rachens, Erbrechen, Fieber, Gedächtnislücken, Gewichtsverlust und Grippesymptome, Haarausfall, Herzrasen, I-J auch mal nichts, Kopfschmerzen, L nichts, dafür bleierne Müdigkeit, Nasenbluten, R wieder nichts und zum Endspurt: Schmerzen, Schüttelfrost, Schwindel und Sodbrennen, Taubheitsgefühle, Übelkeit, von V-Z habe ich nichts vorzuweisen. Abgesehen von diesen Dingen, ist eine Chemotherapie natürlich der reinste Spaziergang.  

Meine Freundin Katja ist toll. Sie hat sich über die richtige Ernährung während einer „Krebstherapie“ überall schlau gemacht und besteht darauf, wann immer es ihr möglich ist, mir frischen Saft zu pressen. An allen anderen Tagen, da besteht sie auch wieder drauf, und das musste ich ihr versprechen, muss ich auf diese fertigen Obst-Gemüse-Smoothies zurückgreifen. Am Wochenende vor der Chemo 3/6, haben wir ein grünes Gebräu fabriziert, das ihr durch die Nase wieder hochgekommen ist, und als sie mit Würgen und Weinen fertig war, sagte sie: „Jetzt kotzt Du wenigstens nicht mehr allein, Marie.“


Mein Vater hat extra das SMS-Schreiben gelernt. Whatsapp verweigert er noch mit voller Inbrunst. Aber er ist mittlerweile ganz gut im SMS-Schreiben und ihm und auch mir ist es wichtig, dass wir miteinander kommunizieren können, wenn mein Schädel so dermaßen brummt, dass ich kaum sprechen kann.

Mein Cousin Thomas, unser Weltenbummler und Gigolo in Person, ist ständig unterwegs. Aber wir haben schon seit dem Sandkasten ein wirklich gutes Verhältnis. Er meldet sich oft und schickt mir gerne mal seltsame Dinge aus aller Welt. Es sollen spezielle Dinge aus verschiedenen Spas dieser Welt sein. Manchmal wirklich merkwürdige Dinge, die auch merkwürdig riechen.

Gabi ist der helle Stern meiner dunklen Tage, sie huscht kurz rein und wieder raus, bleibt nie länger, als mir guttut, und weiß immer, was sie sagen soll, und wenn es nur „Ich weiß nicht was ich sagen oder tun soll“ ist. Manchmal singt sie mir ein Liedchen vor, welches sie sich extra für mich ausgedacht hat. Sie ist witziger, als ihr bewusst ist.

Es gibt so viele die mich begleiten und ich glaube wenn es mir irgendwann einfällt, die ganzen Süßigkeiten zu essen, die ich immer mitgebracht bekomme, dann ist wohl der Krebs das kleinere Problem. ;-)

Frank ist toll! Es ist super einen schwulen Freund zu haben, außer den anderen ganz vielen Dingen, mit denen er mir gut tut, ist er natürlich auch sehr auf meine Körperpflege bedacht. Mein Badezimmer gleicht mittlerweile einer Drogerie, ich glaube er findet immer wieder etwas Neues was er mir mitbringen kann. Danke dafür! Du bist einfach toll!

Dann gibt es Menschen, die sucht man nicht, die treten einfach in Dein Leben und sind genau im richtigen Moment da. Sie gewinnen immer mehr Bedeutung und tun einfach gut, weil sie etwas wecken, was ich glaubte vor langer Zeit irgendwo begraben zu haben. Und das ist das Beste, zu merken, dass ich so jemanden vielleicht im Unterbewusstsein schon lange gesucht habe. ;-) Danke, dass Du da bist und Dich dem ganzen Wahnsinn stellst!

Egal, ob es mir zum kotzen schlecht ist, ob ich erschöpft bin oder Angst und Panik kriege, ein Weinkrampf mich plötzlich überrennt, eines bin ich definitiv nicht: allein!

Der Schmerz, den ich anderen bereiten muss, ist unerträglich. Und das tut mir manchmal mehr weh, wie alles andere! Es tut mir so wahnsinnig leid.

Ich versuche keine Angst zu haben, ganz oft bin ich einfach nur wütend und ja manchmal reichen meine beiden Mittelfinger dann einfach nicht aus. Aber wisst Ihr was? Ich werde das schaffen, auch wenn die noch restlichen drei Chemos für mich eine große Gefahr bedeuten! „Ding Dong, nächste Runde……….

30.8.17 16:49

Letzte Einträge: Menschen......Seele, Mäuse-Luftwaffe und so ;-), Frühling vs. Herbst und der verwunschene Prinz ;-)

bisher 10 Kommentar(e)     TrackBack-URL


padernosder (7.8.17 07:11)
Hallo Marie,

nun hast Du Dir Vieles "von der Seele geschrieben". Du bist nicht allein, es sind "hier" sogar Menschen "bei" Dir, die Du gar nicht kennst, deren "Kommentare" Du aber hoffentlich haben willst. ;-)

Die Frage "wann hat das alles angefangen?", um dann zu wissen, wie dem vorzubeugen sei, da denke ich, es gibt nicht den "einen" Anfang zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt.

Dieser offene Einblick in einen Teil Deines Lebens... es liest sich wie ein Buch und der Leser muß sich klar machen, das ist kein Buch, daß jemand schreibt, der seine Leser unterhalten will. Ist es vielleicht ein Schrei in die Leere, eine Verzweiflungstat, ein dringend notiges Ventil?

Es ist beeindruckend und auch bedrückend, das alles zu lesen. Es geht schließlich um Leben und Tod. Ehrlich gesagt, ich möchte gar nicht so hautnah dabei sein, weil ich "null" Einfluß habe, weil mit mir etwas gemacht wird, weil ich bei all dem nur eine "Marionette" bin.

Ich überlege ernsthaft, ob ich Deine Beiträge noch lesen soll. Das ist keine Lektüre, die man als Leser "genießt", aber so wollte ich es immer sehen.

Du hast Recht mit dem Pfarrer. Natürlich versteht er Dich nicht und auch ich verstehe Dich nicht. Was will ich denn überhaupt "hier", in Deinem Blog. Bin ich ein Voyeur, der Mitleid bekundet und eigentlich seine Neugier befriedigt?

Die Vermutung, Dir "hier" vielleicht auch nur ein winzig kleines Bisschen helfen zu können, ist die einzige "Berechtigung", Deine Beiträge zu lesen und sie zu kommentieren. Deswegen will ich versuchen, nicht zu sehr an meine Probleme mit den Deinen zu denken. ;-)


Mausi / Website (7.8.17 07:59)
Moin Marie,
nun hast Dir vieles von der Seele geschrieben - solltest von dem ganzen Scheiß ein Buch schreiben . Ich leide immer mit beim Lesen, aber toll, daß gute Freunde hast real. Ich habe nur Freunde im Internet - die realen haben sich alle zurückgezogen, da ich mit der MS nicht so mithalten kann . Im Augenblick geht es mir auch total beschittert, Mittwoch muss ich zur Neuro. Kann sein, daß ich mit der Chemo weitermachen muss . Wünsche Dir von Herzen alles Liebe und Gute, Helga


Frank und Marc (7.8.17 11:51)
Ich liebe dich!
Diese Sache mit den Fledermäusen, da sollten wir nochmal drüber reden. ;-)

Ich erinnere mich an den Nachmittag, als ich dich beim "Ausruhen" in der Buchhandlung erwischt habe. ;-) Auch an die Party und auch daran, das du mich einfach da hast sitzen und schlafen lassen. Dafür bin ich dir wahnsinnig dankbar, denn sonst hätte ich jetzt nicht Marc.

Du oder besser "wir" alle schaffen das. und die hatten sowas von Unrecht. Acht Monate, lächerlich.

Nur bitte, mach bitte keine unnötigen Dinge, du weisst selbst, das es nicht gut ist. Und es geht dir gerade nicht gut. überhaupt nicht gut.


Indianwinter (7.8.17 15:01)
Liebe Marie,
ich versuche auch einen etwas sachlichen Ton hier zu finden, doch es fällt schwer, denn es ist immer wieder berührend und bewegend, in deinen Leidensweg einen Einblick zu bekommen.

Du schreibst wieder richtig toll und, wie es Helga schon hier angesprochen hat, schreib ein Buch über deinen Weg. So manch einem hilft es dabei, so etwas zu verarbeiten auch zusammen mit deinen Erlebnissen in Afrika und den tollen Fotos dazu.

Zukunftsmusik, ich weiß, nun liegen erst noch drei Chemos vor dir, mit all deiner Angst und Wut und dann musst du gesundwerden.
Und Mittelfinger hin oder her, da hat jeder Verständnis und ich bin überzeugt, auch Gott oder Jesus, sie wissen schließlich, was dir aufgebürdet wird.
Auch ich hoffe, dass es irgendwie ein wenig hilfreich für dich ist, wenn du alle dies Kommentare hier liest, mehr kann man eben leider nicht tun und es fällt nicht leicht, immer die richtigen Worte zu finden...
Viel Kraft und Mut weiterhin liebe Marie, LG, Indianwinter


pally (7.8.17 19:51)
Liebe Marie, ich finde es mutig von dir, dass Du Dein Innerstes vor uns allen nach außen kehrst. Bestimmt tut es Dir gut, über Deine Gefühle, Ängste und Beschwerden zu schreiben, es befreit und hilft der Seele. Und das alles in einer lockeren Art...... Einfach super, wie Du das schaffst. Bleib weiter so aktiv, vielleicht schüttet das Gehirn dann gerade in diesen Momenten Botenstoffe aus, die den Genesungsverlauf beschleunigen. Es wäre schön für Dich. LG pally


mausfreddy (7.8.17 22:28)
Hallo Marie!
Ich habe deine Geschichte gelesen. Ich bin immer wieder tief beeindruckt, wie du über deine Krankheit schreibst.
Leider kann ich mich nicht so gut ausdrücken.
Es ist schön so einen guten Freund zu haben.
Meine Gedanken sind oft bei dir und hoffe, dass du die nächsten drei Chemos gut verträgst.
L.G. mausfreddy


betoni / Website (8.8.17 09:37)
ich habe mir die zeit genommen um diesen teil deines lebens zu lesen. eigentlich hab ich die zeit nicht. aber du kannst auch nicht sagen ich hab die zeit für meinen krebs nicht.
meine tante sagt immer zu mir, wenn du probleme hast, schreib dir alles von der seele dann geht es dir besser. ich hoffe es wirkt auch bei dir.
ich glaube ich hätte schon lange aufgegeben. gut das du freunde und familie hast die mit dir kämpfen.
bleib weiter so tapfer.
lg renate


NickNackMan / Website (9.8.17 16:43)
Hallo Marie, jetzt habe ich mich, dem Urlaub sei Dank, doch mal ein wenig in deine Seite eingelesen und muss sagen, dass mir mein eigener Blog im direkten Vergleich beinahe ein wenig bedeutungslos vorkommt. Es ist unterhaltsam und schmerzhaft zugleich, deinen fesselnd geschriebenen Schilderungen zu folgen.
Danke für die Einblicke.
Liebe Grüße,
Carsten


Caroline / Website (9.8.17 18:01)
Hallo Marie,

vielen Dank für deinen Kommentar!
Gerade bin ich etwas überrascht, denn trotz dieses ernsten Themas liest sich dein Eintrag doch irgendwo so... nun, fast schon angenehm und strahlt Ruhe aus. Wow. Ich denke, das ist genau der richtige Weg, um mit so etwas umzugehen. Vieles wird allein durch die eigene Einstellung beeinflusst und man darf sich nie, nie, niemals unterkriegen lassen. Wieso auch wertvolle Zeit mit Jammern und Selbstmitleid verschwenden?!

Viele liebe Grüße
Caroline


Pascale / Website (31.8.17 11:59)
Hallo alle,

sind in euren Blogs auch die Farben der Links usw. verändert?

Sorry Marie, wollte mal wissen, ob das nur bei mir so ist.
Liebe Grüße

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