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Wenn Schmetterlinge Loopings schlagen ;-)

„Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu.“ (Hans Christian Andersen)


…..Ich wurde letztens nach meinem sehnlichsten Wunsch gefragt, nach einigen nachdenklichen Minuten kam für mich nur eine Antwort in Frage….Ich möchte irgendwann einen Roadtrip machen, am besten mit jemanden den ich liebe, ich möchte rauskommen, Orte entdecken, den Nebel und die Sonne spüren, Stunden auf Feldern und in Wäldern verbringen, Menschen treffen, mir Zeit zum beobachten nehmen, ich möchte fühlen, dass ich am Leben bin! Ohne Zeitlimit, ohne Angst, ohne einen verirrten Schmetterling im Bauch, der mir Unbehagen bereitet. Keine Angst vor dem Morgen haben. Freiheit, Unbeschwertheit fühlen und leben. Wieder schmerzfrei durchatmen können!........

Chemotherapie, Heizraumtür, nerviger Nachbar, Katastrophenfamilie, Freunde und far far away in a distant country, was gibt es da für eine Gemeinsamkeit? Festhalten…… the answer is………………“Marie“. ;-)

Viel war los in den letzten zehn Tagen, Tage in denen ich nicht bereit war zu schreiben. Merkwürdig, denn genau das war ja immer ein bisschen Halt in meinen schwierigen Phasen. Aber genau das ging nicht, ich hatte an manchen Tagen nicht mal die Muse, mich einzuloggen und einfach nur zu lesen. In den letzten beiden Tagen war es dann wieder ein wenig anders und ich habe mich wieder etwas an die Sache rangetastet. Ich kann jetzt nicht mal sagen, wohin mich dieser Eintrag hier führen und in welche Richtung er laufen wird. Möglich ist es auch, dass er niemals den Weg in meinen Blog findet. Wir werden sehen.

Zusammengefasst sind in den letzten Wochen merkwürdige Dinge passiert, aber fangen wir von vorne an. Letzte Woche Montag hatte ich meine 2. Chemo. Im Vorfeld hatte ich schon einen mächtigen Respekt davor und gerne hätte ich einfach das Handtuch geschmissen und wäre auf und davon, Kopf in den Sand und alles wäre gut gewesen. Ja, diese Gedanken habe ich im Moment sehr oft, für meinen Geschmack viel zu oft und genau das macht mir Sorgen. Ich kenne mich schon ziemlich lange und ziemlich genau würde ich mal behaupten und weiß, dass ich emotional gerade in einer wirklich schwierigen Phase stecke. Nichts Neues, wird wohl der Eine oder die Andere denken, aber es ist schon irgendwie was Neues. Es gab in den letzten acht Monaten immer mal wieder nicht so gute, schlechte und sehr schlechte Tage, die sich dann aber immer wieder relativiert haben. Ich bekomme das meistens immer wieder hin, mich selbst zu motivieren und immer wieder an das Positive und Gute zu glauben. Meistens! Momentan ist aber meistens aus! Ich hänge in einem Tief und schaffe es gerade nicht wirklich heraus. Aber ich merke es noch und somit denke ich, werde ich den Ausgang auch wiederfinden.

Ein mir sehr wichtiger Mensch ;-) hat mich an einen schon etwas älteren Song erinnert. Wohl eher unbewusst von ihm. „Stairway to heaven“…………………… There's a sign on the wall, but she wants to be sure, cause you know sometimes words have two meanings. In a tree by the brook, there's a songbird who sings, sometimes all of our thoughts are missgiven…………..Manchmal sind unsere Überlegungen…böse Ahnungen. Ich hoffe die Treppe in den Himmel brauche ich noch lange nicht. ;-) Ein sehr emotionaler Song, schwieriger Sinn. Ich mag ihn, aber im Moment ist er eher für mich belastend.

Wenn es mir, so wie im Moment nicht ganz so gut geht, vermeide ich sehr emotionale Dinge. Somit auch Musik. Bekanntlich ist für mich ja Musik sehr wichtig. Ohne Musik geht gar nichts, ich gehe nicht mal aufs Klo ohne Musik.  ;-) Allerdings ist mein Musikgeschmack sehr individuell an meine jeweilige Verfassung angepasst. Ich bin sowieso der Meinung, dass es für jede Phase den passenden Song gibt, irgendwas lässt sich da immer reininterpretieren. Das tut auch nicht immer so wirklich gut. Daher meide ich in bestimmten Phasen, bestimmte Musikrichtungen. Denn schlimmer geht dann irgendwie immer. Somit hat sich bei mir im Laufe der Zeit eine sehr individuelle Musikrichtung entwickelt. Music was my first love und Musik ist gut für die Seele, wenn die Passende gewählt wird. Ansonsten kann der Schuß auch nach hinten losgehen.

 



 Aber eigentlich war ich ja bei meiner 2. Chemo. ;-) Ich merke gerade, dass ich in mein altbewährtes Schreibmuster zurückfalle und zwischendrin immer mal wieder abschweife, Gedanken zum Ausdruck bringe, die sich plötzlich einschleichen. Die 2. Chemo war am Tag selbst und einen Tag später relativ lässig, jedenfalls lässig zu dem, was ich sonst schon so kennenlernen durfte. Irgendwie dachte ich mir, nun gut, neue Therapie, weniger Nebenwirkungen, richtiger Weg, super! Seit letzten Mittwoch ging es dann allerdings wieder bergab.

Das kurze Aufatmen hielt leider nicht sehr lange an. Und die Übelkeit und das Erbrechen kamen ungefragt dann doch wieder mit voller Wucht. Donnerstag wurde es dann so schlimm, dass ich fast freiwillig in die Klinik ging. Aufgrund der Hitze die herrschte und der Tatsache keine Flüssigkeit bei mir behalten zu können, stellten sich recht schnell erhebliche Defizite ein, die zu Hause nicht zu bewältigen waren. Freitag mittag bin ich dann wieder nach Hause gegangen. Die Ärzte und ich hatten da zwar eine leicht unterschiedliche Meinung dazu, aber für mich war es einfach richtig. An den Tagen darauf bekam ich bis einschließlich heute weiterhin Infusionen, um meinen Flüssigkeitshaushalt mit ein paar Mineralstoffen und Vitaminen aufzupeppen. Ebenso wurde immer wieder der Versuch unternommen,  die Übelkeit in den Griff zu bekommen. Es gelang eher nicht so gut. Seit heute ist es etwas besser, nicht gut, aber besser. Ich denke auch, dass ich morgen erstmal keine weitere Infusion mir geben lassen werde. Es muss ja jetzt mal wieder von alleine was werden. Vielleicht klappt es dann auch morgen wieder etwas mit dem Essen. Die Schleimhäute werden weiterhin extrem angegriffen. Das ist auch sehr nervig. Meine Augen tränen ständig, da die Augen sehr trocken sind und somit versuchen das selbstständig zu regulieren, was aber nicht gelingt, somit renne ich immer mit Sonnenbrille und meinen Augentropfen rum. Aber es hilft etwas. Nase ist weiterhin super empfindlich und ich bekomme sehr oft Nasenbluten, zum Glück stoppt es dann irgendwann wieder. Da kenne ich ja mittlerweile auch schon andere Varianten. Zähne putzen ist auch weiterhin mit Vorsicht zu genießen, aber da habe ich den Dreh schon ganz gut raus. Ja und dann eben der Hals. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Hals besteht nur aus rohem Fleisch, die schlimmste Angina war dagegen bisher ein Spaziergang. Auch ein Grund, warum ich sehr oft keine Lust habe irgendetwas zu trinken oder zu essen. Tut dann nicht wirklich gut.

Ja, mein zweites Leben bekomme ich anscheinend nicht so einfach geschenkt wie das erste. Ein harter Kampf. Seit einigen Wochen habe ich unterhalb meines rechten Schlüsselbeins einen Port liegen. Das war ja eine Sache, die ich nicht unbedingt erst wollte und es somit auch lange rausgezögert habe, aber aufgrund der Tatsache, dass vor ein paar Wochen noch ein Tumor gefunden wurde und die Immuntherapie auf eine Immun-Chemotherapie umgestellt wurde, hat mich dann doch zu dieser Entscheidung geführt. Der Eingriff selbst war nicht so tragisch, da kenne ich auch anderes. Also eher bei der harmloseren Variante einzuordnen. Auf einer Skala von 0-10 (0=easy), würde ich es mit drei einordnen. Also ich hatte in den letzten Monaten schon 12er dabei. ;-) Der Port selbst bereitet mir keine großen Schwierigkeiten, ich muss halt etwas aufpassen.

Hier hängt gerade die Chemo dran. Wenn sie abgestöpselt ist, sieht man so gut wie gar nix mehr. 

 

 

 

 Die Gabe der Chemo, sowie die Verabreichung von Infusionen ist dadurch schon einfacher und auch ein wenig angenehmer. Allerdings muss halt immer besonders auf Hygiene geachtet werden von Seiten des medizinischen Personals, ohne Mundschutz und Co. läuft da nix. Der Katheter liegt ja unmittelbar in einem großen Gefäß in Herznähe und somit wäre die Verschleppung von Keimen nicht wirklich förderlich. Na hoffen wir mal das Beste, dass die das vernünftig machen. Ansonsten kann ich damit eigentlich fast alles machen. Schwer heben sollte ich vermeiden, darf ich aufgrund der Nierenproblematik sowieso vorläufig nicht. Nicht immer so gut umsetzbar, da ich ja alleine lebe.


Ja und da ich ja bekannt bin für meine ganz persönlichen Katastrophen, obwohl ich fest davon überzeugt bin, die eine „Große“ reicht für den Rest meines Lebens und noch darüber hinaus, habe ich am letzten Samstag zufällig vergessen, meine Hand beim Schließen der Heizraumtür vorher rauszuziehen. Nun gut, mach´ ich bestimmt so schnell nicht wieder. Schön wenn der Schmerz nachlässt, meine Hand sieht ziemlich übel aus. Aber wird wieder. Kommt davon, wenn die Gedanken und die Aufmerksamkeit nicht bei den Dingen ist, die man gerade tut.

Zu allem Übel macht mir seit einigen Wochen mein Nachbar von schräg gegenüber das Leben schwer. Ich habe es wohl längere Zeit erfolgreich verdrängt oder gewissen Dingen einfach keine Aufmerksamkeit geschenkt, da ich mehr oder weniger mit vielen anderen Dingen zu tun hatte, aber die Situation hat sich nun in den letzten zwei Wochen erheblich zugespitzt und setzt mich enorm unter Stress. Eigentlich dachte ich es wäre dann jetzt mal überstanden, aber leider nicht. Ich möchte im Moment nicht näher darauf eingehen. Evtl. zu einem späteren Zeitpunkt.

Am Freitag hat mein Neffe Geburtstag. Es tut mir in der Seele weh, dass ich nicht bei ihm sein kann. Wir waren immer ziemlich dicke und vor allem habe ich ihn immer bei seiner Fussballleidenschaft unterstützt. Auch wenn ich nicht so ganz viel Ahnung habe, hat das immer gut funktioniert mit uns. Und ich glaube ich habe schon viel gelernt. Wenn es meine Zeit zu ließ haben wir immer samstags zusammen Bundesliga geschaut. ;-) Leider schaffe ich es nicht am Freitag schon soweit zu fahren. Ich fahre gerade noch überhaupt nicht, da es mir immer mal wieder spontan schlecht wird. Alternativ könnte ich mit meiner Mutter fahren, aber auch dass ist mir einfach noch zu anstrengend. Fünf Stunden Autofahrt ist einfach in diesen Tagen noch nicht drin. Und mit meiner Mutter fünf Stunden im Auto, nicht gut für uns beide. ;-) Außerdem fährt sie dazu noch sehr miserabel Auto, was meinen Nerven auch nicht wirklich gut tun würde. Ich werde mir alternativ noch etwas für die bevorstehenden Ferien einfallen lassen. Einfach alles Mist.

Und seit knapp zwei Wochen ist es amtlich, homosexuelle Paare dürfen ab Oktober heiraten. Joa, schön, wer halt heiraten mag.  Ich bin mir sicher, mir steht noch eine Hochzeit in diesem Jahr bevor…..also als Gast. ;-) Ich freu mich ja für meine beiden „Besten“ und wünsche einfach nur ganz viel Glück, immer die nötigen Nerven und Geduld und die Weitsicht immer die nötige Toleranz füreinander aufzubringen. Ich hoffe jetzt mal das Beste, aber die Beiden bekommen das hin, da bin ich mir sicher!

Vielleicht klappt es ja wirklich in einigen Monaten und "far far away" wird Realitiät. Alleine schon damit sich die Schmetterlinge wieder beruhigen. Ja, ja die Schmetterlinge. Raupe sein und dann sich zum wunderschönen Schmetterling entwickeln, wer möchte das nicht?


 

11.7.17 23:34
 


bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mausfreddy (12.7.17 00:14)
Hallo Marie!
Du hast wieder eine schlimme Zeit hinter dir. Ich hoffe, du erholst dich schnell wieder. Habe mir wieder Sorgen gemacht. Ich hatte nichts gehört von dir. Gute Erholung und gute Zeit wünsche ich dir L.G. mausfreddy


Mausi / Website (12.7.17 07:52)
Moin Marie,
ich drücke weiter ganz fest die Däumchen, daß sich alles zum Guten wendet. So ein Port wollte man mir auch einpflanzen, aber ich habe meine Chemo abgebrochen, wegen der massiven Nebenwirkungen. An denen knabbere ich heute noch.
Nun erhole Dich wieder und versuche, das Positive an 1. Stelle zu sehen.
LG Helga


padernosder (12.7.17 08:28)
Hallo Marie,

Du hast so schön begonnen und ich stimmte Dir zu... ja, Stunden in Feldern und Wäldern verbringen, frei und unbeschwert, das ist ein lohnendes Ziel fürs "Leben".

Doch dann ist jede Heiterkeit von mir gewichen, da half mir auch der Clown als Mahlzeit nicht. Deine Tapferkeit ist für mich beispiellos!

Medizinische Details... diese sind natürlich interessant, auch für mich, verlieren aber an Bedeutung, wenn man Dein Leiden vorher "erfahren" hat.

"Words of wisdom" kann ich hier nicht schreiben. Aber eine Tante, die mit mir Fußball guckt, hätte ich auch gerne gehabt. Sogar dann, wenn ich ihr nach mancher "Fehlinterpretation" ein "let it be" hätte sagen müssen. ;-)


Frank und Marc (12.7.17 10:03)
Handtuch werfen und Kopf in den Sand, was sind das denn gerade für Marotten? Nee du, das läuft so nicht. Das kommt nicht in die Tüte!
Ich weiss, das es dir schlechter geht, wie du jemals zugeben würdest, dazu kenne ich dich zu lange und zu gut, aber du kommst da durch, egal was du noch aushalten musst und du wirst das aushalten. Es gibt keine andere Alternative, überhaupt keine! Verstanden? Denk nicht mal dran!

Jaaaa, Marc und ich heiraten, dass weisst du ja schon, aber erst, wenn du soweit bist und mit an unserer Seite bist. Auch wenn Du nicht fürs Heiraten bist. ;-)

Ich hoffe du bleibst bei deinem Vorsatz und bleibst auch wirklich mit deinem Hintern zu hause. nicht das du doch noch auf die Idee kommst am Freitag an den Chiemsee zu fahren. Ich denke mal die verstehen das schon und das kann einfach keiner gerade von dir erwarten. Und deine Mutter habe ich gerade gestern wieder darumgurken sehen, besser du fährst mit dem Zug, solltest Du irgendwann mal darunter wollen. ;-)

Der Nachbar gibt immer noch keine Ruhe? Himmel Marie, warum sagst du nichts?

Du ruhst dich jetzt weiter aus, keine Aktionen, die hinterher nicht gut tun. Fass keine Türen an und verhalt dich einfach ruhig.

Love you, Franky


Indianwinter (12.7.17 14:25)
Hallo Marie,
den Port kenne ich von meiner Schwester und weiß auch von den Problemen mit den Schleimhäuten.
Eine elende Zeit für dich und besonders schade, dass du nicht mit deinem Neffen sein kannst, an dessen Geburtstag. Etwas, das euch beiden so viel gibt...
Ich bin sicher, dass du dir eines Tages diesen Wunsch erfüllen wirst, diesen Roadtrip-und spüren, das du lebst.
Etwas, das ich mir auch wünsche, spüren, dass ich lebe, ohne Angst vor dem Morgen, wenn auch aus anderem Grund, wie du-
Auch von mir viel Kraft weiterhin und Mut, es wird doch gut werden für dich!
LG, Indianwinter


mausfreddy (12.7.17 18:30)



betoni / Website (25.7.17 08:05)
oh je, ich wünsche dir alles gute. dieser sch.... krebs :-((

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