The trouble is, you think you have time!

Manchmal kommt es anders als man denkt....heute und vor langer Zeit

"Ich werde es niemals bedauern älter zu werden! Es gibt zuviele Menschen, die dieses Privileg niemals hatten!"

Was soll ich sagen, heute musste ich unverrichteter Dinge wieder aus der Klinik abziehen. Meine Blutwerte sind gerade ziemlich miserabel und mein ganzer Allgemeinzustand (also das behaupten die Ärzte ;-), ich finde eigentlich es war schon schlimmer), dass sie mir bis Mittwoch eine Schonfrist eingeräumt haben. Zum einen finde ich das ja ganz gut, denn das war heute ein recht guter Tag. Ich war lange spazieren und ich konnte endlich mal wieder was normales essen (es ist einfach Wahnsinn, dass man sich über solche Dinge so enorm freuen kann). Und bis jetzt ist es auch da geblieben, wo es hingehört. Wenn ich jetzt noch ein schönes Bad hätte nehmen dürfen, wäre das fast ein perfekter Tag gewesen. Aber baden ist ja nicht erlaubt. Schon sehr schade. Dabei liebe ich es ausgiebig und entspannt mit schöner Musik zu baden. Aber die Zeit wird wieder kommen. Somit darf ich morgen nochmal durchschnaufen, bevor es mir am Mittwoch wieder ans Leder geht.

Ich musste heute viel an unsere Kindheit denken. Mir kam da so einiges in den Sinn. Wir hatten schon eine schöne Kindheit, mit ziemlich vielen Dummheiten. Ich glaube, so etwas wäre heute gar nicht mehr möglich. Entweder wird man dann gleich weggesperrt ;-) oder gilt wahrscheinlich als schwer erziehbar. Dabei war ich immer die jenige, die den meisten Mist im Kopf hatte und mein Bruder musste immer irgendwie mit durch. Unsere Großeltern haben in einem Schloss gewohnt (jetzt nicht erschrecken wegen dem Schloss, alles gut und gar nicht so schlimm ;-) was genau hinter meinem Blogtitel steckt, werde ich auch nochmal erzählen), mit Teichen und großem Park. Ich fand es eines Tages unbedingt erstrebenswert einen Schwan als Haustier haben zu wollen. Unbedingt. Auf dem großen See unten im Park, waren immer zwei Schwäne. Die hatten aber meistens ziemlich schlechte Laune. Um den See herum war es immer sehr sumpfig und das Schilf war sehr hoch. Am kleinen Steg lockten wir die Schwäne an. Mir ist heute nicht mehr so ganz klar, wie ich mir das so gedacht hatte. So einen großen Schwan, klemmt man sich ja nicht einfach so unter den Arm. Wir waren so ungefähr 8 Jahre alt. Naja, dass Ende vom Lied war dann, dass mein Bruder im See lag, dass ganze recht gefährlich war, da dieser See überall mit Schlingpflanzen und Seerosen bedeckt war und mich der Schwan ziemlich gebissen hat und das mehrfach. Schwäne können sehr übel beißen...dass weiß ich seitdem. Somit landeten wir Beide dann an diesem Tag in der Notaufnahme und hatten wohl wirklich Glück im Unglück, aber keinen Schwan als Haustier. Die haben wir dann lieber weiter auf dem See ihre Runden schwimmen lassen. Und von diesen Geschichten gab es doch wirklich viele. Jedenfalls habe ich mit der Zeit lernen müssen, dass sich auch Esel, Nacktschnecken und Regenwürmer nicht als Haustiere eignen. 

Sicherlich eine Geschichte die die Welt nicht braucht, aber für mich eine schöne und irgendwie heute lustige Erinnerung.

Der Tagesvers aus der guten Saat heute: "O Herr, mir ist bange! Tritt als Bürge für mich ein! Jesaja 38,14

Ich fand diesen Vers heute sehr zutreffend. Denn Gott steht uns immer bei, in jeder Lebenslage, auch wenn man es nicht immer gleich erkennt.

7 Kommentare 16.1.17 20:52, kommentieren

So war es ... oder so ist es

- Manchmal erkennt man erst am Ende eines Weges, warum man ihn gehen musste -

Ich möchte nochmal auf eigene Ziele eingehen, da ich im letzten Beitrag, danach gefragt wurde. Vielleicht war das etwas missverständlich.

Ich hatte immer schon ziemlich genaue Ziele. Selbst als ich noch zur Schule ging. In meiner gymnasialen Schulzeit war ich von meinem Bruder getrennt. Ich ging auf ein reines Mädchengymnasium. Dieses wurde von Ordensschwestern geführt. Somit bin ich schon immer sehr religiös erzogen worden und das hat sich auch bis heute durch mein Leben gezogen und mir auch schon oft Kraft und Mut gegeben. Es war zwar auf dieser Schule auch manchmal recht hart und gerade als Jugendliche ist einem ja nicht immer alles ganz plausibel. Aber es waren trotzdem schöne Jahre.

Ich hatte immer schon das Ziel Medizin zu studieren, werde oft verwundert gefragt, warum ich nach dem Abitur erst eine medizinische Ausbildung gemacht habe. Ganz einfacher Grund: ich wollte einen Beruf haben, der mich durch das Studium begleitet, womit ich während des Studiums arbeiten kann, damit ich nicht von jemanden abhängig bin. Das wollte ich nämlich absolut nicht. War noch nie so mein Ding. Jedenfalls hat das alles auch recht gut geklappt und somit habe ich dieses Ziel auch erreicht. Was habe ich im Moment für Ziele, ausser wieder gesund zu werden? Also vor dem 14. Dezember hatte ich zumindest das Ziel am 01.04.2017 eine Oberarztstelle anzutreten und mich noch intensiver in die Flüchtlingsbetreuung einzubringen. Ich wäre sogar gerne mal eine Zeit mit Ärzte ohne Grenzen ins Ausland gegangen, wenn meine Tochter dann irgendwann mal selbstständig ist. Aber diese Ziele sind erstmal in einige Entfernung gerückt. Aber vielleicht wird es ja noch.

Die Oberarztstelle ist ja jetzt erstmal so eine Sache. 01.04. ist noch ein paar Wochen hin, aber ich bezweifele gerade, dass ich bis dahin wieder soweit hergestellt bin, dass ich die Aufgaben adäquat erfüllen kann. Aber die Möglichkeiten gibt es ja immer mal wieder. Zumal es auch gut möglich wäre, dass ich mal die Klinik wechsel und woanders arbeite. Da hat man ja als Mediziner umfangreiche Möglichkeiten. Mal sehen, ich glaube ich lasse es einfach auf mich zukommen, ohne mein Ziel aus den Augen zu verlieren.

Und es stimmt, Angst ist ein schlechter Begleiter. Aber ich glaube, Angst zu haben ist legitim, egal in welcher Situation man gerade steckt. Mit seiner eigenen Angst umzugehen, ist schwierig. Man macht sich viele Gedanken. Ich träume schlecht, wache manchmal auf und finde nicht mehr in den Schlaf, weil der Kopf zu viel arbeitet. Es ist oft nicht verkehrt, nicht so viel zu wissen, und daher bin ich auch ein richtig schlechter Patient. Aber ich gebe mir wirklich Mühe, mich an die Empfehlungen zu halten. Meinen Patienten verbiete ich immer "Google" oder ähnliches zu bemühen, denn das macht alles meistens schlimmer. Ob sich daran gehalten wird, ist natürlich eine andere Sache, aber das merkt man dann recht schnell. ;-)

Mein Bruder ist mir schon eine große Hilfe und Stütze. Dennoch möchte ich ihn nicht zu sehr damit belasten (geht das überhaupt?). Er hat ja selbst seine Familie und seine Kinder und ich möchte da nicht ständig irgendwelche Probleme mit ihm wälzen. Ich denke das kann man nachvollziehen. Wir sind immer für einander da, aber trotzdem hat er eben auch "sein" Leben. Meine Tochter weiß selbstverständlich über meine Erkrankung Bescheid, aber bis ins kleinste Detail natürlich dann auch nicht. Und ich denke das muss oder sollte sie auch nicht. Die ganze Situation ist für sie schlimm genug.

So, morgen ist schon wieder Montag, somit wartet schon die nächste Dosis auf mich. Hoffentlich wird es nicht wieder so schlimm. Heute konnte ich mal wieder etwas aufatmen und war auch spazieren. Aber waren halt auch zwei Tage Pause jetzt. Ich freue mich schon, wenn die Abstände größer werden. Wenn die Nebenwirkungen allerdings weiterhin so heftig ausfallen oder noch schlimmer werden, dann wird die Immuntherapie abgebrochen. Dann bleibt dann nur die Chemo. Aber vielleicht war das einfach nur ein schlechter Start.

 

7 Kommentare 15.1.17 21:59, kommentieren