The trouble is, you think you have time!

Die Götter müssen verrückt sein ^^ Teil 6

 


"Erinnerungen sind Zeitreisen, die mich zu meinen schönsten Augenblicken zurückführen"

Vorwort:

Afrika – eine Zeit, bzw. eine sehr erlebnisreiche prägende Zeit, welche mir momentan gar nicht mehr aus dem Kopf geht. In vielen Situationen, welche sich momentan einstellen, schweifen meine Gedanken ganz oft dahin ab. Dabei hatte ich diese Zeit in den letzten Jahren gar nicht mehr so bewusst auf dem Schirm. Dann fallen mir beim ausmisten meine alten Notizen in die Hände und ich bin wieder mittendrin. So, als wäre es erst wenige Monate her. Oft wurde ich gefragt, warum ich mich auf so ein Abenteuer eingelassen habe. Ich glaube eine richtige befriedigende Antwort gibt es da eigentlich nicht. Die Entscheidung selbst dauerte nicht wirklich sehr lange. Von Seiten meiner Familie und auch in weiten Teilen meines damaligen Freundeskreises war die Begeisterung sehr sparsam. Mein Bruder war komplett dagegen und das war auch die einzige Zeitspanne in unserem gemeinsamen Leben, wo unser Verhältnis etwas angespannter war. Ich hatte nie den Traum eine Praxis haben zu wollen, ja nicht mal Oberärztin oder was auch immer zu werden. Die Medizin war mir sehr wichtig und möglichst unkompliziert praktizieren zu können, was natürlich im deutschen Bürokratenwirrwarr schier nicht durchführbar ist. Allerdings war mir auch immer klar, die Welt wartet ganz sicher nicht auf mich. ;-) Obwohl die liebe Welt da ganz sicher was verpasst. ;-)) Naja, Visionen vom Welt retten haben ja viele, dass dies nicht möglich ist, nicht mal ansatzweise, merken dann wiederrum auch ganz viele.

Einem Teil meiner Familie erstmal zu erklären, was ich da überhaupt tun und lassen werde, war das Eine, es zu Verstehen dann nochmal das Andere. Nachdem bekannt wurde, dass mein „bester Freund“ Frank mit von der Partie sein würde, war natürlich dann noch das i-Tüpfelchen obendrauf. Leider hatte Frank nie eine Lobby bei Ihnen. Was mich nie störte und ich somit immer erfolgreich ignorierte. Er selbst hatte damit auch kein Problem. Die einzigen beiden Vernünftigen waren mein Vater und mein Bruder. Der Rest, naja, sagen wir es so, die hatten einfach keine Ahnung und mehr sollte ich auch dazu nicht sagen.

Für mich war Afrika keine Bauchentscheidung, sondern eine Mission aus tiefster Seele. Es fühlte sich gut und richtig an und auch heute kann ich diese Gefühle noch ohne weiteres genauso nachempfinden. Wir waren knapp sechs Monate dort. Eine lange, aber dennoch viel zu kurze Zeit.

Heute denke ich oft, ich hätte genau das, in ähnlicher Form weiterführen sollen. Weil es eigentlich genau das ist, was mich und meine Philosophie vom „Arzt sein“ wiederspiegelt.  Meine Neugier auf andere Länder, Sitten und Kulturen besteht weiterhin und natürlich möchte ich auch weiterhin Ärztin sein. Dies im Einklang wäre nach wie vor, wie schon vor zwanzig Jahren, perfekt.

Es gibt viele Erzählungen und auch Erlebnisberichte verschiedener Menschen, welche eine Weile in Afrika lebten. Auch einige Verfilmungen sind bekannt. Vieles in einem bunten Gemisch aus Realität und Fiktion. Afrika selbst spaltet sich aus meiner Sicht in vier Bereiche. Zum einen der nordafrikanische Teil, welcher ganz oft überhaupt nicht wirklich mit Afrika in Verbindung gebracht wird. Dort herrscht eine völlig andere Kultur, die eben nicht typisch afrikanisch ist. Die persische, orientalische Kultur in Nordafrika ist eine völlig andere und gliedert sich mehr an den Ländern wie Irak und Iran an. Zentral-(rund um den Äquator oder unterhalb der Sahara) und Ost-Süd-Afrika sind dann wiederrum die typisch afrikanischen Länder. Da, wo Löwen, Elefanten und einiges gefährliches Getier zu Hause sind, wo eben noch von der Hand in den Mund zum Teil gelebt wird und auch da wo lange Dürren eben auch viel Leid und viel Tod bedeuten. Genau da, wo die Welt immer mal wieder einen Moment stehen bleibt. Süd- und Westafrika sind zum größten Teil diese Teilbereiche, welche dem aktuellen Zeitalter entsprechen, obwohl es auch in Südafrika noch sehr viel Diskrimination gibt. Eigentlich sollte Apartheid seitdem Nelson Mandela Präsident wurde der Geschichte angehören, leider gibt es dennoch immer wieder Probleme in diesem Bereich. Als viertes Territorium würde ich Nord-West-Afrika ansehen, beginnend rund um die Elfenbeinküste. Dort geht es schon recht wild her. Die Kriminalität in diesen Ländern, wie Nigeria, Ghana, Togo etc. ist extrem hoch und hat bereits ihre internationalen nicht unerheblichen Ausläufer. Der Einfallsreichtum dort ist immens erschreckend. Ja, ein Kontinent der Extreme, der extremen Unterschiede. Dennoch fühle ich mich mit Afrika sehr verbunden und dieser Kontinent ist in vielen Bereichen, gerade was die Flora und Fauna betrifft, ein großes Wunder. Leider würde ich Afrika selbst, als den vergessenen Kontinent betiteln. Er fällt immer wieder durchs Raster. Und das Augenmerk der Welt, liegt definitiv nicht auf Afrika.

Ein anderes Land kennenzulernen ist ein großes Vorhaben. Durch Reisen ist dies sicherlich in einer sehr oberflächlichen Variante möglich, aber um wirklich zu erleben und zu verstehen, würde es niemals ausreichen. Selbst sechs Monate, welche ich in Zimbabwe war, haben nicht im geringsten ausgereicht um heute sagen zu können, ich kenne alles. Im Grunde kenne ich gar nichts. Ich durfte für einige Monate Teil einer kleinen Bevölkerungsgruppe im süd-östlichen Teil Zimbabwes werden. Einiges habe ich verstanden, vieles aber auch nicht. Die Lebensumstände dort sind für uns fremd und schwierig umzusetzen. Und natürlich war auch ich in einer Hinsicht froh, nach diesen Monaten, wieder in „normale“ Verhältnisse zurückkehren zu können.


Afrika – Zimbabwe – Teil 6

Die ersten vier Wochen vergingen recht zügig, zumal wir alle erstmal unseren Platz in irgendeiner Form finden mussten. Die täglichen Abläufe und Rituale im Dorf waren anfangs befremdlich und ungewohnt, aber nach einiger Zeit konnten wir uns gut anpassen und es stellte sich eine Art Normalität ein. Jeden von uns erwischte so nach und nach die Rache Montezumas. Die ungewohnte, völlig andere Ernährung tat da ihr nötiges dazu. So hatte jeder mindestens 1-2 Tage mit gewissen Dingen  ;-) zu kämpfen. Was durch die Hitze und den dadurch resultierenden Flüssigkeitsverlust nicht so ganz lustig war. Aber wir konnten uns ja ganz gut selbst helfen und unseren Elektrolythaushalt zumindest chemisch wieder auf die Sprünge helfen. Als wir dann alle wieder auf den Beinen waren, gab es diesbgl. auch keinerlei Probleme mehr. Wir gewöhnten uns daran.

Nach ca. sechs Wochen, sollte ein Teil von uns für einige Tage in ein anderes kleines Dorf gebracht werden, um sich dort ein paar gehäufte Infektionen ansehen zu können. Dieses Dorf lag ca. 200 km  süd-westlich von Nyanyadzi. Das hieß, wieder eine abenteuerliche Busfahrt durch die Wüste, in der Hoffnung, dass diesmal alle Reifen am Bus blieben und sich auch sonst keine weiteren Katastrophen einstellen würden. Seit diesen aufregenden Busfahrten, wusste ich ein Fahrrad oder einfach einen Fußmarsch um einiges mehr zu schätzen. ;-) Selbstverständlich stellte dies zu einer Entfernung von 200 km durch die Wüste Afrikas keine Alternative da.

Wir waren ja mittlerweile nur noch zu sechst. Im Dorf zurück blieben einer der Ärzte, der etwas ruhigere Krankenpfleger und der Lehrer. Auf kurzweilig neuer Mission waren somit der andere Arzt, Frank und ich. Die Reise ging schon vor Anbruch der Dämmerung los. Da ja der Bus kein Licht hatte, war das schon wieder ziemlich aufregend für uns. Die Augen der Afrikaner sind anscheinend besser wie die mitteleuropäischen, jedenfalls war es für uns einfach nur rabenschwarz. Somit hofften wir hinten im Bus sitzend nur das Beste und vertrauten auf das Können des Fahrers. Aufregend war es dennoch, so eine kleine Restangst blieb doch zurück. Ausgerüstet mit viel Trinkwasser, zwei Ersatzreifen ;-) und natürlich einigen medizinischen Utensilien, machten wir uns auf den Weg. Wer wusste schon was uns dort wieder erwarten würde.

Ein bisschen komisch war die Situation schon. Für uns alle. Wir hatten uns aneinander gewöhnt, gehörten in dieser Zeit irgendwie zusammen. Jeder wusste, dass er sich auf den anderen verlassen konnte. Nun waren wir in zwei Gruppen getrennt und irgendwie fehlte etwas. Ein Stückchen Sicherheit, welche wir uns gegenseitig gaben, fehlte.

Während der Fahrt versuchten wir noch etwas Schlaf zu bekommen, was eigentlich ein unmögliches Unterfangen war. Dadurch das wir hinten im Bus auf dem blanken Blech saßen, lagen, hockten, knieten, wie auch immer, war natürlich jedes Loch und jede Unebenheit deutlich zu spüren und wahrzunehmen. ;-) So etwas wie Stoßdämpfer hatte dieser Bus wohl nicht mehr oder wahrscheinlich nie gehabt. Andererseits war die Fahrweise des Fahrers auch nicht so, wie wir es hier in Deutschland so gewohnt waren. Es war ihm egal was oder wie er vorankam. Hauptsache irgendwie, koste es was es wolle. Eins war jedenfalls klar, wer diese Fahrten überlebte, der überlebte auch die afrikanische Wüste mit allem was dazugehörte.

Wie sollte es auch anders sein, kostete es natürlich nach einigen Kilometern durch die Wüste knattern mal wieder einen Reifen. Das gehörte anscheinend zum Standardprogramm. Mittlerweile war es allerdings schon fast Mittag und dementsprechend heiß. Schatten – Fehlanzeige. Die Reifen waren ja alle nicht mehr die Neusten, dass auch wahrscheinlich nie gewesen. Irgendwie wurden sich entsprechende Räder immer mal wieder zusammengesucht, getauscht und dann bestmöglich montiert. Das passte nicht immer so ganz. ;-) Aber es erfüllte wohl kurzweilig seinen Zweck. Was aber auch hieß, dass es irgendwie unrund lief und der Bus somit mehr vorwärts eierte wie auch nur annähernd vernünftig fuhr. Es ähnelte einer Schifffahrt mit sehr hohem Wellengang. Irgendwann wurde es mir dann gehörig schlecht. Wellengang war schon immer so eine Sache, die ich nicht sonderlich gut vertragen habe und dann noch mechanisch in einem Bus herbeigeführt, irgendwie noch schlimmer. So mussten wir leider immer mal wieder spontan anhalten. ;-) Das ganze schlug dann Frank mitleidshalber auch ziemlich auf die Substanz, so dass auch ihm gewaltig schlecht wurde, kurze Zeit später war dann der Arzt auch mit von der Partie. Ich bin mir sicher, den Fahrer hat es etwas belustigt, das sich die drei Mediziner in seinem Laderaum im Gruppenkotzen präsentierten. Aber geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.

Diese Fahrt fühlte sich an, wie eine kleine Unendlichkeit. Durch unsere häufigen Pausen, diversen Buspannen, denn irgendwann dampfte dann nochmal der Motor, kamen wir dann endlich nach 18 Stunden an. 18 Stunden für 200 km, ein Wahnsinn. Vor der Rückfahrt, welche in einigen Tagen dann sein sollte, war uns allen in diesem Moment schon ziemlich Angst.

 


 

Das Bild vor Ort gestaltete sich im ersten Moment nicht so sehr viel anders, wie in dem Dorf, aus dem wir kamen. Der Aufbau war ähnlich. Die Menschen herzlich und freundlich. Sie begrüßten uns sehr überschwänglich.

Unsere mitteleuropäische Reserviertheit mussten wir schon bei unserer Ankunft in Afrika ziemlich schnell ablegen. Abstand halten zu anderen Personen, gerade zu Fremden, gibt es in dieser Kultur nicht. Jeder und jede wurde da sehr herzlichst begrüßt, gedrückt und ja, auch manchmal etwas unverhofft auf die Wange geküsst. Es ist erstmal ungewohnt, aber wir haben uns daran gewöhnt. Es gehörte dazu. Wenn ich ehrlich bin, ist mir etwas „Abstand“ dann doch lieber, entscheiden zu können, zu wem man ein näheres Verhältnis zu lässt und wen man eben auf Abstand hält, ist doch manchmal schon von Vorteil. 😉

Wir bemerkten sofort, dass eine gewisse Erleichterung über unsere Anwesenheit einkehrte. Ob wir natürlich so sehr viel tun konnten, war nicht wirklich klar. Aber alleine, dass jemand da war, der diese Menschen ernst nahm und versuchen wollte in irgendeiner Form Hilfe und Unterstützung zu geben, war alleine schon eine Hilfe.

Zuerst mussten wir natürlich etwas essen, dies abzulehnen wäre einer Beleidigung gleich gekommen. Allerdings gestaltete sich das für uns drei, aufgrund unserer „Reisebeschwerden“, als nicht so ganz simpel. Eigentlich war es in diesem Moment unmöglich irgendetwas essbares zu sich zu nehmen. Zumal das eine oder andere undefinierbar war. Sie hatten sich sehr viel Mühe gegeben und es gab auch was fleischähnliches, aber keiner von uns brachte es so wirklich über sich, im normalen Rahmen zu essen. Tapfer hielten wir aber der Sache irgendwie Stand, wenn wir auch mehr schlecht wie recht, im Essen rumstocherten. Nach kurzer Zeit regulierten sich unsere „Reisebeschwerden“ aber auch wieder.

 


 

Auch in diesem Dorf mussten wir den Einheimischen erstmal klar machen, dass wir unser Wasser, welches wir tranken, vorher aufbereiten mussten. Das stieß erstmal auf einige Skepsis. War aber dann kein größeres Problem.

Auch wenn Zimbabwe selbst überwiegend christlich ist, wird dort noch vielfältig die Polygamie ausgelebt. So ist es oft, dass Männer zu ihrer eigentlichen Frau noch 2-3 jüngere zu ihren Frauen machen. Diese sind sehr oft zwischen 12- 15 Jahre alt. Für uns eigentlich unvorstellbar. Auch wenn wir sicherlich über Ehe etc. auch hier nicht immer einig sind. Für mich selbst ist die Ehe sicherlich kein erstrebenswertes Ziel. Das sich dies mal ändern könnte, schließe ich grundsätzlich nicht aus, kommt darauf an, wie sich Dinge entwickeln und die Sicht und die Empfindungen sich ändern. Allerdings finde ich in einer Beziehung die Monogamie unabdingbar. Was natürlich ein aus unserer eigenen Kultur gelebter Standard ist.

Die Lage vor Ort adäquat abzuschätzen, sich einen groben Überblick zu verschaffen, dass war anfangs immer erstmal mit das schwierigste Unterfangen. Das junge Mädchen, den doch schon etwas in die Jahre gekommen Männern zuzuordnen waren, mussten wir auch erst kapieren. Entscheidungen trafen grundsätzlich die Männer. Die Frauen und Mädchen hatten so gar nichts zu wollen und zu sagen. Die einzige der Frauen, die wirklich die Zügel in der Hand hatte, war die „Schamanin“ oder „Medizinfrau“.

Afrika gilt als der Kontinent der Medizinleute, Zauberer, Hexen und der Besessenheit. Die Glaubensvorstellungen südlich der Sahara drehen sich vor allem um die „magische Macht“. Eine unpersönliche Kraft aus der Schattenwelt der Götter und Geister, die alles „befallen“ kann, z. B. besondere Steine oder Plätze, machtgeladene Pflanzen oder Tiere, Zauberer, Hexer und ähnliche Menschen, aber ebenso bestimmte Zeiträume, Worte, Zahlen oder gar Gesten. Die Macht kann negativ oder positiv auf den Menschen wirken und der Mensch seinerseits versucht, sie durch sein Verhalten (Beachtung von Tabus und Sitten) in seinem Sinne zu beeinflussen. Die Macht ist nicht immer gleich stark, sie kann sich konzentrieren, etwa in Amuletten oder in Menschen, die diese Magie beherrschen. Obgleich die animistisch geprägten ethnischen Religionen Afrikas durch die zunehmenden Einflüsse islamischer und christlicher Missionare immer synkretistischere Formen annehmen, sind sie vor allem bei der Landbevölkerung vieler Staaten als Volksreligion nach wie vor lebendig. Verschiedene Arten von Medizinleuten und Zauberern spielen fast überall eine wichtige Rolle. Unter Synkretismus versteht man die Vermischung verschiedener Religionen und Anschauungen zu einer Neuen. Gibt es auch sehr oft z. B. in Vietnam. Diese Art des Glaubens ist allerdings nicht allerorts gerne gesehen, sondern wird oft als ketzerisch betrachtet. Also alles in allem auch recht schwierig.

 

 © Hans Hillewaert
 
Wir mussten uns da irgendwie zurechtfinden. Zwischen tiefen christlichen Glauben, aber auch gleichzeitig zwischen extremen Glaubensvorstellungen der Medizinmänner- und frauen, Hexen und Zauberer. ;-) Für uns nicht wirklich immer ganz so einfach. Das was wir hier oft als Blöd- oder Irrsinn bezeichnen, gilt dort als fest gelebte Realität. Wir durften das nie unterschätzen und mussten das respektieren und in unseren Handlungen sehr behutsam vorgehen.

Allerdings wurden wir ja nicht aus Wohlwollen von dem einen Dorf zu dem anderen, im wahrsten Sinne des Wortes, „verschifft“. ;-) Eine Infektion hatte in diesem Dorf um sich gegriffen und schon so einige dahingerafft. Die Medizinfrau kam jedenfalls nicht mehr weiter. Der Glaube der Medizinmänner- und frauen liegt ja nicht darin, dass ihnen bewusst ist, dass einige Heilkräuter tatsächlich eine pharmazeutische Wirkung besitzen, sondern sie glauben fest an eine magische Wirksamkeit. Aber es ist nun mal in Afrika wie in Europa, alle Pflanzen in Ehren, aber bei gewissen Dingen sind sie eher unangebracht und schaden mehr wie sie eben helfen. Kapiert ja selbst nicht mal jeder in Europa, auch da gibt es viele Extremfanatiker. Aber mitten in Afrika kapiert das erstmal gar keiner.

Die erkrankten Menschen, welche wir sahen, zeigten ein eindeutiges Bild. Jeder von uns drei wusste eigentlich sofort, mit was wir es zu tun hatten. Tetanus! Leider durften wir nicht direkt handeln. Tetanus, also Wundstarrkrampf, äußert sich in den meisten Fällen durch starke Krämpfe, was wiederum bei den Einheimischen als ein Zeichen der „Besessenheit“ gedeutet wurde. Diese Erkrankten wurden schon mal isoliert untergebracht. Die Behandlung eines an Tetanus Erkrankten ist nicht sonderlich schwierig, allerdings schwierig, wenn es nicht zugelassen wird. Ein Semester Teufelsaustreibungen hatte leider keiner von uns absolviert und somit waren wir auch ziemlich schlecht darin. ;-)

Es plausibel klar zu machen, dass wir helfen können, war sehr kompliziert. Aber es klappte dann doch, so dass wir einigen helfen konnten. Allerdings war bei einigen die Infektion schon soweit fortgeschritten, dass wir nur noch palliative Maßnahmen ergreifen konnten.

Nach ein paar Tagen gehörten wir schon fest zum Stamm der Einheimischen dazu. Außerdem bekamen wir unsere traditionelle „Kriegsbemalung“ ins Gesicht gemalt ;-) und hatten dann sogar eine große, nicht gänzliche!, Handlungsfreiheit. Sogar ich als „Frau“ hatte eine ziemlich sichere Lobby. Zusätzlich zu den Tetanusinfektionen kamen noch einige übliche Beschwerden der Einheimischen dazu, welche wir dann auch behandeln oder „mitbehandeln“ durften.

 


 

Nach knapp zwei Wochen mussten wir dann wieder zurück nach Nyanyadzi. Ich zog ernsthaft in Erwägung den Rückweg zu Fuß zu bestreiten. ;-) Der Rückweg gestaltete sich ähnlich wie die Hinfahrt. Nach einigen Kilometern ging ein Reifen kaputt, da der Fahrer über einen größeren Ast gefahren war. Anscheinend gehörte ein kaputter Reifen incl. des interessanten Reifenwechselns zum Standard-Ausflugs-Programm in Zimbabwe. Ich habe tatsächlich keine einzige längere Fahrt dort gemacht, ohne dass nicht mindestens ein Reifen kaputt ging, irgendwas dampfte, klapperte oder was abfiel.

Die sich immer wieder einschleichende Übelkeit während dieser Fahrten, gehörte ebenso zum Standardprogramm dazu. Diese Fahrten waren ein Abenteuer für sich und das nicht weiter was passierte, grenzte schon an ein Wunder. Aber die Götter waren scheinbar mit uns!

Zurück in Nyanyadzi wurde uns deutlich, dass es dort doch ein kleines wenig fortschrittlicher war, wie in dem Dorf, aus dem wir gerade kamen. Auch da gibt es doch deutliche Unterschiede. Als erstes wurde uns unsere Gesichtsbemalung des „Fremddorfes“ entfernt. Da waren sie doch sehr penibel. Jedes Dorf oder jeder Stamm hatte so seine eigenen Bemalungen. Und da wir ja nun wieder zu diesem Dorf gehörten, mussten wir sozusagen erstmal restauriert werden. ;-)

Gute Zeiten

Verrückte Freunde

Unglaubliche Erinnerungen

Fortsetzung folgt………….

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Update ^^

„Du kannst Dein Leben nicht verlängern. Du kannst es nicht verkürzen. Aber Du kannst es stetig vertiefen und wertvoll machen. Es sind manchmal die schwierigsten Zeiten in unserem Leben, die uns auf den Weg zu den schönsten Momenten unseres künftigen Lebens bringen.“

Ich kann auch Mohn ;-))
 
Stell Dir vor, Du hast bei einem Wettbewerb gewonnen. Jeden Morgen stellt Dir die Bank 86.400 € auf Deinem Bankkonto zur Verfügung. Doch dieses Spiel hat gewisse Regeln. Die 1. Regel lautet: „Alles was Du im Laufe des Tages nicht ausgegeben hast, wird Dir wieder weggenommen. Du kannst das Geld nicht einfach auf ein anderes Konto überweisen. Du kannst das Geld nur ausgeben. Aber jeden Morgen, wenn Du aufwachst, stellt Dir die Bank erneut 86.400 € zur Verfügung. Die 2. Regel ist: Die Bank kann das Spiel ohne Vorwarnung beenden, zu jeder Zeit kann sie sagen: Es ist vorbei, das Spiel ist aus. Sie kann das Konto schließen, und Du bekommst kein neues mehr. Was würdest Du tun? Du würdest Dir alles kaufen, was Du möchtest? Nicht nur für Dich selbst, auch für alle anderen Menschen, die Du liebst? In jedem Fall aber würdest Du versuchen, jeden Cent so auszugeben, dass Du ihn bestmöglich nutzt, oder?

Weißt Du, dieses Spiel ist die Realität. Jeder von uns hat so eine Bank. Wir sehen sie nur nicht, denn die Bank ist die Zeit. Jeden Morgen bekommen wir 86.400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt und wenn wir am Abend einschlafen, wird uns die übrige Zeit nicht gut geschrieben. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren. Gestern ist vergangen. Jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen, aber die Bank kann das Konto jederzeit auflösen, ohne Vorwarnung…….Das Spiel des Lebens!

Diese Darstellung ist sehr authentisch und treffend. Was mir immer wieder sagt, aus jedem Tag das Beste rauszuholen, sei er auch noch so vermurkst. Gerade durch Hannes Unfall ist mir das noch viel bewusster geworden. Es gibt ja immer mal wieder solche Momente und seit meiner Krebsdiagnose weiß ich, dass nichts selbstverständlich ist und vieles von eben auf gleich anders oder vorbei sein könnte. Zu wissen das es genau so ist und etwas nachhaltig zu ändern, ist wohl mit das Schwerste. Aber es kann gelingen.


Update:

Vor 2,5 Wochen habe ich nun mit der Immun-Chemotherapie begonnen. Die reine Immuntherapie hatte zwar Erfolg gebracht im Bezug auf die Lungenmetastasen, aber sie hat mich auch im wahrsten Sinne fertig gemacht. Das sich trotz der Immuntherapie ein weiterer Tumor in der noch vorhandenen Niere gebildet hatte, war und ist natürlich für mich weiterhin ein blödes Gefühl. So ganz habe ich das auch noch nicht verdaut. Ich hoffe einfach, dass es nicht noch woanders etwas gibt. Aufgrund meiner körperlichen sehr schlechten Allgemeinsituation und aufgrund der enormen Nebenwirkungen, wurde die Immuntherapie abgesetzt und in eine kombinierte Immun-Chemotherapie umgewandelt. Wie oben erwähnt, war die 1. Verabreichung bereits vor 2,5 Wochen.

Es geht mir seitdem besser. Deutlich besser. Ich durfte am selben Tag, abends noch nach Hause. Die Folgetage waren ok. Es ging mir passabel. Übelkeit und Erbrechen waren in einem tolerierbaren Rahmen. Kein Vergleich zur Immuntherapie. Immer mal Nasenbluten bekomme ich, wenn ich mich etwas mehr anstrenge, aber damit komme ich klar. Das einzige was etwas lästig und unangenehm ist, ich kipp´ immer mal um. Und da kann ich gar nicht viel machen. Das kommt so plötzlich. Mein Blutdruck ist sehr niedrig und das Blutbild sehr schlecht. Gut, der Blutdruck war noch nie sonderlich hoch, aber seit der Chemo, ist er komplett im Keller. Der Puls dazu extrem hoch, so dass ich oft sehr kurzatmig bin. Diese Umkipperei nervt mich extremst, gerade weil es teilweise unberechenbar an manchen Tagen ist. Es ist im Prinzip zwar nicht schlimm und reguliert sich auch wieder schnell, aber trotzdem ist es sehr einschränkend und doof. Ich weiß mir auch grad keinen Rat, wie ich das kontrolliert in den Griff bekommen soll. Daher vermeide ich längeres Stehen. Diese Hitze macht noch ihr übriges dazu. Völlig paradox, wo ich doch mit der Wärme immer gut klar kam und das auch eigentlich mochte. Doch gerade machen mich diese Temperaturen echt fertig.

Das komplette Stillhalten und Nichtstun gelingt mir eher schlecht wie recht. Also ehrlich gesagt, es gelingt mir nicht. Es ist einfach langweilig. Ich kann ja auch schlecht in die Hände klatschen und nach dem Hofnarren verlangen. 😉 „Man bringe mir den Hofnarren, mir ist fad!“ Kein Hofnarr vorhanden, wenn ich ihn mal bräuchte.

Also, ich mache schon Dinge, die ich nicht tun sollte. ;-)

Aber es gibt auch gute Tage, da läuft es fast rund und ich fühle mich bis auf ein paar übliche Zipperlein fast ziemlich normal. Und dann mache ich halt wieder so Dinge, die im Nachhinein zu viel sind. Auch wenn ich das immer alles so schön weiß, dass mir nicht alles immer so gut tut, fühlt es sich in dem Moment einfach gut an.

Nächste Woche habe ich nochmal zwei Tage, an denen ich ein wenig „arbeitstechnisch“ unterwegs bin, so wie gestern und vorgestern auch. ;-) In der Woche darauf sind dann schon wieder vier Wochen rum und die 2. Immun-Chemo steht an. Ich hoffe das es weiterhin nur bei diesen Beschwerden bleibt und sich einiges hoffentlich auch noch bessert. Die erste Immuntherapie im Januar war auch nicht so sehr schlimm. Das kam dann auch erst bei den darauffolgenden. Das ungute Gefühl ist irgendwie immer allgegenwärtig.

Die nächsten Monate wird es nochmal weitergehen mit der Immun-Chemotherapie. Alle vier Wochen gibt es eine Infusion. Eigentlich immer nach drei Wochen, aber da mein Blutbild nicht gut ist und ich mich allgemein noch etwas erholen und körperlich einiges aufholen muss, ist erstmal ein Intervall von 4 Wochen angesetzt. Das ganze Programm gibt es für sechs Therapien. Dann hoffe ich mal das ich bis zum Ende des Jahres endlich ein wenig durchatmen kann.

Ich möchte ihn sehr bald hören, diesen einen aber sehr bedeutenden Satz: „Sie sind nun gesund, Frau Kollegin!“

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