The trouble is, you think you have time!

Vom Doktorkoffer bis zum Doktortitel ^^

„Du kannst keine Seite aus dem Buch Deines Lebens reißen, egal wie sehr Du es auch willst. Aber Du kannst ein neues Kapitel beginnen, wenn Du es willst!“

Schon sehr früh interessierte mich „mehr“ vom Leben, wie nur die „menschliche Hülle“ oder sagen wir es so, mein Interesse an gewissen Funktionsabläufen gewisser Lebewesen war für mich Faszination pur. So wünschte ich mir schon ziemlich früh einen kleinen Arztkoffer. Die tollen Mädchenspielsachen, wie Puppenwagen, Barbie und Co. schaute ich eher mit verächtlichen Blicken an, anstatt damit auch nur annähernd zu spielen. Niemals im Leben wäre ich auch nur auf die Idee gekommen mit einem Puppenwagen irgendwo rumzulaufen und das Vater-, Mutter-, Kindspiel, welches einige meiner Freundinnen praktizierten, fand ich schon immer ziemlich dämlich.

Wenn meine Freundin mittags mit ihrem ganzen Barbiekram bei mir auflief, um mich in die Welt von Barbie, Ken und Co zu entführen, war ich schlichtweg überfordert. In solch´ eine Welt konnte ich mich definitiv noch nie reinversetzen und Puppen, welche nicht mal annähernd wie Menschen aussahen, fiktiv zum Leben zu erwecken, nee, nee, nee….. So fand ich es dann gut, meine ganzen Puppensachen meiner Freundin zu vermachen und meine Mutter schaute nicht schlecht, als diese dann einiges von meinen Sachen abtransportierte. Aber geschenkt ist ja schließlich geschenkt. 😉 Weihnachten 1979 war es dann endlich so weit, ich bekam meinen langersehnten Arztkoffer. Aber irgendwie war genau der, dann auch wieder total blöd. Mit diesem Plastikkram konnte man ja auch nicht mal so wirklich operieren. Anfangs musste natürlich immer mein Bruder herhalten. Sei es, dass er einige Tage mit einem hochprofessionellen Kopfverband oder einer Beinschiene rumlaufen musste, irgendwie hat er es immer tapfer über sich ergehen lassen. Quasi nach dem Motto: „Geheult wird erst wenn es stark blutet oder komisch weg steht!“ Mir ist klar, er hat mich schon als kleines Mädchen ziemlich geliebt…… Aber im Gegenzug habe ich dann auch mal Vater, Mutter, Kind mit ihm gespielt, er war schon immer eher der Familientyp. 😉 Er fehlt mir wahnsinnig.

Einige Jahre später im Winter, Anfang der 80er Jahre, waren wir Schlitten fahren. So einfach den Berg herunter rodeln wäre ja auch zu einfach und langweilig gewesen, daher bauten wir, natürlich unter meiner architektonischen Anleitung eine Sprungschanze. Soweit so gut. Das, das natürlich schiefgehen musste, war eigentlich direkt beim Bauen schon klar. Aber der Spaß liegt ja bekanntlich im Unberechenbaren. Als wir dann unser Bauwerk gemeinsam auf einem Schlitten ausprobierten, krachte dieses natürlich irgendwie weg und wir flogen ziemlich weit in der Gegend herum. Außer ein paar blaue Flecken und einer Platzwunde über der Augenbraue, war mir nichts weiter passiert, nur mein Bruder hatte sich das rechte Waden- und Schienbein gebrochen und der Unterschenkel stand in der Tat, recht komisch weg. Somit hatte er auch das Freilos heulen zu dürfen. 😉

Zu dieser Zeit gab es natürlich noch keine Handys und wir waren ja irgendwo im Wald an so einem kleinen steilen Berghang und um dahin zu kommen doch einiges gelaufen. Also irgendwie musste ich ja nun meinen verletzten Bruder nach Hause bekommen, was natürlich für mich ziemlich schwierig war, zumal der doch ziemlich am jammern war und dann vor Schmerzen auch noch anfing zu kotzen. Irgendwie schaffte ich es dann, ihn mit allen Mitteln auf einen der Schlitten zu wuchten und versuchte natürlich noch ganz fachmännisch das Bein irgendwie zu stabilisieren. Ich hatte ja ausgeprägte Doktorkofferkenntnisse und unserem Opa immer mal in der Praxis zugeschaut, also die perfekten Voraussetzungen, eine Operation gleich im freien Feld ausführen zu können. 😉 Das wollte dann mein Bruder aber doch nicht. Das zum Thema „Vertrauen“ *lach. Mit einem Stock und meinem Schal versuchte ich dann da irgendwie was zu retten und zu stabilisieren, was natürlich, wenn ich ehrlich bin, eher schlecht wie recht war. Aber gut, irgendwie musste ich ja den Verletzten nach Hause bekommen, bevor es dunkel wurde und wir irgendwo im Wald erfrieren würden.

Auch wenn ich sicherlich von uns beiden die robustere war, war mir mein Bruder immer körperlich überlegen und immer gut einen Kopf größer. Tja, da haben die paar Minuten älter sein, mir auch wenig geholfen. Jedenfalls habe ich ihn dann auf dem Schlitten irgendwie in Richtung „nach Hause“ gezerrt. Zerren ist wohl der richtige Ausdruck. Unzählige Male haben wir uns in irgendeinem Schneehaufen festgefahren und ich musste ihn irgendwie wieder rausbuddeln. Irgendwann war dann mein Bruder nur noch am rummeckern….“sei vorsichtiger, es ruckelt so, du bist so brutal, kannst du nicht besser aufpassen“…mecker, mecker, mecker….bis ich ihm dann angedroht habe, ihn einfach irgendwo auf seinem Schlitten stehen zu lassen……dann ging´s…..ich will es so sagen, mein Bruder kannte mich besser wie kein anderer…😉 Und die Gefahr, dass ich das in die Tat umsetze, schätzte er wohl richtig und als gut möglich ein! Irgendwann kamen wir dann aber doch zu Hause an.

Der Empfang war natürlich nicht so herzlich. Zumal wir beide aussahen wie frisch aus dem Krieg nach Hause gekommen. Mein Bruder wie ein Häufchen Elend auf seinem Schlitten mit einem schiefen abstehenden Unterschenkel, natürlich ganz fachmännisch geschient und etwas vollgekotzt und ich total Blut verschmiert. So eine Platzwunde blutet meistens ziemlich stark, dementsprechend sah ich dann natürlich auch aus. Meine Klamotten dazu ziemlich zerfetzt. Also Ronja Räubertochter, habe ich an diesem Tag wieder alle Ehre gemacht. Unsere Mutter ist dann nur noch ins Haus geflüchtet mit dem Satz, „diese Kinder bringen mich noch ins Grab“ und hat die Sache unserem Vater übergeben. Mit Augen zu und durch, hat er sich dann der Sache angenommen.

Eine Stunde später saßen wir dann in der Notaufnahme, die kannten uns da ja schon ganz gut. Mein Bruder wurde am späten Abend noch operiert und meine Platzwunde wurde dann auch noch fachmännisch mit vier Stichen „ohne“ Betäubung genäht. Mit Spritzen stand ich immer schon etwas auf Kriegsfuss. Mag komisch klingen, bei anderen habe ich da natürlich keine Probleme, aber an mir selbst muss das nicht so unbedingt sein. 😉 Aber mittlerweile habe ich mich sogar schon fast daran gewöhnt, bleibt mir ja auch grad nichts anderes übrig.

Im Sommer war ich dann immer mit meinem Doktorkoffer unterwegs und habe geschaut, wer oder was evtl. gerade so meine Hilfe brauchte. Meistens habe ich das dann natürlich selbst entschieden, wer meine Hilfe jetzt unbedingt benötigte. So lief dann mal einer unserer Esel oder auch einige Schafe mit Beinverbänden herum und die Angestellten am Hof (also ein Hofgut mit Landwirtschaft, Gestüt und vielen Ställen) wunderten sich anfangs, weil sie gar nicht mitbekommen hatten, dass der Tierarzt wohl dagewesen war. Naja, irgendwann sprach es sich dann rum, dass die Tochter der Herrschaften sich immer mal potenzielle Patienten suchte, denn die Menschen in meinem Umfeld, hatten da irgendwann keine Lust mehr drauf. Aber auch das war irgendwann einfach nur noch langweilig.

So hieß es, neue Forschungsprojekte und -objekte suchen. Natürlich ging das alles auch nicht mit meinen Plastikpinzetten, Scheren und Skalpellen, sondern da musste ja schon irgendwie vernünftiges Werkzeug her. Also schwätzte ich meinem Opa die ausrangierten Instrumente ab. Mit den Skalpellen tat er sich allerdings etwas schwer. In freier Wildbahn fand sich immer mal irgendetwas was meiner „Hilfe“ bedurfte, sei es der Vogel mit dem gebrochenen Flügel, den ich irgendwie versorgte und aufpäppelte und der es sogar wieder schaffte zu fliegen, oder der angefahrene Maulwurf, der es dann leider nicht mehr schaffte. Alle Versuche den Maulwurf zu reanimieren schlugen leider fehl. Was wohl daran gelegen haben könnte, dass er wohl schon längere Zeit einfach tot war. 😉

Auch zu dieser Zeit, war ich schon in der Geburtshilfe immer mal sehr aktiv. So war ich ziemlich oft Geburtshelferin bei den Hasenkindern oder auch bei den Lämmchen. Wenn es bei den Pferden oder Eseln Nachwuchs gab, war ich meisten so lange dabei, bis die Fohlen dann endlich da waren. Das dauerte manchmal schon so ein paar Tage. Im Stall schlafen wurde von meinen Großeltern immer nicht so gern gesehen, aber hin und wieder schaffte ich es dann doch mich abends nochmal raus zu schleichen, um dann die Nacht im Stall bei den Tieren zu schlafen. Und so war ich ganz oft bei den Niederkünften dabei. Immer wieder ein schönes Erlebnis.

Die Autopsien an verstorbenen Mäusen, welche ich manchmal in meinem Kinderzimmer durchführte, fand meine Mutter ziemlich schrecklich und sie schleppte mich zu einer Kinderpsychologin, die dann aber nach ein paar „Gesprächen“ feststellte…..ganz normales Kind mit sehr viel Neugier auf die Welt! Tja, wer hätte das gedacht. Nichts mit Frankensteins Tochter! 😉 Ich weiß nicht was meine Mutter erwartet hatte, aber so musste sie halt immer mal meine gerichtsmedizinischen Fähigkeiten, auf der Spur nach Todesursachen bei bereits verstorbenen Mäusen, Fledermäusen und Vögeln, aushalten.

Als ich dann auf das katholische Mädchengymnasium kam, waren solche Dinge leider nicht mehr möglich, die Interessen veränderten sich mit heranschreiten des Erwachsenwerdens. Allerdings war meine Begeisterung rund um die Medizin weiterhin gegeben. Sport, Latein, Biologie und Physik waren so meine Steckenpferde und mein Einfallsreichtum selbst noch in den höheren Klassen ziemlich gut. Allerdings nicht immer gut für Andere!

Schon während der Oberstufe wurde ich immer mal darauf hingewiesen, dass ja wohl ein Jurastudium so das Maß aller Dinge wäre. Und genau das prima in die Gesellschaft passen würde. Obwohl ja unser Opa selber Mediziner ist, wurde es zu dieser Zeit nicht für ganz so nötig empfunden, dass die Nachkommen in die Fußstapfen traten. Sehen die heute irgendwie so ganz plötzlich anders. 😉

Bei meinem Bruder war die Entscheidung Arzt zu werden irgendwie kein Problem und fand auch gleich absolute Anerkennung. Als ich mich äußerte ebenfalls Medizin studieren zu wollen, hielt sich die Begeisterung ziemlich in Grenzen. Nach dem Abitur entschied ich mich, erstmal eine dreijährige Ausbildung zu machen, um eben davon während eines Studiums profitieren zu können. Das wurde allerdings mit sehr argwöhnischen Blicken begleitet. Aber viel machen konnten sie ja im Endeffekt nicht mehr.

Mein Medizinstudium begann ich dann zum Sommersemester 1996. Auch da merkte ich für mich selbst, dass das genau meine „Berufung“ war. Das ich nicht nur Allgemeinmedizinerin bleiben wollte, war mir schon ziemlich am Anfang klar, welcher Fachbereich es dann letztendlich werden sollte, ergab sich dann erst etwas später. In Frage kam die Pathologie oder eben die Gynäkologie. Beides Fachbereiche, die für mich bis heute hochinteressant sind. Ein Semester absolvierte ich an der freien Universität in Berlin und war somit auch oft in der Charité. Eine sehr gute Erfahrung. Dort konnte ich nochmal gute Einblicke in die Grundsteine der Medizin á la Flemming und Behring erwerben und machte dort auch Erfahrungen im Streetworkerbereich. Das war eine große Bereicherung, die mir auch zeigte, wie schön doch meine Kindheit eigentlich war. In späteren Jahren war ich nochmal ein paar Monate an der Charité in Berlin und arbeitete dort auf der Gynäkologie. Im Vergleich zu der Klinik, in der ich die letzten Jahre arbeitete, überwältigend.

Zwischenzeitlich kam meine Tochter auf die Welt, was kurzfristig zum Aussetzen eines Semesters führte, aber das war nicht weiter schlimm. Leichter wurde es nicht gerade mit einem Baby, aber auch das war irgendwie zu schaffen, zumal meine Tochter relativ pflegeleicht war. Der Vater dazu ja nicht so ganz, was alles natürlich etwas verkomplizierte.

Zum Glück gab es an der Uni eine Kinderbetreuung, welche es mir dann möglich machte, mein Studium wieder relativ schnell aufzunehmen und auch zum Ende zu bringen. Mit dem Doktortitel tat ich mir erst etwas schwer, da ich eigentlich die Meinung vertrat, dass es diesen nicht unbedingt benötigt, um eine gute Ärztin zu sein. Es ist eben nur ein Titel! Und da mein Name im vollen Umfang ja eh schon lang genug ist (er besteht jetzt mit Doktortitel aus „12“ Wortteilen ), wollte ich das eigentlich nicht noch unnötig ausweiten.

Wenn ich einen neuen Pass beantrage, bekommen die an der Stadtverwaltung immer schon die Krise. Ich dann gleich mit. 😉 Also rein die Option des Heiratens wegen der Namensänderung, um evtl. dann einen vernünftigen kurzen Namen zu erhalten, bekommt bei mir da gerade schon einen ganz anderen Stellenwert. Vielleicht sollte ich die Sache doch nochmal diesbzgl. überdenken *lach

Nachdem ich dann promoviert hatte, war zumindest die Familie zufrieden und naja, im Endeffekt hat es das Studium schon auch komplettiert. Also alles in allem, war es dann gar nicht so schlimm. Und ich denke, es war richtig so.

Und irgendwie ist es ja ein Wahnsinn an sich überhaupt, dass man nach dem 2. Staatsexamen Arzt ist und somit auch auf die Menschheit losgelassen wird. Aber leider kann man da noch nicht wirklich viel. Eigentlich kann man im praktischen Sinne, gar nichts. Die richtige Ausbildung beginnt, wenn man ehrlich ist, während der Assistenzarztzeit, und wer mal die Möglichkeit haben sollte, im Sinne eines Krankenhausaufenthaltes an einen Assistenzarzt zu geraten, Vorsicht, dass sind die Lehrlinge, die können erstmal nichts. Ich find´s ehrlich gesagt etwas gewagt, da schon gleich so mir nichts dir nichts auf die Menschen losgelassen zu werden, aber so sind eben die Vorgaben.

Mit der Zeit kommt man dann den praktischen Erfahrungen immer näher und die erste Zeit im Op. ist schon hart, für alle Beteiligten. Es ist schon ein großer Unterschied, ob ich an einem Präparat an der Uni herumschnippele, in der Pathologie an einer Leiche oder eben an einem lebenden Patienten, der auch gerne noch etwas weiterleben möchte. Es kostet erstmal eine enorme Überwindung ein Skalpell anzusetzen und zu wissen, dafür bist jetzt du verantwortlich. Meine obduzierten Mäuse und Vögel haben es mir nicht so übel genommen, wenn ein Schnitt mal schepp war.

Aber mit der Zeit, klappte das ganz gut und gehörte dann eben auch zur Routine. Ich entschied mich dann für den Fachbereich Gynäkologie. Die Pathologie hatte und hat auch noch heute ihren Reiz, aber letztendlich war es mir in den Katakomben der Kliniken immer etwas zu kalt und irgendwie fehlte mir da doch die Arzt-, Patientenbeziehung. Zumal ich mich auch gerne mit meinen Patienten unterhalte.😉

Unter einigen Schwierigkeiten, schloss ich dann auch meine Facharztausbildung zur Gynäkologin ab und arbeitete seitdem in einem Klinikum in Unterfranken. Ich habe bewusst eine Klinik gewählt, die etwas entfernt von meinem Heimatort liegt. Gerade eben um der Beweihräucherung durch meinen Familiennamen zu entkommen. Das wäre vor Ort schwierig geworden. Da habe ich auch eine recht gute Wahl getroffen.

Mein Fachgebiet der Gynäkologie baute ich mit einigen Zusatzbereichen der Reproduktionsmedizin, wie auch der Gewaltprävention aus. Gerade die Gewaltprävention war und ist für mich ein wichtiges Thema und ich glaube, man kann sich, gerade wenn man selbst das eine oder andere erlebt hat, bestens in gewisse Bereiche reinversetzen. Vielleicht schreibe ich demnächst nochmal gezielt etwas zur Gewaltprävention, dass ist nämlich ein sehr umfangreiches Thema. Gerade was meine Funktion in diesem Bereich betrifft.

Meine Arbeit an dieser Klinik endet nun am 31.03.2017 nach einigen sehr schönen Jahren. Eine Entscheidung, welche ich für mich getroffen habe. In Hinsicht auf meine momentane Gesundheit und in Hinsicht auf Pläne in naher Zukunft. Zum Sommersemester 2017 bin ich ja nun als Dozentin an einer Universität eingestellt. Nach Ostern geht es los und ich hoffe, dass ich allem auch gleich durch meinen gesundheitlichen Aspekt gerecht werden kann. Ob das letztendlich für mich eine Option ist, mit der ich vorerst klar komme, wird sich zeigen. Ich schätze schon, dass mir das richtige „Arzt sein“ fehlen wird. Aber das wird sich zeigen. Jetzt muss ich einfach erstmal nur Gesund werden und dann wird sich die nächste Tür öffnen. So hoffe ich doch!  

Manche Dinge sind einfach seltsam im Leben. Ich denke schon ganz oft, dass das Schicksal schon gewaltig seine Hand im Spiel hat. Hätte man dies oder das nicht begonnen etc., wäre dies oder das nicht geschehen usw. Weil manchmal unbewusst, dass Eine am anderen hängt. Und warum man gerade in dem Moment genau das macht, weil dann genau etwas Neues auf einen zu kommt, das wird wohl für alle Zeiten ein Rätsel bleiben. C´est la vie!

Bis dahin, Marie

10 Kommentare 23.3.17 16:46, kommentieren

Reflektion....To be or not to be

„Sometimes things have to go very wrong, before they can be right.“

Übersichtshalber antworte ich jetzt mal in einem neuen Beitrag. Ich versuche auch ein paar Absätze einzuhalten ;-)) Zu meiner Verteidigung, ich schreibe immer oder meistens im „Word“ vor und kopiere es mir dann in den Blog. Leider setzt dieser meine Absätze nie um und klumpt das dann immer in einen einzigen Textfluss zusammen. Ich gehe dann nochmal grob durch und versuche einige Absätze zu retten, naja, dass gelingt dann mehr oder weniger. Aber Ihr schafft es ja trotzdem bis zum Ende zu lesen. Ich bin stolz auf Euch ;-))

Zum Schicksal, also, ich glaube nicht, dass sich das „Schicksal“ bei mir mehr verabredet hat, wie bei anderen. Das scheint wohl nur so. Man darf nicht vergessen, dass was ich hier schreibe, sind einzelne Zeitspannen, die teilweise sehr lange auseinander liegen. Es sind bestimmte Punkte in meinem Leben, die „besonders“ waren und die ich durch mein Schreiben einfach nochmal hervorhole.

Z. B. das was mir vor 10 Jahren passiert ist, war schlimm, hatte nachhaltige Folgen, aber es ist vorbei. Damit kommt man klar, auch wenn man da schon noch oft dran denkt. Das Leben geht eben weiter und es kommt eben auch immer darauf an, wie man selbst damit umgeht oder umgehen möchte und ob man solchen Ereignissen das Recht einräumt über das künftige Leben bestimmen zu dürfen. Und da gab und gibt es auch heute für mich nur eine akzeptable Antwort: „NEIN“. Ich habe da schon eine ganze Weile daran geknabbert, aber was mir gerade da geholfen hat, war meine Tochter und dann eben einige Monate später die Musik. Das war meine Heilung für meine Seele und die Zeit in Eisenach war dazu genau das Richtige. Ich glaube auch nicht, dass das ein Verdrängen ist und bin mir eigentlich sicher, dass ich für mich einen guten Weg gefunden habe. Ob ich das hätte alles so verschweigen sollen, um eben gewisse Menschen zu schützen, im Endeffekt sogar meine Familie, da bin ich mir bis heute nicht ganz sicher. Wenn ich Patientinnen vor mir habe, denen ähnliches passiert ist, bin ich nicht Diejenige die rät, behalten Sie das für sich……..aber eigene Erfahrungen sind eben manchmal anders und die Umstände waren eben auch speziell. Ich habe mir auch lange überlegt, ob ich das überhaupt schreibe, aber andererseits denke ich, warum nicht, es gehört zu mir. Wer das nicht lesen möchte, der braucht ja einzelne Beiträge nicht lesen. Das basiert ja immer auf Freiwilligkeit. In gewissen Dingen bin ich bewusst nicht ins Detail gegangen, weil ich das einfach für mich nicht wollte. Da mag sich jetzt jeder denken was er möchte.

Und gerade da ich schon wirklich sehr vieles gehört und gesehen habe, gerade in beruflicher Sicht, wage ich es zu behaupten, es gibt sehr viele, die es viel viel schlimmer erwischt haben. Ganz sicher! Im Großen und Ganzen war mein Leben nicht schlecht. Also ich denke ziemlich weit weg von schlecht. Meine Kindheit war schön, aufregend, chaotisch, aber doch auch liebevoll. Meine Welt eben. Meine Mutter hatte es ja auch nicht so wirklich leicht. Mit 17 Jahren Mutter zu werden und dann noch gleich Zwillinge, da hat sie bis heute meinen größten Respekt. Wie sich so alles entwickelt hat und wie sie ihre Mutterliebe umgesetzt hat, nun gut, dass ist eine andere Sache. Und es gibt auch Zeiten, da klappt es ganz gut zwischen uns. Meine Familie ist wie sie ist, diese werde ich wohl nicht mehr ändern. Jeglicher Versuch ist gescheitert, meinen Standpunkt zu erklären und darum zu bitten einfach das nötige Verständnis aufzubringen und mich und meinen Weg so zu akzeptieren. Da hilft dann einfach nur, „Leben und leben lassen“. Alles andere macht einen nur kaputt. Und genau das ist es ja, wovor ich mich wirklich selbst bewahre und ich glaube schon, dass ich das ziemlich erfolgreich geschafft habe bisher. Auch wenn es immer mal brenzlig zu geht mit den „Ahnen“. ;-)) Aber ich glaube ich habe diesen Verein besser im Griff wie die mich!! Ich lasse das aber auch einfach nicht so nah an mich ran und mache mir aus immer mal wiederkehrenden familiären Attacken, dann so meinen Spaß. Gelingt nicht immer, aber doch meistens. Gerade nach dem Tod von meinem Bruder, da hatte ich schon so meinen Kampf das zu ertragen, denn da war ich selbst sehr empfindsam und die Schmerzgrenze lag da einfach sehr tief. Mittlerweile komme ich da wieder besser mit zurecht. Und kann dem Ganzen wieder wunderbar Stand halten.

Die Geschichten aus meinem Leben, die ich immer mal wieder erzähle und ich schätze, es werden noch ein paar hinzukommen, hören sich für den, der es liest wohl manchmal sehr extrem an. Ich glaube, teilweise war auch so einiges extrem. Aber so war es halt und ich schreibe es ja auch aus „meiner Sicht“ bzw. aus „meinen Gedanken und Empfindungen“ heraus. Und das ich nicht das „Lieschen Müller“ von nebenan bin, dass immer zu allem Ja und Armen gesagt hat und das ganz sicher auch weiterhin nicht tun wird, ich glaube, das habt Ihr schon bemerkt. ;-)) Und ich glaube auch, genau das macht mich eben aus. Genau das bin ich und werde ich auch bleiben! Und eben genau das hat mir geholfen, mit gewissen Schicksalen umgehen zu können.

Egal ob es das vor 10 Jahren war oder eben jetzt der Tod meines Bruders bzw. meine Krebserkrankung. Dazwischen war es doch ganz schön, nein nicht ganz schön, es war schön. Nicht immer einfach, aber doch grundlegend schön. Und es wird auch weiterhin schön sein. Im Moment teilweise nicht so, aber so dazwischen immer mal wieder, bis es eben wieder nur noch schön ist. Ihr könnt mir folgen??

Also, ich hätte mich auch kurz fassen können, in dem ich einfach gesagt hätte: „Jeder hat ein gewisses Schicksal zu tragen, egal in welcher Form es sich zeigen mag! Die wenigsten erzählen davon. Und ich bin überzeugt, ganz viele haben viel mehr auszuhalten, wie ich jemals ausgehalten habe und noch aushalten muss. Ich für mich, sehe mein Leben trotz einiger Schicksalsschläge, als relativ gelungen und doch auch glücklich an. Was kommt, wird kommen, da sind wir eben alle machtlos! Aber hoffen wir das Beste!

„To be or not to be, that is the question……“ und es gibt nur eine Antwort!!!

Bis dahin, Marie

(ich hoffe ich bekomme jetzt auch mal ein Lob für meine Absätze…..also, ich habe mir schon Mühe gegeben )

11 Kommentare 21.3.17 14:02, kommentieren